Giulietta78
Mitglied
- Beiträge:
- 50
- Themen:
- 2
- Danke erhalten:
- 42
- Mitglied seit:
ich stecke in einer schweren Beziehungskrise die mich sehr belastet. Das Gefühl so nicht weitermachen zu können wird übermächtig. Leider kann ich mich meinen Freunden nicht so weit anvertrauen und ihnen das ganze Ausmaß des Dilemmas erzählen.
Hier ein kurzer Einblick in die Eckdaten: Er ist ende Vierzig, ich bin mitte Dreißig, Wir sind 16 Jahre zusammen, 11 Jahre verheiratet, ein Sohn, ein gemeinsames Haus, mein Vater wohnt in der Einliegerwohnung, ein Hund, beide voll Berufstätig, finanzielle Situation schwierig.
Schon lange belastet mich die emotionale Kälte die mir mein Mann entgegenbringt. Er ist generell ein ruhiger und wenig emotionaler Mensch. Sein Elternhaus ist nicht besonders liebevoll und fürsorglich sondern eher rational und kühl. Ich bin zwar auch eine anpackende, robuste Frau, aber in schwierigen Situationen fehlt mir ein Partner sehr, bei dem ich mich mal ausheulen kann, der mich mal in den Arm nimmt.
Diese Kluft zwischen uns wird immer tiefer, sie bestand schon von Anfang an, aber ich dachte ich könnte mich daran gewöhnen.
In den letzen Monaten haben wir sehr viel durchgemacht. Das schlimmste ist die Erkrankung unseres Sohnes ( ein Tumor ). Vorher hatten wir bereits finanzielle Probleme, die mich auch belastet haben, aber nichts im Vergleich zu den Problemen die wir in den letzten Monaten erleben mussten.
In der dunkelsten Stunde meines Lebens war er nicht bei mir. Ich habe an jenem Tag bei meinem Sohn im Krankenhaus auf die Untersuchungsergebnisse gewartet, den ganzen Tag, bis spät in die Nacht. Von ihm kam nur eine SMS ob es schon Neuigkeiten gäbe. Eine SMS... Es war schon sehr spät als mich der Stationsarzt dann über die vorläufigen Ergebnisse informierte. Es war ein Schock, wie in Trance fuhr ich nach Hause. Mein Mann hatte geschlafen, mir brach die Stimme als ich ihm erzählte was die Ärzte diagnostiziert hatten. Er war sichtlich schockiert, aber er bewegte sich keinen Millimeter. Ich war so aufgewühlt das ich auch keine Tränen hatte aber ich hätte ihn so sehr gebraucht in diesem Moment... es kam zu keiner Umarmung, keine Berührung, kein Trost, nur das sachliche besprechen der weiteren Maßnahmen.
Ein Marathon aus Untersuchungen folgte, dazwischen immer quälende Tage des Wartens. Er war teilweise nicht arbeiten, begleitete mich/uns aber meist nicht zu den Terminen. In der ganzen Zeit kam kein Wort des Trostes von ihm. Nachts weinte ich oft stundenlang, meist ignorierte er mich, einmal meinte er mein Geheul würde auch nichts an der Situation ändern.
Bei dem wichtigsten Termin in der Klinik war er dabei, anwesend würde ich eher sagen, kein halten der Hand, kein in den Arm nehmen... nichts. Äußerlich schaffte ich es auch gefasst zu bleiben, aber es ging mir so dreckig wie nie zuvor.
In den ruhigen Tagen, zwischen den Arztterminen gehen wir meist ruhig und freundlich miteinander um. Unser S.leben ist viel seltener geworden. Das war kein Problem zwischen uns, wir kennen einander, das Begehren flackerte immer wieder auf, für mich ist es aber oft eher die körperliche Nähe, die Streicheleinheiten die ich mir so hole. Für ihn, so habe ich das Gefühl, ist es halt nach einer gewissen Zeit das ausleben der Hormone.
In den Jahren zuvor gab es immer wieder Probleme wegen der fehlenden Nähe zwischen uns. Auch bei positiven Ereignissen äußert er sich nicht viel dazu. Nach der Prüfung ( ich habe 2014 ein Umschulung abgeschlossen ) hat er mir kaum gratuliert. Lakonisch meinte er nur, er wisse das ich intelligent sei und hätte keine Zweifel gehabt das ich es schaffen würde.
Wir haben gemeinsame Hobbys. Aber unser Verhalten ähnelt eher alten Freunden, manche Außenstehende haben uns schon für alte Bekannte gehalten und nicht für ein Ehepaar. Mit Freunden führe ich gerne lange Gespräche, was mit ihm leider kaum vorkommt.
Seit längerem schreibe ich mit einem Bekannten hin und wieder via Messenger. Wir haben uns über ein gemeinsames Hobby ausgetauscht, er wohnt sehr weit weg und ist so - eigentlich - keine reelle Gefahr für meine Beziehung. Er ist genau das Gegenteil meines Mannes, einfühlsam, gesprächig, witzig, er erkundigt sich immer zuerst wie es meinem Sohn geht... ja, wir flirten auch ab und zu ein wenig. Eigentlich lehne ich das strikt ab, aber er füllt genau diese Lücke die ich in meiner Beziehung fühle.
In mir wächst immer mehr die Sehnsucht nach mehr Nähe, Umarmungen, einer Schulter bei der ich mich ausheulen kann, wenn die Probleme mir über den Kopf wachsen.
Da ich keine Chance sehe in meiner Ehe diese emotionale Nähe zu finden, wünsche ich mir immer öfter allein zu sein. Nur aus Rücksicht auf meinen Sohn und auf das gemeinsam aufgebaute Leben bin ich noch nicht aus dieser Situation ausgebrochen.
Puh... das war eine ganze Menge... aber nur ein Kieselstein im Vergleich zu dem Felsen der mir auf der Seele liegt.
Ganz liebe Grüße