Zitat von Wandler:Hallo Hana,
das herzlich willkommen hier ist immer ein bisschen schwierig, aber dennoch...
Mein erster Impuls war, daß Dein Mann wohl mit der Unstellung nicht klargekommen ist, daß Du als Renterin nun genau wie er den ganzen Tag zur freien Verfügung hast und damit zuhause bist und Ihr wesentlich mehr Zeit miteinander verbringen müsst als vorher.
Ist es möglich, daß Dein Job auch seinem Alltag Struktur gebracht hat, innerhalb derer er seine Zeit alleine für Dinge nutzte, die er nun nicht mehr tun (oder lassen) kann?
Das wäre sicherlich für sich genommen kein Grund, eine langjährige eingespielte Beziehung zu beenden, aber vielleicht schonmal ein Erklärungsansatz.
Wieviel und wie detailliert Du hier von Dir preisgibst bleibt absolut Dir überlassen!
Dankeschön für Deine lieben Zeilen. Genau diese Gedanken habe ich auch, dabei haben wir noch die Monate und Wochen gezählt, die ich noch arbeiten muss. Wir haben uns beide gefreut, endlich keinen mehr betteln müssen, wenn man mal spontan Urlaub machen möchte, man kann solange irgendwo hinfahren, wie man möchte.
Wir sind fast in jedem Jahr dreimal in den Urlaub gefahren (einmal etwas länger und zweimal kurz). In den Jahren haben wir so viele Städte in Deutschland und Länder in Europa oder über den "Teich" bereist. Wir haben sehr gern auch die Wochenenden genutzt, sind zu Festivals (z. B. Gothik in Leipzig), Tuningmessen, Lichterfeste usw. usf.) als Tagesausflüge gefahren.
Im Gegensatz zu mir ist er sehnsüchtig in Rente gegangen. Gefreut haben wir uns beide darüber, dass er es geschafft hat. Er ist nicht mehr gerne arbeiten gegangen und hatte auch keine Lust mehr. Ich habe eher ein bissl Angst davor gehabt, nicht mehr arbeiten zu gehen. Erstmal liebte ich meinen Job sehr, hatte tolle Arbeitskollegen, aber ich wollte eben auch gerne endlich mit ihm zusammen sein. Mein Vater z. B. ist schon mit 53 Jahren verstorben, er hat nicht mal die Rente erreichen können. Und wir hatten beide auch so gesundheitliche "Zipperlein" ab und zu.
In der Zeit, als ich noch arbeiten ging, da hat er mich jeden Tag zur Arbeit gebracht und ist hat dann gleich danach seine Laufrunde im Park absolviert. Ich habe immer wieder angeboten, ich könne ja auch mit dem Rad fahren, aber er hat darauf bestanden, so würde er den Tag besser beginnen können. Oft ist er dann auch einkaufen gefahren, im Gegensatz zu vielen anderen Männern mochte er das einkaufen. Das hat er auch gut gemacht. Er wollte nicht, dass ich nach den 8 - 9 Stunden Arbeit nach dem Feierabend noch zum Einkauf müsste. Den Tag selber hat er nicht viel genutzt, er war im vorigen Leben bestimmt mal ein Bär, denn er konnte immer, wirklich immer, zu jeder Tages- und Nachtzeit schlafen. Das hat er auch viel gemacht. Aber ich fand das in Ordnung. Ich habe ja auch immer gesagt, wenn ich in Rente gehe, die ersten beiden Jahre werde ich mich endlich mal ausschlafen ... so als Spaß. Da wir auch als gemeinsames Hobby die Fotografierei und er zusätzlich das Filmen hatte, wollte er seine Rentenzeit nutzen, um vieles davon aufzuarbeiten. Tatsächlich hat er davon so gut wie nichts gemacht in den knapp 3 Jahren. Aber das fand ich jetzt nicht schlimm.
Als wir uns kennenlernten, da war ich vorher mehr als 8 Jahre allein, er lebte auch allein. Wie lange, weiß ich gerade nicht mehr. Unsere Beziehung begann auch so, dass wir uns beide Freiraum ließen. Wir haben nicht alles gemeinsam gemacht. So was wollte ich auch nicht. Ich brauche selber meinen (kleinen) eigenen Freiraum. Das war kein Problem für uns. Er ist einen halben Tag mit seinem Rennrad gefahren, ich bin alleine durch die Stadt gestreift. So haben wir es auch belassen. In Urlaub oder so ist aber keiner alleine von uns gefahren.
Da ich lange Zeit nicht von seinen Eltern akzeptiert worden bin - wir haben uns lange Jahre gesiezt und für sie zählte als Schwiegertochter immer nur die Ex-Frau - haben wir auch da nicht alles gemeinsam gemacht.
Beim Reisen war es auch so, dass wir uns immer zusammen hingesetzt haben, wohin es gehen sollte. Geplant und gesucht im Internet habe ich es immer. Davon wollte er nichts wissen. Computer und er, das war so nicht sein Ding. Meines eher mehr dafür. Angeboten habe ich es ihm immer wieder. Er hatte ja viel mehr Zeit als ich, doch das wollte er nicht. Ich habe immer darauf geachtet, dass so ein "Schmeckerchen" für ihn dabei war. Da ich weiß, dass er nicht so gerne wie ich in Kunstmuseen oder Ausstellungen geht, habe ich immer versucht, ein Automuseum oder ein anderes "männertypisches Ding" mit einzubauen und zu suchen und zu planen, wo es sowas gibt. Das hat mir einfach Freude gemacht. Aber er kam meistens mit mir mit, manchmal nicht, aber ich habe mir in den Jahren auch soviel Autos und Technik angeguckt, einfach weil es ihm Freude machte.
Im Dezember, als ich dann erst ganz kurz auch zu Hause war, da lief es noch halberwegs normal. Doch ab Januar 2019 hatte ich so ab und zu das Gefühl, er ist nicht froh darüber, dass ich auch jeden Tag zu Hause war. Er ist weiterhin seine morgendliche Parkrunde gelaufen. Ich habe meistens bisschen länger geschlafen und dann das Frühstück vorbereitet.
Mit dem Reden - ja das war so eine Sache zwischen uns - wurde es immer weniger. Er bewegt sich oftmals so, als wäre ich gar nicht da. Nach Stunden dann sprach er wieder mit mir, als wäre nichts gewesen.
Wenn ich mir etwas im TV angesehen habe, und er kam vom Einkaufen oder so, schaltete er die Sender um auf Sendungen, die er sonst auch geguckt hatte. Als ich einmal im Spaß sagte, hehehehe, ich möchte das hier gerne zu Ende gucken ... da ging er wortlos in "sein Zimmer" und guckte dort. Das gab es vorher auch nicht, dieses nicht-Reden. Ich war irgendwie manchmal Luft für ihn. Wenn ich fragte, dann war immer nix. Alles in Ordnung, alles gut.