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Eigener Stillstand - Veränderungen im Freundeskreis

Berlinerin91

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Ihr Lieben,

Hatte schon länger überlegt, diesen Thread zu eröffnen und würde mich freuen, wenn der/die ein oder andere Lust hat, seine Gedanken und Erfahrungen zu teilen.

Ich bin jetzt 29 und habe den Eindruck, dass sich langsam aber sicher die Dynamik meines Umfelds verändert: Immer mehr Menschen ziehen mit ihren Partnern zusammen, werden schwanger, etc. Da ich selbst Single bin, merke ich nun immer mehr, dass ich gefühlt zur zweiten Wahl für viele meiner Bekannten werde. "Zweite Wahl" meine ich gar nicht mal in einer abwertenden Form, sondern vielmehr, dass verpartnerte Freunde natürlicherweise mehr Zeit miteinander verbringen, vor allem während Corona. Aber auch sonst wird der Jahresurlaub eher mit dem Partner verbracht, als mit der Freundin - was ich absolut verstehen kann, aber dennoch. Irgendwie beschleicht mich auch manchmal das Gefühl, dass manche von ihnen weitreichende Entscheidungen treffen, einfach nur, damit "etwas passiert" - vor allem eine Art Milestone erreicht wird - auch, wenn sie das vielleicht nicht zugeben möchten. Was mich daran stört, ist, dass ich wiederum das Gefühl habe, dass diese Dinge mich von meinen Freunden entfernen, weil ich ihnen nicht ehrlich sagen kann, dass das mein Eindruck ist.

Ein Beispiel geht mir momentan besonders durch den Kopf: Eine sehr gute Freundin von mir hat vor 1,5 Jahren ihren Freund bei Tinder kennengelernt und ist jetzt mit ihm zusammengezogen. Weil ihr Freund mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, macht er meine Freundin manchmal runter und sagt verletzende Dinge zu ihr, um (vermutlich) eine gewisse emotionale Distanz zu ihr zu halten. Das Zusammenziehen war wohl eher eine praktische Entscheidung, aber sie sagt auch, dass sie glaubt, dass es ihrer Beziehung gut tun könnte - was ich persönlich für etwas abwegig halte. Auch zahlt sie erstmal mehr Miete, obwohl sie das kleinere Zimmer nimmt (?), weil er gerade nicht so viel Geld hat. Ob sich das in absehbarer Zeit ändern wird, ist ungewiss. Natürlich sollte man sich m.M.n unterstützen, wenn die Zeiten schwierig sind, aber im Gesamtbild kommt mir das nicht so geheuer vor.
Da sie in einer anderen Stadt wohnt, bekomme ich alltägliches nicht mit. Ich habe aber das Gefühl, dass sie sich selbst etwas vorlügt, weil sie verliebt ist und hofft, dass alles irgendwann gut wird, obwohl die Vorzeichen - aus meiner Sicht - eine andere Sprache sprechen. Was mich an dieser Geschichte traurig macht, ist, dass ich eine Distanz zwischen uns spüre, weil ich ihr meine Bedenken nicht wirklich mitteilen kann, aus Angst, sie zu verletzen. Ich habe auch Angst den Vorwurf zu bekommen, nur neidisch zu sein - was ich zum großen Teil entkräften kann, weil meine engste Freundin in einer wundervollen Beziehung ist, mit ihrem Freund zusammenlebt und ich mit beiden gerne was unternehme und kein bisschen missgünstig o.ä. bin.

Aber ich gebe auch zu, dass es mich natürlich schon manchmal frustriert, dass sich bei anderen etwas bewegt und ich - vor allem wegen Corona - kaum Erlebnisse oder Ablenkung habe. Ich studiere und arbeite von Zuhause, lebe alleine und schränke meine physischen Kontakte stark ein. Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit mir selbst beschäftigt, auch Dinge aufgearbeitet. In meiner Freizeit lese ich viel, gehe spazieren, gucke Dokus usw. Zwei Freundinnen sehe ich regelmäßig. Körperlichkeit und Nähe fehlen mir manchmal sehr und lassen mich dann in ein tiefes Loch fallen.

