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Die Verarbeitung kann beginnen

peppina

Schon lange schreibe ich in diesem Forum.
ich scheibe mir jedoch nicht immer meinen Kummer von der Seele. Denn zu sehr hatte ich bisher die Angst, der Wahrheit ins Auge blicken und wirkllich mit der Verarbeitung zu beginnen.

Auch jetzt weiss ich gar nicht, wo ich beginnen soll.

Aktuell: 1. Trennung im Seprember 2013.. Zusammen gekommen sind wir im Februar 2014 wieder..
Nun wieder Trennung..

ich habe den Eindruck, dass ich jetzt erst damit beginnen kann, mich von ihm zu verabschieden..
Ich weiss, dass ich anfangen muss zu schreiben, sonst kann ich der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken..
nur habe ich eine richtige Blockade..

was ich schon mal schreiben kann: ich habe eine destruktive Beziehung gehabt, und obwohl mein klarer Verstand mir sagt, dass er kein guter Partner war, keimt(e) immer wieder die Hoffnung in mir hoch..
ER ist kein schlechter Mensch, aber unfähig, ein guter Partner zu sein..

10.02.2015 18:28 • #1


peppina


VIelleicht kann ich diesen Thread auch als Tagebuch nutzen..
aber ich merke,es muss einfach mal raus, wa sich so fühle und denke...

momentan habe ich nur eine RiesenAngst, dass ich nie eine Familie haben werde...
33 Jahre bin ich alt, und ich habe den Eindruck, dass es lange dauert, bis ich wieder so frei bin, mich auf jemanden einlassen zu können...
und das es dann zu spät ist..


ein anderes Thema, was ich grad quält:
wieso habe ich nur solche Schuldgefühle nach der Trennung? warum habe ich das Gefühl, dass, wenn ich anders und geduldier in der Beziehung gewesen wäre, wir noch eine Xhance gehabt hätten?
Eigentllich ist das ein RiesenQuatsch! denn ich war komprommiss und lösungsbereit, während er total regide war..
kennt sich jemand mit solchen psychologischen Mechanismen aus? wieso entstehen solche Schuldgefühle? wenn ich doch eigenntlich weiss, dass er de Beziehung so lange geblockt hat? mich hingehalten hat?

10.02.2015 18:58 • #2


Flusenhuhn


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Hallo peppina,
Ich kenne mich mit solchen Mechanismen nicht aus. Dafür weiß ich auch zu wenig über Deine Geschichte.

Aber ich denke, dass dieser zweite Versuch, den Ihr gestartet habt, gut war für Dich um zu erkennen, dass es tatsächlich keinen Sinn gehabt hat.
Wahrscheinlich ist das tatsächlich eine optimale Vorraussetzung, um mit dem Verarbeiten zu beginnen.

Eine bessere Voraussetzung als bei vielen anderen hier, die sich lange fragen: was wäre gewesen, wenn....?

Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass viele Erkenntnisse mit der Zeit von alleine kommen.

Lg

Fluse

10.02.2015 19:06 • #3


peppina


Liebe Fluse!
Der 2. Versuch war für mich sehr gut, denn in der letzten Trennung war ich von Schuldgefühlen arg geplagt.. Ein ständiges: "was wäre, wenn..." fand in meinem Kopf statt. Ich bin davon teilweise wach geworden...

der letzte Versuch, das letzte Jahr war für mich nicht schön. Nicht einmal kam ihm über die Lippen, dass er mich liebt. ich habe mich danach gesehnt..
Ständig spürte ich seine Ungewissheit... Ständig. Einserseits diese Nähe, die er einforderte, andererseit diese ständige Distanz..
Nun ist er zum Glück weg.. ein Jahr nicht im Lande..
zum Glück. wer weiss, wie lange das sonst noch gegangen wäre...

es ist hilfreich für mich, dass du schreibst, dass viele Erkennntnisse mit der Zeit von allleine kommen.. darauf hoffe ich sehr.. ansatzweise sind sie schon da..
aber wenn mir zB jemand sagt: "der war nicht gut für dich", dann ist da ein Wiedewillen ihn mir. Obwohl ich weiss, dass es so ist..

ich möchte einfach heil aus der Sache rauskommen. Heil im Sinne von "Ganz"..

danke dir

10.02.2015 19:14 • #4


peppina


Das Komische ist, dass ich, wenn ich hier anderen schreibe, tolle Tips geben kann und die Sache verstehen kann..
bei mir jedoch nicht..

