Nicht schlecht, nicht schlecht....
Hast es also ohne zu verrecken hinter Dich gebracht.
Vielleicht ist der Schmerz, der sich dem Treffen anschliesst, reinigend und heilsam. Heilsam im Sinne von 'danke,aber das brauche ich erstmal nicht so dringend'.
Ich hatte Ende Juni Wohnungsübergabe der gemeinsamen Bude. Hatte vorher höllisch Bammel davor, weil ich sie da zum ersten Mal seit Mitte März wiedersehen musste.
Im Nachhinein empfand ich die Übergabe an sich weniger dramatisch als die Tage danach. Währenddessen habe ich einfach funktioniert, äusserlich kalt und unnahbar, innerlich auf Hochspannung aber mehr oder minder kontrolliert.
Danach kam mein Loch, das sich auch nicht zu schade war, gleich ein paar Tage bei mir einzuziehen.
Wenn es noch irgendeines Beweises für den Sinn der Kontaktsperre hätte geben müssen, hatte ich ihn damit gefunden.
Sprüche wie 'du bist aber schön braun und knackig' habe ich so dringend gebraucht wie ein Furunkel am Hintern.
Wie OneWay schon schrieb:
Mit allen Sinnen und Köpper voraus in den Schmerz und das Gefühlskarussell. Als Reaktion ist quasi alles erlaubt, was nicht [selbst]zerstörerisch wirkt.
Wobei ein Kasten B. mit Freunden jetzt nicht in die Kategorie 'zerstörend' fällt.
Wenn der Schmerz und das Bewusstsein um den Verlust des geliebten Menschen so richtig in Dir wühlt, ist der Zeitpunkt gut, sich hinzusetzen und zu schreiben.
Schreib auf, was Dir wehtut, schreib auf, wo es wehtut. Und formuliere, was Dir fehlt.
Aber dreh die Medaille auch um und bring zu Papier, was Du gewonnen hast.
Der Blick darauf ist verdammt schwer, aber er ist möglich.
Nach einer so schwerwiegenden Trennung neigen wir dazu, die gemeinsame Zeit durchgängig rosarot zu sehen, alles über den Klee zu loben, was mit dem verlorenen Partner und der Partnerschaft zu tun hat.
Ist ganz normal, aber im Normalfall totaler Blödsinn, denn es gibt immer Dinge, die einen gestört haben, oder die, hmmm, 'suboptimal', liefen.
Es braucht den Willen, die Welt so zu sehen, wie sie war. Ganz gelingt das eh nicht (siehe Plato oder Aristoteles), aber das Zerrbild der perfekten Beziehung kann man schon angehen....
Es hilft bei der Verarbeitung, denn im Regelfall verlieren wir eben nicht nur das Schöne, sondern auch das weniger Schöne der gemeinsamen Zeit.
Das ganze dient auch dazu, die Ex vom Thron zu holen, auf den man neigt sie zu setzen. Auf einmal ist es der perfekte Mensch, den man verloren hat.
Ist er aber nicht, sonst wäre er nicht gegangen.
Also: Hab kein schlechtes Gefühl, auch die negativen Seiten der Ex zu sehen und zu benennen! Es wird Dir helfen, Dich nicht ganz so beschissen zu fühlen.
Viel Erfolg!