@StillRising
Zitat:>>Ich wollte mal berichten, dass ich ganz spontan über das Wochenende ein paar Tage in Brüssel und Lille war und einen sehr alten Freund getroffen habe. Das WE hat mir so wahnsinnig gut getan und ich habe tatsächlich geschafft, Abstand zu gewinnen und innerlich einen Schritt zurück zu gehen und nicht mehr in diesem tiefen Schmerz zu stecken.<<
Sehr gut, danke dass du das schilderst. Denn immer wenn man mitten im Schmerz steckt, kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie man da heraus kommen sollte. Alle Schilderungen und Aufforderungen „sich abzulenken“ klingen absurd, weil einem einfach die Vorstellung dafür fehlt, dass man etwas genießen, schön finden oder gar Glück empfinden kann.
Du hast nun hautnah erfahren, dass auch nach dem Rückschlag eine solche „Ablenkung“ möglich und sinnvoll war, dass du sogar richtig Abstand gewinnen konntest. Und diese Erfahrung will jetzt abgespeichert werden. Sie ist ein Handwerkzeug, dass du einsetzen kannst, wenn es wieder mal so eng wird, so bedrohlich und scheinbar aussichtslos. „Ich weiß, dass es mir besser geht, wenn ich etwas unternehme, das mir dabei hilft!“ Und dieses Wissen ist dann ein Bestandteil dessen, was ich „Bewältigungsgewissheit“ nenne. Ich wünsche dir, dass du diese Gewissheit nach und nach zu einem Bestandteil deines Lebens machen kannst. Sie hilft dir auch über weitere Hürden hinweg, die das Leben noch so aufstellen könnte.
Zitat:>>Ich hoffe, dass ich dieses Gefühl noch eine Weile weiter tragen kann, besonders in Hinblick auf Montag, wo wir die Trennungsvereinbarung unterschreiben.
Aber selbst wenn anschließend wieder so eine Welle kommen wird, weiss ich jetzt, dass die auch wieder weg geht und vor allem, wie es sich anfühlt, wenn so langsam ser der Schmerz und die Trauer weggeht.<<
Genau das wollte ich damit zum Ausdruck bringen. Und das muss verstärkt werden, das muss zu einem Fenster werden, dass das du hindurch schauen kannst, wenn es um dich herum dunkel zu sein scheint.
Zitat:>>Ich hoffe wirklich, dass dieser Tag nicht so schlimm wird<<
Es ist nicht tragisch, wenn dieser Tag schlimm wird. Der darf sogar schlimm werden, denn da wird ja ganz vieles genannt und unterschrieben, was Teil deines Lebens war. Wieso sollte das nicht schlimm werden? Aber der Tag geht zu Ende, er wird auch ein Teil des großen Bildes hinter Panzerglas. Du kannst ihn dir anschauen oder es bleiben lassen. Er spielt eine wichtige Rolle, aber es ist nur ein Tag. Und danach wirst du wieder einen Weg finden, nach vorne zu schauen und nicht nach hinten.
Ich wünsche dir also, dass du diesem Tag mit der angemessenen Gelassenheit entgegensehen kannst. Er wird schlimm, aber er geht vorbei. ER gehört zur Trennung dazu. Und danach bist du wieder etwas freier als vorher, auch wenn es sich nicht so anfühlt.
Alles Gute dir für Montag