Was mich so extrem nervt: dass ich ihn so idealisiere, so anders sehe, als er wirklich war..

10.02.2015 19:16 • #5


Flusenhuhn


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Abstand wirkt wirklich wahre Wunder.

Je größer die Distanz, desto klarer wird man. War bei mir zumindest so.

Und was Deinen Kinderwunsch betrifft:
Anfang bis Mitte 30 beginnt für die meisten wahrscheinlich die biologische Uhr zu ticken. Das kann ich nur bedingt nachvollziehen, da ich meine Tochter bereits mit Anfang 20 bekommen habe. Allerdings ist die dazugehörige Ehe gescheitert und ich war lange Alleinerziehend. Das war nicht wirklich lustig und ich musste viel zurück stecken.
Aus heutiger Sicht würde ich lieber später Mutter werden. Ich hätte reifer sein können.

Wenn Du diesen ganzen Mist verarbeitet hast und offen für was neues bist, wirst Du wahrscheinlich eher jemanden finden, der das gleiche Bedürfnis hat, weil Du an der Geschichte gereift bist.

10.02.2015 19:23 • #6


Flusenhuhn


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Zitat von peppina:
Was mich so extrem nervt: dass ich ihn so idealisiere, so anders sehe, als er wirklich war..


Da sind Kopf und Herz noch nicht im Einklang.

10.02.2015 19:24 • #7


Tiefes Meer

Tiefes Meer


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Hallo peppina,

schön, dass Du jetzt schreibst. Das hier kenne ich auch:

Zitat von peppina:
Was mich so extrem nervt: dass ich ihn so idealisiere, so anders sehe, als er wirklich war..
Man fühlt sich innerlich so zerrissen dabei. Es ist, als wenn man ständig zwei Bilder vor sich hätte. Das eine ist die Illusion. Man möchte sie so gerne behalten. Das andere ist die Realität. Und die ist nicht halb so schön

Dafür aber ist sie echt. Doch es dauert eine Weile bis man den Anblick schmerzlos aushalten kann. Weil die Ent-Täuschung, das Loslassen der Illusionen so weh tut. Doch es wird besser.

Liebe Grüsse

10.02.2015 19:30 • #8


FA84


Hallo Peppina,
danke für deine Worte. Du schreibst eigentlich meine Gefühle und Gedanken auf. Das Nähe und Distanzspiel wurde mit mir ebenfalls gespielt. Ich vermute eine Warmhaltetaktik bis man sich entschieden hat.

Auch bei mir geht die Verarbeitung erst jetzt los und ich denke, dass ich mich in genau dem gleichen Stadiumbefinde wie du. Das zu wissen, hilft mir schon enorm.

Ich bin jetzt 30 und auch mich plagen die gleichen Ängste. Ich mache mir Vorwürfe viel Zeit verschwendet zu haben weil ich dieses Spiel so lange mitgespielt habe und ich die Chance auf eine eigene kleine Familie verpasst haben könnte. Mein Vertrauen in andere Menschen ist schwer erschüttert und meine Seele in einem erbärmlichen Zustand. Ich werde Jahre brauchen, das zu verarbeiten. Das macht es nicht gerade leichter...

Es plagt mich auch der Gedanke, dass ich jetzt erst beginne aufzuarbeiten und er ist schon lange damit fertig. Sein Leben geht weiter wie zu der Zeit vor mir. Trotzdem idealisiere ich ihn................

