Zitat von whynot60: Ein Drama (für ihn), wie es öfter einmal vorkommt.
Von außen betrachtet, ja. Sicherlich kommt so etwas häufiger vor.
Aber nicht zwingend für denjenigen, den es gerade betrifft... da kann es das erste (und einzige) Mal sein... mit Allem, was ein erstes Mal so mit sich bringt.
Das sollte man nicht vergessen.
Schließlich geht es hier ja nicht darum, Fälle abzuhaken sondern Menschen in ihrer jeweiligen - für sie selbst speziellen - Lebenssituation Unterstützung zu geben/Mut zu machen.
"Dein Fall ist nix besonderes"... ok, gibt Situationen, da kann so etwas mal hilfreich sein. Aber hier.. beim Zerbrechen einer jungen Familie... da ist der Schmerz wie er ist. Tief und grausam. Dass andere das auch erleben, mag ein ganz geringer Trost sein. Letztendlich nützt dem TE diese nüchterne Sichtweise aber nichts. Er muss irgendwie damit klarkommen... was anfangs brutal ist.
Zitat von whynot60: Und was ich hier eben nie verstehe, ist, weshalb auf die "Betrügenden" oder Verlassenden fortwährend hingehackt werden muss wie beinahe auf Verbrecher oder jedenfalls moralisch Verkommene.
Hier muss man zunächst mal unterscheiden - Betrüger oder Verlassender..?
Ich habe hier wirklich noch nie mitbekommen, dass auf einen Verlassenden eingehackt wurde, wenn dem kein Betrug vorausging und wenn es sich um eine faire Trennung ohne Schikane, Häme und fieses Nachtreten handelte.
Betrüger... schwierig. Selbstverständlich ist es nicht okay auf einen Betrüger einzuhacken geschweige denn ihn als Verbrecher hinzustellen. Das steht außer Frage.
Und die Mehrheit hier tut das, meiner Beobachtung nach, auch nicht.
Grundsätzlich ist aber ein Betrug moralisch nichts astreines, auch wenn manche/r darüber nun mit den Augen rollen wird... richtig breite und große "Akteptanz" wird es für Betrug niemals geben, weil sich die Gesellschaft damit auf allen Ebenen nur selbst ins Bein schießen würde. Aus einer Vielzahl an Gründen.
Und weil letzten Endes eigentlich keiner betrogen werden mag.
Paradoxerweise nicht einmal der Betrüger selbst.
Wir hatten hier ja schon diverse Fälle von Betrügern die überraschend erfuhren, dass sie selbst betrogen worden waren... Bei den meisten war der Ofen da ganz schnell aus.
😉Es hat also durchaus ein Geschmäckle.
Auch, dass für viele Betrüger eine offene Beziehung mitnichten eine Option wäre.
Grundsätzlich gab es hier aber auch schon sehr viel Verständnis für Betrug und Betrüger... hängt ganz vom jeweiligen Fall ab.
Zitat von whynot60: Es wäre ja interessant, vom TE meinetwegen in zwei oder fünf Jahren zu hören. Wie er dann die Dinge sehen wird, die er aktuell beklagt und an denen er leidet. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass er dann von einem Glücksfall reden wird - ohne jener Person, die ihn ermöglicht hat, ein Denkmal zu setzen allerdings, vermute ich.
Über dieses Phänomen habe ich auch schon öfter nachgedacht - warum so viele im Nachhinein sagen, die Trennung sei das Beste, das ihnen je passiert sei, wenn es am Anfang so schrecklich und schlimm war, sich zu trennen.
Für mich (nur meine Überlegungen) sind hier nur zwei Schlussfolgerungen halbwegs plausibel (gibt sicherlich noch mehr, nur mir fiel nicht mehr dazu ein...)
1) Entweder die Beziehung war wirklich so lieblos und grottenschlecht, und der Betrogene/Verlassene wollte und konnte das nicht sehen und konnte es erst im Nachhinein dann so wahrnehmen, oder
2) Es handelt sich bei dieser Betrachtungsweise um eine Art emotionalen Schutzmechanismus, der gewährleistet, dass man - auch in Anbetracht des verlorenen Lebensziels - wieder rundum glücklich werden kann.
Es geht ja auch nicht jedem so, dass er im Nachhinein irgendwann unendlich dankbar für das Scheitern der Beziehung/die Trennung ist und sagt es sei das Beste, was ihm je passiert sei.
(Kenne hier Fälle)
Genausowenig bereut es zwingend jeder, sein Leben "nur an eine Person verschwendet zu haben".
(Auch da kenne ich Fälle.)
Krampfhaftes Festhalten an einer zerbrochenen/zerrütteten/kaputten Beziehung ist per se nichts Gutes, da gebe ich dir Recht.
Festhalten wollen an einem Menschen, den man über alles liebt... ist dagegen menschlich.
In vielen Fällen - gerade bei Betrug - dauert es oftmals eine Weile bis der Betrogene realisiert, dass sich der geliebten Mensch nun anders verhält. Gar nicht mehr der geliebten Mensch sein
will. Dass es statt liebevoller Zuwendung einen Tritt nach dem anderen gibt.
Manche Fälle sind da schon extrem und es braucht Zeit bis der Betrogene das wirklich realisiert und sich mit der neuen Realität abgefunden hat.
Zitat von whynot60: Aber, wie gesagt, jeder, wie er glaubt und will. Ich bin so wenig der Weisheit letzter Schluss wie die Weisheit ein letzter Schluss ihrer selbst sein kann.
Dem stimme ich voll und ganz zu. Das gilt für uns alle. Jeder lebt in seiner Welt, mit seinen Emotionen, mit seiner Wahrnehmung und allem, was dazugehört... was zu vollkommen verschiedenen Meinungen und Sichtweisen führt.
Ich hoffe für den TE wirklich sehr, dass er irgendwie aus der Geschichte rauskommt... die Kinder sind noch so klein... das ist immer tragisch.
Dass er bestrebt ist, alles bestmöglich in ihrem Sinne zu regeln ist aber ein großer Lichtblick und etwas, wofür die Kinder ihm (auch später) sehr dankbar sein werden!
Dennoch ist die Situation jetzt momentan wirklich hart, und man kann nur ganz viel Kraft wünschen.