Zitat von Berlinerin91: Was mich an dieser Geschichte traurig macht, ist, dass ich eine Distanz zwischen uns spüre, weil ich ihr meine Bedenken nicht wirklich mitteilen kann, aus Angst, sie zu verletzen. Ich habe auch Angst den Vorwurf zu bekommen, nur neidisch zu sein -
Deine Befürchtung mit dem Vorwurf ist durchaus realistisch. Allerdings sehe ich das eigentliche Problem ganz woanders, nämlich beim Thema Eigenverantwortung, aber dazu weiter unten mehr.
Zitat von Berlinerin91: Eigentlich weiß sie, dass ich in solchen Dingen ganz, ganz anders bin und ich das alles mehr als seltsam finde. Trotzdem erzählt sie mir jedes Mal davon und ist total begeistert. Mich frustriert das.
Das ist natürlich ein wenig egozentrisch von ihr, aber vermutlich tut sie das nicht in böser Absicht, sondern unbewußt. Also sorge
Du für Dich, indem
Du zu einem anderen Gesprächsthema überleitest.
Sollte Deine Freundin sich daran stören und nachfragen, warum Du das machst, dann sag ihr höflich, sie habe Dir das alles nun schon ein paarmal erzählt und daß Du deshalb jetzt lieber über was anderes mit ihr plaudern möchtest.
So kommst Du (hoffentlich) aus der Nummer raus, ohne etwas Wertendes vom Stapel gelassen zu haben, das den falschen Nerv treffen könnte.
Zitat von Berlinerin91: Zu meinem Anliegen: Ich möchte niemandem meinen Lebensstil aufdrücken und sagen, wie es "richtig" ist. Allerdings finde ich die obigen Stories so gaga, dass ich nach jeder Erzählung ratlos bin, wie ich darauf adäquat reagieren soll.
Ich habe das selbst auch über viele Jahre immer mal wieder erlebt und für mich so gelöst, daß ich zwar innerlich eine gewisse Skepsis wahrte, aber nach außen hin durchaus interessiert zuhörte. Geduldig lauschte ich solchen Geschichten, machte mir meine Gedanken dazu - aber kommentiert habe ich sie nur, wenn dies ausdrücklich erbeten wurde.
Denn letztlich spielten sie im Leben der anderen und hatten auf meins keine konkrete Auswirkung. Allerdings bestärkten sie mich in meinem eigenen Lebensstil: Wenn ich eins lernte daraus, dann daß ich
so sicher nicht enden wollte - ich
sah und
hörte ja, warum.
Zitat von Berlinerin91: Ich mache mir in erster Linie Sorgen um sie, will aber nicht immer der Buhmann sein.
Eben hier sehe ich das Problem mit der Eigenverantwortung:
Warum sorgst Du Dich um diese Menschen? Du bist weder der liebe Gott, noch ihre Frau Mutter, noch selbst mit ihnen verbandelt. Sie sind auch nicht minderjährig, sondern in einem Alter, wo man voll geschäftsfähig ist und selbst entscheidet, ob und wie man Beziehungen führen will.
Tu Dir selbst einen Gefallen und hör auf, Dich so mit den Geschichten dieser Menschen zu identifizieren. Auch wen es gute Freunde sein sollten: Du stehst ihnen gegenüber
nicht in einer wie auch immer gearteten Fürsorgepflicht. Solange
sie Dich nicht explizit um Rat/Hilfe
bitten, betrachte Dich als Fernsehzuschauerin und ihre Geschichten als Deine laufende Unterhaltung bzw. als einen Weg, Fehler kennenzulernen, ohne sie selbst begehen zu müssen. Also lehn Dich zurück in Deinem TV-Sessel, hol Dir in Gedanken eine große Portion Popcorn... und schon schaut es auch für Dich ganz anders aus.
Zitat von Berlinerin91: Wie ehrlich seid ihr, wenn das Thema doch zur Sprache kommt?
Ungebetene Ratschläge sind Schläge.
Toleriere das Thema mit wohlwollendem Zuhören, solange Du kannst.
Lenk das Gespräch auf andere Themen, wenn es Dich nur noch nervt.
Aber gib ein aufrichtiges und wohlmeinendes Feedback, wenn Du ausdrücklich darum gebeten wirst.
Und geh, wenn jemand nicht bereit ist, über irgendwas anderes mehr zu reden als solche (seine) Geschichten.
Auch, wenn jemand Dir Dein Feedback so übel nimmt, daß er Dich nicht mehr kennen will.
Denn ab da paßt der Rahmen dann wirklich nicht mehr.
Doch das macht aus Dir noch lange keinen schlechten Menschen.