Hallo und guten Morgen @Valeria ,
das war ja gestern bestimmt ein aufwühlender Tag für dich hier im Forum. Ich hoffe, du hast trotzdem gut geschlafen.
Also, wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du deine Ehe hauptsächlich wegen der Kinder weiter führen. Das kann ich sehr gut verstehen, so ging es mir auch nach meiner Affäre. Ich hatte mich ja geoutet und getrennt und unser Sohn, der damals 15 war, wollte bei seinem Vater bleiben. Ich suchte mir also eine Wohnung in der Nähe, um weiter für ihn da sein zu können. Das war aber natürlich trotzdem nicht leicht.
Nachdem der AM dann kalte Füße bekommen und sich zurück gezogen hatte, brach ich zusammen. Ich fühlte mich einsam und verlassen ohne meine Familie und hatte dazu noch Existenzängste, weil meine finanzielle Situation unklar war. Ich hatte zwar einen Job aber von diesem Geld alleine hätte ich nicht leben können. Nur mit dem Trennungsgeld kam ich einigermaßen über die Runden und das ist ja bekanntlich zeitlich begrenzt. Nachehelichen Unterhalt gibt es nur in Ausnahmefällen und wird sehr selten zugesprochen.
Meine Situation war also alles andere als rosig. Ich denke mal, das würde dir so ähnlich auch blühen, oder?
Nach meinem Zusammenbruch holte mein Mann mich zurück und ich ließ es aufgrund dieser beklemmenden Situation geschehen, obwohl ich damals keinerlei Gefühle mehr für ihn hatte. Ich war emotional noch ganz beim AM. Das besonders, da ich ja noch immer nichts von seiner Hauptbeziehung wusste. Er war ja noch relativ frisch verwitwet, hatte seine Frau zuvor lange gepflegt und ich dachte nicht, dass er sich schon längst anderweitig gebunden hätte. Vermutlich sogar schon vor dem Tod seiner Frau hatte er ein Verhältnis zu deren bester Freundin aufgebaut, die nach dem Trauerjahr seine offizielle Partnerin werden sollte.
Welche Funktion ich für ihn hatte, darüber habe ich lange gerätselt. Ich denke ich war seine Spielwiese, wo er mal die S au raus lassen konnte. Außerdem war er mein mir übergeordneter Kollege auf der Arbeit, der meinen Fleiß und meine Arbeitsbereitschaft durch seine Zuwendung noch ein bisschen steigern wollte. Das lief ja dann auch sehr erfolgreich für ihn. Ich nahm ihm jede Menge Arbeit ab. Auch die, für die ich weder ausgebildet noch befugt war.
Na ja, egal, ich will dich hier nicht zumüllen mit meiner Geschichte. Ich will dir nur sagen, ich kann deine Gedankengänge sehr gut verstehen und hoffe für dich, dass alles so läuft, wie du es dir wünschst.
Trotzdem möchte ich dich nochmal ermutigen, das Gespräch mit deinem Mann zu suchen. Wie du erwähnt hast, lief eure Ehe ja schon vor der Affäre nicht gut. Dafür mag es Gründe gegeben haben, für die auch dein Mann Verantwortung trägt. Nur weil du eine Affäre hattest, musst du jetzt nicht den Karren alleine aus dem Dreck ziehen. Wie wäre es also wenn du ihm sagst, dass du eigentlich nur noch der Kinder zu liebe bei ihm bist, dir aber wieder mehr wünschen würdest? Die Affäre musst du ja nicht erwähnen. Und dann überlege dir mal, welche Bedingungen dein Mann zu erfüllen hätte, damit du dich bei ihm wieder wohl fühlst. Was fehlt dir? Unterstützung in der Hausarbeit oder mit den Kindern? Mehr Zeit für Romantik? Was auch immer es ist, dafür ist er mit verantwortlich. Affäre hin oder her.
Und sag ihm ruhig auch, dass im Notfall für dich eine Trennung denkbar wäre, dass du darüber auch schon nachdenkst. Das tust du ja offensichtlich, wenn ich deinen anderen Thread richtig verstehe.
Weißt du, bei manchen Männern darf man ja nicht nur mit dem Zaunpfahl winken, sondern muss damit zuschlagen, damit sie aufwachen. Deine Affäre und die Beichte derselben könnte dafür der entscheidende Trumpf in deiner Hand sein. Nicht falsch verstehen bitte. Aber für uns war die Affäre damals nicht nur eine schlimme Krise sondern auch eine echte Chance, unsere Ehe neu aufzustellen.
Nicht alles hat dabei so funktioniert, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber einiges schon. Also zumindest soviel, dass ich die meiste Zeit wieder zufrieden bin mit meinem Leben. Was will Frau mehr?
Na ja, dass was ich mehr will, muss ich mir halt anderweitig holen. Ohne Affäre natürlich!

Aber zurück zu dir! Besonders eure bzw. deine Sexualität ist ja ein heikles Thema. Bitte überfordere dich da nicht. Um dich wieder für deinen Mann öffnen zu können, muss erstmal sehr viel geklärt und besprochen werden. Von mir aus, ohne die Affäre zu erwähnen. Aber weißt du so eine Geschichte ist ja auch bewusst oder unbewusst ein sehr aggressiver Akt gegen den Partner. Warum warst du so wütend auf deinen Mann, dass du ihm das angetan hast?
Und der zweite Aspekt, durch die Affäre und deren Verheimlichung hast du ganz schon an Macht gewonnen. Du hast jetzt ein Wissen, dass dein Mann nicht hat. Das gibt dir eine gewisse Überlegenheit. Ist dir das bewusst? Genießt du das auch irgendwie? Und warum war das notwendig? Hast du dich vorher ohnmächtig gefühlt ihm gegenüber?
Du siehst, da gibt es noch viel aufzuarbeiten. Ich hatte damals die Therapeutin an meiner Seite, die mich unterstützte und mir Mut machte. Wen hast du?
Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft und Geduld für die nächste Zeit. Du wirst sie brauchen!