Zitat von Ema: Früher war es eh besser, weil sich Frauen an die "Gegebenheiten", die sie eigentlich nicht aushalten konnten, aufgrund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit irgendwie anpassen mussten? Und mit den "Gegebenheiten" meinst du natürlich (unter anderem), dass sie in diesen Zeiten permanent betrogen wurden und das wegstecken mussten?
Mit Verlaub, es war keine Rede von Gegebenheiten, die die Frauen nicht aushalten konnten. Sie wussten von dem, was einzelnen vielleicht zugesetzt hätte, eben erst gar nichts. Das war gewissermaßen eine stillschweigende Übereinkunft. Daher gab es, diesbezüglich, auch nichts auszuhalten, und deshalb hat es "funktioniert".
Auch war ja nicht von "permanent betrogen" die Rede. Ist es vorgekommen, wurde es, in dieser stillen Übereinkunft, verschwiegen. Kam doch mal ein Fall ans Licht, so gab es Stunk für drei Tage und gut war es wieder. Übrigens galt das auch für Frauen, die sich mal zu einem Seitensprung hinreißen haben lassen von einem bösen Verführer. Auch die wurden nicht von ihrem Mann aus der Tür getreten.
Im Übrigen war es auch nie anders, dass der Mensch und das Leben insgesamt sich an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen mussten. Meinst Du, heute sei das anders?
Wie viele gibt es, die z. B. ihren Beruf bzw. Job hassen, die jeden Tag gleich nach dem Erwachen Brechreiz bekommen deswegen. Wie viele gibt es, die mit ihren Kinder, den Schulden, der Wohnsituation usw. völlig überfordert sind und sich nur mit letzten Kräften auf den Beinen halten können. Wie viele gibt es, die es in diesem politischen, sozialen, psychoverschwärmten Irrenhaus gar nicht aushalten können.
Auch hier geht es um "Gegebenheiten" (und ich finde die schlimmer als die früheren ehelichen) und die Irgendwie-Anpassung daran. Nur weil es nun ganz einfach ist, ganz schlicht, sich vom Partner trennen zu können, ihn in die Tonne zu kloppen, ist noch nicht viel, möglicherweise so gut wie gar nichts gewonnen. Als der große Befreiungschlag der Frauen durch ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit kommt mir das jedenfalls nicht vor.
Es gibt ja auch nur drei realistische Möglichkeiten: Anpassung, Untergang, Totalausstieg. Letztere Möglichkeit schaffen aber nur die Allerwenigsten. Also schwankt die Allgemeinheit zwischen Anpassung und Untergang, bevorzugt jedoch sicherheitshalber doch die Anpassung.
Betrachtet man die Bedrängnisse der heutigen Zeit (und diese sind weitaus vielfältiger als die früheren) einmal ganz nüchtern und realistisch, so bliebe ja nichts anderes als Harpune eingepackt und ab in die Südsee.
Man darf ja auch nicht vergessen, dass die Dinge, die man zu seiner Zeit erlebt, ein anderes Gesicht und Gewicht haben als jene, die in der Vergangenheit liegen und mit den jeweils heutigen Augen, vielmehr mit dem jeweils aktuellen Bewusstsein betrachtet werden. Was damals "normal" war und eben gar niemanden aufgeregt hat, ist aus heutiger Sicht etwas völlig Unmögliches und Schändliches.
Und wenn nach einigem weiteren Fortschritt in der zivilisatorischen Entwicklung dereinst schon alle keinen Unterschied mehr feststellen können zwischen einem Wildschwein und einer Löwin, dann werden auch diese Zukünftigen auf unsere Zeit mit Empörung und Schrecken und einem fassungslosen Kopfschütteln zurückblicken. Und vielleicht gemütlich auf einer Kräuterwiese grasen, bewacht von gezähmten Wildschweinen aus Afrika.
Zitat von Ema: Ich frage mich nur, was das mit den Verhältnissen heute und diesem Thread zu tun hat.
Es sei denn, du willst damit ausdrücken, dass Frauen (wie zum Beispiel die TE) sich doch besser immer noch anpassen sollten und nicht so ein Gewese darum machen, wenn ein Kerl sie ein Jahr lang nach Strich und Faden belügt und hintergeht.