Mein Kopf weiß alles, mein Herz leider gar nichts..........

10.02.2015 20:10 • #9


Tiefes Meer

Tiefes Meer


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Zitat von FA84:
Es plagt mich auch der Gedanke, dass ich jetzt erst beginne aufzuarbeiten und er ist schon lange damit fertig. Sein Leben geht weiter wie zu der Zeit vor mir. Trotzdem idealisiere ich ihn................
Hallo FA, ja das fühlt sich unfair an. Da habe ich auch einmal gestanden und war so wütend darüber. Meine Wut ist immer noch nicht zu 100% verraucht, aber so langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, dass in dieser Verarbeitung eben auch ein Lohn liegt.

Du hast die grosse Chance, Dir selber näher zu kommen. Die Chance, dass dadurch Deine Flügel in einer Weise wachsen, wie Du es vorher nicht gekannt hast. Ich weiss nicht, ob Du jetzt schon daran glauben kannst. Aber der Tag wird kommen.

10.02.2015 20:39 • #10


FA84


Tiefes Meer - deine Antwort rührt mich fast zu Tränen. Denn es ist die einzige Hoffnung die ich habe, dass diese Katastrophe für mich irgendwann einen Sinn ergeben wird. Das allein hält mich momentan aufrecht und setze mich deshalb auch sehr mit mir selbst auseinander. Ich muss daran glauben, dass ich an dieser leidigen Geschichte wachsen kann. Ansonsten kann ich mir niemals verzeihen, das alles so lange mitgemacht zu haben und immer noch auf ein Zeichen zu hodden, dass ich nicht komplett gleichgültig geworden bin. .............Das ist nicht nachvollziehbar mit klarem Menschenverstand.

Darf ich fragen, wie lange du benötigt hast um zu dieser Erkenntnis zu kommen? Das würde mir sehr helfen.

10.02.2015 20:55 • #11


Tiefes Meer

Tiefes Meer


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Liebe FA, jeder Mensch ist da in seinem sehr eigenen Tempo unterwegs. Ich bin schon über 50 und der Mann, um den es bei mir geht, war über 25 Jahre in meinem Leben. Um zu spüren, dass meine Flügel wachsen - etwa ein halbes Jahr. Ist aber schwer zu sagen, weil der Prozess so allmählich war. Angefangen hat es sicher schon viel eher. Meine Verarbeitung war und ist damit noch nicht abgeschlossen. Aber die Momente, in denen ich meine neuen Flügel spüren kann, wurden/werden immer häufiger und dauern immer länger an.

Du wirst das auch schaffen. Glaube an Dich. Stelle Dir die wundervolle, gereifte Frau vor, die Du sein wirst und wie Du Schritt für Schritt auf sie zugehst.

Liebe Grüsse

10.02.2015 21:23 • x 1 #12


zeraphina11

zeraphina11


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Zitat von peppina:
VIelleicht kann ich diesen Thread auch als Tagebuch nutzen..
aber ich merke,es muss einfach mal raus, wa sich so fühle und denke...

momentan habe ich nur eine RiesenAngst, dass ich nie eine Familie haben werde...
33 Jahre bin ich alt, und ich habe den Eindruck, dass es lange dauert, bis ich wieder so frei bin, mich auf jemanden einlassen zu können...
und das es dann zu spät ist..


ein anderes Thema, was ich grad quält:
wieso habe ich nur solche Schuldgefühle nach der Trennung? warum habe ich das Gefühl, dass, wenn ich anders und geduldier in der Beziehung gewesen wäre, wir noch eine Xhance gehabt hätten?
Eigentllich ist das ein RiesenQuatsch! denn ich war komprommiss und lösungsbereit, während er total regide war..
kennt sich jemand mit solchen psychologischen Mechanismen aus? wieso entstehen solche Schuldgefühle? wenn ich doch eigenntlich weiss, dass er de Beziehung so lange geblockt hat? mich hingehalten hat?


