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Die langen Schatten der Affäre

Shediagast

Eigentlich dachte ich, ich wäre drüber weg, wir wären drüber weg. Es wäre höchste Zeit, nach 3 langen schmerzvollen Jahren. Und die meiste Zeit geht's uns auch gut. Mein Mann und ich, wir scheinen es geschafft zu haben, unsere Ehe zu retten. Aber ab und zu sind sie wieder da, die langen Schatten meiner Affäre.

Die Einzelheiten will ich gar nicht wiederholen. Nur so viel. ich war damals nach dem traumatischen Sterben und Tod meiner Eltern in einer tiefen Krise. Ich versuchte aber der Depression und Trauer zu entkommen, indem ich mich beruflich neu orientierte. Und dann traf ich IHN. ER schien mein Traummann zu sein. Mein Seelenverwandter. Aber ER entpuppte sich als Albtraum. Ich schlitterte in eine tiefe Ehekrise und trennte mich. Aber ER entschied sich gegen mich. ER hatte die ganze Zeit über eine andere Frau im Herzen. Völlig verzweifelt gab ich die neue Stelle wieder auf und kehrte nach Hause zurück.

Heute weiß ich viel über die Umstände, die zu dieser Katastrophe geführt haben. Mein Mann hat mir vergeben. Ich habe mir selbst vergeben und doch ist nichts mehr, wie vorher. Wer Schuld hatte? Na, ich in erster Linie selbst. Meine Biographie, mein Mann, das Schicksal. Keine Ahnung. Alles irgendwie ein bisschen. Darum geht's aber gar nicht.

Ich will endlich wieder Leben. Ich will Freude spüren, denn dazu hätte ich allen Grund. Ich will Nähe zulassen, Hoffnung haben, Liebe spüren. Ich weiß, ich brauche Ruhe, ganz dringend! Ich brauche neue Kraft. Mein Akku ist komplett leer. Ich bin leer!

Woher kommt endlich neues Leben, neue Hoffnung? Und kommt mir bloß nicht mit Gott. Ich habe meinen Glauben verloren. ER war tief gläubiger Katholik. Und ER hat mir die schlimmsten Verletzungen meines Lebens zugefügt. Gott kann mich mal.

Shedia

04.02.2019 13:47 • x 2 #1


Kummerkasten007


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Zitat von Shediagast:
Aber ab und zu sind sie wieder da, die langen Schatten meiner Affäre.


Kannst Du festhalten, wann diese kommen? Wenn Du unzufrieden bist? Dich alleine fühlst? Überfordert oder gestresst?

Ich denke, es gibt da noch einen Trigger, den Du nicht "bearbeitet" hast, sonst wären die Schatten längst verflogen.

04.02.2019 13:50 • #2


Liessa

Liessa


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Ich frage mich ganz ehrlich, was bringt dir das, dauernd hier zu schreiben. Bislang wohl nicht viel. Möchtest du, dass sich etwas ändert, musst du etwas ändern. Zur Not musst du stationär gehen, wenn du keine Geduld hast, bis die Therapie greift.

04.02.2019 13:51 • x 5 #3


Kummerkasten007


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Zitat von Liessa:
was bringt dir das, dauernd hier zu schreiben


Ähm, hab ich da was verpasst? Kannst Du mir bitte auf die Sprünge helfen?

04.02.2019 13:52 • #4


E-Claire

E-Claire


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Hallo Shedia,

willkommen mal wieder hier.

Kannst Du vielleicht mal ein bißchen konkreter formulieren, was Du meinst?

Wie du ja weißt, gehören Stimmungsschwankungen dazu und bei Dir sicher auch noch mal in anderem Ausmaß. Wie geht es denn mit den anderen Projekten voran? Was macht die Therapie und das Projekt gesünder leben?

Hast Du eine Vorstellung, warum genau Dich das Gefühl der Hoffnungslosigkeit mal wieder befällt?

Alles Gute für Dich.

04.02.2019 13:53 • x 2 #5


Galerien-Gast


Liebe Shediagast,
kenne deinen Beitrag aus dem anderen Strang von Barnylilly.

Es ist schwer zu sagen, wann des neue Leben mit der Lebensfreude zurückkommt.

Ich versuche erst seit 7 Wochen dieses wieder zu finden, und es gelingt mir nicht bei weitem. Ich habe es mit Sport versucht, war Joggen bis mit die Luft wegblieb, versuche mich abzulenken... in der Woche gelingt es mir, an den WE falle ich jedes mal regelmäßig ein ein Loch. Da herausgekrabbelt, ist schon wieder WE ... ein einziger Kreislauf gerade.

