Jazz
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Ich selbst bin vor gut einem halben Jahr in dieses Forum gekommen. Ich habe es damals als große Stütze erlebt - in einer Situation, in der mein Vater starb und mein Freund mich am Todestag meines Vaters verließ ... in der ich für kurze Zeit das Gefühl hatte, ich überleb das alles gar nicht; das ist einfach zu viel für meine ´kleine Seele´.
Ich habe hier eine Hand voll sehr lieber und hilfsbereiter Menschen gefunden (und es hätten sicher noch viel mehr werden können), die mich aufgebaut / abgelenkt / ermutigt / unterstützt haben und die bereit waren, von ihrem Erfahrungsschatz bezüglich eines Themas abzugeben, zu dem sie schon ein Stückchen weiter des Weges zurückgelegt hatten. Das Forum war damals - wie für so viele andere auch - sehr wichtig für mich und hat mich über einige schwere Tage hinübergerettet.
Inzwischen geht es mir wieder nicht besonders gut ... und ich könnte die Unterstützung auch hier im Rahmen des Forums dringend gebrauchen. Ich hüte mich aber davor, hier verletzliche, hochaktuelle Informationen preiszugeben ... aus genau den von lilac geschilderten Gründen.
Es ist leicht - und das versuche ich auch noch heute - anderen aus eigenen durchlebten, verarbeiteten, emotional nicht mehr belasteten Erfahrungen heraus Unterstützung zuteil werden zu lassen, denn an diesen Punkten ist man nicht mehr so angreifbar. Aber was ich am wenigsten gebrauchen könnte wäre, an meinen verletzlichsten Stellen noch zusätzlich das Messer reingerammt zu bekommen ... und genau das bedeutet es, wenn ohne jedes Feingefühl, auf rein rationaler, vermeintlich reflektierter / analytischer ... aber in Wirklichkeit nur verletzender Ebene Sätze seziert und Widersprüchlichkeiten aufgezeigt werden (die natürlich existieren / die ganze Menschheit steckt voller Widersprüche!) oder auf eine pauschale Weise Urteile gefällt werden, dass sich mir die Haare sträuben.
Ich denke, dass das Agieren hier im Forum von einer zutiefst humanistischen Grundhaltung getragen werden sollte und auch von der absoluten Mehrheit getragen wird! Leider beobachte ich genau dieselbe in o.g. Thread beschriebene Entwicklung, dass einige wenige sich hier breit gemacht haben und diesen wohlwollenden, unterstützenden Geist untergraben haben. Viele andere haben inzwischen ´das Feld geräumt´ - so wie ich auch! Ich bedaure das sehr - habe aber auch keine optimale Lösung anzubieten.
Was mich ebenfalls sehr in Erstaunen versetzt ist das Wetteifern einiger weniger in dem Sinne: ´Ich bin aber schon weiter als Du! Ich hab meine Trennung aber schon besser verarbeitet!´ Das erinnert mich doch sehr an die konkurrierenden Gespräche von Müttern auf Spielplätzen: ´Mein Kind kann aber schon dies und das ... und iiiiiiihhhhrrrrs?´
Geht es hier darum, sein eigenes Ego an dem Leid anderer aufzupolieren? Wie kann es sein, dass Menschen, die sich alle aus demselben Grund und ähnlichem Leid heraus mal zusammengefunden haben, sich nun gegenseitig an genau ihrer verletzlichsten Stelle zu treffen versuchen? Reicht das Erinnerungsvermögen nicht soweit zurück, sich wachzurufen, wie es bei einem selbst vielleicht noch vor einem halben oder einem Jahr aussah?
Ich kann mich selbst nicht ganz davon freisprechen, aus meiner Genervtheit über das polarisierende Verhalten einer Person dieses Forums heraus schon einmal einen Schlag unter der Gürtellinie ausgeteilt zu haben ... und das war wohl auch nicht ganz okay so! Soweit ich mich erinnern kann ist es allerdings auch dabei geblieben.
Was kann man tun, wenn einige wenige versuchen, das ganze System zu kippen? Ignorieren? Nur solange die Stimmen nicht zu laut werden. Spätestens wenn sie ein gewisses Medieninteresse genießen, muss man sich mit ihnen auseinandersetzen und ihnen öffentlich und leider auch inhaltlich begegnen. Und da reicht nicht eine Stimme.
Es würde mich interessieren, ob es anderen genauso ergeht wie mir, denn ich vermisse es sehr, diese wichtige Ressource des Forums zur Zeit verloren zu haben.
Viele Grüße
Jazz