Wenn ich mitbekomme, dass Frauen schwanger werden, macht mir das besonders zu schaffen, weil auch ich einen Kinderwunsch habe, aber denkbar weit entfernt davon bin. Ich habe zwar auch Freundinnen, die Mütter sind und emotional nicht besser dran sind, als ich - die sich meine Freiheit wünschen und mich dann beneiden; eine absurde Situation. Dennoch merke ich, wie schwierig dieses Thema für mich ist und wie groß die Sehnsucht.

Gerade der Winter war aufgrund einiger Rückschläge sehr schwer für mich. Gerade hilft mir nur der Tunnelblick, aber ich weiß nicht, wie lange noch. Daher meine Frage in die Runde: Habt ihr auch das Gefühl, im Stillstand zu sein, gerade mit Corona? Wie geht ihr damit um, wenn immer mehr Freunde in Partnerschaften sind und man selbst irgendwie auf der Strecke bleibt? Wie würdet ihr Bedenken über eine Partnerschaft im Umfeld äußern, oder würdet ihr sie überhaupt zum Ausdruck bringen?

Ich würde mich über Antworten freuen (:

31.03.2021 20:39 • x 1 #1


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hey Berlinerin, zunächst einmal: Du hast mit 29 noch genug Zeit, Deine Ziele umzusetzen. Wenn Du länger hier im Forum bist kann man hier auch einige Tendenzen ablesen: Für viele Frauen verändert sich mit Ende 20 / Anfang 30 doch sehr vieles. Die einen beenden gerade die ersten längeren Beziehungen, da sie langsam merken, dass es jetzt doch "ernster" wird. Andere sind gerade mit dem Studium fertig und starten ins Berufsleben. Und klar, dass Thema Kinder ist für viele Frauen (aber auch Männer) natürlich ein Thema.
Persönlich fand ich das Dating um die 30 als mit als die schwierigste Phase überhaupt. Denn hier ist alles dabei. "Verzweifelte" Frauen, die meinen nun mit 32-33 Jahren jeden nehmen zu müssen, der ihnen ihr Ziel erfüllt. Und das wirkt dann ähnlich wie bei Deiner Freundin. Diese Frauen machen sich etwas vor, handeln zum Teil komplett gegen ihre Vorlieben, um das vermeintliche Ziel zu erreichen. Auch wenn schon ein Kind da ist, ist der Zweitkinderwunsch meist sehr ausgeprägt. Auch als Mann ist das nicht einfach. Denn man will ja auch eine richtige Partnerin finden und nicht nur "Erzeuger" sein, der dann mit einem Satz einfach aus dem Leben gekickt werden kann. Um dann als Unterhaltszahler und Wochenendpapa zu enden. Auch ein hohes Risiko, auf das manche Männer einfach auch keine Lust mehr haben.

31.03.2021 21:06 • x 2 #2



Eigener Stillstand - Veränderungen im Freundeskreis

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Berlinerin91


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Lieber @gorch_fock, danke für deinen Einblick - vor allem für die männliche Perspektive auf das Thema. Ich stelle es mir auch super anstrengend vor, mit dieser Torschlusspanik konfrontiert zu sein... darf ich fragen, was du da so für Datingerlebnisse hattest? Also hast du da zB gesagt, dass du den Eindruck hast, dass sie gerade nur einen Erzeuger suchen oder so?

Zitat von Gorch_Fock:
Diese Frauen machen sich etwas vor, handeln zum Teil komplett gegen ihre Vorlieben, um das vermeintliche Ziel zu erreichen.


genau, und da frage ich mich, wie man das als Freundin kommunizieren kann? Irgendwie denke ich, dass es als gute Freundin auch meine Aufgabe ist, meine Bedenken zu äußern, weil ich ja will, dass es ihr gut geht. Andererseits ist es auch ihr Leben und sie wird eh alles so machen, wie sie es für richtig hält.

31.03.2021 21:17 • #3


Skorpion


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Zitat von Berlinerin91:
Wie würdet ihr Bedenken über eine Partnerschaft im Umfeld äußern, oder würdet ihr sie überhaupt zum Ausdruck bringen?


Hallo Berlinerin91,
mir hat mal jemand gesagt "Du trägst nicht die Verantwortung für die Reaktion eines anderen", und ich denke, das stimmt genau so. Die Reaktion Deiner Freundin kann sein "Du bist ja nur neidisch...", aber auch "ich bin so froh, dass ich mit Dir darüber reden kann". Aber ich verstehe auch Deine Vorsicht. Vielleicht fragst Du sie "Mich beschäftigt da etwas, was mit Dir und Deiner Beziehung zu tun hat, ich bin mir aber unsicher, ob es für Dich ok ist, darüber zu sprechen". Wenn Du bei Dir bleibst, kann Dir niemand böse sein und Du hast Dich ein wenig herangetastet.

