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Erste Liebe mit 52

W
Zitat von Worrior:
Der Boden an dem Du gefühlt liegst ist nicht das Ende, er ist die Grundlage.

Damit hast du mich ganz tief berührt. Ja, die Grundlage für einen Neuanfang. Denn nur wenn man ganz unten angekommen ist, kann man auch wieder aufsteigen und neu beginnen. Solange man in der Schwebe ist und daran festhält, passiert nichts.

• x 5 #31


A


Erste Liebe mit 52

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S
Ich war gerade einkaufen. Da ist mir etwas eingefallen, was ich tatsächlich vollständig verdrängt habe; sie hatte mich gefragt, ich weiß nicht mehr, welcher Monat oder Tag das war, so ca. drei bis vier Monate nach November 23 oder auch nach April 24, dem Tod ihres Vaters, ob wir heiraten wollen.

Das hatte ich bis heute komplett vergessen. Dazu muss man wissen, ich bin Scheidungskind, das erste Mal als ich zwei war, das zweite Mal als ich 14 war, mitten in der Pubertät. Ich habe mal meine Mutter gefragt, warum sie trotz aller Fehlversuche, es immer weiter probiert. Sie sagte, sie kann nicht allein leben und probiert es deshalb immer wieder, weil es gibt ja auch schöne Momente (dazu muss man wissen, dass sie auch einen Partner hatte, da ist sie bei mir eingezogen, weil sie Todesangst hatte). Da habe ich mir geschworen, das machst du nicht, du wirst dich nie binden... Kurzfassung; da steckt noch viel mehr hinter.

Dann steht jemand da, den du liebst und stellt dich vor diese Entscheidung, völlig unerwartet; du bist in einer emotionalen Sonderstellung, sie auch; und dann das. Ich weiß noch, dass ich irgendwie gesagt habe, wir kennen uns ja erst ein paar Monate und ob wir damit vielleicht nicht warten wollen, bis sich alles gefestigt hat; wohlgemerkt; ich habe das gesagt; ich habe von nichts ne Ahnung, bin ne absolute Beziehungsnull, hatte bis dato keine Freundin, nichts und werde vor so eine Entscheidung gestellt. Sie hatte vorher schon fünfmal mehr Beziehungen, als ich überhaupt Freunde kennengelernt habe.

Nach der Trennung haben wir noch ewig geschrieben; ich habe natürlich das Schlimmste gemacht, was man bei einer Trennung wohl machen kann, Vorwürfe... und ich habe auch das mit der Heirat angesprochen, sie hat nicht reagiert, ich glaube heute, dass es ihr peinlich war, ein Zeichen von Schwäche, nachdem das alles so endete.

Wie gesagt, vergessen... Im Nachhinein habe ich überlegt, was wäre wenn...
Wir hatten auch schon ein gemeinsames Konto, gemeinsames Türschild.... Das musste alles nach der Trennung rückgängig gemacht werden; ich glaube, hätte ich ja gesagt, wäre die Scheidung / Annullierung genauso gelaufen - trotzdem bleibt der nagende Zweifel, was, wenn nicht?

• x 2 #32


S
Zitat von Samei:
was, wenn nicht?

Warum hätte es anders laufen sollen? Du bist in ihren Augen ein Junge und sie ist eine Wanderin.

• x 3 #33


Arnika
Zitat von Samei:
ich glaube, hätte ich ja gesagt, wäre die Scheidung / Annullierung genauso gelaufen - trotzdem bleibt der nagende Zweifel, was, wenn nicht?


Kann ich mir nicht vorstellen. Beziehung muss man lernen wie alles andere, und mit 52 die erste Beziehung also ein absoluter Beginner in Kombi mit einer „normalen“ Vita erfahrenen Frau da ist mE lost in translation vorprogrammiert. Vielleicht hat es ihr Sicherheit gegeben, dass du plötzlich fremdgehst würd ich wohl auch eher ausschließen. Aber natürlich war da von Anfang an eine Schieflage an Erfahrung da. Wie wenn einer mit 52 seinen ersten Job antritt im Vergleich zu anderen 50jährigen.

Sei also froh, dass du da so vernünftig warst. Sonst wären deine Probleme jetzt nochmal größer.

• x 2 #34


Gorch_Fock
Du hättest dann mehrere tausend Euro an Scheidungskosten bezahlt. Da wäre es nicht beim Türschild geblieben.

Eine Annulation ist nur kurz nach Eheschließung möglich.

