Hallo Trauerkloß,
willkommen in dieser Runde der Verlassen(d)en! Es ist nicht schön, hier dabei sein zu müssen - aber immer noch mit das Beste, was einem in dieser Situation passieren kann.
Zitat von Trauerkloß:Ich habe die letzten zwei tage (seit der Trennung) viel hier gelesen und Trost gefunden oder auch gute Gründe wieder loszuheulen... Das passiert im Moment einfach !immer wieder! und tut von Zeit zu Zeit auch ganz gut. Loslassen und weinen zu können.
Tränen reinigen die Seele und deswegen ist Weinen gut. Lass' es laufen und heule meinetwegen auch wie ein Schlosshund wenn dir danach ist. Danach ist die Welt zwar nicht wieder okay, aber man fühlt sich besser.
Zitat von Trauerkloß:Wir haben uns vor fünfzehn Jahren kennengelernt und seither sehr harmonisch zusammengelebt. Wir haben schwere Zeiten gemeinsam durchgestanden und ich habe momentan das Gefühl, dass meine ganze Welt zusammengebrochen ist.
Klar. 15 Jahre sind eine immens lange Zeit und da niemand pausenlos eitel Sonnenschein hat liegt auf der Hand, dass ihr auch viel zusammen durchgestanden habt. Den Gedanken, dass das doch auch ein Wert ist, den man zusammen hat, den der andere wegwirft, kenne ich.
Ich war "nur" 3 Jahre mit meiner Ex zusammen, aber Zeit ist relativ. Manche erleben in 3 Jahren, was andere nicht in 10 Jahren meistern müssen. Bei uns - eher bei ihr - kam eine schei. nach der anderen, ich habe das immer mit ausgehalten und ich dachte auch, jetzt sind wir endlich mal dem Gröbsten raus, allmählich kommen die ruhigeren Zeiten auf uns zu. Und dann verlässt sie mich und reißt alles ein.
Natürlich frage ich mich wie unfair das ist, ob das nun der Dank für die Loyalität in all den Jahren ist... Auch wenn ich objektiv weiß, dass sie es garantiert so nicht meint, sie hat sie ihre Schicksalsschläge auch nicht ausgesucht. Aber wenn man viel mitmacht und in dem Moment, wo du sie brauchen würdest, ist die Beziehung am Ende - da fragt man sich schon wie schei. das ist.
Ich kann also bestens verstehen, dass du dich fragst wieso sie jetzt alles hinschmeißt und das auch so rüberkommt als sei ihr die gemeinsame Zeit und alles, was zusammen aufgebaut, erkämpft wurde, nichts wert.
Zitat von Trauerkloß:Nächstes Jahr wollten wir heiraten. Sie war für mich "die Eine" und jetzt das Ende...
Vor acht Wochen fing alles nach einem wunderschönen kurzen Urlaub an:
Ach du meine Güte. Ausgerechnet im weiteren Vorfeld der Hochzeit... Das sind die "kleinen Gemeinheiten", die natürlich individuell sind, aber jeder hat solche Sachen, die es besonders blöd machen.
Zitat von Trauerkloß:Sie zweifelte auf einmal (für mich aus heiterem Himmel) an unserer Beziehung. Sie sieht keine Zukunft mehr für uns. Heute glaube ich, dass sie uns bereits in dem Moment aufgegeben hatte. Ich habe noch ganz viel versucht an mir zu arbeiten und alle Vorwürfe wieder gut zu machen.
Leider waren die Vorwürfe/Probleme so konfus und viel, dass ich sie nicht verstanden habe. Ich kämpfte also gegen Windmühlen und hatte die gesamten acht Wochen jeden Morgen beim Aufwachen Angst davor, dass wir abends nicht mehr zusammen sein werden und sie sich von mir trennt. Vielleicht kann ich auf Grund der langen harten Vorbereitung auf eine mögliche Trennung bereits heute einigermaßen reflektiert darüber nachdenken, keine Ahnung...
Aus heiterem Himmel kommt es, wie man hier bei vielen Leuten nachlesen kann, ganz oft. Die innere Entfremdung des Partners besteht seit Längerem und wenn die dann den Mund aufmachen kommt das für uns plötzlich, aber der andere ist schon wochenlang voraus im Denken.