Zitat von Berlinerin91:
Wie geht ihr damit um, wenn immer mehr Freunde in Partnerschaften sind und man selbst irgendwie auf der Strecke bleibt?


Ich bin ne ordentliche Portion älter als Du und immer mehr Freunde sind jetzt Singles oder noch in unglücklichen oder Geschwister-artigen Partnerschaften... Für mich hat jeder seinen eigenen Fahrplan, wann und wie etwas in das Leben passt. Du selbst solltest gut für Dich sorgen, dann bleibst Du sicher nicht auf der Strecke.

31.03.2021 21:45 • x 1 #4


Berlinerin91


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Zitat von Skorpion:
"Du trägst nicht die Verantwortung für die Reaktion eines anderen"


Würde ich so unterschreiben! Aber ich weiß auch, dass diese Illusionen, die ein verliebter Mensch hat, auch normal sind und ich nicht daherkommen und es schlechtreden möchte.. glaube, in so einer Situation sind die Leute nochmal verletzlicher, vielleicht auch, weil sie ahnen, dass man mit seinen Bedenken recht haben könnte.

Ich habe auch das ein oder andere mal etwas in diese Richtung gesagt aber den Eindruck gehabt, dass das abgewehrt bzw. so gedreht wird, dass es ja doch "total Sinn ergibt". Also zB, dass das Zusammenwohnen und die Streitereien die Beziehung voranbringen - merkwürdige Sichtweise irgendwie. Ich will auch keine Besserwisserin sein und weiß dann gar nicht so genau, wie ich darauf reagieren soll, ausser mit "naja, schau einfach mal"

Zitat von Skorpion:
Für mich hat jeder seinen eigenen Fahrplan, wann und wie etwas in das Leben passt. Du selbst solltest gut für Dich sorgen, dann bleibst Du sicher nicht auf der Strecke.


Absolut. Und dennoch habe ich das Gefühl, dass fast alle immer wieder das völlig klassische Modell ihrer Eltern leben und am Ende das herauskommt, was du im Satz davor schreibst... für mich kanns das irgendwie auch nicht sein

31.03.2021 21:55 • #5


Skorpion


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Zitat von Berlinerin91:
ich nicht daherkommen und es schlechtreden möchte


Nein, nicht schlechtreden. Du kommst hier sehr empathisch rüber, machst Dir viele Gedanken über ihre Verletzlichkeit. Wenn sie abwehrt, wirst Du vermutlich nicht viel machen können. Wenn sie aber nochmal sagt, dass Streitereien die Beziehung fördern, könntest Du vielleicht sagen, dass dies für Dich nicht gilt. Vielleicht hakt sie dann selbst mal nach...

Zitat von Berlinerin91:
fast alle immer wieder das völlig klassische Modell ihrer Eltern leben


Ich denke, das ist ein stückweit normal, weil man das genau vorgelebt bekommt und auch gewisse Verhaltensmuster gewinnt man dann gleich mit.

31.03.2021 22:08 • x 1 #6


Berlinerin91


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Zitat von Skorpion:
Wenn sie aber nochmal sagt, dass Streitereien die Beziehung fördern, könntest Du vielleicht sagen, dass dies für Dich nicht gilt.


Wäre auf jeden Fall ein Ansatz, allerdings hatte ich bisher leider keine wirklich stabile, längere Beziehung (gehe in meinem ersten Thread darauf ein) und denke, dass das dann nicht besonders glaubwürdig rüberkommt. Aber ja, an sich hast du natürlich recht.

Glaube für mich stellt sich immer die Frage nach der Kompromissbereitschaft, und bei manchen fällt die offensichtlich sehr groß aus

31.03.2021 22:15 • #7


Skorpion


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Zitat von Berlinerin91:
allerdings hatte ich bisher leider keine wirklich stabile, längere Beziehung


Ich habe (leider) keine Kinder, aber dennoch eine Meinung zur Kindererziehung.