• x 2 #35


CanisaWuff
Zitat von Samei:
ich habe natürlich das Schlimmste gemacht, was man bei einer Trennung wohl machen kann, Vorwürfe

Darüber mach Dir mal keine Gedanken. Diesen "Fehler" macht wahrscheinlich jeder und es ist doch auch nachvollziehbar.

Wäre es die Richtige gewesen, hätte sie auch Vorwürfe verziehen.
Beim richtigen Menschen kannst Du nichts falsch machen.
Und beim falschen Menschen nichts richtig.
Zitat von Samei:
Wir hatten auch schon ein gemeinsames Konto, gemeinsames Türschild.... Das musste alles nach der Trennung rückgängig gemacht werden; ich glaube, hätte ich ja gesagt, wäre die Scheidung / Annullierung genauso gelaufen -

Ich war lange verheiratet. Es gab nie ein gemeinsames Konto und ich glaube auch, ehrlich gesagt nicht, dass eine Scheidung so einfach abgelaufen wäre.
Je nachdem wie weit euer Verdienst auseinander liegt wäre es vielleicht noch zu gerichtlich angeordneten Zahlungen gekommen.

• x 1 #36


S
Zitat von Samei:
Ich bin jetzt 54 Jahre alt, habe mich nie mit Beziehungen, Freunden und Liebe auseinandergesetzt. Ich war so zufrieden, wie es war; möglich, dass mir was gefehlt hat, egal. Im September 2023 ist eine Arbeitskollegin an meinem Geburtstag in meinem Büro aufgetaucht, wir hatten uns nur öfter gesehen, wenig ...

Deine Story erninnert mich in Auszügen an meine letzte Beziehung, die im Juni 26 nach 1,3 Jahren auseinander ging. Meine Ex-Freundin wünschte mir zum Abschluss: das ich gut mit mir zufrieden sein kann und mich sicher fühle kann ohne jemanden anderen dafür zu brauchen.

Ja, auch ich war in dieser Beziehung zu "needy". Auch bedingt durch Krankheiten und einen Bandscheibenvorfall 😟 .

Aber da haben unserer Ex-Partnerinnnen ein gutes Bauchgefühl. Bedürftige Männer können anstrengend werden und sind auch nicht säggsie.

Jetzt bin ich seit 9 Wochen wieder Single und versuche (erneut) mein Leben auf die Kette zu bringen. (Arbeit, Hobby, Sport, Freunde treffen, alleine ins Kino, alleine in die Ausstellung etc). Es fühlt sich gerade alle zum Kotzen an und ich fahre fast täglich Gedankenkarusell 😱 .
Aber diese kleinen Schritte sind wohl heilsam.

Daten fällt für mich aktuell flach. Muss sicher, auch noch länger, verarbeiten.

• x 1 #37


Löwenzeh
Zitat von Samei:
kann man sein Gefühlsleben einfach ändern?

Einfach niemals.
Ändern ist auch zu groß, das schürt falsche Erwartungen.

Du kannst Einfluss nehmen.
Du hast Handlungsspielräume.
Je besser du dein eigenes Fühlen und Denken verstehst (und ich fand es immer sehr schwer), desto mehr kannst du erkennen - und somit auch verändern. Verbessern.

Wenn du dich schlecht, verlassen, einsam, minderwertig fühlst -

dann macht es einen riesigen Unterschied, ob du denkst (und somit auch bald fühlst), dass du es in den Sand gesetzt hast, alles falsch gemacht, alles kaputtgemacht.

Oder ob du reinfühlst, empathisch in dich selbst: was ist da los?
Woher kommen diese Tränen?
Warum konnte ich gefühlt nicht anders handeln? Was hat mich abgehalten, zu sehen? Zu sein, wie ich will?

Du hast die Wahl:
Du liegst am Boden, deine neue Grundlage. Am Boden der Tatsachen angekommen: auch du brauchst Bindung. Auch du bist ein Mensch, der wie jeder andere Kontakte braucht, um sich der Welt verbunden und darin einigermaßen sicher zu fühlen.

Das hast du bis jetzt verleumdet.
Du hast dich geschützt, denn in deiner Kindheit hast du nur negative Bindung beobachten - und somit auch nur negative Bindungen erlernen können.

Also hast du vermieden.
Das ist so folgerichtig wie unbewusst abgelaufen. Und nun hast du da eine Jahrzehnte umfassende Erfahrungslücke, die nur mit einem erfüllt werden kann:
Neue Erfahrungen.

