Zitat von Heffalump::rofl2: Mit einer richtig stark ausgeprägten Depression ist mir mein Ex sowas von egal gewesen, ich war froh, das ich morgens aus dem bette kam und der Tag ohne Selbstverletzung vorüber ging - aber das gehört nicht ins Thema
@Taner Meine Ex hat(te) eine so ausgeprägte Depression, vier Therapeuten durch und extrem (!) viele Gespräche mit mir. Das ging so weit, dass ich sie zwei Mal verarztet habe, nachdem sie sich selbst verletzt hatte. Glaub mir Eines: Ein depressiver Mensch ist in kaum einer Hinsicht so, wie du denkst, dass er sei oder wie du es erwartest. Menschen in diesem Zustand denken nicht rational, sondern sind nur allzu oft von innerem Schmerz geleitet, teilweise über Jahre. Viel früher, als die eigentliche Diagnose oder die Selbsterkenntnis es aufzeigt. Du kannst von Außen kaum einwirken, nicht mal versierte Therapeuten schaffen das in jedem Fall.
Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass du in keinem Fall abschätzen kannst, wie sie sich durch, in und nach der Therapie entwickelt. Wenn alles gut läuft, dann ist sie vorerst voll und ganz damit beschäftigt, sich selbst zu finden und den Schmerz der vergangenen Zeit zu verarbeiten, ohne sich selbst damit in den Abgrund zu reißen. Tritt der schlechtestmögliche Fall ein, dann tritt sie freiwillig in diesen Abgrund, weil sie keinen Ausweg mehr sieht. Zwischen beiden Extremen liegen gefühlte Millionen von Zwischenwegen, die sie einschlagen kann und auf die du keinerlei Einfluss (mehr) hast. Wir reden hier nicht über einen Schnupfen, bei dem du dich zwei mal schnäuzt, bis er weg ist. Depressionen sind eine massive, langwierige und widerliche Krankheit, die dir alles abverlangt, was du zu geben hast. Auch als Partner, Freund oder Verwandter. Der Streit, der zu meiner Trennung führte, kam beispielsweise zu Stande, weil ich nach über zwei Jahren als positiver Part der Beziehung nicht mehr konnte. Ich ertrug nicht mehr, dass sie meine Sichtweise so gar nicht, überhaupt nicht annehmen konnte, stattdessen fast schon feindselig dem entgegentrat, was ich ihr vermitteln wollte und sich immer mehr zurückzog. Ich nehme für mich in Anspruch, sehr viel auszuhalten, aber das überstieg auch meine Kräfte, von ihren ganz zu schweigen.
Langer Rede kurzer Sinn: Keiner, nicht mal sie, weiß, was die Zukunft bringen wird. Verrenne dich nicht in der Hoffnung, sie werde durch die Therapie schon merken, was sie empfindet, sondern gönne ihr den Erfolg der Therapie, auch wenn dieser bedeutet, dass sie nie wieder zurück kommt. Sie hat ein fröhliches, freies Leben verdient, ob mit dir oder ohne dich. Genau so, wie du es verdient hast. Wenn euch eure Wege dann wieder zusammen führen, dann soll es so sein, wenn nicht, dann eben nicht. Aber erzwingen oder per Vorstellung erhoffen, das funktioniert nicht. Du wandelst bei psychischen Problemen auf einem Minenfeld, und es hängt teilweise nur vom Zufall ab, ob du eine Tretmine erwischst oder nicht.