Hallo liebe Forenmitglieder,
ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin. Ich bin auf der Suche nach einer Antwort auf dieses Forum gestoßen und ich versuche es einfach mal. Entschuldigt bitte, wenn ich auch nicht ganz so strukturiert wirke, was im letzten Jahr gewesen ist und vor allem in den letzten Wochen wühlt mich alles immer noch auf. Die ganze Geschichte jetzt niederzuschreiben wäre wohl sehr viel. Was ich mich aber zur Zeit frage ist, ob ich es wirklich mit einem Narzissten zu tun habe, wie ich mich verhalten soll. Mir kommen immer wieder Zweifel, weil ich das Gefühl habe, dass dieser Mann auch Hilfe braucht. Hilfe, die ich ihm in den letzten Wochen verweigert habe, weil ich dachte, dass ich endlich mal an mich denken muss, und nicht immer nur Verständnis haben kann?
Wir haben uns vor über einem Jahr im Internet kennengelernt. Durch gewisse sozialen Netzwerke kannten wir uns sozusagen "vom Sehen", aber kein privater Kontakt. Plötzlich kam der zustande und dann nahm alles sehr schnell, bis hin zu extrem schnell Fahrt auf. Schon in den ersten Tagen sprach er von Verliebtheit, ohne dass wir uns gesehen hatten. Er drängte auf ein schnelles Treffen, was auch sehr schön war. Seitdem 7. Himmel, alles wunderbar. Komplimente, Musik, die er mir schickte, täglich stundenlange Telefonate, das Gefühl von Seelenverwandtschaft. Wir hatten beide eine ähnliche Geschichte hinter uns. Über 20 Jahre Ehe/Beziehung, Kinder, Verletzungen - es gab unheimlich viel zu reden. Unheimlich viel Nähe, Vertrautheit. Er erzählte mir direkt alles, auch seine finanzielle Vergangenheit - und die spielt bei der Geschichte eine große Rolle.
Ungefähr ein halbes Jahr war alles toll, wir sahen uns alle zwei Wochen, es war wie so eine Art Fernbeziehung, obwohl wir nicht so weit auseinander wohnen, aber wir hatten beide kein Auto dazu noch Kinder, das hat es erschwert, sich öfter zu sehen. Zudem standen wir beide auch gleich schlecht durch unsere Trennungen finanziell schlecht dar. Wir haben uns gegenseitig Geld geliehen und geholfen. Er fing allerdings damit an sich von mir Geld zu leihen - kleine Beträge - und als er mal mitbekommen hat, wie es mir geht, hat er mir auch geholfen. Es war eine Hin und Herschieberei.
Er erzählte mir immer wieder von anderen Frauen. Auch von einer, in der er so verliebt gewesen sei. Dann wollte er sich mit ihr zum Kaffee treffen, weil sie ihn beruflich weiterbringen könnte. An dem Tag, als das stattfinden sollte, hat er sich bis zum nächsten Morgen nicht gemeldet, das war ungewöhnlich. Am nächsten Morgen dann ohne, dass ich gefragt habe, kam eine Nachricht, dass sie abgesagt hätte. Bis zu dem Zeitpunkt bin ich nicht eifersüchtig gewesen, mir kam alles dann aber komisch vor, auch diese "voreilige Rechtfertigung". Gleichzeitig hatte er massive Geldprobleme und fragte, ob ich ihm etwas leihen könnte. Am Anfang des Monats.
Es ist nur ein kleiner Ausschnitt ab dem Zeitpunkt, als ich Anfing hellhörig zu werden. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass da etwas nicht stimmt. Plötzlich wurde er krank und zog sich ohne etwas zu sagen wochenlang zurück. Als er wieder "auftauchte", fragte er mich kurze Zeit später, ob ich ihm eine größere Summe leihen könnte, es wäre eine Notlage. Ich tat es, mit Bauchschmerzen. Ab dem Zeitpunkt fand ich alles komisch. Wenn wir uns gesehen haben, war es zwar schön, aber das Dazwischen stimmte nicht. Und ich habe mich aber auch gefragt, ob ich ein massives Problem mit Vertrauen habe und einfach nur misstrauisch bin.
Wir haben uns nur gesehen, wenn er es vorschlug, immer spontan und auch immer so, dass ich unter Zeitdruck geriet. Ich bin tatsächlich gesprungen.
Er schrieb mir ständig und rief mich an, aber es kam mir teilweise unecht vor, ohne echtes Interesse. Sehr schnell drehte sich alles wieder um ihn. Er war zwar auch sehr schnell da, wenn er meinte, dass ich seinen Rat bräuchte, aber anstatt mir zuzuhören, habe ich nur Kontra bekommen, dass ich alles falsch sehe, wie ich etwas besser machen müsste in meinem Leben.
Er bezeichnete mich von Anfang an als unterwürfig - ich dachte lange Zeit, das wäre nur Spaß. Er meinte mal, er wüsste ja genau welche Knöpfe er drücken müsste, um mich zu kriegen.
Er erzählte mir von Frauen, da müsste er auch nur mit dem Finger schnippen, dann würde er sie haben. Und gleichzeitig erzählt er mir, dass er sich nicht so mag, wie er ist. Ich habe ihn nie nach einer Beziehung zwischen uns gefragt, und trotzdem thematisierte er es ständig und sagte, dass er das noch nicht kann.
Er hat mich angelogen, das weiß ich, und es war grundlos. Ich habe nichts gefragt und er hat mir etwas erzählt, was nicht stimmt, das hat mich gewundert. Ich verstehe es nicht.