Und die Angst ist kein Stück kleiner geworden.
Nur das Bedürfnis, ausgelöst durch die schönen Erfahrungen mit ihr, ist unweit größer.
Anstrengende Mischung.

Zitat von Samei:
Bedeutet selbstbestimmt, dass man einfach über den größten Rückschlag seines Lebens hinweg steigt und das abhakt, einen Teil, der vorher nicht existiert hat?

Absolut nicht.
Selbstbestimmung beginnt mit Verstehen.
Abhaken ist zu einem ganz anderen Zeitpunkt Phase.
Erstmal Verstehen. Lernen.
Hinterfragen.

Denn wenn du nicht weißt, was in dir, welche Anteile, Erfahrungen und Prägungen, dein Handeln leiten -
dann bestimmst du nicht, was du machst.
Dann wirst du bestimmt, hin und her geschleudert von verleugneten Gefühlen, die dann vielleicht als körperlicher Schmerz versuchen, Gehör zu finden.
Oder in Form von Panikattacken, Depression, die Liste ist endlos.

Oder erstarrst in einer Beziehung, die du eigentlich unbedingt erhalten willst.
Und verstehst dich nicht, wirfst es dir vor, schlägst noch auf dich selbst ein.
Und das hilft gar nichts.
Wohlwollend herausfinden, warum du getan hast, was du getan hast.
Und es dir verzeihen.
Wachstum findest du nicht in Selbstgeißelung.

Zitat von Samei:
Ich bin keine 20 mehr; sowas ist kein Kratzer im Lack, das geht richtig tief

Es ging schon immer tief.
Du hast es mit 20 nur noch nicht erfahren.
Du hast dich davor geschützt.

Aber da Bindung etwas Fundamentales für Menschen ist, etwas, ohne das sie nicht lebensfähig sind - hast du dich mit deiner Vermeidung genauso geschützt wie deiner persönlichen Entwicklung im Weg gestanden.

• x 2 #38


Löwenzeh
Zitat von Samei:
trotzdem bleibt der nagende Zweifel, was, wenn nicht?

Der wird dich vermutlich noch etwas länger quälen.

Aber sie wäre weggewandert, wann immer sie auf Mauern stößt.

Ihr erinnert mich an meinen Mann und mich...
Er, der immer erstarrt, ausharrt, aushält - passiv. Zu wenig einbringt.
Ich, die beim geringsten Gegenwind eine Kehrtwende hinlegen und weglaufen will. Und niemals stehen bleiben und zurücksehen.

Zugleich widerspricht der Heiratswunsch dem Weglaufen.
Da siehst du, wie hin- und hergerissen auch deine Freundin letztlich ist.
Wahrscheinlich auch in alten Mustern gefangen, auf der ewigen Suche nach dem "richtigen" Gegenüber.
Aber sobald das Gegenüber unangenehme Wahrheiten spiegelt, wird gerannt. Ganz weit weg und alle Brücken niederbrennen.

Ich bin froh, das für mich erkannt zu haben und nun den Mut zum Bleiben, Kämpfen, Entwickeln gefunden zu haben.
Auch wenn er mal schwankt, die Selbsterkenntnisse sind unbezahlbar und für immer bei mir.

Fakt ist: sofort heiraten wollen und kurz darauf alle Brücken niederzureißen, ist auch kein Zeichen für ein gesund entwickeltes Bindungsverhalten.

Obendrein war es bei dir mit den Erkrankungen auch endlos schwer -
für beide.

Ich verstehe euch beide.
Sie, die wegläuft, weil nicht zu kommen scheint, was sie braucht. Und ein riesiger Eisberg auftaucht (Krebs), den sie unter diesen Umständen nicht bereit ist mit dir zu umschiffen.
Dich, der du unter der Last von Pflege, Arbeit und Erkrankung nicht mehr handlungsfähig bist, sondern nur erschöpft.

Ich kann dir nur das Buch
"Bin ich traumatisiert" von Verena König
empfehlen.
Mir hat es unglaublich viele wertvolle und wichtige Einblicke in mich selbst, auch in meinen Mann, gegeben.
Ich bin der festen Überzeugung, dieses Buch ist für jeden wertvoll, traumatisiert oder nicht.
Und obendrein sind viel mehr Menschen in irgendeiner Form traumatisiert, als man denkt.

Man braucht die Puzzlestücke, um das Bild zu sehen. Dieses Buch ist ein halber Karton voll Puzzlestücke.
Alles, was dann noch fehlt, lauert schon lange in dir auf Gehör und wird sich beim Lesen melden.
Versuch es.

• x 4 #39


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