Im Mai die Ansage, dass er sich nicht mehr sicher ist, wegen des vielen Streits. Ich war dann drei Wochen ohne ihn im Urlaub (lange geplante Mädelstour). Dann hat er unseren gemeinsamen Urlaub abgeblasen, wobei er steif und fest behauptete, das hätte nur mit seinem Job zu tun, und gar nicht verstehen konnte, dass mich das verunsichert. Die Distanz im Alltag wurde immer grösser. Verlustängste meinerseits, er gab nicht viel von sich preis. Schliesslich bin ich noch mal eine Woche mit Freunden weggefahren, er dann auch ohne mich. Danach kam er kaum noch ins Bett, entfernte sich immer mehr. Während all dieser Monate habe ich knallhart an mir gearbeitet. Aber 100%ig konnte ich die (berechtigten) Verlustängste auch nicht vor ihm verbergen. Im Juni/Juli zeigte er mir noch, dass er an uns glaubte, danach nicht mehr, es ging immer weiter bergab, obwohl äusserlich alles viel besser war, kein Streit mehr, ich habe so hart an meinen Verhaltensmustern gearbeitet, aber natürlich gab es (wenige, kleine) Rückfälle. Dann vor drei Wochen seine Aussage, er habe mich lieb, ich sei ihm wichtig, aber er brauche Zeit für sich, wolle erstmal bei Freunden unterkommen. Er wisse nicht, was er will, er vermisse es, frei zu sein, aber er wünsche sich auch, dass wir zurückfinden. Ich hätte so hart an mir gearbeitet und er habe in den letzten Monaten nur genommen, nichts gegeben (ach..), aber er könne die Angst nicht abschütteln, dass alles wieder so schlimm wird wie im Winter. Er müsse jetzt etwas tun, aber er wisse nicht, was, und er wisse nicht, was er will.. Ich habe seinen Wunsch respektiert und ihn ziehen lassen, ihm aber besagten langen Brief geschrieben. Bin vor Verlustangst schier durchgedreht, Suizidgedanken, psychologische Ambulanz, Heulerei ohne Ende, und bin schliesslich für 10 Tage zu einem Bekannten nach Lateinamerika geflüchtet. Dort dann Autounfall durch meinen Kumpel verursacht, ich verletzt, Krankenhaus, langer Heimflug durch die KK, Krankenhaus, ein Jahr Rekonvaleszenz. Natürlich habe ich es nach dem Unfall nicht geschafft, die Kontaktsperre aufrechtzuerhalten, habe meinen Freund sofort angerufen, der mich in den Tagen danach per SMS (und Tel) mit Fürsorge überschüttet hat. Fürsorge, keine Liebe. Kein "wir schaffen das", generell kein "wir". Ich bin ihm immens wichtig, aber er möchte nicht mit mir zusammen sein, so fühlt sich das an. Nach meinem Rückflug das gleiche. Abwechselnd Fürsorge und Distanziertheit, ich weiss nicht mal, ob er momentan hier wohnt, er war jetzt wieder drei Tage weg. Er kümmert sich um meine Verletzung, aber rollt sich nachts ein wie ein Igel (wenn er denn im Bett schläft), bloss keine Berührung. Umarmungen gibt es (wieder?), gehen aber meist von mir aus. Er schafft es, mir zeitgleich den Boden unter den Füssen wegzuziehen und mir Hoffnung zu machen. Er ist nicht kalt, aber distanziert - immer mehr. Wärme gibt es noch in unseren Blödeleien, im humorvollen Umgang miteinander, der einen Grossteil der Zeit arg verkrampft ist, aber zwischendurch auch echt.
Ich hoffe, Ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich hier mitschreibe, obwohl die Trennung noch nicht ausgesprochen ist (wenn doch, dann respektiere ich das und ziehe mich aus diesem Thread zurück). Ich leide genau wie Ihr, habe ihn doch schon im Mai verloren... Zusätzlich zum Verlust des geliebten Menschen bricht ein so grosser Teil meines Lebens weg, weil meine Situation - chronische Krankheit, Berufsunfähigkeit, zwei schwere Unfälle (jetzt auch wieder monatelang kein Autofahren, bin aber eigentlich zu krank zum Busfahren), gemeinsamen Freundeskreis, keine engen Freunde - so verfahren ist. Ich sehe kein “Leben nach ihm” - das Leben, das ich mir gemeinsam mit ihm aufgebaut habe, bricht fast komplett weg, wenn er geht.
Ich weiss nicht, warum er nicht geht. Möglicherweise hatte er es vor, findet es aber jetzt wegen des Unfalls den falschen Zeitpunkt, möglicherweise hat er Angst, dass ich mir etwas antue, vielleicht liebt er mich auch noch. Ich begreife nicht, wie Fürsorge und Liebe zusammenhängen, ich dachte immer, sie liegen zumindest in Partnerbeziehungen sehr nahe beieinander, offensichtlich ist dem aber nicht so. Er fühlt sich ja offensichtlich nicht mehr wohl bei mir. Es tut so weh