Er umgibt sich gerne mit elitären Menschen und erzählt seine Geschichten. Er hat sich selbst öfter als genial bezeichnet, aber gleichzeitig als Loser, der nichts auf die Reihe bekommt.
Es hat den Anschein, als ob er doch tiefe Gefühle haben kann, aber noch außen hin kann er eiskalt wirken. Er will nicht verletzt werden. Er hat Verlustängste, das hat er mir alles gesagt. Ich wäre die erste Frau oder der erste Mensch in seinem Leben, der er alles erzählt hätte. Mir zu helfen, das wäre so ein tolles Gefühl für ihn. Nur - als ich mal wirklich Hilfe brauchte, hatte er was Besseres zu tun.
Er hat auch viel Stress durch Trennung, Kinder, Beruf und Geldsorgen. Ich kann das alles verstehen. Ich habe ihm täglich zugehört, wenn er alles loswerden wollte. Das war ein richtiges Auskotzen, ich kam mir fast nur noch vor wie ein Seelenmülleimer und hatte das Gefühl, dass für seine "schönen" Momente andere da waren, aber nicht ich. Zwischenzeitlich habe ich mich immer wieder distanziert, weil mir alles komisch vorkam. Und jedes Mal ging es ihm sofort "schlecht", er war krank. Und jedes Mal, wenn er krank war, haben wir auch nicht mehr telefoniert, da wollte er dann nicht. Mich hat er allerdings immer dann angerufen, wann ihm danach war, ohne Rücksicht auf meine Kinder, auf die Uhrzeit.
Vor 6 Wochen habe ich ihn darauf angesprochen, dass wir uns ja nicht mehr sehen - zu dem Zeitpunkt hatten wir uns 5 Wochen nicht mehr gesehen. Ich hatte in der Zwischenzeit einen neuen Job und auch ein Auto - es wäre leicht gewesen. Und ab da ging alles bergab. Ich habe das tatsächlich nach einem Jahr das erste Mal von mir aus gefragt. Für ihn stand schon wieder im Raum, dass ich eine Beziehung will. Er kann das gerade nicht, ich solle ihm das verzeihen, aber ich würde ihm so viel Halt geben. Ich habe das so als anmaßend empfunden, dass alles, was ich ihm vorher mal geschrieben habe, keine Rolle für ihn spielte. Dass es mir um Ehrlichkeit und Vertrauen geht. Und er entschuldigt sich dafür, dass er keine Beziehung mit mir haben kann - nicht für seine Lügen oder andere Tatsachen, die ich ihm dann schrieb, darauf folgte nur Schweigen.
Auf meinen neuen Job oder dass es in meinem Leben endlich mal wieder bergauf ging kam so gut wie keine Mitfreude - und dazu noch blöde Sprüche. Es hat mich verletzt, ich habe es nicht verstanden., ich habe es als Abwertung empfunden. Er war da auch in keinster Weise dran beteiligt, mal nicht mit Tipps und Ratschlägen. Ich hatte dann weniger Zeit, aber er schrieb mir immer wieder hinterher, bis ich dann angesprochen habe, dass ich ihn gerne sehen würde nach so langer Zeit.
Mittlerweile kommt mir alles so verfahren vor. Ich habe ihm alles geschrieben, was mir auf dem Herzen lag, was mir wichtig war, habe ihn auch mit seinen Lügen und den ganzen Unstimmigkeiten konfrontiert - darauf kommt keine Reaktion. Ich weiß nicht, ob er gekränkt oder beleidigt ist. Er schrieb mir nur noch, dass er krankgeschrieben ist und sich weiter zurückziehen möchte. Dass er weiß, dass er mich auch als gute Freundin verlieren wird.
Er schuldet mir noch viel Geld. Ich bin so doof gewesen, ihm das im Vertrauen zu leihen. Ich bin selbst Schuld. Krank geschrieben ist er seitdem ich ihm schrieb, dass ich jetzt wenigstens noch die Sache mit dem Geld geklärt haben möchte - ich mache keinen Druck, er soll mir etwas vorschlagen. Ich weiß nicht, wie ich das einschätzen soll. Alles drehte sich immer nur um ihn. In jeder Mail, in jedem Anruf, manchmal kam es mir vor, als wenn er dadurch Beachtung suchte. Wenn er krank ist, denke ich jedes Mal, ich muss Rücksicht nehmen oder ich muss ihm helfen. Ich weiß nicht, was da richtig ist oder was ich ihm noch glauben kann. Ich sehe und höre ihn ja nicht mehr.
Mir ist ein Satz so sehr hängen geblieben, den er mal sagte: "Du wurdest als Kind auch bestimmt sehr geliebt."
Ich bin so ratlos. Dauernd habe ich das Gefühl, diesem Mann helfen zu müssen und bin gleichzeitig sauer, dass er meine Gefühle bezüglich Vertrauen und Ehrlichkeit so ignoriert und fühle mich ausgenutzt und ausgelaugt. Ich empfinde ihn auch so sehr als egozentrisch oder narzisstisch, dass ich nicht weiß wie oder ob ich ihm überhaupt helfen kann. Ich weiß nur, dass er immer wieder mal durchblicken lassen hat, dass er auch eine Therapie bräuchte, weil er mit Liebe und Emotionen nicht richtig umgehen könne und auch Menschen immer wieder verletzt.
Ich danke euch fürs Zulesen und bin für jede Anregung dankbar.
Liebe Grüße