Ich lenke mich ab, lese viel, gehe mit meinem Mann ins Kino oder auf Konzerte, trotzdem ... es gelingt mir nicht, IHN zu vergessen, weil ich es im innersten nicht möchte - das habe ich nun mittlerweile festgestellt und nicht loslassen kann.

Auch ich suche meine Lebensfreude, es tut mir leid, dass ich dir keinen wertvollen Tipps geben kann. Ich hoffe auf den abgedroschenen Spruch, die Zeil heilt alle Wunden, aber leider funktioniert das nicht....

Alles Gute für dich !

04.02.2019 13:58 • x 2 #6


KPeter


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Zitat:
>>Eigentlich dachte ich, ich wäre drüber weg, wir wären drüber weg. Es wäre höchste Zeit, nach 3 langen schmerzvollen Jahren. Und die meiste Zeit geht's uns auch gut. Mein Mann und ich, wir scheinen es geschafft zu haben, unsere Ehe zu retten. Aber ab und zu sind sie wieder da, die langen Schatten meiner Affäre.<<

Na klar, warum auch nicht. Sie gehören dazu, diese Schatten. Sie gehören zum Neuanfang, denn es ist ja eine neue Beziehung, die ihr da führt, nachdem dein Mann auf dich gewartet hat. sie ist anders als vorher, und das ist gut so.
3 Jahre sind aber wirklich sehr lang. Ich kenne deine anderen Beiträge nicht (die es zu geben scheint). Warum hat es so lange gedauert?
Zitat:
>>Mein Mann hat mir vergeben. Ich habe mir selbst vergeben und doch ist nichts mehr, wie vorher. Wer Schuld hatte? Na, ich in erster Linie selbst. Meine Biographie, mein Mann, das Schicksal. Keine Ahnung. Alles irgendwie ein bisschen. Darum geht's aber gar nicht.<<

Möglicherweise aber doch. Denn so lange du nach Schuld und einem Schuldigen sucht oder jemand anderer das tut kommst du nicht zur Ruhe. Ich rate dazu, das Wort Schuld aus der gesamten Beziehungsproblematik herauszunehmen, ganz weg damit. Man kann es dann teilweise durch Ursachen ersetzen (was das VORHER angeht) und teilweise durch Verantwortung (was das NACHHER angeht).

Zitat:
>>Ich will endlich wieder Leben. Ich will Freude spüren, denn dazu hätte ich allen Grund. Ich will Nähe zulassen, Hoffnung haben, Liebe spüren. <<

Wer oder was hindert dich daran? Du selber? Lebst du zu sehr in der Vergangenheit? Bist du immer noch auf der Suche nach Schuld oder Ursachen? Wer hindert dich daran, dieses Kapitel deines Lebens zu schließen, damit abzuschließen, es anzunehmen und JA dazu zu sagen?
Zitat:
>>Ich weiß, ich brauche Ruhe, ganz dringend! Ich brauche neue Kraft. Mein Akku ist komplett leer. Ich bin leer!<<

Dann sagst du möglicherweise zu oft NEIN und zu wenig JA zu dem, was deinen Status Quo ausmacht.
Zitat:
>>Woher kommt endlich neues Leben, neue Hoffnung?<<

Aus dem, was du annehmen kannst in deinem neuen Leben. Nicht aus dem, was du ablehnst und zu dem du NEIN sagst. Aber ich weiß zu wenig, um konkret Rat geben zu können.

04.02.2019 14:09 • x 3 #7


Mairenn

Mairenn


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Zitat von Shediagast:
Gott kann mich mal
hei hei ... sooo nicht
Gott hat viel zu tun, mach ihn nicht für alles Unglück und jeden Mistkerl auf Erden verantwortlich, ja ?!
Zitat von Shediagast:
Ich will Freude spüren, denn dazu hätte ich allen Grund.
- na wunderbar! Und wem sagst du danke dafür? dem Teufel?

Ok...ich mag nicht klugsch.n
das was du da erzählst, lässt mich vermuten, dass du so manches gemacht hast, bist dann reumütig zurück und wurdest "empfangen". Dir wurde vergeben, du wurdest getröstet, Tür stand offen
Jetzt stehst du da, schön aufgefangen mit festen Boden unter den Füssen und wieder weißt du es nicht zu würdigen...schon wieder spürst du nicht das Gefühl der Freude, Dankbarkeit, Genügsamkeit ... da ist bloß lehre in dir und du leidest

Verstehe mich bitte nicht falsch - ich schimpfe nicht mit dir oder verurteile dich - ich versuche bloß dir etwas aufzuzeigen, was mir grade auffällt.

