Zitat von Fanehill:Ich spreche hier von physischer Gewalt und spreche mich nicht frei von Schuld, da meine Form der Gewalt sicher eher auf verbaler Ebene liegt. Auch nichts Gutes. Aber es gab nie Beschimpfungen meinerseits. Sie sagte immer, dass ich sie schon provoziere, wenn ich so und so schaue. Ich habe also versucht, nicht mehr so zu schauen und habe mich immer mehr angepasst um etwaige Eskalationen zu vermeiden.
Zitat von Fanehill:Da reichen 3 tage mit deinem Vater und du bis genauso blöd wie er.." Mein Großer hat die ganze Nacht geweint und mir war auch extrem elend zu Mute.
Eine wirklich traurige Geschichte ist das. Mich berührt das sehr, weil ich solcherlei blöder Sätze auch zu hören bekommen habe. So schnell dahin gesagt und doch so schmerzhaft für ein Kinderherz.
Und was Du da über Deine Beziehung schreibst, klingt traumatisch. Für Euch aber eben auch für die Kinder. Mir ist klar, daß man sich als Eltern immer nur bemühen kann und egal, wie sehr man sich vornimmt keine Fehler zu machen, es dann doch passieren kann, aber damit wir beide hier mal klar sehen, Gewalt, von wem auch immer ausgeübt, ist kein Umfeld für Kinder. Es wäre Deine Pflicht gewesen, an der Stelle die Notbremse zu ziehen.
Große Liebe hin oder her, diese ganze On/Off-Nummer scheint mir getragen von der Idee, daß, wenn man es dann doch irgendwie zum Happy-End schafft, würden dadurch die anderen unwürdigen, grauenhaften Handlungen gerechtfertigt und keiner von Euch hätte sich ernsthaft damit auseinandersetzen müssen, was ihr da eigentlich gelebt habt. Aus meiner Sicht ist das On/Off getragen von zwei Erwachsenen, die sich nicht auf die Ketten gekriegt haben und die außerhalb von Schutzbehauptungen eben nicht das Wohl der Kids an erste Stelle stellten.
Daß so etwas passiert, verstehe ich. Aber wenn Du einen Weg da hinaus suchst, dann ist der erste Schritt, an der Stelle nichts mehr zu beschönigen.
Insofern stimme ich Victorias Einschätzung bezüglich Deiner Passivität durchaus zu:
Zitat von VictoriaSiempre:Du hast Dich da aus meiner Sicht viel zu lange viel zu sehr rausgenommen und Dich auf der Elternebene nie richtig positioniert . Und jetzt wird es auch auf der Paarebene noch einmal komplizierter, weil Du eine neue Freundin hast.
Und jetzt kommen wir zu einem kleinen Satz, der für mich ziemlich gut zusammenfaßt, wie der zweite Schritt aussehen (bzw eben nicht) könnte:
Zitat von Fanehill: Ich würde gerne mal meine Sicht der Dinge erzählen. Bisher gibt es nur die Sicht der Mutter.
Ähm, mal in aller Deutlichkeit, Du möchtest was?
Es ist richtig, daß die meisten Menschen, das Bedürfnis haben, wenn sie sich falsch dargestellt sehen, das im Rahmen von zwischenmenschlichen Beziehungen richtig stellen zu wollen, was auch immer das heißt. Wir alle wollen gesehen werden und natürlich eben in einem Licht, welches eher dem Bild entspricht, das wir von uns selbst haben. Wir wollen die Bestätigung, dieses Bildes.
Aber doch bitte nicht von denen, die wir schützen sollen.
Glaubst Du wirklich, Du wirst Deiner Vaterrolle gerecht, indem Du Deine Kids mit einer alternativen Erzählung, wie die Dinge waren, um sie für Dich richtig gestellt zu wissen, nur weiter in einen Loyalitätskonflikt hineintreibst?
Zitat von Fanehill:Ich hätte mir halt gewünscht, dass wir, wie hier schon empfohlen, unseren Beziehungsstand von meinem Verhältnis zu den Kindern abgekoppelt hätten. Und ich hätte mir gewünscht, wenn meine EF den Kontakt der Kinder zu mir unterstützt hätte. Wie schon gesagt. Sie haben nie erfahren, wie es mit mir allein ist. Und das macht mich traurig. Und deswegen wollte ich euren Rat. Mir geht es nicht um Schuld oder Recht. Ich möchte einfach einen weg finden zumindest noch ein bisschen was vom Leben meiner Jungs mitzukriegen. Und dieser Weg sollte ein friedlicher sein.