01.04.2021 12:18 • #8


ellie_luftikuss


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Hallo Berlinerin91,

ich kann dich da absolut verstehen. Meine Situation ist eigentlich die gleiche wie bei dir. Ich bin 32 und Single während meine Freunde alle verheiratet sind und Kinder bekommen. Und jede neue Nachricht über eine Schwangerschaft nimmt mich mit, weil ich immer befürchte, dass dies mich von meinen Freundinnen weiter entfernt. Allerdings waren diese Befürchtungen bisher Gott Sei Dank unbegründet. Auf der einen Seite freue ich mich für Sie und auf der anderen Seite bin ich traurig darüber, das ist schon ziemlich surreal.
Und ja der STILLSTAND aktuell ist echt das schlimmste für mich. Bisher bin ich mit der Pandemie-Situation ziemlich gut klar gekommen aber so langsam bin ich für jede kleine Veränderung dankbar. Egal was. Manchmal fühle ich mich schon ein bisschen verzweifelt als Single und mir fehlt einfach die Nähe zu einer anderen Person, aber dann gibt es auch wieder genug Momente in denen ich sogar ganz gerne Single bin und froh darüber, mich nach niemandem richten zu müssen. Oder ich höre meine Freundinnen über Ihre Männer schimpfen...dann bin ich auch oft dankbar, diese Probleme nicht zu haben

Was deine Freundin angeht würde ich es eigentlich genauso machen, wie du es schon versucht hast. Versuche zaghaft, das Thema anzusprechen, wenn du allerdings merkst, dass Sie da dicht macht, würde ich es sein lassen und versuchen die Situation so zu akzeptieren. Habe ich auch bei einer Freundin gemacht. Ich fand das Verhalten Ihres Freundes auch oft fragwürdig, vor allem auch der Umgang mit Geld und so. Habe ich bei Ihr angesprochen, vor allem auch, weil Sie bei einer Hochzeit ja für seine Schulden einsteht aber Sie lies sich da nicht beirren und hat Ihn eben auch verteidigt. Wenn einem an der Freundschaft dann viel liegt denke ich bleibt einem nichts anderes übrig als den Partner zu akzeptieren, auch wenn man es selber anders sieht. Natürlich sollte man bei ernsthaften Problemen keinen in sein Verderben laufen lassen aber danach klingt es hier nicht. In diesem Fall muss deine Freundin selber merken ob es das richtige ist oder nicht. Und sollte sie irgendwann merken, dass es nicht das richtige war, kann man als Freundin nur da sein und sie hinterher trösten.

War bei mir übrigens genauso. Als mein Ex nach 4 Jähriger Beziehung überraschend Schluss gemacht hat, sagten hinter her einige, dass sie ihn ja auch irgendwie komisch fanden. Hat vorher keiner gesagt Ich glaube ich hätte es auch nicht wirklich hören wollen.

01.04.2021 16:43 • x 1 #9


Berlinerin91


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Hey @ellie_luftikuss,

danke für deine Nachricht - irgendwie tut es gut zu wissen, dass man mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht alleine ist und sich austauschen kann. Ich hab zwar auch Menschen, die mich in diesen Punkten verstehen, dennoch fühlt man sich manchmal etwas isoliert und irgendwie auch ein bisschen doof dabei, weil alle einem dann sagen, dass man toll ist und alles irgendwann gut wird - und das in dem Moment einfach nicht glauben will, weil es eben etwas floskel-artig wirkt.

Zitat von ellie_luftikuss:
Manchmal fühle ich mich schon ein bisschen verzweifelt als Single und mir fehlt einfach die Nähe zu einer anderen Person, aber dann gibt es auch wieder genug Momente in denen ich sogar ganz gerne Single bin und froh darüber, mich nach niemandem richten zu müssen.


genau das Gefühl kenne ich sehr gut - einerseits diese Unabhängigkeit zu genießen, aber auch der Wunsch danach, in schweren Zeiten Unterstützung zu erfahren und auch für jemand anders da sein zu wollen.
Datest du denn momentan (auch während Corona)? Und nutzt du Datingapps? Falls du erzählen magst.