Wenn man dann - wie du - kämpft und doch verliert ist das besonders enttäuschend. Da verstehe ich dich total gut! Wird man einfach nur vor vollendete Tatsachen gestellt ist es auf seine Weise genauso blöd weil gar keine Tür mehr angelehnt ist, sondern sie wird zugeschlagen und das war's. Ist auch nicht besser... nur anders schei..
Man kann aber auch das Gute darin sehen: immerhin hattest du eine Phase der Vorbereitung. Bei allem Streß und der Angst, ob es gut geht: wäre es besser gewesen, wenn sie dich "Knall auf Fall" vor unabänderliche Tatsachen gestellt hätte? Auch nicht gut...
Zitat von Trauerkloß:Sie machte mir sehr viel Vorwürfe, dass sie immer Angst gehabt hätte ich würde ihr etwas antun oder den Menschen, die sie mag und sich deswegen immer weniger getraut hat rauszugehen und neue Menschen kennenzulernen... (Ich heiße zwar nicht Dalai Lama, aber ich glaube im Bereich des Pazifismus können wir beide viel voneinander lernen - ich bin der friedliebendste, harmoniebedürftigste Mensch, den man sich vorstellen kann. Auch wenn ich vielleicht auf Grund meiner Proportionen wie Samson aus der Sesamstraße aussehe, bin ich eher die Tiffi in der Beziehung...) Das war für mich der letzte Grund, den ich noch brauchte auch nicht mehr an die Beziehung zu glauben und die Hoffnung auf Besserung aufzugeben.
Auch wieder so eine typische Sache: natürlich bist immer du schuld und niemals sie. Auch das vollkommen typisch und fast stereotyp in jeder 2. Geschichte hier. Die Variante - wie in meinem Fall - ist: "Siehe es wie du willst. Wenn du meinst, dass ich (auch) schuld bin - dann ist das deine Wahrheit und dann glaube es so, wenn es dir hilft." Das heißt aber doch übersetzt auch nur: es stimmt zwar trotzdem nicht, aber wenn du dann Ruhe gibst rede es dir halt so ein.
Man steht immer als Depp da...
Was aber sicherlich stimmt ist, dass jeder seine Wahrheit und seine Wahrnehmung hat. Ich kenne deine Ex nicht, aber es könnte ja sein, dass sie deine Selbsteinschätzung als völlig harmloser, sanfter Tanzbär so nicht hat. Es kann natürlich auch nur vorgeschoben sein um einen Grund zu nennen und dir etwas anzulasten. Aber du verstehst vielleicht, was ich sagen will: ein anderer Mensch sieht Dinge möglicherweise anders als wir. Deswegen ist dein Blickwinkel nicht falsch, aber der des anderen auch nicht. Man muss akzeptieren, dass es "die Wahrheit" nicht gibt und es nur die Wahrnehmung der Einzelnen gibt.
Zitat von Trauerkloß:Meine Liebe zu ihr hat leider keinen Schaden genommen, ich gleube sonst wäre es in meinem Kopf jetzt nicht so wirr und in meinem Herzen leerer.
Klar, das ist jetzt eine sauschwere Zeit. Du hast keine Wahl, sie ZWINGT dich, deine Liebe nicht mehr leben zu können. Das ist bitter und dagegen hat leider niemand ein Patentrezept. Ich kann dir nur solidarisches Mitgefühl versichern und dir sagen, dass wir alle hier mit genau diesem Problem kämpfen. Willkommen im Club!

Zitat von Trauerkloß:Ich bin jetzt 32 und habe die letzten 18 jahre permanent in Beziehungen gelebt. Ich weiß nicht wie ein "one night stand" geht, ich weiß nicht wie ich jemals wieder eine Frau kennenlernen soll, ich weiß nicht ob ich jemals wieder eine Frau lieben kann, ob ich jemals wieder vertrauen kann, ob ich jemals wieder eine Zukunft planen kann ohne mir sicher zu sein, dass das nach x Jahren wieder in die Brüche geht, ich weiß nicht ob...
Du kannst!

Das Phänomen, sich nach so langer Zeit wie ein unbeholfenes Kind zu fühlen, das überhaupt nicht weiß wie sowas funktioniert, wird dir jeder bestätigen, der sich nach langer Zeit trennt. Man kriegt's aber hin, glaube mir!
