Zitat von Tin_:Denk bitte etwas weiter. Warum war dir das nicht bewusst? Konntest du es nicht sehen, wolltest du es nicht? Ein Satz blieb mir im Kopf von dir. ...
ich denke das ich es nicht sehen wollte. Beziehungsweise nicht wahrhaben wollte. Habe das ganze in den letzten Tagen Revue passieren lassen. Dabei ist mir eines aufgefallen. Mir ging es in der ganzen Zeit körperlich immer mal wieder ziemlich schlecht, was aber keine organischen Ursachen hatte. Ich bin sogar an Weihnachten mit dem RTW ins Krankenhaus gekommen weil ich eine hypertonische Entgleisung hatte, weil mir die Situation so zugesetzt hat. Im gesamten letzten Jahr bin ich irgendwie immer wieder in einen Punkt gekommen an dem ich nicht mehr wirklich konnte. Irgendwie hatte ich die ganze Zeit Verlustängste. Er hat es auch mitbekommen und wir haben viel drüber gesprochen, allerdings war das kein Grund für ihn sein Verhalten mir gegenüber zu ändern. Ich hatte immer viel Verständnis dafür dass er viel Zeit mit seinen Kindern verbringt, das tut ihm ja auch gut und für die Kinder ist es ja nun mal auch wichtig. Er war jedes Wochenende und so gut wie jeden Abend bei den Kindern und natürlich auch bei seiner Frau. Das hat meinerseits natürlich viel Vertrauen gebraucht. Und da weiß ich jetzt einfach nicht wie ich jemals wieder jemandem vertrauen soll, der mir immer das Gegenteil von dem erzählt, was er augenscheinlich macht?
Natürlich sieht man direkt nach einer Trennung erst mal nur die positiven Seiten, aber umso mehr ich darüber nachdenke umso eher bemerke ich, dass es mir im letzten Jahr auch teilweise wirklich schlecht ging. Ich muss auch sagen, dass ich mir zur Verarbeitung Hilfe hole. Ich muss auch meine Muster mal hinterfragen und vor allem durchbrechen.
Leider habe ich kaum Selbstbewusstsein und mein Selbstwertgefühl ist eigentlich auch kaum vorhanden. Das kommt durch viele blöde Erlebnisse in der Jugend. Das habe ich auch nie wirklich aufgearbeitet. Denke, dass es da jetzt mal Zeit für ist. Vielleicht ist das auch der Grund warum ich das jetzt so lange mitgemacht habe.
Da wir zusammen arbeiten haben wir uns heute das erste mal wieder gesehen. Es ist gut führ mich zu sehen, dass es ihm auch nahe geht. Aber ich bin jetzt wieder ins Home-Office gefahren und werde auch die kommenden Wochen hier bleiben. Wir haben auch eben mal telefoniert und mal ausgiebig darüber gesprochen, ich denke es ist wichtig damit man auch einen würdigen Abschluss findet. Ich bin immer der Meinung dass man sich so trennen sollte, dass man sich noch in die Augen schauen kann. Und ich denke, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Ich muss jetzt irgendwie lernen die viele freie Zeit zu füllen und die Aktivitäten, die wir gerne zusammen gemacht haben auch wieder alleine genießen zu können. Hoffe mal, dass mir das bald gelingt. Momentan sitze ich nur noch auf der Couch oder am Laptop. Dabei bin ich eigentlich ein Mensch der sehr gerne draußen ist, sich gerne bewegt und eigentlich gerade im Training für einen Halbmarathon ist. Aber dafür fehlt mir leider gerade die Motivation oder die Kraft. Genauso verhält es sich mit dem Essen essen. Wir haben halt immer gerne zusammen gekocht wenn es möglich war. Seit der Trennung ist die Küche kalt geblieben, beziehungsweise bekomme ich einfach nichts runter. Ich hoffe dass auch das bald wieder geht. Das Hungergefühl ist zumindest seit heute Morgen zurück, das deute ich jetzt mal als gutes Zeichen. Der Appetit fehlt leider noch.