Schönen Abend erstmal

01.04.2021 20:45 • x 1 #10


Ninia


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Ich werde sehr bald 40 und habe ausschließlich Freunde um mich herum, die wie ich, keine Kinder haben und eben ein anderes Verständnis dessen, was das Leben bereit halten sollte.
Ich glaube, Dir würde es gut tun zu akzeptieren, dass sich auch Freunde in unterschiedliche Richtungen entwickeln können. Es ist wie in Beziehungen, manchmal passt es nicht mehr und man geht getrennte Wege.
Wenn Du selbst irgendwann Kinder bekommst, dafür hast Du noch mehr als genug Zeit, habt ihr wieder mehr Schnittmengen und vielleicht erwecken dann alte Freundschaften wieder zum Leben. Wenn nicht, findest Du andere.

Versuche doch Deinen Blickwinkel zu ändern. Nicht jede Partnerschaft ist Glück und Freude, nicht allen Eltern geht es gut. Hinter der Fassade sieht es oft anders aus. Manche werden Dich um Deine Freiheit beneiden, würden es aber nie sagen, weil es sich nicht gehört lt. gesellschaftlicher Norm.

Also genieße Deine Freiheit, richte den Blick auf das was Du hast und nicht darauf, was Du nicht hast. Irgendwann wirst Du Deinen Wunsch erfüllen können und Mutter werden. Tue jetzt alles dafür, dann mit einem zufriedenen Schmunzeln auf Deine letzte Singlezeit zurückzublicken.

01.04.2021 21:20 • x 1 #11


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Ich war mit Anfang 30 mal ein paar Monate mit einer Alleinerziehenden zusammen. Eine sehr attraktive, sympathische Frau. Aber Schritt für Schritt kam dann eigentlich raus, was sie wollte. Es war der drängende Zweitkinderwunsch, der erfüllt werden sollte. Als dann nach 2-3 Monaten dann auch schon die Teststäbchen für die Familienplanung besorgt wurden, wurde mir das ganze dann doch etwas zu heikel. Und dort habe ich auch das erlebt, was ich hier gerne als "Werbungsphase" erlebt habe. Es wird sehr viel "Gas" gegeben, um den Mann zu binden. Man spürt aber irgendwann, dass das Ganze einfach auf einen Zweck gerichtet ist. Und vermutlich die Halbwertszeit dieser Beziehung nicht lang gewesen wäre.

01.04.2021 22:24 • #12


ellie_luftikuss


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Ja also mit deinen aktuellen Empfindungen bist du da absolut nicht alleine. Und wie gesagt dem Grunde nach bin ich sogar jemand der sehr gerne mit sich alleine ist und seine Ruhe genießt aber in der aktuellen Lage ist es dann doch etwas zu viel Ruhe
Aktuell date ich nicht aber das hat nichts mit Corona zu tun. Im ersten Lockdown letzten Jahres habe ich mich auch mit einem Mann getroffen. Ich finde das ist eine Entscheidung die jeder für sich selber trifft, Und ganz ehrlich man datet ja nicht unbedingt jeden Tag einen anderen, sodass man da super viele Kontakte zu unterschiedlichen Leuten hat.
Nur tue ich mich generell mit dem Online-Dating schwer. Das Konzept ist nicht so richtig meins. Ich finde es schwer in Gespräche zu kommen, die ich auch interessant finde. Dann ist es fast unmöglich die Typen nach Ihren Bildern zu beurteilen weil man den Charakter eben nicht vom Bild ablesen kann. Um nur nach den Bildern zu urteilen habe ich wahrscheinlich auch zu viele Vorurteile oder Klischees im Kopf. Aber wenn die da schon Oberkörper frei Ihre Muskeln präsentieren müssen bin ich z.B. schon raus. Und für mich wird ein Mann gleich so viel Attraktiver, wenn er sympathisch und lustig ist. Meinen Ex-Freund hätte ich niemals nicht online angeschrieben, weil er anfangs so gar nicht mein Typ war
naja dazu kommt noch, dass man sich selbst ja auch dem Urteil der Männer stellen muss und da fühle ich mich gerade nicht ganz so wohl mit mir, weshalb ich da momentan nicht date.

