Hallo miteinander,
ich las vor ein paar Tages Black Swan`s Beitrag und kann ihn nicht vergessen. Er verfolgt mich regelrecht. Darum möchte ich meine Gedanken dazu mit euch teilen.
Zitat:BlackSwan, exakt so kenne ich das auch. Leider war mein N. selten guter Laune.
"Musst du dich so aufbrezeln, willst du fremde Männer aufreißen?" (Ich habe mich nie aufreizend angezogen, aber dem Anlass entsprechend hübsch gemacht, z.B. bei einer Geburtstgsfeier) Im Gegenzug kam: " Du musst mehr auf Dein Aussehen achten, lass dich nicht so gehen" (z.B.kurz nach der Geburt unseres Kindes).
Dresscode: "Ich ziehe an, was ich will" Antwort des N., wenn es ein Anlass war, der mir besonders wichtig war. Er kam dann in zerrissenener Jeans zur 60. meiner Tante. Begründung: "Brauchst nicht glauben, dass ich mich wegen deiner Familie verbiege, du willst ja nur mit mir angeben!"
Gemeinsame Einladung ohne Kleidervorschrift:
Ich: "Ziehst Du Jeans oder Anzug an?"
Er: "Warum willst du das wissen?"
Ich: "Ich will nicht wieder overdressed neben Dir sein"
Er:"Was schlägst du vor? Worin fühlst du dich heute wohl?"
Ich:"Ich bin so kaputt von der Arbeit, ich denke, ich zieh mir was bequemes über".
Er:" Ok, aber beeil Dich ,ich will nicht IMMER auf dich warten".
Ich schmeiß mich in die alte Jeans und das Feierabend-T-Shirt, bin pünktlichst fertig. Höre plötzlich Dusche, Fön und Rasierer aus dem Badezimmer. Bin irritiert, denn es ist die vom N. festgelgte Startuhrzeit (immer zu früh, denn er will überpünktlich kommen).
N. verschwindet im Ankleidezimmer und kommt: Im Anzug!
Ich bin entsetzt, mache meinem Ärger Luft. Reaktion von N.: "Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich Jeans anziehe!"
Ich entschuldige mich (wie dämlich), dass ich überreagiert und fehlinterpretiert habe, will mich schnell noch umziehen.
Er: "Wie immer, wegen Dir kommen wir zu spät."
Ich versuche, schnell zu sein, kann meine Sachen nicht mehr aufräumen (nächster Vorwurf vom N.). Er steht sich genüßlich die Füße in den Bauch, ich bitte ihn, das Geschenk/ die Eintrittskarten, etc. inzwischen ins Auto zu bringen oder die Türen zu schließen (was man halt so noch macht kurz vor Start). N. tut nichts dergleichen, setzt sich seelenruhig ins Auto und wartet.
Ich bin dadurch noch mehr unter Druck, er muss ja auf mich warten (und wie wie wissen, wartet ein N. nicht!). Halbfertig komme ich nach und werde mit vorwurfsvollen, abwertenden Blicke empfangen.
Ich entschuldige mich noch 10x, habe ein schlechtes Gewissen und fühle mich nicht besonders wohl, weil ich in der Eile nicht unbedingt ein passendes Outfit zusammenstellen konnte.
Ich : "Danke, dass Du die Sachen schon mal ins Auto gepackt hast, wir sind ja noch in der Zeit".
N.: "Ich habe nichts ins Auto gepackt! Da veranstaltest Du schon so ein Theater, und dann soll ich dir die Sachen noch hinterhertragen?"
Ich bin stocksauer, trau mich aber nichts zu sagen, damit die Situation nicht eskaliert. Eisiges Schweigen, als ich mit den Sachen wieder ins Auto steige. N. schaut demonstrativ auf die Uhr, fährt aggressiv, zu schnell, bremst ab (besonders schön, wenn eine frisch gebackene Torte noch mit dabei ist...), flucht.
Mir wird übel. Je näher wir dem Veranstaltungsort kommen, umso schlechter geht es mir psychisch und physisch.
Je schlechter es mir geht, desto bessere Laune bekommt der N. und zieht wieder mal die Show seines Lebens ab.
Ich habe mich oft gewundert. Da freute ich mich so sehr auf eine Feier o.ä., der N. wollte erst gar nicht hin. Und dann war ich oft so energielos und konnte die Feier nicht genießen. Das ging scheinbar von einer Sekunde auf die andere. Die Musik erschien mir plötzlich zu laut, die Menschen um mich herum plapperten durcheinander, usw. Mich überfiel eine bleierne Müdigkeit, ich konnte mich nicht auf die Gespräche konzentrieren oder Spiele mitspielen, entschuldigte meine Gähnanfälle mit Überarbeitung.
Daneben blühte der ausgewiesene "Partymuffel" auf. Ich war ja schon die Spaßbremse, hätte ich da vor allen Leuten sagen sollen, wie er sich kurze Zeit vorher benommen hatte? Das hätte 1. keiner geglaubt, 2. keiner hören wollen, und 3. war ich froh, dass er gute Laune hatte.
Woher diese gute Laune so plötzlich kam, habe ich mich nicht gefragt. Ich war damit beschäftigt, mir Vorwürfe zu machen, dass ich so energielos und fade daherkam.
Ich lese seit einiger Zeit immer mal wieder hier mit und man könnte annehmen, dass dieses Beispiel im Vergleich zu anderen geschilderten Erlebnissen (explizite verbale oder körperliche Angriffe, Verleumdungen usw.) eine Kleinigkeit sei. Aber für mich zeigt dieses Beispiel wie kein anderes die Unmöglichkeit, eine Beziehung mit einem N zu führen, ja nur nur eine Freundschaft mit ihm zu führen.
Man kann alle Ratschläge im Umgang mit Narzissten der Welt verinnerlicht haben, kann gelernt haben, sich abzugrenzen und Pipapo, diese geschilderte Szene zeigt, dass ein Narzisst einem aus jeder noch so unverfänglichen Situation einen Strick drehen kann und einem mehr als die gute Laune gewaltig verderben kann.
Es ist für mich das Paradabeispiel für passive Aggressionen, die um ein vielfaches gemeiner sind weil sie kaum (oder erst im nachhinein) benannt werden können.
Und selbst wenn sie benannt werden können, so wird man nicht so schnell jemanden finden, der diese hochagressive und hinterlistige Aggressivität erkennt. Viele würden noch sagen: ach, das hat er sicherlich nicht so gemeint...
Da ist der Umgang mit expliziten Aggressionen noch einfacher denn der "Täter" ist klar erkennbar und ansprechbar. Seine "Tat" liegt offen zu Tage.
Ich habe ganz ähnliche Situationen mit meinem ExN erlebt und es war furchtbar. Für mich ist es die widerlichste Form der Destruktivität.
Alles Gute euch allen,
eine Ex-Betroffene, die nicht darüber hinweg kommt, wie man so wenig Mitgefühl haben kann, ja sogar noch Freude an der Zerstörung eines anderen Menschen haben kann.