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Endlichkeit des Dasein

Yanso

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Hey ihr alle zusammen,
vor kurzem kam es zur Trennung zwischen mir und meiner Exfreundin. Nach einer langen Zeit der Unzufriedenheit und der ständigen Zweifel war die Beziehung plötzlich zu Ende. Ich war nie wirklich zufrieden und möchte einfach unbedingt das Gefühl haben, den richtigen Partner an meiner Seite zu haben. Ohne Zweifel. Ich weiß, dass es die "perfekte Person" nicht gibt, aber ist es zu viel verlangt sich nach jemandem zu sehnen, der zumindest nah an diese Verheißung heran kommt?
Heute morgen erreichte unsere Familie die Nachricht, dass ein liebes Familiemitglied im Sterben liegt und gestern erfuhr ich von einem guten Freund, dass eine Arbeitskollegin, die sich in unserem Alter befindet (32 Jahre) ebenfalls in naher Zukunft sterben wird, da sie an Krebs leidet, der nicht mehr behandelt werden kann.
Angesichts dieses Leids habe ich mich gefragt, ob man sich vielleicht häufiger mit dem zufrieden geben sollte was man hat. Auch wenn man nicht ganz glücklich und zufrieden ist, sollte man vielleicht einfach wertschätzen und sich damit abfinden. Eine tiefe Freundschaft zum Beziehungspartner ist ja schließlich auch viel wert. Auf der anderen Seite könnte man denken - das Leben ist kurz, kann ständig unerwartet deutlich früher enden als es einem lieb ist und genau deswegen sollte man seine Zeit hier auf Erden nicht mit zu großen falschen Kompromissen verbringen, sondern nach vorne schauen und versuchen größtmögliches Glück zu finden!
Ich bin hin- und hergerissen. Wie denkt ihr darüber?

Gestern 12:00 • x 3 #1


arjuni

arjuni

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Zitat von Yanso:
Angesichts dieses Leids habe ich mich gefragt, ob man sich vielleicht häufiger mit dem zufrieden geben sollte was man hat.


Definitiv!

Was hast Du alles? Magst Du das mal aufzählen?

Gestern 12:05 • x 1 #2


Yanso


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Was meinst du mit was hab ich alles? Meinst du was mich in der Beziehung gestört hat?
Es geht mir hauptsächlich um die Beziehungsfrage. Im Leben habe ich ansonsten wohl einiges womit ich zufrieden seien kann. Ich habe zwar nochmal spät (28) angefangen was neues zu studieren (Psychologie), aber das empfinde ich als großes Glück. Auch wenn es manche Dinge nicht einfacher macht (Familienplanung, Finanzielle Sicherheit usw.). Nebenher habe ich eine mich unterstützende und liebende Familie, tolle Freunde und kann mich bisher einer einigermaßen soliden Gesundheit erfreuen :) Insofern ist wohl ganz vieles in meinem Leben ein Segen. Was mir zu schaffen macht ist die Trennung von meiner langjährigen Freundin. Wir waren knapp 10 Jahre (2 1/2 Jahre Pause zwischendurch) zusammen, allerdings war ich lange lange Zeit nicht mehr glücklich und hab mir permanent was anderes gewünscht! Jetzt im Nachhinein zweifle ich :boese:

Gestern 12:08 • #3


arjuni

arjuni

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Zitat von Yanso:
Was meinst du mit was hab ich alles? Meinst du was mich in der Beziehung gestört hat?


Nein, ich meinte, was hast Du alles außerhalb dieser Beziehungsgeschichte?
Es soll ja noch andere Dinge im Leben geben, die wichtig sind für Glück und Zufriedenheit. :wink:
Ich hatte Dich so verstanden, dass Du darüber nachdenkst.

Gestern 12:10 • x 1 #4


Käferfreundin

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Schon alleine, wenn man krank geworden ist, und dann eines Abends ohne Schmerzen oder Symptome einschläft, kommen einem diese Gedanken, ob das mit dem Expartner oder der Suche nach etwas Neuem wirklich noch Stellenwert haben sollte. Oder ob man das größte Glück grade schon in den Händen hält.

Direkt zur Frage: Eine etwas langweilige aber eingespielte Beziehung würde ich aus heutiger Sicht nicht mehr aufgeben, wenn ich diesen Menschen noch liebe.

Aber das Ganze geht halt nicht ohne die Erfahrungen des Schmerzes, oder?

