Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
C. Reade
•
x 2#61
I
Imyourwaterfall Gast
Der Wasserfall
Einst träumte ich von einem Tal, sah klare Bächlein fließen. Schlanke Bäume überall, ummalt von grünen Wiesen.
Felsen ragen hoch empor, schauen tief in's Tal. Dumpfes Dröhnen trifft mein Ohr, es ist ein großer Wasserfall.
Donnernd fällt er in die Tiefe, niemand hält ihn auf. Es ist, als ob ihn jemand riefe, er folgt dem Lebenslauf.
Der Wind bläst frisch, im schönen Tal, hat Wolken fortgezogen. Die Sonne malt dem Wasserfall, den schönsten Regenbogen.
•
x 1#62
A
Eure Lieblingsgedichte
x 3
D
Dynamo_S Mitglied
Beiträge:
81
Danke erhalten:
84
Mitglied seit:
FIRST THOUGHT AFTER SEEING YOUR MOUTH SMILE
come with every wound and every woman youve ever loved every lie youve ever told and whatever it is that keeps you up at night every mouth youve punched in all the blood youve ever tasted come with every enemy youve ever made and all the family youve ever buried and every dirty thing youve ever done every drink thats burnt your throat and every morning youve woken with nothing and no one come with all your loss your regrets, sins memories black outs secrets come with all the rot in your mouth and that voice like needle hitting record come with your kind eyes and weeping knuckles come with all your shame come with your swollen heart ive never seen anything more beautiful than you
-Warsan Shire
•
#63
Fuulhorn16 Mitglied
Beiträge:
406
Themen:
4
Danke erhalten:
927
Mitglied seit:
Hallo Habe nur quergelesen. Hier mal zwei, die ich enorm gut mag:
Trauer ist die heilsame Antwort eines lebendigen Herzens auf Abschied und Trennung
und das andere:
Das Loch in der Straße
Ich gehe eine Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch. Ich falle hinein. Ich bin verloren. ... Ich bin ohne Hoffnung. Es ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos, wieder hinauszukommen. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch. Ich falle schon wieder hinein... aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine Schuld. Ich komme auch sofort wieder heraus. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch. Ich gehe darum herum. Ich gehe eine andere Straße.
•
x 2#64
N
Nichts Gast
Clocks
•
#65
A
Ajvar Gast
Emanuel Geibel (1815-1884)
Hoffnung
Und dräut der Winter noch so sehr Mit trotzigen Gebärden, Und streut er Eis und Schnee umher, Es muss doch Frühling werden. Und drängen die Nebel noch so dicht Sich vor den Blick der Sonne, Sie wecket doch mit ihrem Licht Einmal die Welt zur Wonne. Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht, Mir soll darob nicht bangen, Auf leisen Sohlen über Nacht Kommt doch der Lenz gegangen. Da wacht die Erde grünend auf, Weiß nicht, wie ihr geschehen, Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf Und möchte vor Lust vergehen. Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar Und schmückt sich mit Rosen und Ähren Und lässt die Brünnlein rieseln klar, Als wären es Freudenzähren. Drum still! Und wie es frieren mag, O Herz, gib dich zufrieden; Es ist ein großer Maientag Der ganzen Welt beschieden. Und wenn dir oft auch bangt und graut, Als sei die Höll auf Erden, Nur unverzagt auf Gott vertraut! Es muss doch Frühling werden.
•
x 1#66
Lebensfreude Mitglied
Beiträge:
10724
Themen:
5
Danke erhalten:
17975
Mitglied seit:
Eines Tages... wird es Dir besser gehen, die Farben beginnen zart zu leuchten. Die Sonnenstrahlen dringen zu Dir durch, die Nacht ist nicht mehr Dein Feind.
Eines Tages... spürst Du, dass die Welt sich weiter gedreht hat und aus der verlorenen Zeit tauchst Du auf in ein neues Morgen.
Eines Tages... ist vielleicht schon, wenn Du morgen erwachst.
von mir
•
x 3#67
A
arjuni Gast
Ziehende Landschaft
"Man muß weggehen können und doch sein wie ein Baum: als bliebe die Wurzel im Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest. Man muß den Atem anhalten, bis der Wind nachläßt und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt, bis das Spiel von Licht und Schatten, von Grün und Blau, die alten Muster zeigt und wir zuhause sind, wo es auch sei, und niedersitzen können und uns anlehnen, als sei es an das Grab unserer Mutter."
Hilde Domin
•
x 3#68
K
KBR Mitglied
Beiträge:
11265
Themen:
5
Danke erhalten:
20487
Mitglied seit:
Du botest mir dein Bett für die Nacht und in der Ruhe unserer Vertrautheit vergaß ich Deinen Körper.
Er war da und schön das war alles und gut.
Zwischen dir und mir trafen sich unsere Hände und hatten keinen Grund sich auszuweichen.
Was braucht die Zärtlichkeit große Flächen, wenn einen Hand so gibt und nimmt wie deine?
(Jörn Pfennig)
•
x 1#69
K
KBR Mitglied
Beiträge:
11265
Themen:
5
Danke erhalten:
20487
Mitglied seit:
Und das ist einer meiner abso-, abso- absoluten Lieblingstexte, weil er soviel Raum für Poesie hat und für feine Beobachtungen von Harmonie und unterschwelliger Gewalt und Aggressivtät und überhaupt! Es ist von ca. 1979 und leider immer noch aktuell oder wie kann es angehen, dass Männer so oft zu denken scheinen, dass eine Frau ohne Partner zwangsläufig auf sie stehen müsste und es dazu gar keine Alternative gibt, wenn sie (also die Männer) sie auserwählen?
