Meine Story - Teil 2:
Tja - also bin ich mit unserem Anwalt in die Nachbarstadt gefahren, und dort gewartet, was der Haftrichter entscheidet. Da Herr Ex wohl während der Vernehmung nach Aussage unseres Anwalts viel "wirres Zeug" redete (heute bin ich überzeugt, dass das sehr wohl überlegt von ihm war!), wurde entschieden, ihn zunächst mal in der Forensik der nächstgelegenen Psychiatrie einzuweisen.
Dort blieb er dann 3 Monate - und ich dummes Kamel tat, was ich konnte, damit es ihm so gut wie möglich ging und er schnellstmöglich bis zur Verhandlung auf freien Fuß kam. Ich habe mir sogar von meinem Arbeitgeber 6.000 € geliehen, um das überzogene Privatkonto und sein "Firmen"konto einigermaßen ausgleichen zu können - und um den Anwalt wenigstens z.T. bezahlen zu können.
Als er im Februar 2011 aus der Forensik entlassen wurde, schien alles ganz wunderbar - kurze Zeit wenigstens. Schlimm für mich war nur, dass er oder seine Familie nie fragten, wie ICH mich eigentlich fühle
Im August war dann die Verhandlung - er erhielt 3 Jahre ohne Bewährung, die er im November antreten musste. Die im Gericht anwesende Gutachterin bescheinigte ihm eine histrionische Persönlichkeit!
Wir schrieben uns sehr eifrig, alle seine Briefe enthielten immer wieder die Beteuerung, wie leid ihm das alles tue, wie sehr er mich liebe, etc., etc.
Und dann wurde es Februar 2012. Da kam ein Brief von ihm, in dem er mir mitteilte, dass er künftig weder Briefe noch Besuch von mir wünsche, dass meine letzten Briefe ungelesen in seiner Zelle lägen.
Ich war wie vom Donner gerührt, dachte an Haftkoller oder was auch immer. Ein Anruf bei der Sozialarbeiterin ergab nur, "ich solle das jetzt einfach mal so hinnehmen". Und danach? Kein Wort, kein Brief, kein gar nichts mehr.
Erst dann begann ich, vorsichtig in seiner Vergangenheit zu recherchieren - und durfte erfahren, dass er mich bereits im 3. Jahr nach unserer Heirat angefangen hatte zu betrügen; dass er mich vom allerersten Treffen an belogen hatte, dass er nie der war, für den ich ihn hielt.
Ich war bis zum Sommer 2012 kurz vor einer massiven Depression - bis ich dann nach vielen Gesprächen mit Freunden und meinen Kindern endlich entschied, die Ehewohnung aufzugeben und mir was Eigenes zu suchen.
Danach ging es mir eine Zeitlang wirklich besser und ich reichte die Scheidung ein, damit ich nicht evtl. auch noch nach seiner Entlassung hätte Trennungsunterhalt zahlen müssen. Am Scheidungstermin habe ich ihn nach 15 Monaten zum ersten und auch zum letzten Mal gesehen.
Ach ja, erwähnte ich bereits, dass er es geschafft hatte, sich vom "normalen" Strafvollzug in eine sozialtherapeutischen Anstalt verlegen zu lassen?
Tja - und dann gibt es noch Ex's Tochter! Zu ihr habe ich ein tolles Verhältnis, ihre kleine Tochter, die morgen 1 Jahr alt wird, ist MEINE Enkelin. Dadurch erfahre ich natürlich immer wieder mal, was Ex so treibt (er wurde letzten September auf Bewährung vorzeitig entlassen).
Natürlich hat er längst eine Neue, mit der er jetzt zusammenzieht. Und für die er "alles tut" ... (Hat er für mich auch mal - Wäsche gewaschen, Fenster geputzt z.B.)
Leider leider ist auch das Vater-Tochter-Verhältnis massiv gestört; er interessiert sich kaum bis gar nicht für Tochter, Schwiegersohn und Enkelin. Und das belastet mich halt zusätzlich - meine Stieftochter hat so einen Vater nicht verdient!
Und was mache ich blöde Kuh? Durchforste das Internet nach Anzeichen von ihm, quasi in der Hoffnung, was Negatives zu finden? Oder wie oder was? Wenn ich mich dazu zwinge, das zu unterlassen, geistert er trotzdem immer wieder durch meine Gedanken - egal, was ich gerade tue.
Ihr könnte Euch sicher vorstellen, dass es für mich fast nicht vorstellbar ist, jemals wieder einem Mann zu vertrauen, geschweige denn eine Beziehung einzugehen.'
Ich bin eigentlich sehr zufrieden in meiner Single-Wohnung (die ich allerdings noch mit meinem jüngsten Sohn teile, bis der mal endlich auf eigenen Füßen stehen kann). Und trotzdem wünschte ich mir, mich mal spntan mit jemandem zum Jazz, auf ein Glas Wein oder so verabreden zu können. Was sehr schwierig ist, da ich viel zu oft Phasen habe, in denen ich mich zuhause hinter einem Buch verkrieche...
Dies war meine Story in Kurzform - ich hoffe, es kommt einigermaßen rüber, weshalb ich denke, hier in diesem Themenkomplex richtig zu sein.