Zitat:Kasy79: "Dieses *ich habe mich so getäuscht in ihm* ist solch ein Hemmnis für mein Weiterkommen in meinem Leben."
Zitat von Femira
I feel you. Das hat mich auch sehr beschäftigt damals. Vielleicht tröstet es dich, dass ich dir sagen kann, dass dieses Gefühl weniger wird. Mir sind nach und nach Dinge aufgefallen, die ich durchaus gesehen habe, aber in der Verliebtheit ignoriert oder herunter gespielt habe. Das hat schon meine Perspektive auf ihn verändert, aber auch mich selbst.
Ich glaube, was mich daran so fertig - oder weshalb ICH mich nahezu täglich entscheide, mich mit bohrenden Fragen (über ihn) so fertig zu machen - ist, dass ich irgendwie das Gefühl habe, meiner Wahrnehmung nicht (mehr) trauen zu können.
Aber das stimmt nicht: Mein Bauchgefühl war IMMER gut, was ihn betrifft. Nicht nur während unserer Affäre, sondern vor allem in den fünf Jahren davor, in denen wir uns angefreundet haben. In denen es nicht um seine Ehe, nicht um eine mögliche Affäre ging, sondern schlicht nur darum, uns als Menschen kennen zu lernen. Ohne Hintergedanken - zumindest bei mir. Ich habe die Chemie zwischen uns wahrgenommen, diese magnetische Anziehung, aber wollte nichts damit anfangen.
Deshalb gilt es nun, nicht an seinen Gefühlen für mich zu zweifeln. Die waren da. Vielmehr glaube ich, dass es bei meinem inneren Zwiegespräch in Wahrheit darum geht, dass ich nicht verstehen kann, wie man einerseits jemanden liebt, andererseits diese Liebe mit Füßen tritt. Nicht durch die Trennung von mir mit Füßen tritt, sondern in seinem Verhalten mir gegenüber während und nach unserer Trennung...
Das war unterirdisch. Und da habe ich plötzlich einen Menschen kennengelernt, den ich so zuvor überhaupt nicht kannte. Vielleicht hat er mir etwas vorgespielt, sich von seiner besten Seite gezeigt. Dann ist es aber noch erschreckender, ein so guter Schauspieler zu sein - über Jahre hinweg.
Aber weg von ihm, von seinen etwaigen Motiven und Beweggründen, hin zu mir: Ich habe, das merke ich jetzt, viele Dinge nach seiner Trennung von seiner EF nicht ignoriert, so würde ich das nicht nennen, durchaus wahrgenommen, aber bin ihnen mit viel Verständnis begegnet. Habe ihm Zeit gegeben, vertraut.
Aber letztlich hat er nie losgelassen - ob nun die Familie oder die Ehe, unbenommen: Er hat sich nie vollends von ihr gelöst. Zeichen, die die dies andeuteten, die ich jedoch - von außen betrachtet - als normalen Abnabelungsprozess von einer 20jährigen Beziehung verstand. Er hingegen hat sich nie gelöst, nie 100prozentig. Seine Motive? Wahrlich irrelevant. Fakt ist, er hat sich nie gelöst, und mich damit zutiefst verletzt. Sich auf meine Kosten oder auf dem Rücken der Familie verhalten - ohne auch nur zu überlegen, in welch emotionale Krisen sein nicht konsequentes Verhalten mich, seine Frau oder seine Kinder stürzte.
Ob das sich jetzt darin zeigte, dass er
... erst fünf Wochen nach der Trennung von seiner EF auch räumlich ausgezogen war,
... auf ihr Drängen/Bitten hin nicht vorübergehend zu mir, sondern in eine Pension in der Nähe seiner Familie zog, bis er eine Woche später seine eigene Single-Wohnung beziehen konnte,
... dass er als sich der Einzug in seine Singe-Wohnung um einen Tag verzögerte, er aber aus der Pension raus musste, keine andere Übernachtungsmöglichkeit suchte oder eine Nacht zu mir kam, sondern die eine Nacht "zuhause auf der Couch" schlief,
... dass er nach deren Trennung immer weniger Initiative zeigte, mich zu sehen, um das Verhältnis zwischen ihm und seiner EF "nicht noch weiter zu eskalieren, der Kinder willen",
... dass er Treffen und lange Pläne zwischen uns verschob oder absagte,
... dass er aus Bequemlichkeit oder sturem Egoismus nicht die Münzwaschmaschinen im Keller seiner Single-Wohnung in Anspruch nahm, sondern nach wie vor zuhause bei ihr seine Wäsche wusch, denn "das habe er ja immer getan",
... dass er seine Kinder nicht in seiner Wohnung traf, sondern zuhause,
... dass er seinen dreiwöchigen Urlaub drei Monate nach Trennung von seiner EF für einen anderthalbwöchigen Tripp mit seinen Kindern nutzte (sehr schön), die anderen 1,5 Wochen aber "das Haus renovieren und Dinge reparieren wollte" und nicht mit einem Gedanken auf die Idee kam, ein paar Tage mit mir zu verbringen...
etc. etc.
Ich weiß, dass dieser innere Disput weniger werden wird. Denn er ist in Ordnung. Ich kann meinem Bauchgefühl trauen und zugleich das Ende akzeptieren. Irgendwann werde ich meinen Frieden damit machen. Nicht mit ihm, oder mit uns - sondern IN MIR. Eine versöhnliche Gewissheit, auf die ich mich freue, wenn ich irgendwann einmal morgens aufwache und merke, spüre, fühle: der Frieden in mir, er ist da.