Ich erkenne mich fast zu 100 % in dir wieder.... Mir geht es ähnlich. und das ist das schlimmste an all dem Mist.... Aber auf der anderen Seite denke ich auch an die vielen Kinder, die ohne Vater aufwachsen und denen es nicht wirklich gut dabei geht. und wieviele intakte Famlien gibt es wirklich...?

10.02.2015 21:26 • #13


Tiefes Meer

Tiefes Meer


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Zitat von peppina:
ein anderes Thema, was ich grad quält:
wieso habe ich nur solche Schuldgefühle nach der Trennung? warum habe ich das Gefühl, dass, wenn ich anders und geduldier in der Beziehung gewesen wäre, wir noch eine Xhance gehabt hätten?
Eigentllich ist das ein RiesenQuatsch! denn ich war komprommiss und lösungsbereit, während er total regide war..
kennt sich jemand mit solchen psychologischen Mechanismen aus? wieso entstehen solche Schuldgefühle? wenn ich doch eigenntlich weiss, dass er de Beziehung so lange geblockt hat? mich hingehalten hat?


Ja, es ist ein RiesenQuatsch. Du siehst das schon ganz richtig. Wenn die Schuldgefühle Dich stark quälen ist das eventuell ein Hinweis darauf, dass es Anteile in Dir gibt, die Du Dir aus irgendeinem Grund im Moment noch nicht anschauen magst ? Ich selber neige auch zu Schuldgefühlen. Ich gehöre zu den Menschen, die viel zu früh in eine Verantwortung gedrängt wurden. Deshalb neige ich dazu, immer die volle Last auf mich zu nehmen. Ziemlich durchgängiges Muster, nicht nur in der Partnerschaft.

Liebe Grüsse

10.02.2015 22:14 • #14


peppina


Zitat von Tiefes Meer:
Hallo peppina,

schön, dass Du jetzt schreibst. Das hier kenne ich auch:

Zitat von peppina:
Was mich so extrem nervt: dass ich ihn so idealisiere, so anders sehe, als er wirklich war..
Man fühlt sich innerlich so zerrissen dabei. Es ist, als wenn man ständig zwei Bilder vor sich hätte. Das eine ist die Illusion. Man möchte sie so gerne behalten. Das andere ist die Realität. Und die ist nicht halb so schön

Dafür aber ist sie echt. Doch es dauert eine Weile bis man den Anblick schmerzlos aushalten kann. Weil die Ent-Täuschung, das Loslassen der Illusionen so weh tut. Doch es wird besser.

Liebe Grüsse


danke, tiefesMeer!
mein Promblem ist, dass ich die Illusion noch gar nicht von der Realität unterscheiden kann... die Illusion scheint die (meine) Wahreheit zu sein.. in ganz wenigen Momenten weiss ich genau, was die Realität ist.. aber das ist eher selten..
es scheint sich etwas in mir zu sperren, die Realität zu betrachten.. und was komisch ist: ich habe so viele Schmerzen, doch fällt es mir soooo schwer, die Schmerzen zuzulassen, die nötig sind, damit ich dieses alles verarbeiten und abschliessen kann...
es hilft mir, zu lesen, dass es mit der Zeit besser wird...



ja, ich war als Kind/Jugendliche oft in der ErwachsenenRolle.. das habe ist mir letztens in meiner Therapie bewusst geworden.. doch noch weiss ich nicht so recht etwas damit anzufangen. wirklich anzufangn. Es fällt mir schwer, dass mir dieses Wissen hilft..
Psychoanalytisch bin ich manchmal sehr gut.. doch dieses theoretische Wissen verhindert teilweise auch meine Verarbeitung, weil ich automatisch denke: "hmm. das weisst du alles, also darfst du die und die Gefühle ja nicht haben".. ich verurteile schnell meine Gefühle, anstattt diese zu durchleben. .. durchlebe aber dabei auch eine enorme Gefühlswelt..

10.02.2015 22:48 • #15




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