Eagle
Gast
Wie es immer so ist - während der Beziehung ignoriert man gekonnt die Warnsignale, die einem die innerer Stimme mitteilt. Im Nachhinein erkennt man, dass die innere Stimme richtig lag und das Puzzle fügt sich zusammen. Ich hatte im November ein schlechtes Gefühl als ich meinen damaligen Noch-Nicht-Ex besucht hatte und seine Eltern, seine Schwester und deren Ehemann auch zu Besuch dort waren. Er hatte sich mir gegenüber ziemlich abweisend verhalten. Ich hatte mir eingeredet, dass ich mir das einbilde, er hat dem nicht widersprochen - im Gegenteil.
Zum Nikolaus gab es von ihm als Geschenk eine Tasse mit der Aufschrift "Traumfrau".
Wir haben im November/Dezember die Flüge für die Zeit bis Februar einschließlich gebucht, d.h. aufgrund der günstigeren Preise der Flüge von mir zu ihm als umgekehrt hatte ich die meisten Flüge gebucht. Ich hatte absprachegemäß auch die Reise zu ihm vom 25.12. bis 01.01. gebucht. Er hat mir immer wieder stolz erzählt, dass er noch ein Weihnachtsgeschenk für mich gekauft habe.
Am 20.12. vormittags - während der Arbeitszeit - habe ich von ihm eine Email erhalten, in der er die Beziehung beendet. Angeblich wegen unterschiedlicher Lebensvorstellungen. Er würde mir alles Glück wünsche und dass ich finde, was ich suche. Er könne mir das nicht bieten, mir keine Zukunftsprognose und Geborgenheit geben.
Vorher hatte er immer gewollt, dass ich in seine Stadt ziehe, mir dort einen Job suche. Am selben Abend lag seine obligatorische Weihnachtskarte im Briefkasten mit "herzallerliebsten" Grüßen. Was für ein Hohn!
Davon abgesehen, dass die Art und Weise dieser Trennung das Allerletzte ist, habe ich ihn versucht vor mir selbst mit dem Argument in Schutz zu zu nehmen, dass seine Omas kurz zuvor gestorben sind, sein Sohn Probleme in der Schule hat, er Stress im Job hat, er vielleicht deswegen diese Art und Weise gewählt hatte.
Wir hatten in der Folgezeit kurz Email Kontakt.
Heute Abend habe ich ihn dann angerufen. Wir haben erst nett geplaudert. Aufgrund meiner hartnäckigen Nachfrage hat er dann zugegeben, dass er mich zum Ende hin betrogen und belogen hat, eine andere Frau kennengerlernt hatte und mit dieser Frau zusammen ist und es diese auch schon gab als seine Familie bei ihm zu Besuch war, ich also mit meinem Gefühl nicht falsch lag, er mich aber in dem Glauben ließ, es sei mein Fehler. Wie lange das schon ging, wollte er mir nicht sagen. Da er aber bereits länger versteckt Nachrichten am Handy geschrieben hatte und der S. und er oft anders waren als sonst, vermute ich, dass sie mindestens seit Oktober in seinem Leben existiert.
Wir wollten über Weinachten unsere Reise nach Feuerland planen. Nun wird er diese mit seiner neuen Freundin durchführen. Ich könnte schreien, weil es so verletzend ist!
Ich habe ihm meine Meinung zu seinem Verhalten gesagt, er sagte, er habe sich nicht richtig verhalten, er könne sich dafür nur entschuldigen. Er hoffe, ich finde mein Glück und er würde gerne weiterhin in Kontakt bleiben, wenn ich das will. Ob er warten solle bis ich mich wieder melde oder ob er sich melden dürfe. Ich habe ihm gesagt, dies sei ein freies Land, er könne tun, was er will. Er antwortete, er wisse, dass dies eine freies Land sei, er wolle aber wissen, ob es für mich in Ordnung ist. Ich habe ihm gesagt, dass er sich melden kann, er wird dann ja sehen, ob ich reagiere.
Im übrigen habe ich ihm Glück gewünscht sowie einen schönen Urlaub in Feuerland im April. Ich gehe davon aus, dass er sich nachdem er meine Wut und Verbitterung erleben musste, nicht mehr bei mir melden wird. Ich hatte ihm gesagt, dass ich immer dachte, er sei ein Guter, mich aber offensichtlich geirrt habe. Ich habe nicht mehr vor, mit ihm zu sprechen.
Ich bin so unendlich traurig. Wie konnte ich mich nur so in einem Menschen irren? Wie konnte ich ihn nur lieben und ihm vertrauen? Wie soll ich überhaupt jemals wieder jemandem vertrauen? Er wusste so vieles von mir, war in schweren Zeiten für mich da. Und dann das. Wie schafft man es das Positive in Erinnerung zu behalten und ihn nicht völlig zu verdammen und an der eigenen Menschenkenntnis nicht zu zweifeln?