Ich denke, du hast nichts falsch gemacht. Und du wärst vielleicht auch ohne Trauer um dein Verlust in die Affäre geschlittert...
Trotzdem hast du nichts falsch gemacht bzw. alles was du gemacht hast, war für den gegebenen Zeitpunkt genau das richtige für dich. Unser Leben ist eine lange (manchmal kurze) Reise voller Erfahrungen. Verlust, Liebe, Enttäuschung, Freude und Trauer - das erfahren wir während dieser Reise. Das ist normal, was auch normal heißen mag, aber das alles gehört zum Leben.

Woher endlich neues Leben, neue Hoffnung kommt? - die hast du bereits! Du bist mitten drin, nur spürst und siehst du es (noch) nicht.
Lass einfach los. Hör auf zu warten, zu kämpfen und zu leiden. Hör auf zu suchen und du wirst es finden. Mein Wort drauf!

ach ja... ich mag in der Regel keine kitschige Pauschalaussagen aber hier mal was nettes für dich:
Jede Minute verlässt jemand diese Welt.
Das Alter hat damit nichts zu tun.
Wir sind alle in dieser Linie, ohne es zu merken.
Wir wissen nie, wie viele Menschen vor uns sind.
Wir können nicht nach hinten gehen.
Wir können nicht aus der Linie heraustreten.
Wir können die Linie nicht vermeiden.

Also während wir in der Schlange warten -

Genieße jeden Moment.
Mach den ersten Schritt.
Setze Prioritäten
Nimm dir Zeit.
Mach andere Glücklich.
Mach kleine Dinge groß.
Lass jemanden lächeln.
Liebe soviel wie es geht.
Halte Frieden.
Sag deiner Familie wie sehr du sie Liebst.
Bereue nichts

Lebe dein Leben <3

Alles Liebe

04.02.2019 14:12 • x 7 #8


Shediagast


Hallo ihr Lieben! Danke für eure Antworten. Heute geht es mir wieder besser. Diese Stimmungsschwankungen und die Ausrutscher nach unten sind echt schlimm.

Trigger dafür gibt es offenbar noch zu viele. Diesmal war es so, dass mein Mann an Grippe erkrankte. Er ist dann so elend wehleidig. Das ist kaum zum Aushalten. Und irgendwie sehe ich ihn dann durch die Brille meines verstorbenen Vaters als Versager und Taugenichts. Dann fühle ich mich wieder so einsam und alleine.

Und dann ist da plötzlich wieder die Sehnsucht nach dem AM. Obwohl ich doch weiß dass dieser Mann ein Trugbild war und so nie existiert hat. Ich bin seinen Lügen aufgesessen. Er war ein schöner Schein. Sonst nichts.

Diese Affäre war ein Abgrund. Und irgendwie zieht es mich immer wieder an die Abbruchkante.

Wann hört das endlich auf?

05.02.2019 11:24 • #9


Wurstmopped

Wurstmopped


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...ich frage mich wie Du eine aufrichtige Beziehung mit Deinem Mann führen kannst, ihn lieben und begehren, wenn du deinem AM immer wieder eintritt gewährst? ...ich denke, wie es sich auch in dem geschilderten Beispiel wiederspiegelt, bist Du nie wieder ganz in die Beziehung zu deinem Mann zurück. Deinen Mann als "Versager" zu sehen, auch wenn durch eine Brille, zeigt, dass Du ihn nicht respektierst so wie er ist und ihn so liebst!
Deine Einsamkeit, ist Dein Problem, Ursachen in der Kindheit? ...die Aufwertung die der AM gegeben hat, wie soll Dir Dein Mann die geben, wenn Du ihn selbst so wenig wertschätzt, respektierst so wie er ist und ihn auch deswegen liebst! Wie kommt Dein Mann damit zurecht, reicht ihm das? ..und auf Dauer, kann er damit leben?

Warum hast Du dich nicht getrennt, für Dich ne Chance alles komplett aufzuarbeiten und für Deinen Mann die Chance auf einen Partner der ihn annimmt und liebt wie er ist?!?