Gestern 12:12 • x 3 #5


Yanso


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hab's oben ergänzt :)


@Käferfreundin
Und genau das ist der springende Punkt. Ich habe sie als Menschen geliebt, definitiv. Aber eben nicht mehr wirklich als Partner. Wir hätten auch gute Freunde seien können oder Geschwister. Ich werde im Februar 30 Jahre als, Heiraten und Kinder bekommen wäre der nächste Schritt gewesen. Ist es da denn zu viel verlangt zumindest vor solchen großen Schritten absolute Sicherheit der Beziehung und der Partnerwahl gegenüber zu verspüren? Klar, man kann sicherlich keine Garantien für die nächsten 20-30 Jahre abgeben. Aber sollte man sich nicht zumindest an so einem frühen Punkt des gemeinsamen Lebens sicher sein? Seinen Partner körperlich und auch seelisch, von der Art des gesamten Auftritts her (Attraktivität ergibt sich ja nicht nur über das Körperliche, sondern auch dadurch wie sich jemand gibt) usw. noch anziehend finden? Ist es zu viel verlangt, wenn man von seinem Partner zum lachen gebracht werden will, sich jemanden wünsch mit dem man in der Hinsicht stark harmoniert?

Gestern 12:15 • x 2 #6


Lebensfreude

Lebensfreude

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Dauernde Glücksgefühle gibt es sowieso nicht. Aber Glücksmomente.
Zufriedenheit ist eher erstrebenswert.
Mit sich selbst zufrieden sein.
Anstatt auf den Mangel auf die Fülle schauen.

Gestern 12:22 • x 4 #7


Yanso


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Zitat von Lebensfreude:
Dauernde Glücksgefühle gibt es sowieso nicht. Aber Glücksmomente.
Zufriedenheit ist eher erstrebenswert.
Mit sich selbst zufrieden sein.
Anstatt auf den Mangel auf die Fülle schauen.


Dh man sollte sich auch in einer Beziehung mit weniger zufrieden geben und nicht auf größeres Glück schielen? :seufzen:

Gestern 12:25 • #8


Käferfreundin

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Zitat von Yanso:
Seinen Partner körperlich und auch seelisch, von der Art des gesamten Auftritts her (Attraktivität ergibt sich ja nicht nur über das Körperliche, sondern auch dadurch wie sich jemand gibt) usw. noch anziehend finden?

Definitiv, das wäre für mich eine grundvorraussetzung für Kinder, Heirat usw.
Klar, davor die BASICS, auf die gehe ich jetzt nicht ein.

Allerdings muss man auch ein bisschen selbst was dafür tun, um den anderen als attraktiv oder wieder spannend wahrzunehmen. Bzw. beide dürfen nicht zu bequem werden und sich gegenseitig fordern. Damit meine ich, dass man ausgeht, mal ungewöhnliche Dinge tut usw. Frische Impulse setzt.
Nun, ich nehme an, dass es so funktionieren könnte. Ich habe es selbst noch nicht so umgesetzt, den Fall gab es bislang noch nie, dass ich durch Aktivitäten versuchen musste, die Beziehung zu verbessern. Die Aktivitäten waren so oder so da.

Gestern 12:27 • x 2 #9


arjuni

arjuni

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Zitat von Yanso:
ch habe sie als Menschen geliebt, definitiv. Aber eben nicht mehr wirklich als Partner. Wir hätten auch gute Freunde seien können oder Geschwister.


Dann hast Du aus meiner Sicht alles richtig gemacht mit der Trennung.

Zitat von Yanso:
Ich werde im Februar 30 Jahre


Bei vielen Männern aus meiner Erfahrung ein sehr kritischer Geburtstag. Normal, dass da Fragen auftauchen "Was habe ich bisher geschafft?" Beruflich, privat etc. - Hab schon einige Männer getroffen, bei denen der 30. eine harte Krise ausgelöst hat.

Gestern 12:28 • x 2 #10


Plentysweat

Plentysweat

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Es ist die Frage, ob das von Dir zitierte "größere Glück" nicht nur eine Illusion ist :kratzen:.
Man kann mit einem Partner sowieso nicht in allen Belangen zusammenpassen. Bei vermeintlichen Traumpaaren gibt es auch mindestens immer einen Haken.

Und wie hier schon erwähnt gibt es kein dauerhaftes Glück.
Bestimmte Momente können einen glücklich machen.

