Zitat von SchlittenEngel: um den Bogen zum thread zurück zu schlagen, mit einer Affäre und hin und her, die Ehe zu ruinieren, die Kinder und ihre Mutter zu destabilisieren usw….
Ja, ich fürchte, das ist der Punkt, an dem wir uns nicht so richtig einig werden können.
Ich hatte damals, als meine Beziehung so zerrüttet war, keine Affäre. Nicht mal im Ansatz.
Aber ganz ehrlich: Wenn ich heute an die Zeit zurückdenke, dann weiß ich nicht, was passiert wäre, wenn ich damals jemanden getroffen hätte, in den ich mich wirklich ganz arg verliebt hätte. Ich weiß nicht, ob ich dann nicht kurzfristig und übergangsweise auch eine Affäre eingegangen wäre, bis die Sache mit meinem Partner endgültig geklärt gewesen wäre.
Was ich ganz sicher nicht gemacht hätte, wäre dauerhaft eine Affäre einzugehen.
Das ist alles natürlich rein hypothetisch. Aber wenn es so gewesen wäre, dann wäre diese hypothetische Affäre nicht schuld und nicht verantwortlich für die Zerrüttung gewesen. Er hätte mir eventuell nur den Absprung ein kleines bisschen erleichtert.
War nicht so. Aber ich war damals entsetzlich allein. Emotional schon sehr lange allein und auch im Prinzip allein mit der ganzen Verantwortung, vor der ich mich fürchtete. Nicht wegen mir, sondern wegen des Kindes.
Ich habe das alles allein gestemmt.
Aber ob ich der Versuchung hätte widerstehen können, wenn ich der letzten Zeit der Beziehung jemanden kennengelernt hätte, der wirklich mein Herz berührt hätte? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.
Als ich acht Jahre später meinen damaligen Affärentypen traf, wusste ich zuerst nicht, dass er verheiratet ist. Und dann schilderte er mir eine Situation, die mich haargenau an meine eigene Situation acht Jahre zuvor erinnerte. Aber wirklich haargenau.
Und deshalb, weil ich von mir auf andere schloss, glaubte ich ihm.
Wäre er wirklich in haargenau derselben Situation gewesen, wäre seine Ehe wirklich so sehr am Ende gewesen, wie er sagte, dann hätte er sich nämlich getrennt. Auch ohne mich.
Ich glaubte ihm, dass das bei ihm alles in den letzten Zügen liegt.
Den Rest kennst du ja vermutlich.
Ich habe noch etwa drei Monate gebraucht, bis ich realisiert habe, dass er eben nicht in derselben Situation ist wie ich es damals war. Oder bis ich realisiert habe, dass er zumindest offenbar nicht dieselben Konsequenzen daraus ziehen wird, die ich damals gezogen hatte.
Er eierte rum. Man kennt das ja.
Und ich habe ganz furchtbar gelitten, als ich das realisierte.
Und dann habe ich es beendet. Er hätte es nämlich nicht getan. Dafür musste ich nochmal ein paar Wochen Kraft schöpfen, um das überhaupt zu schaffen.
Und nein: Ich dachte damals, als ich mich emotional so auf ihn einließ, nicht, dass ich eine Ehe zerstöre. Ich dachte, nach seinen Schilderungen, die sei schon total zerstört. So wie meine damals. In meiner jedenfalls hätte niemand noch mehr kaputtmachen können als ohnehin schon kaputt war.
Und dass ich eine ganze Famile zerstöre, dachte ich erst recht nicht. Seine Kinder waren nämlich schon erwachsen, als wir uns kennelernten.
Und nein: Ich hatte keine Ahnung von Affärendynamiken. Wirklich keinen blassen Dunst.
In meinem engen Umfeld, meinem Freundeskreis, gab es keine. Jedenfalls nicht, dass ich gewusst hätte. Mir war das völlig fremd.
Klar hatte ich gehört, dass es sowas gibt. Aber ich habe mir (naiv, ich weiß) immer solche arroganten Geschäftsleute vorgestellt, die zu ihren sonstigen Statussymbolen halt noch eine junge und hübsche Geliebte hinzufügen.
Damit hatte der Mensch, den ich damals kennenlernte und der mir glaubhaft versicherte, dass seine Ehe tot und er selbst in jeder Hinsicht vereinsamt sei in seiner Beziehung, rein gar nichts zu tun.
Heute weiß ich mehr. Wirklich sehr viel mehr.