Das Bild
Da stand dieses Mädchen und warf Steine in den See sah den Ringen zu im Wasser war allein, verspielt und schön ihre Haare schlugen Wellen wir ihr langes sanftes Kleid sie schien außerhalb sich selber sie schien außerhalb der Zeit und die Sonne reagierte auf das Bild, das sich ihr bot tauchte Mädchen, Haar und Wellen in ein dunkles Abendrot.
Da kam dieser Mann daher - vermeintlich schön und selbstbewusst - was zu tun war in dem Falle hat er natürlich gleich gewusst: so ein Mädchen, ganz alleine und dazu noch gut gebaut die will doch nicht alleine sein die hofft doch nur, dass sich einer traut so ein Mädchen, ganz alleine da kennt er sich aus damit: die kann doch nur darauf warten dass er in ihr Leben tritt.
Und so trat er in ihr Leben sagte ihr charmant ein Wort doch das Mädchen - ohne Zögern - ging ganz einfach schweigend fort. Da hatte nun der Mann dieses schöne Bild zerstört doch er stand da mit zerbrochenem Stolz und war zutiefst empört.
(auch Jörn Pfennig)
Aber zur Ehrenrettung, weil es eben natürlich auch ganz viele anders tickende Männer gibt: Pamphlet
Manchmal hasse ich euch Geschlechtsgenossen wenn ich sehe welch tiefe Kerben ihr gehauen habt in die Seelen der Mädchen die keine Erziehung schützt. Was für ein Kampf ist es oft zu beweisen dass man nicht nur Mann ist sondern auch Mensch!
(Jörn Pfennig)
•
#70
A
Ajvar Gast
Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, daß sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen? Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas Verlorenem im Dunkel unterbringen an einer fremden stillen Stelle, die nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen. Doch alles, was uns anrührt, dich und mich, nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht. Auf welches Instrument sind wir gespannt? Und welcher Geiger hat uns in der Hand? O süßes Lied. -Rainer Maria Rilke, Aus: Neue Gedichte (1907)-
Einsamkeit
Die Einsamkeit ist wie ein Regen. Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen; von Ebenen, die fern sind und entlegen, geht sie zum Himmel, der sie immer hat. Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.
Regnet hernieder in den Zwitterstunden, wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen und wenn die Leiber, welche nichts gefunden, enttäuscht und traurig von einander lassen; und wenn die Menschen, die einander hassen, in einem Bett zusammen schlafen müssen:
dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen.
Rainer Maria Rilke, Aus: Das Buch der Bilder
•
x 2#71
A
Ajvar Gast
Abschied
Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt. Wie weiß ichs noch: Ein dunkles unverwundnes grausames Etwas, das ein Schönverbundnes noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen, das, da es mich, mich rufend, gehen ließ, zurückblieb, so als wärens alle Frauen und dennoch klein und weiß und nichts als dies:
Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen, ein leise Weiterwinkendes - , schon kaum erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum, von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.
Rainer Maria Rilke, aus: Neue Gedichte (1907)
•
#72
Lebensfreude Mitglied
Beiträge:
10724
Themen:
5
Danke erhalten:
17975
Mitglied seit:
Jeden Tag komme ich wieder ein Stück näher an meine Kraft- Du bist nicht mehr an den vertrauten Orten Und ich bin in meinem noch unvertraut.
Du bist fort, aber ich bin noch hier. Ich muß so Vieles ohne Dich schaffen. Ich plane mich neu. Entdecke Kräfte und Fähigkeiten in mir, noch fremd, aber Stärke gebend.
Die Zukunft so ungewiss, manchmal im grauen Nebel, macht mir noch Angst.
Gefühle von Verlassensein und Einsamkeit, die mich manchmal überfluten. Ich erkenne und verstehe, dass ich meinen Weg auch ohne Dich gehen werde.
Ich mache das Beste aus jeder Minute, jedem Tag.
All diese Gefühle gehören zu mir, ich lasse sie zu. Schmerz und Trauer, das bin ich.
Ich bin aber auch die Seele, die versteht, die annimmt, was ist, und die durch den Verlust einen Schritt zur Weiterentwicklung gegangen ist.
Die Zukunft, so ungewiss, manchmal im grauen Nebel.
Du kannst Tränen vergießen, weil sie gegangen ist oder Du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.
Du kannst Deine Augen schließen und beten dass sie zurückkommen wird oder Du kannst Deine Augen öffnen und sehen was von ihr geblieben ist.
Dein Herz kann leer sein weil Du sie nicht mehr sehen kannst oder es ist voll von der Liebe die sie mit Dir geteilt hat.
Du kannst dem Morgen den Rücken drehen und im Gestern leben oder Du kannst dankbar für das Morgen sein, eben weil Du das Gestern gehabt hast.
Du kannst immer nur daran denken, dass sie nicht mehr da ist, oder Du kannst die Erinnerungen an sie pflegen und sie in Dir weiterleben lassen.
Du kannst weinen und Deinen Geist verschließen, leer sein und Dich abwenden oder Du kannst tun was sie wünschen würde: Lächeln, die Augen öffnen, lieben und weitermachen...
•
x 1#74
C
Christa2 Gast
Längst gesunken, die Titanic, doch diejenige die los gelassen hat, war ich. Damals bin ich im Eis gestorben. Nicht mal mehr ein Wort. Doch Du lebst weiter und weißt nicht, dass ich es auch für Dich getan habe. Das wirst Du nie wissen aber ich hoffe, Du lebst und zwar gut! Irgendwann tut Kälte nicht mehr weh, weil man taub wird. Erst taub und dann stirbt etwas. Es ist gestorben. Im Eis