@victor54, diese Zweifel, was für die Kids jetzt das Beste (im Schlechten) ist, hatte ich auch. Ich war bei der Erziehungsberatung und die meinten nur lapidar, dass den Kindern gut tut, womit ich (bzw. beide Eltern) am besten leben kann.
Das verlangt einem natürlich extrem viel Abstraktionsvermögen ab. Denn woher soll man wissen, womit man sich am wohlsten fühlt, wenn man noch nie getrennt mit Kindern gelebt hat.
Versuch es Dir trotzdem vorzustellen: In der alten Wohnung im Nestmodell. Wo würdest Du dann in den Wochen wohnen und arbeiten, in denen Du nicht bei den Kids bist?
Oder im wöchentlichen Wechselmodell.
Oder im "Augen zu und durch - wie bislang gehabt"-Modell getrennt in der gemeinsamen Wohnung mit den gewohnten Arbeitszeiten, aber eben getrennten Abenden?
Wobei ich sie nicht ins Kinderzimmer ziehen lassen würde, sondern ins Wohnzimmer. Im Kinderzimmer ist sie sonst "Gatekeeper" für Deine Kinder. Und dann eben keine gemeinsamen Abende mehr, sondern 50/50 verteilt.
Könntest Du das aushalten und Dir für die Abende, an denen Du nicht dran bist, ein neues Hobby suchen?
Das alles ist ja ohnehin erstmal auf Zeit. Maximal bis ihr nach dem Trennungsjahr euch finanziell aufteilen müsst. Vorzugsweise schon früher, wenn eines der Häuser bezugsfertig ist oder sie sich verändert (da ist ja noch jemand, mit dem sie sich absprechen muss oder möchte, evtl zusammenziehen etc.).
Also ist es nicht schlimm, wenn Du feststellst, dass das im Trennungsjahr gewählte Modell nichts für die Ewigkeit ist. Es stellt aber schon die Weichen für später.
Und ihr Argument, dass so ein Modellwechsel jetzt wegen Deines Serviceeinsatzes nicht möglich ist, würde ich nicht unüberlegt hinnehmen. Du kennst Deine Kinder am besten. Es stehen ohnehin Veränderungen an und der Auslandsaufenthalt war geplant. Wenn z.B. das Wechselmodell oder Nestmodell später passieren soll/muss, dann am besten jetzt gleich einführen, kurz unterbrechen und weitermachen, dann haben die Kids nur eine Veränderung (plus Deine Abwesenheit). Ansonsten hätten sie "Trennungsmodell 1", Abwesenheit, "Trennungsmodell 2", also noch mehr Verwirrung.
Den Zahn, dass jetzt alles erstmal so weitergeht wie bislang, hast Du ihr ja schon auf beruflicher Ebene gezogen. Sie hat eine Zäsur gesetzt und damit hat sich schon alles geändert. Das kann sie genauso wenig ignorieren, wie Du das kannst.
Aber eins nach dem anderen:
1. Ganz fix mit allen Zahlen und Daten zum Anwalt und die unvermeidlichen Trennungs- und Scheidungsfolgen erfahren.
2. Auf dieser Grundlage einen Plan A für den Fall, dass der worst Case (streitige Scheidung) eintritt, und einen Plan B für den Fall, dass sie einer Trennungsfolgenvereinbarung zustimmt, entwickeln.
Finanzen, Job, Kinderbetreuung, familiäre Unterstützung, neue Lebensphasen, das alles muss im Gesamtpaket für Dich stimmig sein, damit Du gut aus der Trennungsphase in die Geschiedenphase kommst.
Statt jetzt gleich die Kitazeiten zu verlängern, würde ich z.B. gemeinschaftlich die Großeltern fragen, ob sie euch unterstützen können und an welchen festen Tagen sie am Nachmittag Zeit für ein oder beide Kids haben. Solche Unterstützung ist in Krusenzeiten viel wert und kommt auch den Kids zu gute.
Und Du brauchst einen Sport für die Abende, an denen Du die Kids nicht hast, damit die ganzen Stresshormone, mit denen Du gerade unweigerlich täglich geflutet wirst, zumindest etwas abgebaut werden können.
Pass gut auf Dich auf und bau Dir auch schon mal ein Netz aus Freunden auf, bei denen Du aufschlagen kannst, wenn Du an einen Tiefpunkt gerätst. Du hast eine anstrengende Zeit vor Dir. Aber das Schlimmste, das Entdecken, dass Deine Frau nicht die Person ist, für die Du sie gehalten hast, hast Du schon hinter Dir.