Zitat von Fanehill:Aber, was sie nicht kennen ist nur allein mit mir zusammen zu sein. Das ist nie passiert,
Schau Dir das mal an. Ich kann nicht beurteilen, was der Grund dafür war, daß Du keinen Kontakt zu den Kindern in den off-Phasen gesucht hast. Wenn Gewalt (insbesondere aber eben nicht nur physische) in einer Beziehung eine Rolle spielt, dann ist es nicht untypisch, daß sich die Opfer an vermeintliche Regeln halten, die in dem Moment, in dem man aus dem System ausbricht, sich als absurd und tragisch herausstellen; so lange man aber Teil des Systems verbleibt irgendwie logisch erscheinen.
Aus Sicht Deiner Kinder aber, gab es in dieser Zeit keinen Kontakt und das immer und immer wieder. So sehr sie dich lieben mögen, so wenig erscheinst du in ihren Augen als verläßlich. Das kannst Du auch nicht einfach so mit ein paar Worten kitten. Die Angst, das Papa dann mal wieder weg ist, die geht nicht dadurch weg, daß Du begründest, warum Du das getan hast. Und die Angst geht auch nicht davon weg, daß Du ein paarmal demonstrierst, daß Du jetzt in ihrem Leben bleiben magst.
Wie gehts jetzt weiter?
In meinen Augen ist der einzige Weg, der der drei Schritte. Hör auf zu beschönigen. Es ist gut zu wissen, warum Dinge so passiert sind, wie sie passiert sind, wichtig für Dein Verhältnis zu Deinen Kindern bleibt aber, daß Du anerkennst, wie schlimm das war. Für Dich. Für sie. Im Zweifel auch für Deine Ex.
Komm aus dieser Passivität raus. Deine Kinder sind nicht dazu da, anzuerkennen, daß Papa auch gelitten hat. Das kommt oder es kommt nicht von ganz alleine. Versuch aufzuhören, Deinen Kindern irgendwelche Verantwortung unterzuschieben, die nicht die ihre ist. Das fängt bei der eigenen Erzählweise an: Sei nicht traurig darüber, daß Deine Kinder keinen Kontakt zu Dir wollen. Sei traurig darüber, daß Du in ihrem Leben nicht die Rolle eingenommen hast (oder einnehmen konntest, es ist sehr gut möglich, daß es nicht anders ging), die die jetzige Situation ermöglicht.
Beschönigen und Verantwortungsherumgeschiebe sind Dein Sh*t, den mußt Du (!) klar kriegen und zwar langfristig.
Und gleichzeitig demonstrierst Du ab jetzt Verläßlichkeit. Also nicht hin und wieder ne SMS oder hilflose Kontaktversuche, wenn es mal wieder für Dich schlimm ist, sondern Kontaktversuche, die klar definiert sind und zur gleichen Zeit erfolgen. Dazwischen gern auch Lob für Erreichtes oder Nachfragen bei anderen Dingen so das eben möglich ist, aber eine Form von regelmäßigem nicht forderndem Kontakt, den Du nicht abbrichst, komme was wolle, der wäre jetzt wirklich wichtig. Und du wirst lernen, es aushalten zu müssen, daß das jetzt ein wirklich langer Weg ist.
Und wenn das heißt, daß Du jeden Sonntag anrufst oder nen Brief schickst, um mit den Kids zu sprechen und es Jahre dauert bis sie antworten.
Hinsichtlich Deiner Ex wäre so wenig wie möglich Kontakt natürlich für Euch das Beste, aber das ist natürlich schwierig in der Situation, insbesondere weil auch unklar ist, inwieweit sich Eure geschilderte Gewalt auch gegenüber den Kindern zeigt. Es wäre ratsam, wenn Du mit Bedacht und Augenmaß eine beobachtenden Position einnimmst.
Hier nun die gute Nachricht zum Schluß: Kinder sind die aufmerksamsten Beobachter, die es gibt und Kinder sind schlau. Viel schlauer als wir Großen manchmal denken und aus kleinen Menschen werden ratzfatz sehr kritische große Menschen, die sich früher oder später selbst ein Urteil bilden.
Versuch die Zeit bis dahin und es ist nicht mehr viel, auch wenn es dir im Moment so vorkommen mag, wirklich gut zu nutzen.