Berlinerin91
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Hatte schon länger überlegt, diesen Thread zu eröffnen und würde mich freuen, wenn der/die ein oder andere Lust hat, seine Gedanken und Erfahrungen zu teilen.
Ich bin jetzt 29 und habe den Eindruck, dass sich langsam aber sicher die Dynamik meines Umfelds verändert: Immer mehr Menschen ziehen mit ihren Partnern zusammen, werden schwanger, etc. Da ich selbst Single bin, merke ich nun immer mehr, dass ich gefühlt zur zweiten Wahl für viele meiner Bekannten werde. "Zweite Wahl" meine ich gar nicht mal in einer abwertenden Form, sondern vielmehr, dass verpartnerte Freunde natürlicherweise mehr Zeit miteinander verbringen, vor allem während Corona. Aber auch sonst wird der Jahresurlaub eher mit dem Partner verbracht, als mit der Freundin - was ich absolut verstehen kann, aber dennoch. Irgendwie beschleicht mich auch manchmal das Gefühl, dass manche von ihnen weitreichende Entscheidungen treffen, einfach nur, damit "etwas passiert" - vor allem eine Art Milestone erreicht wird - auch, wenn sie das vielleicht nicht zugeben möchten. Was mich daran stört, ist, dass ich wiederum das Gefühl habe, dass diese Dinge mich von meinen Freunden entfernen, weil ich ihnen nicht ehrlich sagen kann, dass das mein Eindruck ist.
Ein Beispiel geht mir momentan besonders durch den Kopf: Eine sehr gute Freundin von mir hat vor 1,5 Jahren ihren Freund bei Tinder kennengelernt und ist jetzt mit ihm zusammengezogen. Weil ihr Freund mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, macht er meine Freundin manchmal runter und sagt verletzende Dinge zu ihr, um (vermutlich) eine gewisse emotionale Distanz zu ihr zu halten. Das Zusammenziehen war wohl eher eine praktische Entscheidung, aber sie sagt auch, dass sie glaubt, dass es ihrer Beziehung gut tun könnte - was ich persönlich für etwas abwegig halte. Auch zahlt sie erstmal mehr Miete, obwohl sie das kleinere Zimmer nimmt (?), weil er gerade nicht so viel Geld hat. Ob sich das in absehbarer Zeit ändern wird, ist ungewiss. Natürlich sollte man sich m.M.n unterstützen, wenn die Zeiten schwierig sind, aber im Gesamtbild kommt mir das nicht so geheuer vor.
Da sie in einer anderen Stadt wohnt, bekomme ich alltägliches nicht mit. Ich habe aber das Gefühl, dass sie sich selbst etwas vorlügt, weil sie verliebt ist und hofft, dass alles irgendwann gut wird, obwohl die Vorzeichen - aus meiner Sicht - eine andere Sprache sprechen. Was mich an dieser Geschichte traurig macht, ist, dass ich eine Distanz zwischen uns spüre, weil ich ihr meine Bedenken nicht wirklich mitteilen kann, aus Angst, sie zu verletzen. Ich habe auch Angst den Vorwurf zu bekommen, nur neidisch zu sein - was ich zum großen Teil entkräften kann, weil meine engste Freundin in einer wundervollen Beziehung ist, mit ihrem Freund zusammenlebt und ich mit beiden gerne was unternehme und kein bisschen missgünstig o.ä. bin.
Aber ich gebe auch zu, dass es mich natürlich schon manchmal frustriert, dass sich bei anderen etwas bewegt und ich - vor allem wegen Corona - kaum Erlebnisse oder Ablenkung habe. Ich studiere und arbeite von Zuhause, lebe alleine und schränke meine physischen Kontakte stark ein. Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit mir selbst beschäftigt, auch Dinge aufgearbeitet. In meiner Freizeit lese ich viel, gehe spazieren, gucke Dokus usw. Zwei Freundinnen sehe ich regelmäßig. Körperlichkeit und Nähe fehlen mir manchmal sehr und lassen mich dann in ein tiefes Loch fallen.
Wenn ich mitbekomme, dass Frauen schwanger werden, macht mir das besonders zu schaffen, weil auch ich einen Kinderwunsch habe, aber denkbar weit entfernt davon bin. Ich habe zwar auch Freundinnen, die Mütter sind und emotional nicht besser dran sind, als ich - die sich meine Freiheit wünschen und mich dann beneiden; eine absurde Situation. Dennoch merke ich, wie schwierig dieses Thema für mich ist und wie groß die Sehnsucht.
Gerade der Winter war aufgrund einiger Rückschläge sehr schwer für mich. Gerade hilft mir nur der Tunnelblick, aber ich weiß nicht, wie lange noch. Daher meine Frage in die Runde: Habt ihr auch das Gefühl, im Stillstand zu sein, gerade mit Corona? Wie geht ihr damit um, wenn immer mehr Freunde in Partnerschaften sind und man selbst irgendwie auf der Strecke bleibt? Wie würdet ihr Bedenken über eine Partnerschaft im Umfeld äußern, oder würdet ihr sie überhaupt zum Ausdruck bringen?
Ich würde mich über Antworten freuen (: