Zitat von thegirlnextdoor: Offengestanden... ja. Das lese ich hier bei sehr vielen Affären, dass sie sich dem Betrogenen gegenüber überlegen fühlen, in verschiedener Hinsicht.
Auch im realen Leben habe ich es so erfahren.
Und das ist tatsächlich etwas, was ich persönlich weniger schön finde.
Danke für Deine Antwort!
Mein Eindruck wäre genau anders herum, also nicht, daß sich Betrogene besonders oft gegenüber Affären überlegen fühlen, (kommt sicher vor) aber daß die meisten Affären hier eigentlich mit einem gewissen "ja, ich weiß eh" Gefühl hier aufschlagen.
Und mir kommt auch in den Sinn, gefühlt häufig von Menschen zu lesen, wo es mehrere Jahre keinen Sex gab oder naja, ich habe halt nie etwas zu meinen Gefühlen gesagt.
Da ja weder Du noch ich besonders oarg unterwegs sind, könnte das auf einen Bestätigungsfehler hinweisen. Confirmation bias ist ein echt schwierig zu umgehendes Phänomen.
Lass mal überlegen, wie das bei mir war. Die Affäre ging ja ein ganzes Zeitl, aber da wir ja nicht im gleichen Land wohnten, sammeln sich da auch irgendwie schnell Wochen und Monate an. Ich glaube im ersten Moment, direkt nach dem Schluss machen, war es einfach massiv schwierig, daß, was Du die ganze Zeit hörst, auch wenn ich versucht habe, das massiv einzuschränken, mit dem Ende übereinzubekommen.
Als Affäre musst Du davon ausgehen, daß es jederzeit vorbei sein kann, aber natürlich kannst Du Dich trotzdem nicht wirklich auf den Moment vorbereiten, weil sich niemand auf Gefühle vorbereiten kann. Gleichzeitig folgen viele Affären einer anderen Dynamik. Das Ende ist ja kein schleichender Prozess, sondern wie eben in anderen Situationen auch, bäm. Und wie sehr Du dich als Affäre auch bemühst, das irgendwie außen vor zu lassen, es gibt das Narrativ der nicht funktionierenden Ehe. In vielen Fällen ist das auch keine Lüge, sondern der gebundene Part, glaubt daran.
Und in diesem Moment ist es schon einfach auch schwierig auch objektiv wertschätzend zu bleiben. Natürlich habe ich mich bemüht (und ich wurde in dem Moment auch noch immer mit Floskeln gefüttert), aber mir wurde in dann direkt auch so richtig bewusst, wie gezinkt die Karten von Anfang an waren.
Ich kann wirklich guten Gewissens behaupten, daß jedes einzelne Mal, wenn er dann doch kurz etwas erzählt hat, ich immer dachte, ach ich weiß nicht, das sagst Du jetzt. Ich kann auch guten Gewissens behaupten, daß ich mir nie hab vorstellen können, wie er und ich reiten in denn Sonnenuntergang realistisch hätte ausschauen sollen. Aber mir war nicht klar, daß im Nachgang mit sagen wir mal so harten Bandagen gekämpft werden würde.
Ein paar der Dinge, die im Nachgang vorgefallen sind, waren ziemlich oarg und an der Stelle ist es mir nicht sofort gelungen zu erkennen, daß das beide und eben nicht nur sie waren. Daß der, den Du liebst von jetzt auf gleich zum Gegner wird, ist ja nicht auf Affärenkonstellationen beschränkt, sondern ist einfach, wann immer es passiert, super schwer.
Und an der Stelle, glaube ich, gelingt es den wenigsten sofort zu checken, uii, das sind beide. Mir ist das ja auch nicht so verkauft worden, sondern er hat da ja durchaus auch eine Runde weiter über Bande gespielt (was ja auch das Führen einer Affäre super plausibel macht). Das Problem war jedenfalls bei mir zudem auch, daß nicht mal die beiden gecheckt haben, wie sehr deren Toxicity ihrer Beziehung, die eben getrennt und gleichzeitig vereint hat.
Will sagen, vermutlich habe ich ganz am Anfang auch den Eindruck erweckt, mich "überlegen" zu fühlen, aber nicht aus irgendeinem Hochmut heraus sondern weil ich so nah dran war, deren ungesunde Verstrickungen zu beobachten und gleichzeitig gerade noch entfernt genug, um sagen zu können, oh wow.