Und Ninia du hast natürlich komplett recht, bei den anderen ist auch nicht alles schön und und ich höre auch öfters, dass man auf meine Freiheiten neidisch ist aber der Mensch ist ja so veranlagt, dass er meistens das haben möchte was er gerade nicht haben kann. Es gibt auch so viele Momente in denen mir das total klar ist wie gut es mir geht und das alles ok ist. Und dann gibt es da eben auch ein paar einsame Momente. Aber das ist doch vermutlich ganz normal. Und nichts für ungut aber dass sie für das Kinder kriegen noch so viel Zeit hat, hört Berlinerin 91 vermutlich auch ziemlich oft. Ähnllich wie die Sätze "die liebe findet dich, wenn du nicht damit rechnest bzw, nicht mehr danach suchst" oder auch gerne gehört "warte es ab das geht dann plötzlich alles ganz schnell", oh und auch ein Klassiker "wer weiß wozu das alles gut ist, deine Zeit kommt noch"
stimmt bestimmt auch alles und sage ich mir in schwachen Momenten selbst immer Mantra-mäßig auf aber es würde mich sehr beruhigen zu wissen, das so in 4-5 Jahre da jemand ist der auf mich wartet und das es mit dem Kinder kriegen dann auch entspannt klappen wird. Weil irgendwann hat man dann eben doch nicht mehr ewig Zeit dafür. Wir sind ja keine Männer.

01.04.2021 22:30 • x 2 #13


Ninia


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Mit 29 hat sie aber nun mal noch sehr viel Zeit. Das ist ja einfach mal Fakt. Man kann sich natürlich auch eine Illusion schaffen zu glauben, in x Jahren wird Mr. Right bereit stehen.
Am Ende des Tages sind es die eigenen Gedanken, die über ein aktuelles Gefühl entscheiden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Und klar, manchmal hilft alles nix und alles ist doof. Das darf auch mal sein, aber wenn es richtiger Leidensdruck wird, sollte man etwas ändern.

01.04.2021 22:40 • #14


Berlinerin91


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Zitat von Ninia:
Manche werden Dich um Deine Freiheit beneiden, würden es aber nie sagen, weil es sich nicht gehört lt. gesellschaftlicher Norm.


Glaube das ist eines meiner größten Probleme - ich würde von mir behaupten, dass ich ziemlich ehrlich mit mir selbst bin und es dementsprechend manchmal schwierig finde, wenn gute Freunde es nicht sind. Ich kann natürlich nicht von jedem diese Selbstreflexion verlangen, aber ich würde mir wünschen, dass man grundsätzlich offener miteinander ist - weil im Zuge dessen auch diese belastenden Gesellschaftsnormen aufgelöst werden könnten. Für mich würde das bedeuten, dass man sich keine unnötigen Illusionen macht, mit Schwächen und Rückschlägen besser umgehen und besser füreinander da sein kann. Schließlich ist es ja eh eine Art unausgesprochene Wahrheit - warum nicht offen darüber sein?

Zitat von ellie_luftikuss:
Dann ist es fast unmöglich die Typen nach Ihren Bildern zu beurteilen weil man den Charakter eben nicht vom Bild ablesen kann. Um nur nach den Bildern zu urteilen habe ich wahrscheinlich auch zu viele Vorurteile oder Klischees im Kopf.


Da geht es mir haargenau wie dir - habe mich grundsätzlich sehr in deiner Nachricht wiedererkannt. Glaube auch, dass Tinder einen völlig falschen Mechanismus fördert und einen krass abstumpfen lässt. Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass das ja alles Menschen mit einer Geschichte hinter diesen Profilen sind.

Zitat von ellie_luftikuss:
aber es würde mich sehr beruhigen zu wissen, das so in 4-5 Jahre da jemand ist der auf mich wartet und das es mit dem Kinder kriegen dann auch entspannt klappen wird.


Den Gedanken hatte ich auch schon öfter. Vor allem, weil ich mir als Jugendliche schon irgendwie gewünscht habe, auch etwas jünger Mutter zu werden - das kann ich auch gar nicht so rational erklären, aber die Vorstellung gefiel mir, vielleicht auch, weil meine Mutter mich mit 25 bekommen hat. Und Ninia hat natürlich auch recht, dass 29 noch recht jung ist und man eh nicht alles planen kann. Aber ich merke in manchen Momenten dann trotzdem diese ganz tiefe Sehnsucht - und ich denke, dass es mich auch ein bisschen nervt, dass ich keine Kontrolle über die Situation habe, also nur schwer etwas daran ändern kann in praktischer Hinsicht. Alleine ein Kind zu bekommen ist für mich keine schöne Vorstellung. Ändern kann man nur seine Einstellung, das versuche ich auch, aber manchmal gelingt es mir nicht so gut.

01.04.2021 23:06 • #15



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