stillsad
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nach monatelangem Mitlesen fasse ich mir nun doch auch ein Herz und schreibe meine Geschichte.
Kurz zu mir: Ich habe innerhalb der letzen vier Jahre den Rest meiner schon durch Krebs ausgedünnten Familie (Eltern und Geschwister) komplett verloren und trotzdem nicht aufgegeben und weiter gekämpft. An meiner Seite die ganze Zeit mein damaliger Freund. Natürlich war ich in der Zeit nicht leicht, da ich trauerte und geschockt war durch die Schicksalsschläge. Dennoch waren wir sehr verliebt und haben das Ganze zusammen durchgestanden. Wir waren wirklich beide überzeugt, dass wir die große Liebe gefunden haben. Aber gerade, als wieder etwas Ruhe eingekehrt ist und wir eigentlich wie geplant eine Familie gründen wollten, macht mein Freund von einem Tag auf den anderen Schluss. Dazu muss ich sagen, dass er Probleme in der Arbeit hatte, seine Selbstständigkeit einen Rückfall erlebt hat und er komplett überarbeitet war. Trotzdem, er hat mich einfach im Urlaub stehen lassen und ist abgereist und bis auf einen kurzen Versuch seine Meinung auch nicht mehr zurück genommen. Ich hatte keine Chance.
Das war Ende März. Leider war die Art und Weise der Trennung auch sehr respektlos und ich frage mich immer noch, wie er von einer Sekunde auf die nächste so sein konnte. Dass er eine andere hat, was sein Verhalten am besten erklären würde, hat er verneint.
Ich habe dann relativ schnell die Konsequenzen gezogen, bin ausgezogen und habe meinen Job gekündigt und bin für einen Neuanfang 800 Kilometer weit weg gezogen. Trotzdem liebe ich ihn noch immer, was ich ihm auch bei unserem letzten Treffen im April gesagt habe. Seitdem haben wir nicht mehr gesprochen. Vor einem Monat habe ich ihn per Email gebeten, ob wir noch einmal miteinander reden könnten, einfach auch, damit das Ende nicht die - wirklich ansonsten sehr gute Beziehung - so negativ überschattet. Denn das schmerzt mich, die ich schon meine Familie durch den Tod verloren hat, am meisten, weil das ist es nicht wert: Ich möchte irgendwann einmal mit einem Lächeln an die Beziehung zurück denken und nicht mit Wut.
Auch wenn ich in der Email darum gebeten hatte, dass er mir bitte in jedem Fall Bescheid geben soll (ob ja/nein) hat er sich nicht darauf gemeldet. Auch zu meinem Geburtstag kurz zuvor kam nichts. Und nun sitze ich jetzt in der großen Stadt, ohne Wohnung, ohne Familie, ohne Hoffnung, in den Anfängen meiner Freiberuflichkeit (so schnell konnte ich keinen Job finden und da das immer schon mein Traum war, dachte ich, ich probiere es jetzt einfach mal, aber bedeutet natürlich dreifach Druck) und komme einfach nicht über ihn hinweg. Nun bin ich auch schon 33, d.h. dazu kommt jetzt auch noch die Angst, den Traum von der eigenen Familie, die wir eigentlich dieses Jahr gründen wollten (zu Sylvester haben wir noch lächelnd darauf angestoßen), nicht mehr realisieren zu können.
Immerhin habe ich hier viele, gute Freunde, die mich gerade in der Anfangszeit sehr unterstützt haben. Aber auch die können jetzt nicht mehr helfen, da ich mich ja nur im Kreis drehe (um einen Therapieplatz habe ich mich schon bemüht, bekomme aber erst im Winter einen freien Platz). Ich kann nur einfach nicht mehr. Ich war wirklich glücklich mit ihm und liebe ihn noch immer, auch wenn er zum Abschied zu mir gesagt hat, dass ich ohne ihn und seine Familie nichts sei. Und das finde ich immer noch so gemein und unter der Gürtellinie, dass ich keine Ahnung habe, ob ich das jemals vergessen könnte. Ich glaube also nicht, dass wir noch eine Zukunft haben. Und er hat durch sein Verhalten ja sehr deutlich gemacht, dass er kein Interesse mehr an mir hat (zu meinem Geburtstag hat er sich auch nicht gemeldet, was mir auch sehr weh getan hat). Trotzdem frage ich mich, sollte ich ihm noch einmal schreiben, dass ich ihn immer noch liebe? Ein letzter Versuch? Ihn anrufen (wobei ich bestimmt das Weinen anfange, wenn ich seine Stimme höre). Bei der letzten Email hatte ich ja nur ziemlich neutral ein Treffen vorgeschlagen. Oder aber soll ich es lieber lassen? Bzw.: Wie schaffe ich es, loszulassen und wieder Vertrauen in die Welt zu bekommen?
Meine Freunde sagen alle, ich soll wieder ein bisschen Stolz finden, er war am Ende ein Ar., das überwiegt seine guten Seiten davor. Aber von außen ist das immer so leicht zu sagen. Ich habe nur Angst, nicht alles versucht zu haben und mir das dann später vorzuwerfen (gegen die Email waren auch alle, aber danach hatte ich mich tatsächlich ein bisschen besser gefühlt, hat nur leider nicht lange angehalten). Vielleicht kann mir ja jemand helfen bzw. auch mit positiven Erfahrungsberichten weiterhelfen, die Mut machen, loszulassen. Ich bin nur wirklich komplett am Boden, obwohl ich eigentlich vor einem Jahr schon dachte, dort gewesen zu sein.
Danke und VG,
stillsad