Heute ist die Trennung genau sieben Monate her, Zeit also, um nochmal ein bisschen Revue passieren zu lassen.
Irgendwie ist das so ein bisschen, wie mit einem Neugeborenen. Die ersten Monate zählt man jede Woche, jeden Monat. Es scheint eine fest eingefahrene Gewohnheit geworden zu sein und irgendwann stellst du überrascht fest, dass du erstmal wirklich aktiv nachrechnen musst, wie viele Monate, Wochen, Tage ist, weil man es einfach vergessen hat. Bei meinem Sohn ist das mit knapp 1,5 Jahren passiert. Mal schauen, wann mir das bei der Trennung passieren wird.
In den letzten Tagen ist mir wieder eingefallen, dass ich ca Anfang bis Mitte 2018 öfters mal über eine Trennung nachgedacht hatte. Ich überlegte damals, dass ich mich damit auseinandersetzen sollte. Da wir aber kurz vor der Renovierung unseres Eigentums standen, verschob ich das auf die Zeit, nachdem wir eingezogen waren. Nach dem Einzug beschäftigten wir uns tatsächlich mit unserer Ehe und was uns stört. Dafür vereinbarten wir, jeden Mittwochabend uns zusammenzusetzen und die Themen in Ruhe zu besprechen, ohne das vorher ein Streit vorangegangen ist. Wir nahmen uns auch mehr Paarzeit. Die Gespräche schliefen dann zum Ende des Jahres im Alltagstrott wieder ein. Rückblickend hatten wir ein paar Themen besprochen und arbeiteten daran, dennoch fehlte bei mir ein echtes Bewusstsein dafür. Auch weil ich so naiv war zu denken, dass es schon weiterlaufen würde und man alles immer irgendwie hinbekommt, schließlich hatten wir verstärkt miteinander gesprochen und unterhielten uns auch wieder intensiver miteinander. Es schmerzt mich im Moment sehr, dass ich mir der desolaten Lage meiner Ehe nicht gesehen habe. Warum habe ich immer nur den Kopf in den Sand gesteckt, wenn es schwierig wurde, auch in allen anderen Lebenssituationen. Hier ist definitiv ein großer Anteil meines Versagens. Dafür muss ich jetzt die Verantwortung übernehmen und ärgere mich sehr darüber. Was soll ich jetzt daraus machen? Ich hoffe, dass mir dieser Fehler in einer neuen Beziehung nicht nochmal funktioniert und ich nicht unbewusst wieder anfange, alles als selbstverständlich zu erachten.
Ebenso ist mir in den letzten Tagen eingefallen, wie sehr mich mein Ex als das mit der Next anfing glauben lies, ich spinne. Ich hatte mehrfach gesagt, dass X die Affäre sein muss. Jedes mal behauptete er, dass es im besagten Team noch eine Dritte gab, dabei hatte er immer nur von zwei weiblichen Kolleginnen aus dem Team gesprochen. Ich zweifelte so langsam an meinem Verstand. Nach der Trennung sagte er, dass er das gemacht hätte, damit das beim Fortführen unserer Ehe nicht im Weg gestanden hätte. Mag sein, dass er das wirklich so beabsichtigte, trotzdem finde ich es furchtbar, wie sehr er dadurch mir Selbstzweifel aufdrängte. All die verletzenden Worte und das Schlechtreden meiner Person wühlen mich etwas auf.
Diese Woche hatte ich eine Kontrolluntersuchung, um zu sehen, ob mein Gleichgewichtsnerv sich wieder regeneriert hat (den hatte ich im August letzten Jahres verloren und lange gebraucht bis ich wieder einigermaßen fit war). Das Ergebnis war, dass er sich seither nicht regeneriert hat und irreversibel geschädigt sein wird. Ich muss also damit leben. Zwar gleicht mein Gehirn mittlerweile recht gut die Defizite aus, trotzdem macht es mich wütend, dass seine Affäre und die Trennung mitverantwortlich dafür sind, dass ich damit nun zurechtkommen muss. Hin und wieder kommt in mir der Gedanke auf, warum ich all diesen Mist ausbaden muss, gesundheitliche Defizite und all den Schmerz. Warum trifft es ihn nicht auch mal? Warum kommt er so vergleichsweise ungeschoren davon? Schlägt das Karma bei mir zu? Dann wiederum denke ich mir, es bringt mich nicht weiter, darüber verärgert zu sein. Es ist nun mal, wie es ist. Ich kann rumheulen oder es eben annehmen. Hin und wieder ist es für mich Genugtuung, dass Ex auch nicht so 100% glücklich ist, wie er es sich erhofft hatte. Ich weiß, auch das bringt mir rein gar nichts und sollte mich auch nicht interessieren.
Der Minimalkontakt funktioniert meinerseits bislang recht gut. Er hat da mehr Schwierigkeiten mit. Als er unser Kind am Freitag abholte, suchte er auch wieder Gespräche und wollte wissen, wie es mir geht, da unser Kind ihm am Telefon erzählte, es ginge mir nicht gut; warum ich beim Arzt gewesen sei. Gestern kam dann noch eine Nachricht, dass er mir einen schönen Abend wünscht. Darauf habe ich nicht reagiert. Er hatte diese Woche auf wieder einen für mich zu anzüglichen Kommentar abgelassen, als wir über ein Thema wegen unseres Kindes sprachen. Sowas hatte er vor 1,5 Wochen auch gemacht. Beide male habe ich mich dazu entschieden, diese Kommentare zu ignorieren. Kurz hatte ich überlegt, bei beiden Kommentaren einen blöden Spruch dazu rauszuhauen. Da ich aber nicht so ein schlagfertiger Mensch bin, habe ich entschlossen, das unkommentiert zu lassen und das eigentliche Gespräch weiterzuführen.
Wünsche euch allen einen schönen Sonntag.