Jetzt ist nicht die Zeit dafür, denn erstmal musst du diese lange Beziehung mental bewältigen und wieder alleine laufen lernen. Das wird dauern... Aber es wird irgendwann zu schaffen sein und du wirst, auch wenn dir das jetzt vollkommen abwegig erscheint, irgendwann Lust bekommen dich nach anderen Frauen umzusehen.
Dann kommt Phase 2 und es passiert etwas Spannendes: du stellst fest, dass deine Alte keineswegs perfekt war sondern es immer etwas gibt, was andere besser können als sie, egal ob es das Aussehen, Gespräche, Gemeinsamkeiten, banale oder auch tiefergehende Dinge sind.
Du hast nichts zu verlieren. Sich zu verabreden lässt dir anfangs das Herz in die Hose plumpsen, aber du wirst auch den positiven Kick spüren und ganz viel Spaß haben! Das ist "Zukunftsmusik", aber wenn wir in 1 Jahr nochmal schauen wie es dann steht... warte mal ab! The future is wide open!
Ich frage mich ob ich noch ganz normal bin weil mir, gerade mal 8 Tage nach der Trennung, der Sinn nach Abwechslung steht und ich checke gerade Möglichkeiten für irgendein Abenteuer, ob etwas greifbar wäre. Mir ist schon klar, dass das Teil der Verarbeitung ist, denn ich kann mich unmöglich schon mental/geistig auf einen anderen Menschen einlassen und weiß auch nicht, was passiert und wie ich mich fühlen würde wenn ich wirklich eine Bettgeschichte auftun würde.
Aber es zeigt, dass man möglicherweise sehr schnell wieder den Gedanken entwickelt, sich durch Popperei abzulenken. Eine neue Beziehung wäre nicht drin, dafür stecke ich noch viel zu sehr in der Verarbeitung der Trennung. Aber vielleicht hilft manchen Leuten Ablenkung - dann soll es so sein.
Warte mal ab, irgendwann in der Zukunft wirst auch du den Gedanken entwickeln, dass du mal den Markt checken solltest. Als normal tickender Mann steht dir irgendwann der Sinn nach einer anderen Frau, garantiert. Und dann entwickelst du auch den Elan und die Fähigkeiten, auf dem Markt der Eitelkeiten mitzumischen.
Ob es dich als Sofort-Ablenkungsmaßnahme reizt oder erst in langer Zeit, wenn du die 15 Jahre überwunden hast - es wird sich zeigen.
Zitat von Trauerkloß:Das ist alles nicht fair und ich hasse dieses Leben gerade abgrundtief! Ich weiß nicht mal mehr, wer ich selber bin. Die letzten fünfzehn Jahre meines Lebens bestanden nur für das "Wir" und das "Uns"...
Ein großer Teil deiner Persönlichkeit und deines Lebens bricht plötzlich weg. Das tut weh, das ist knüppelhart, da kann ich dir nichts schönreden...
Zitat von Trauerkloß:Ich war bevor Ihre Zweifel anfingen super glücklich und zufrieden.Aber sie war es anscheinend nicht mehr...
Nun, ich relativiere das mal ein wenig. Ich bin sicher, dass du nicht "permanent" glücklich warst. Du warst weitgehend zufrieden - und bequem. Das ist völlig okay, aber es ist in 15 Jahren nie "nur" super. Sei ehrlich zu dir selbst - manchmal nervt ein Partner auch. Und wenn es nur wegen irgendeiner immer wiederkehrenden Kleinigkeit ist, das berüchtigte Zahnpastatube-Beispiel...
Zitat von Trauerkloß:Die Früchte unserer Arbeit waren bald "erntereif" (Wir stehen beide kurz vor dem Einstieg in absehbar sehr gute und gutbezahlte Jobs).
Schau, ich bin seit 2 Monaten arbeitslos und mir steht das Wasser finanziell nicht nur bis zum Hals sondern weit darüber. Ich ertrinke sozusagen gerade. Jobsuche ist für mich maximaler Streß.
"Passenderweise" kommt Madame ausgerechnet jetzt mit der Trennung um die Ecke. Ein so unpassender Zeitpunkt für ein Beziehungsende, wie er schlechter nicht hätte sein können! Ich habe wirklich genug Sorgen, jetzt bricht mir auch noch die emotionale Stütze dieser Beziehung weg.
