Zitat von Rosamarie: Als Stationshilfe Medikamente zu verteilen ist fahrlässig
Da stimme ich dir vollständig zu. Ich weiß heute auch nicht mehr, was mich damals geritten hat. Heute würde ich das für niemanden mehr tun, auch nicht für George Clooney, sollte der mir als Pfleger über den Weg laufen. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich total ausgehungert war nach Anerkennung und Lob und ja, vielleicht auch nach diesem süßen Lächeln mit anziehend Augenaufschlag, den er mir damals bei jeder Gelegenheit schenkte. Sowas hatte ich in meinem Leben zuvor nie erlebt. Schon gar nicht mit meinem Mann.
In ihn war ich zwar auch sehr verliebt aber unsere Beziehung war ja schon von Anfang an sehr belastet, so dass ich diese Verliebtheit kaum genießen konnte. Auch ist mein Mann nicht gerade ein Womenizer. Er ist eher spröde und wenig emotional. Trotdem weiß ich heute zu schätzen, dass er mich bedingungslos liebt. Dafür bin ich ihm sehr sehr dankbar und es gelingt mir mit den Jahren immer besser, seine Liebe wertzuschätzen und anzunehmen. Inzwischen habe ich verstanden, dass das sehr viel kostbarer ist, als verzehrende Blicke und wortreiche Komplimente.
Trotzdem fehlt mir auch heute manchmal noch eine gewisse Sinnlichkeit und Leichtigkeit in unserer Ehe. Die Lebensfreude, die ich in der Affäre empfinden konnte, will sich nicht wirklich wieder einstellen. Hinzu kommt, dass mein Mann und ich ja inzwischen älter geworden sind und sich erste Wehwehchen eingestellt haben. Ich weiß und sehe ja jeden Tag bei meiner Arbeit, dass das eher schlimmer als besser werden wird in unserer Zukunft.
Insofern war die Affäre eigentlich die erste und einzige "Liebesbeziehung" , die ich wirklich mit allen Sinnen genießen konnte. Traurig traurig, das zu sagen und ich höre euch auch schon wieder schimpfen und verständnislos mit dem Kopf schütteln. Ich weiß ja zumindest rational, das das ganze Lug und Trug war und der schlimmste Dreck, den ich jemals erlebt habe. - Einerseits! Andererseits war es aber eben auch toll, sich mit fast 50 nochmal jung und unbeschwert zu fühlen. Und sei es auch nur für wenige Augenblicke. Aber es gab sie eben, die schönen, prickelnden Momente, in der wir uns benahmen, wie die Teenager. So etwas hatte ich mit meinem Mann leider nie erlebt und ich werde es wohl auch nie wieder in dieser Form erleben.
Vielleicht erzähle ich deshalb hier soviel noch immer vom AM. Ich will diese Erinnerungen wohl tatsächlich irgendwie noch warm halten. So schlimm sie auch auf der anderen Seite waren und so leidvoll für die liebsten Menschen in meinem Leben.
Und um es vorweg zu nehmen, nein es ist keine Lösung, meinen Mann zu verlassen, um etwas ähnliches noch einmal mit einem anderen Partner zu erleben. Erstens glaube ich nicht daran, dass mir noch einmal so etwas passieren könnte und zweitens weiß ich, was ich an meinem Mann habe. Es fällt mir zwar immernoch schwer, meine Gefühle für ihn wieder aufkommen zu lassen aber ich will ihn in meinem Leben genauso wenig missen, wie er mich. Dass wir einander trotz allem immernoch haben, ist ein riesiges Geschenk, dass ich am allerwenigsten verdient habe. Das zumindest weiß ich heute ganz genau. Und er übrigens auch. Er will mich in seinem Leben behalten und ich werde bei ihm bleiben, bis zum Schluss. Nur leider hat diese Ehe einige Sprünge (in der Schüssel), die ich verursacht habe. Vieleicht aber macht sie genau deshalb für uns inzwischen wieder Sinn. Manchmal braucht es Sprünge, um wieder Licht und Luft zum Atmen zu bekommen. Hmm, werde ich mal drüber nachdenken. Das Bild gefällt mir!