libra91
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Meine Trennung ist Ende des Monats 4 Monate her.
Als mein Ex-Freund und ich zusammen kamen, waren wir beide aus sehr unterschiedlichen Positionen. Er ist ein Freigeist, der viel feiert, nicht viel nachdenkt, ein sehr unbekümmertes und leichtes Leben führt. Er war sehr unerfahren, Jungfrau, emotional sehr bedürftig. Je länger wir zusammen waren, desto deutlicher wurde, wie unsicher er eigentlich ist.
Ich war/bin das komplette Gegenteil. Ich bin eher ernst, war immer sehr rational und nie emotional. Als wir uns kennenlernten, wurde ich wenige Monate zuvor missbraucht. Wir waren Nachbarn, lernten uns kennen, wurden enge Freunde und kamen zusammen, haben uns kopfüber ineinander verliebt. Ich war die erste Frau die er vertrauen konnte, mit der er schlafen wollte und konnte, und er war der erste Mann, dem ich mich körperlich und emotional nach dem Missbrauch nähern konnte. Wir waren in vielen Punkten unterschiedlich und in vielen auch gleich. Am Anfang waren wir wirklich das...die Missbrauchte und die Jungfrau. Ich kam aus meiner Opfer-Rolle nicht raus und er kam aus seiner Unerfahrenheit und der damit einhergehenden Scham nicht raus. Wir wurden immer stärker während der Beziehung. Ich fand Sicherheit, Liebe und Schutz und er fand Wertschätzung, Liebe und Unvoreingenommenheit. Wir haben uns beide während der Beziehung verändert. Ich glaube am Ende waren wir beide nicht mehr die Menschen in die wir uns verliebt hatten. Er hat Schluss gemacht. Hat mir unter Tränen gesagt, dass er mich nicht mehr liebt und nicht mehr mit mir zusammen sein möchte.
Die ersten zwei Monate danach waren eine Katastrophe. Nach dem Missbrauch konnte ich mich selbst Monate lang nicht anfassen. Erst in der beziehung hab ich an Sicherheit gewonnen. Aber nach der Trennung war ich an genau diesem Punkt. Da wir den selben Freundeskreis haben, ist es besonders schwierig. Wir haben uns beide sehr wehgetan, verletzt und gedemütigt. Ich war drauf und dran die Stadt zu verlassen, was mir in letzter Sekunde(!) nicht gelang, da ein Anruf von meinem Professor mich dazu veranlasste zu bleiben. Er hat schlimme Dinge gesagt wie ,,es war schrecklich mit dir zu schlafen, weil ich dich nicht geliebt habe“ ,,du bist die letzte an die ich denke, wenn ich auf mein Handy schaue“ und so weiter. Er hat mich aus Kneipen und Bars rausgeschmissen wenn ich kam und mich dann irgendwann nur noch ignoriert. Mein soziales Umfeld ist komplett eingebrochen. Er ist die letzten Monate nur auf Achse gewesen, hat sich vor Bekannten und Freunden selbst positioniert, sich ,,Ersatzmütter“ gesucht von denen er sich trösten lässt. Plötzlich bin ich nur noch ,,die Ex“ Ich hab den Anschluss irgendwie verloren. Kann nirgends mehr hin. Zu den ganzen alten Locations und Plätzen. Kann viele Freunde nicht mehr treffen. Seit 4 Wochen haben wir uns jetzt nicht mehr gesehen, da ich mich nirgends mehr hintraue. Als er mit mir Schluss gemacht hat sagte er, ich sei seine beste Freundin und das allein die Vorstellung gar keinen Kontakt mehr zu mir zu haben, das schlimmste sei was er sich vorstellen könnte. Das scheint nicht mehr der Fall zu sein. Ich bereue diese Beziehung sehr. Denn so habe ich einen unglaublich tollen Menschen, meinen besten Freund verloren.
Auch wenn ich weiß, dass diese Trennung endgültig ist hab ich immer noch jeden Tag Kopfkino von Versöhnungsszenarien, vermisse ihn. Ihn als Menschen...nicht mal als Partner.
Er besucht jedes Jahr Festivals, geht viel feiern. Und dieses Jahr ist es wieder soweit. Es macht mich schrecklich wütend wenn ich daran denke. Letztes Jahr wollten wir zusammen auf ein Festival. Er hat mir sehr kurzfristig gesagt, dass er doch nicht will das ich mitkomme und ist dann mit seinen Leuten hin, hat dort ein Mädel kennengelernt mit der er auch ne weile danach noch Kontakt hatte/hat(?) die er dieses Jahr natürlich wieder dort trifft. Und dieses Jahr ist es wieder soweit. In mir gehen ganz seltsame Dinge vor wenn ich daran denke. Ich habe mich bevor ich ihn kannte nie dafür interessiert, aber es macht mich plötzlich so wütend wenn ich nicht das machen kann was er macht. Ich WILL auch auf dieses Festival. Ich will auch diesen Spaß haben. Ich will auch so oft feiern gehen wie er. Woher kommt das nur. Und das ist kein latenter Wunsch. Ich dreh regelrecht durch wenn ich daran denke. Ich muss heulen, wenn ich an dieses Festival denke und daran, dass es ganz ohne mich so glücklich ist. Ich hab das Gefühl das Leben zieht an mir vorbei. Ich steh nur da und schau zu. Ich weiß nicht was ich tun soll.