Ehemaliger User
Gast
Vor viereinhalb Wochen rief mich mein (damals noch) Freund an um mir mitzuteilen, dass er sich verliebt habe. Es stellte sich dann heraus, dass er diesem Gefühl auch, anscheinend ohne den geringsten Widerstand, nachgegeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt sagte er noch, er wolle mich auf keinen Fall verlieren, die Vorstellung, ohne mich auskommen zu müssen könne er nicht ertragen etc. Ich war völlig von den Socken, obwohl ich das Verliebtsein schon bemerkt hatte. Leider hatte ich geglaubt, dass er sich entweder in seine neue berufliche Situation verliebt' hatte oder, falls es eine andere Frau war, ich ihm so wichtig wäre, dass er nachdenkt und sich bremst, bevor er sich Hals über Kopf in den emotionalen Aufruhr stürzt. Wir waren 4 ½ Jahre zusammen und haben während des letzten halben Jahres eine Fernbeziehung geführt (800 km); daher habe ich schon damit gerechnet, dass es Irritationen geben würde, habe aber auch gehofft, dass wir gemeinsam damit fertig werden könnten. Auf die Idee, beim ersten Hindernis schon den Parcours zu verlassen wäre ich ehrlich gestanden nicht gekommen. Er schon.
Wegen der telefonischen Mitteilung dieser Neuigkeit war ich stinksauer. Habe mich natürlich entsprechend geäußert, mit dem Resultat, dass er zwei Tage später tatsächlich zu mir gekommen ist. Die 20 Stunden, die er dann hier war, waren nicht sonderlich ergiebig. Alles, was ich von ihm zu hören bekommen habe, war, er könne nichts dafür, wie er empfindet (was so ganz ja nicht stimmt, aber bitte), er liebe mich, er habe sich aber der anderen Frau sehr weit genähert und könne daher nicht mehr auf sie verzichten. Ich habe ihm klarzumachen versucht, dass es mir wenig nützt, zu erfahren was er zu können glaubt und was nicht. Was ich wissen wollte war, was er will. Antwort: mich. Und sie natürlich auch. Klasse.
Pfingsten war er dann wieder hier und versuchte gleich bei der Begrüßung, sich von mir zu trennen, weil er nicht ertragen könne, was er mir zufügt (Motto: Mutter, ich kann nicht mitansehen, wie Du in der Küche schuftest. Mach' doch mal die Tür zu). Davon wollte ich allerdings nichts wissen, denn ich dachte mir, wenn er schon einem Impuls, der ihn treibt, blind folgt, kann er wenigstens die Konsequenzen ertragen. Danach kam der Vorschlag einer Trennung auf Zeit'. Wollte ich aber auch nichts von wissen, da ich mich damit ihm gegenüber bereitwillig in eine unterlegene Position begeben hätte. Ich hätte mich weiterhin an ihn gebunden gefühlt, er dagegen hätte in aller Ruhe ausprobieren können, ob die neue ihm vielleicht mehr zusagt und dann zu mir zurückkommen können oder eben nicht. Nee, danke. Als ich ihm, nach einigem Hin und Her sagte, allmählich würde angesichts seiner infantilen Haltung mein Respekt vor ihm in Mitleidenschaft gezogen, sprang er sofort darauf an und meinte, nun habe er ja gar keine andere Wahl mehr, er müsse sich einfach von mir trennen, denn ohne Respekt gäbe es ja überhaupt keine Grundlage mehr u.s.w. Keine Frage danach, ob und wenn ja wie er diesen Respekt denn wieder erringen könne. Offensichtlich wollte er einfach nur weg. Allerdings nicht, ohne mir zu erklären, wie furchtbar schmerzhaft das für ihn sei, da doch zwischen uns so viel so gut war und auch immer noch sei. Dass er mich eben liebe und fürchte, den größten Fehler seines Lebens zu machen. Nach diesem Abschied verbrachte ich 24 Std. in tiefster Verzweiflung. Dann stand er wieder vor der Tür. Nicht etwa, weil er seinen Entschluss bereute, nein, weil er das Gefühl hatte, mir nicht nachdrücklich genug klar gemacht zu haben, wie sehr er leidet. Das musste ich unbedingt wissen. Klar, sonst hätte ich ja womöglich versucht, die Trennung schnellstmöglich zu akzeptieren und ihm damit die Möglichkeit genommen, es sich noch einmal zu überlegen.
Seitdem habe ich ihn dreimal angerufen. Durch diese Telefonate wurde mein Eindruck verfestigt, dass er z.Z. wirklich ausschließlich und vollständig auf sich und seine Gefühle ausgerichtet ist. Alles andere nimmt er anscheinend nicht wahr. Als ich meiner Hoffnung ausdruck verlieh, er könne mir sagen, dass seine Entscheidung richtig war und dass es für ihn eindeutig und endgültig aus ist, antwortete er mir doch tatsächlich, er sehe zwar, dass er es mir so noch schwerer mache, könne mir so etwas aber einfach nicht sagen, da er sich selbst damit nicht gerecht werde. Welcher Idiot hat denn behauptet, dass Selbstgerechtigkeit ein absoluter Wert sei?
Oh je, ich stelle gerade fest, dass ich doch ziemlich viel geschwafelt habe. Hoffentlich hält überhaupt jemand bis hierher durch. Nur eines noch: wenn ich schreibe: "sagte ich" o.ä. heißt das natürlich in den meisten Fällen eigentlich: "schluchzte ich, hektisch durch die Gegend rennend". Von den 5 kg, die ich in der ersten Woche verloren habe, gingen mit Sicherheit 4 auf Wasserverlust in Folge übermäßiger Heulerei zurück.