Würdest du mit mir tauschen wollen? Sicher nicht... Immerhin hast du die Aussicht auf einen guten Job und das hat ja auch etwas Gutes, Beruhigendes. Du kannst deine Energie dorthin lenken und zumindest auf dem beruflichen Sektor Erfolge zu erzielen, die du in der Beziehung nicht mehr haben kannst.
Zitat von Trauerkloß:Ich glaube ich brauche noch sehr viel Zeit um zu verstehen, was hier eigentlich gerade passiert. Ich bin mir sicher, dass es kein Zurück mehr in die Beziehung gibt! An meinen äußeren Lebensumständen hat sich bisher durch die räumliche Trennung noch nicht viel verändert.
Dann sei jetzt so konsequent (und schlau) ihr nicht nachzulaufen! Du hast alle Zeit, die du brauchst und die Dinge werden sich für dich ordnen...
Zitat von Trauerkloß:In mir drinnen sieht es aber ganz anders aus... Ich schaffe es die acht Stunden auf der Arbeit Ar. und Zähne zusammenzukneifen und ohne zu heulen (toitoitoi) durch den Tag zu kommen. Die Heulphasen hole ich dafür morgens und abends doppelt und dreifach nach.
Das ist doch prima! Ich bin eigentlich sehr, sehr nah am Wasser gebaut und habe immer Sorge, vor Dritten flennen zu müssen. Das wäre zwar theoretisch kein Weltuntergang, aber wer will das schon? Trotz allem aufklärerischen Blabla "passt" das irgendwie nicht bei einem gestandenen Mann, man will nicht als Heulsuse dastehen, das Umfeld wäre auch peinlich berührt. Deswegen kann ich gut verstehen, dass du vor anderen nicht weinen magst. Um so besser, wenn dir das auch tagsüber gelingt, morgens und abends kannst du aber weinen. Das ist okay und ich denke, das ist ein guter Weg für dich.
Zitat von Trauerkloß:Boah, was für ein Riesenscheißtrümmerhaufen!weinen / tränen
Und wie weh Gefühle tun können!
Das ist doch alles perv.!
Wie soll ich das jetzt nur alles alleine schaffen. Im Moment kann ich weder essen noch schlafen (was zwar gut gegen samsonähnliches Äußeres ist, aber heute die ersten Schwindelanfälle auf der Arbeit ausgelöst hat...)
WICHTIG: ZWINGE dich, dass du trotz allem einen sinnvollen Lebenswandel beibehälst. Du musst dir ja nicht das Dreigang-Menü reinzwingen, aber ein Mahlzeitenschema, wie du es gewohnt bist, MUSST du beibehalten! Meinetwegen isst du mangels Appettit weniger als sonst. Aber NICHT "nix essen - weil kein Hunger".
Das Gleiche gilt für andere Dinge des Lebens: zwinge dich, dass du hier die gewohnten Strukturen beihälst. Auch wenn du dich ab und zu selber disziplinieren musst, es ist erforderlich.
Zitat von Trauerkloß:Ich habe keine Ahnung wie lange ich diese Situation noch aushalte. Meine Freunde und Familie wohnen alle 400 km weit weg und ich bin hier grad ganz alleine und fühle mich auch vollkommen alleingelassen und einsam, auch wenn sich alle aus der Ferne rührend um mich kümmern. Das was Sie mir bedeutete können sie doch nicht ersetzen. Ich telefoniere viel und auch das Aufschreiben / Gedanken sortieren tut mir grad gut...
Wäre denn eine Möglichkeit, dass du mal ein paar Tage Urlaub machst und zur Familie fährst? Freunde und Familie sind für dich da, so wie du in Krisenzeiten auch für sie da bist. Jetzt darfst du auch ohne schlechtes Gewissen mal empfangen und dich auffangen lassen.
Zitat von Trauerkloß:Muss jetzt aber noch ein bisschen weinen gehen, damit ich morgen wieder irgendwie durch den nächsten Tag komme.
Bis morgen Welt...
Halte durch, auch dieser Tag ist zu schaffen und dann hast du wieder ein paar Stunden mehr Abstand und bist deiner inneren "Befreiung" wieder ein Stückchen näher...