Hallo,
ich sehe da einige Parallen zu mir.
Auch ich war 12 Jahre mit meiner Exfrau zusammen, davon 10 Jahre verheiratet.
Wir haben zwei kleine Im Gegensatz zu Dir habe ich jedoch mich nicht in Arbeit gestürzt so dass die Familie hinten anstehen musste. Ich war das genaue Gegenteit, denn für mich war die Familie auch das Wichtigste.
Wir hatten keine Unterstützung durch unsere Familien; meine wohnt zu weit weg und die Mutter meiner Exfrau ist körperlich nicht in guter Verfassung.
Ich dachte auch, dass wir sowas wie Seelenverwandte gewesen wären, bis zu dem Tag, an dem mir meine Exfrau mitteilte, dass sie sich trennen wird.
Die Gründe sind da im Wesentlichen ähnlich wie bei Dir. Durch die Kinder, vor allem, wenn man wie Du noch ein Schreikind hat, die Arbeit und vor allem die Unregelmäßigkeit, fallen wesentliche Dinge hinten runter, die man in einem Leben zu Zweit hatte.
Wer kennt das nicht, dass man gerade zärtlich miteinander werden will und dann ein Kind schreit. Oder das man den romantischen Abend geplant hat, der Partner aber beim zu Bett bringen der Kinder einfach eingeschlafen ist.
So erging es mir auch. Es waren viele Kleinigkeiten, die nach und nach weggefallen sind. Ausschlafen am Wochenende, gemeinsames kochen (und damit meine ich nicht nur Nudeln mit Sauce), mal ins Kino gehen oder in ein Musical mit anschließender Übernachtung in einem Hotel.
Als mein Sohn zur Welt kam, nahm das anfänglich auch mit dem Sex ab, weil die Geburt und die ersten Monate danach nicht so einfach waren. Als es sozusagen wieder "anlaufen" sollte, war meine Exfrau schwanger und dann kam unsere Tochter. Und so schlief der Sex auch nach und nach ein. Die Familie nahm immer mehr den Mittelpunkt ein.
Das Wohnzimmer verwandelte sich in ein Spielzimmer. Wenn die Kinder im Bett waren, musste man erst mal alles beiseite räumen und konnte glücklich sein, nicht schon wieder mit *beep* Füßen in einem Legostein gestanden zu haben.
Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Meine Exfrau wollte dann auch wieder arbeiten gehen. Hötte sie finanziell nicht gemusst, aber ich habe es befürwortet, damit sie eben auch mal wieder was fürs Gehirn machen konnte. Sie hatte die Arbeit nicht vermisst, aber dann doch gemerkt, wie gut sie ihr gefiel und wie gut es ihr tat.
Und so kam eben eins zum anderen und am Ende stand die Trennung.
Sie hat es mehr oder weniger noch ein paar Mal halbherzig versucht, aber das war nur von kurzer Dauer, Stunden oder Tage und war eher dem schlechten Gewissen geschuldet.
Ich habe auch lange darüber nachgedacht, weil ich immer wieder der Meinung war, dass man diese "Kleinigkeiten" hätte lösen können. Einen Babysitter an festen Tagen in der Woche damit man gemeinsame Zeit hat, wieder zusammen kochen, wenn die Kinder im Bett sind, das Wohnzimmer wieder zum Wohnzimmer werden lassen und ein Spielzimmer einzurichten.... Ideen hatte ich viele und lange Zeit glaubte ich, dass man dadurch die Ehe auch hätte kitten können.
Aber mittlerweile bin ich da anderer Meinung.
Es geht gar nicht um all diese äußeren Umstände. Wenn die Liebe zu einem Menschen in Freundschaft gewechselt ist, dann ist es, zumindest aus meiner Sicht, annähernd unmöglich, diesen Schalter umzudrehen.
Und das scheint mir bei Deiner Frau genauso zu sein, wie es bei meiner Exfrau auch ist.
Na klar mag sie mich noch und wegen der Kinder müssen wir ja noch im Kontakt bleiben. Aber die Liebe ist dahin. Die Sehnsucht auf den anderen wenn er nicht da ist. Die Vorfreude, wenn man weiß, dass er gleich kommen wird.
All das ist anderen Dingen gewichen. Wusste Deine Frau am Anfang des Kennenlernens nicht, wie sich Dich einordnen kann, bist Du ihr immer vertrauter mit der Zeit geworden. Dieses "sich blind verlassen können", Vertrauen usw. sind nicht schlechter als die anfänglichen Gefühle, aber sie sind eben anders.
Mir scheint auch, dass Du und Deine Exfrau zu wenig kommuniziert haben. Eine weitere Parallel zu mir. Ich dachte, ich sei ein aufmerksamer Mann, aber ich konnte nicht in den Kopf meiner Exfrau schauen, wo sich ganz andere Dinge abgespielt haben und die Unzufriedenheit immer größer wurde. Ich habe es nicht bemerkt und sie hat es nicht gesagt.
Und ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen langfristig nicht ändern können, zumindest nicht in ihren wesentlichen Merkmalen. Deine Frau, genauso wie meinee Exfrau, wird auch in Zukunft Dir nicht sagen, wenn sie etwas nervt.
Und willst Du wirklich jeden Tag daran denken, was abends sein wird, wenn Du nach Hause kommst? Denken, ob sie noch glücklich ist, was Du noch tun kannst usw?
Ich kann Deine Gedanken verstehen, dass Du an der Familie festhalten möchtest. Ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber willst Du diesen Zustand noch 30, 40 Jahre so weiterleben? Oder bis die Kinder groß und aus dem Haus sind? Ist das nicht Verschwendung Deiner eh nur begrenzten Zeit hier auf diesem Planeten?
Oder willst Du an ihr festhalten, weil Du denkst, Du kannst das alleine nicht? Mit zwei Kindern, alleine?
Überleg Dir mal, woher Dein Antrieb kommt. Aber sei ehrlich zu Dir selbst.
Meine Exfrau und ich leben das Wechselmodell, die Kinder sind also die Hälfte der Zeit auch bei mir. Damit hast Du auch wieder Zeit für Dich und Dein Leben. Wenn sich die Eltern gut verstehen, kann man dieses Modell leben. Bei mir ist auch nicht alles eitler Sonnenschein, aber ich arrangiere mich.
Mir kommt zugute, dass ich ein strukturert denkender und gut organisierter Mensch bin. In den Tagen, in denen ich die Kinder nicht habe, bereite ich soweit alles vor, so dass ich Zeit habe, wenn sie bei mir sind.
Und das klapt gut. Ich musste allerdings lernen, Hilfe von anderen Menschen anzunehmen. Dann lernst Du schnell, wer Deine Freunde sind.
Ich kann natürlich auch nicht in die Zukunft schauen und weiß nicht, ob das ewig so gut gehen wird, aber es funktioniert seit mehr als 1 Jahr auch ohne Partnerin.
Natürlich hoffe ich, dass auch ich mal wieder eine Frau an meiner Seite haben werde, aber das ist ungewiss und bis dahin plane ich mein Leben mit den Kinder alleine.
Mein Rat an Dich: setz Dich in Ruhe hin und überleg Dir, warum Du genau an Deiner Ehe festhalten willst. Hör in Dich rein und sei ehrlich zu Dir. Deine Frau scheint da einen Schritt weiter zu sein als Du.
Gruß