Ich habe gerade in diesem Fall nicht von Anpassung geredet, sondern von Liebe. In dem Sinne, dass ich eben meine, Liebe, ist sie Liebe, ist ein großes JA zu einem anderen Menschen.
Und zumindest erwartete ich mir dann, dass wenigstens ein Weilche die Mühe aufgebracht wird, die Dinge zu hinterfragen, ja sich vielleicht sogar tatsächlich dafür zu interessieren, warum etwas gekommen, gewesen ist, wie es war oder ist.
Immer nur: Verlogener, betrügerischer, schwindsüchtiger Kerl - Rübe ab!, das ist mir zu wenig.
Zitat von Ema: Genau. Die Liebe ist längst zum Verstummen gekommen.
Wobei das Perfekt ja ausdrückt, dass es sie zuvor gegeben haben muss. Als die Frauen sich noch den Gegebenheiten angepasst und die Klappe gehalten haben vermutlich?
Ich merke natürlich die Absicht, und ich glaube, Du weißt selber sehr genau, dass es bei der Liebe nicht ums Anpassen und Klappehalten geht. Sondern es geht darum, nicht bei jeder kleinsten Kränkung abzuhauen. Nicht einmal bei einer größeren, geht es um Liebe. Das ist doch der Kern der Frage, um den es auch hier in diesem Thread geht.
Früher, in den üblichen Ehen, ging es von vornherein nicht um Liebe oder sonstige große Gefühle. Sondern um eine Art mehr oder weniger verpflichtender Funktionsgemeinschaft, die halt irgendwann zwischen 20 und 25 einzugehen war. Alles andere war ohnehin gleich verdächtig. Und so haben sich die Leutchen eben ehelich zusammengetan (nicht selten, weil ein Kind unterwegs war), wenn sie sich nur irgendwie anschauen konnten, ohne von vornherein gleich Magendrücken zu bekommen.
Liebe war immer der Ausnahmefall. Der Unterschied ist allerdings, dass zu früheren Zeiten auch nicht dermaßen inflationär von Liebe geredet worden ist. Und wurde aber von Liebe geredet - ein Wort, das sich mit Scheu und Errötung ausgesprochen hat und nicht, wie jetzt, flapsig und vielleicht noch per Sms -, dann lag darin alles Herzblut, das es nur gab. In manchen Fällen ging das bis zum manifesten Wahnsinn, wenn der Geliebte, die Geliebte unmöglich erreichbar war oder meinetwegen gestorben ist. Da war also tatsächlich - wenn auch nicht in jedem einzelnen Fall - dieses größte, ergreifendste, auch erschütterndste Gefühl der großen Gefühle dahinter.
Und wie ist das heute? Die Liebe oder was dafür gehalten und ausgegeben wird, kotzt sich irgendwie heraus, die Leutchen sind eine Zeitlang guten, lächelnden Mutes, dann missfällt etwas, verletzt etwas, wird etwas als unpassend erlebt, kann mitunter auch nur eine Kleinigkeit sein - und schon wird die Liebe samt dem Liebenden zum Flattervogel und sucht sich das nächste Nestchen, wo sie dann wieder liebt bis zum ersten Pieks.
Und das, mit Verlaub, hat eben für mich nichts mit Liebe zu tun, sondern mehr mit einer seelischen Gefühlsschwindsucht, die mehr oder weniger orientierungslos durch die Herzensgegenden taumelt.
Wobei auch hier die Gegebenheiten wiederum ihre Bedeutung haben, samt der entsprechenden Anpassung an diese Gegebenheiten. Beziehungen als etwas Ernsthaftes sind mehr oder weniger obsolet, jedenfalls nicht mehr wirklich nötig, nachdem in jeder Internetecke ohnehin die nächste zu finden ist.
Das stört mich auch absolut nicht. Nur sollte man halt, nach meinem Geschmack, nicht dauernd von Liebe reden, wo ein Abenteuerchen, eine Liebelei, ein Verlangen gemeint ist.
Mir geht es, nach wie vor, um dieses Wort und das, was sich darin eigentlich aufhält, was damit verkleidet ist, was sich hier eigentlich aussprechen will. Wenn alles Mögliche in der (verbalen) Verkleidung der Liebe daherkommt, dann wird man von Liebe bald gar nicht mehr zu reden haben. Möglich, dass die Liebe selber irgendwann die Geduld verliert mit diesem leichtfertigen, wankelmütigen Wesen.