Liebe Jazz,
ich denke dass Empathie auch durchaus ein zweischneidiges Schwert sein kann. Sicherlich ist es im sozialen Miteinander wichtig, eine Brücke zu den augenblicklichen Emotionen des anderen zu schlagen. Dies ist natürlich nicht immer einfach, da wir ja nicht in den Kopf des anderen hineinsehen können, um seine Gefühle und Beweggründe zu verstehen und zu erfassen.
Wie kann ich Empfindungen verstehen, die keiner in Worte fassen kann?
Und was ist mit denen, die sich hinter einen Schutzwall verkriechen,weil es in unserer Kultur als Schwäche ausgelegt wird, seine Gefühle offen zur Schau zu stellen, und man dadurch auch noch verletzbar wird?
Hier greift vor allem die Akzeptanz , dass jeder das Recht hat, so zu fühlen und zu denken wie er sich äussert, und wenn es noch so abwegig ist.
Empathie heisst ja nicht, dass wir genauso denken und fühlen, denn das wäre Mitleid. Empathie bedeutet doch auch, jedem seine subjektive Sichtweise zu überlassen, auch wenn man sich selbst anders verhalten würde.
Grundsätzlich bedeutet Empathie, dass wir bei jemandem anderen das Leid oder das Glück fühlen können, welches er gerade mit sich herumträgt. Dies führt dazu, dass wir uns mit jemandem, der uns etwas bedeutet, mit leiden oder uns für jemanden anderen freuen - sofern wir das auch wollen. Und zwar bewusst.
Und hier greift die zweite Seite des Schwertes.Man muss
auch lernen, seine Grenzen zu setzen, um nicht von anderen völlig vereinnahmt zu werden.
Darum findet ich deinen Satz
Zitat: Für mich liegen die größten Prüfsteine / Herausforderungen gerade da, wo Verhalten so extrem / einem selbst so fremd ist, dass es zunächst nicht nachvollziehbar scheint und man in sich einen Widerstand spürt, sich überhaupt auf dieses Abenteuer einzulassen. Denn es könnte uns ja verändern.
auch etwas gefährlich. Ist es wirklich wichtig und nützlich, alles nachempfinden zu wollen? Es gilt doch zu unterscheiden, auf welche Empfindungen ich eingehen will, und welche ich lieber nicht zu nahe an mich heranlassen möchte.
Man muss sich immer vor Augen führen: DIES sind nicht meine Gefühle, es sind die Gefühle meines Gegenübers und mich selbst gehen sie nichts an.
Sich dort abzugrenzen ist in jedem Falle besser,als immer gegen die Gefühle anderer anzudiskutieren. Wer über Einfühlungsvermögen verfügt sollte nicht versuchen, dem Gegenüber mit logisch unwiderlegbaren Argumenten seine Gefühle auszureden. ;)
In diesem Sinne, schönen Tag dir
Thilde