05.02.2019 11:42 • x 4 #10


KPeter


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Zitat:
>>Trigger dafür gibt es offenbar noch zu viele. Diesmal war es so, dass mein Mann an Grippe erkrankte. Er ist dann so elend wehleidig. Das ist kaum zum Aushalten. Und irgendwie sehe ich ihn dann durch die Brille meines verstorbenen Vaters als Versager und Taugenichts. Dann fühle ich mich wieder so einsam und alleine. <<

Naja, du musst aber auch nicht über JEDES Stückchen springen, dass dir das Leben scheinbar hinhält. Ein Männershcnupfen ist nun mal eine lebensbedrohliche Angelegenheit. Das wird früher auch schon so gewesen sein, wie tapfer dein AM in einem solchen Fall sein Bett hütet, weißt du nicht und die Brille deines Vaters gehört deinem Vater und sonst gar keinem. Wie er deinen Mann sieht oder mal gesehen hat, hat nichts mit dir und deiner Liebe zu deinem Mann zu tun.
Zitat:
>>Und dann ist da plötzlich wieder die Sehnsucht nach dem AM. Obwohl ich doch weiß dass dieser Mann ein Trugbild war und so nie existiert hat. Ich bin seinen Lügen aufgesessen. Er war ein schöner Schein. Sonst nichts. <<

Gute Einsicht. Die Sehnsucht ist ja auch die Sehnsucht nach einem Phantom. Dieser Mann war nicht nur ein Mann für gewisse schöne Stunden sondern vor allem eine grandiose Projektionsfläche. Da du nur 1-2% von ihm kanntest, konntest du in den rest von ihm alle schönen und guten Eigenschaften hinein interpretieren, die dir bei deinem eigenen gatten fehlen. Das ist zumindest unfair, sollte jetzt aber auch so langsam aufhören.

Zitat:
>>Diese Affäre war ein Abgrund. Und irgendwie zieht es mich immer wieder an die Abbruchkante.<<

Schönes Bild. Ich mache mit einem Bild weiter. Solange du in Richtung Abgrund schaust, projizierst du schlimmstenfalls weiter. Du kannst dich aber auch umdrehen in dem vollen Bewusstsein, dass es diesen Abgrund zwar gibt, er aber jetzt hinter dir liegt, in deinem Rücken. Und dann fragt sich nur, wann du beginnst, die ersten Schritte in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.

Zitat:
>>Wann hört das endlich auf?<<

In dem Moment, in dem du vom Abgrund weg gehst. Das entscheidest nur du allein. Du bist dabei unabhängig und frei

05.02.2019 11:49 • x 2 #11


Lombardo

Lombardo


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Zitat:
Jede Minute verlässt jemand diese Welt.
Das Alter hat damit nichts zu tun.
Wir sind alle in dieser Linie, ohne es zu merken.
Wir wissen nie, wie viele Menschen vor uns sind.
Wir können nicht nach hinten gehen.
Wir können nicht aus der Linie heraustreten.
Wir können die Linie nicht vermeiden.

Also während wir in der Schlange warten -

Genieße jeden Moment.
Mach den ersten Schritt.
Setze Prioritäten
Nimm dir Zeit.
Mach andere Glücklich.
Mach kleine Dinge groß.
Lass jemanden lächeln.
Liebe soviel wie es geht.
Halte Frieden.
Sag deiner Familie wie sehr du sie Liebst.
Bereue nichts

Lebe dein Leben <3


Vielen Dank Mairenn für diesen Spruch! Ich habe in meiner Ehe fast alles falsch gemacht und jetzt liegen die Scherben vor mir. Wahrscheinlich zu spät habe ich meine Augen geöffnet und gesehen was aus mir geworden ist und welches Leid ich hervorgebracht habe.
Dieser Spruch wird mir sicherlich helfen der Mann zu werden der ich immer sein wollte. Nochmals vielen Dank dafür!

05.02.2019 12:05 • x 2 #12


Shediagast


Ja, der Spruch ist wirklich sehr schön. Vielen Dank auch von mir!

05.02.2019 12:26 • x 1 #13


EchtJetzt


Zitat von Shediagast:
. Er ist dann so elend wehleidig. Das ist kaum zum Aushalten.


Er hat doch auch schon einiges ausgehalten.Wie siehst du dich denn selbst in deinem Kummer,wenn du deinen Mann in solchen Situationen als Versager siehst? Du leidest doch auch schon seit geraumer Zeit,da musst dich im Vergleich ja als Oberversager sehen.
Du wirkst deinem Mann gegenüber immer wieder undankbar.

05.02.2019 12:45 • x 2 #14


Shediagast


Ja, natürlich bin ich in meinen Augen der Oberversager. Eine dicke, alte, dumme *beep*! Mit diesem Selbstbild lebe ich seit Geburt an. Ein Erbe meines liebenden Vaters...

05.02.2019 13:00 • #15




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