Und dann kann man auch noch weiter runterfahren und sagen:
"Glück ist, wenn die Katastrophe eine Pause macht." Das ich mir nach meiner Trennung immer wieder eingetrichtert. Um den Tag zu überstehen :seufzen:.

Gestern 12:39 • x 2 #11


Yanso


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[quote="Plentysweat"]Es ist die Frage, ob das von Dir zitierte "größere Glück" nicht nur eine Illusion ist :kratzen:.
Man kann mit einem Partner sowieso nicht in allen Belangen zusammenpassen. Bei vermeintlichen Traumpaaren gibt es auch mindestens immer einen Haken.

Das ist mir auch vollkommen bewusst. Bitte nicht falsch verstehen, ich strebe nicht nach einer total illusorischen Disneyfantasie. Aber findest du nicht, gerade in jungen Jahren sollten bestimmte Voraussetzungen einfach noch gegeben sein, insbesondere vor Hochzeit und erstem Kind? Wann wäre z.B. für dich der Punkt erreicht an dem du sagst - "ok, das genügt einfach nicht. ich möchte glücklicher sein als ich es jetzt gerade bin" ?

Gestern 12:57 • #12


arjuni

arjuni

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Worum geht es Dir denn jetzt genau?

Zweifelst Du Deine damalige Entscheidung im Nachhinein an?
Überlegst Du, nochmal mit Deiner Ex neu zu starten?
Oder denkst Du darüber nach, ob eine zukünftige Beziehung mit einer anderen Frau auch okay ist, wenn man darin unzufrieden ist, aber wenigstens überhaupt einen Partner hat und dann Kinder bekommen kann?

Gestern 13:27 • #13


ManuelH

ManuelH

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Kann Dich gut verstehen. Na denke wahres Glück findet man wenn man die kleinen Dinge zu schätzen weiss im Leben und nicht zwanghaft auf das große Glück wartet was eh ein unerreichbares Ideal darstellt. Sind dann am Ende die Menschen die 1000 Katzen und Hunde haben aber niemals eine richtige Beziehung und dann einsam und verbittert sterben. Und Glück, ja das ist Arbeit auch an sich selbst zb. sich in Zurückhaltung üben und kein übertriebenes Anspruchsdenken pflegen. Sondern Empathie, Mitgefühl, Achtung und Selbstachtung und eine gewisse Anpassungsfähigkeit auch an andere Menschen statt mit dem Kopf egoistisch durch die Wand.

Gestern 13:34 • #14


Dattel

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Das Ehe-und Paarleben zeichnet sich durch Kompromisse aus, Zufriedenheit plus gelegentliche Sternstunden des Glücks kommt dem Ideal einer guten Partnerschaft nahe.
Aber Liebe, Attraktivität, Wohlstand, Gesundheit und das Leben selbst können innerhalb weniger Sekunden verschwinden.
Deshalb versuchen Menschen, diese Grundpfeiler mit List und Tücke einzufangen und auf ewig zu halten. Darin liegt die eigentliche Tragodie des Daseins, das ständige Stacheln aufstellen gegen eine höhere Macht, die man Schicksal nennt.
Eine Geschichte:
Eine gesunde junge Frau, frisch verheiratet, erleidet einen Autounfall, Schönheit und Gesundheit futsch.
Der Ehemann verzweifelt, am liebsten will er jetzt weg, kann moralisch aber nicht, Geld weg für Heilung und Operationen.
Die Beziehung ist Schrott, sie verliebt sich in den Physiotherapeuten, vorläufiges Ende der Geschichte, zumindest die von der jungen Frau, dem Ehemann und dem Traum vom Glück.

Es gibt keine Garantien. Man fühlt sich aber besser, wenn man Zuversicht in sich trägt und die Voraussetzungen möglichst perfekt gestaltet.
Der gelebte Klassiker Frau, Kinder, Haus und Job ist nicht für jeden Menschen geeignet, es gibt reichlich Möglichkeiten, ein Leben mit Leben zu füllen.
Wenn man aber den Klassiker unbedingt will, dann sollte man, auch bei völlig ungewisser Zukunft, ein optimales Gefühl für ein gutes Gelingen in sich tragen.
Eine zweifelnde Stimme im Kopf würde ich immer sehr ernst nehmen.

Gestern 13:36 • x 2 #15




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