Zitat von Ricky:Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung auszumachen, ist gar nicht so einfach, weil es z.B. Teiltendenzen gibt, die durchaus vorhanden sein können, aber andere sind gestört. "Narzissmus" als Begriff per se, ist in meinen Augen auch nicht mehr sinnvoll. Vermutlich sollte man den in Teilaspekte aufteilen. Zum Beispiel in das "Fehlen von Empathie" oder die Dichotomie des "Behinderns" sowie des "Harmonisierens" - das heißt es gibt durchaus Narzissten, die alles tun, um Dinge harmonisch verlaufen zu lassen, weil ihr Selbstbild dadurch "Früchte trägt", während andere eine wahre Freude darin finden, Beziehungen zu stören, um dann ihren Aspekt darin zu sehen. Das sind jetzt nur Teilausschnitte und der Bereich ist so dermaßen groß, dass ich darüber vermutlich Tausend Seiten schreiben könnte und immer noch nicht jeden einzelnen Aspekt heraus gearbeitet hätte. Es ist ein sehr komplexes Thema.
Sehe ich auch so. Beim Autismus spricht man ja mittlerweile von einer Autismus-Spektrum-Störung, und ich denke, das Wort "Spektrum" passt in diesem Fall auch ziemlich gut; Allein als Hinweis auf die Diversität sowohl der qualitativen als auch quantitativen Unterschiede.
Ich hatte vor x-hundert Seiten schon mehrmals hier geantwortet, weil auch ich finde, dass hier sehr einseitig mit dem Thema umgegangen wird, zum Teil. Schon allein von einer "Diagnose" zu sprechen ist anmaßend. Ja, ihr habt den (Ex-)Partner sehr lange erlebt, aber: Die Diagnostik bei einem Erwachsenen, besonders in Bezug auf eine Persönlichkeitsstörung (Achtung! Betonung auf Persönlichkeitsstörung, die "schlimmste" Form der narzisstischen Tendenz!), hält allein im professionellen Bereich mehrere Wochen, meist Monate (!) an, bis ein ausgebildeter Psychologe/Psychiater/Therapeut einen Behandlungsplan danach aufstellen würde, eine bestimmte Störung zu behandeln.
Ich verstehe den Drang, den Verlauf bzw. das Ende einer Beziehung verstehen und somit auch verarbeiten zu können, sehr gut. Sich auf die Suche zu begeben nach Ursachen und Gründen ist nie falsch und bildet grundsätzlich die Basis für eine Weiterentwicklung. Gerade, wenn man sehr merkwürdige, verstörende, teils auch missbräuchliche Dinge erlebt hat. Die Erklärung: Mein/e Ex ist ein/e Narzisst/in hakt aber aus mehreren Gründen bei manchen immes:
1. Rein anteilig gibt es nicht so viel Narzissten, wie Exen das sehen.

2. Hier wird nicht unterschieden zwischen Narzissmus, narzisstischen Anteilen, narzisstischen Tendenzen. Da gbt es Abstufungen, und die zu gutem Recht.
3. Anscheinend werden andere Möglichkeiten nach dieser "Erkenntnis" dann völlig ausgeschlossen, darüber, dass
a) man unrecht haben könnte, b) der Ex einfach nur ein A****loch ist, c) der Ex in seiner Selbstarbeit so weit hinten anhängt, dass er sich auf das egoistische Minimum beschränkt, d) eine andere Störung vorliegt, die sich in narzisstischen Tendenzen oder Anteilen ausgeprägt hat (z.B. komplexe Traumatisierungen, die ja ebenso Ursache für eine NPS sein kann), e) man selber narzisstisch veranlagt ist und deswegen jemanden finden muss, der schuldig ist, f) eine Co-Narzissmus-Kompatibilität vorliegt; und, der wichtigste Punkt:
4. dass das nicht bedeutet, dass man daran keinen Anteil mehr hatte und mit dieser "Diagnose am Ex" dann fertig sei.
Denn 5. Wer an einen Narzisten gerät, hat in den allermeisten Fällen in der Persönlichkeit angelagerte Strukturen, die so einen missbräuchlichen Umgang bedingen, bedienen oder zumindest begünstigen. Dabei rede ich hier _nicht von Schuld (!), sondern von eignen innerpsychischen Prozessen, die z.B. verhindern, dass man sich - trotz schlechtem Bauchgefühls, warnender Freunde, abgeneigter Familie etc. pp. - nicht aus dieser Verbindung lösen kann und will. Diese inneren eigenen Voraussetzungen müssen keine schreckliche Kindheit sein, es kann auch allein an dem Unwissen über die Existenz solcher Störungsbilder sein - also eine gewisse "Unschuld", die einen zunächst an ein Missverständnis o.ä. glauben lässt. In sehr vielen Fällen sind es aber anerlernte Hilfsmuster, mangelnder Selbstwert, ein wieder-erleben bzw durcharbeiten alter Beziehungen in der Beziehung zum Partner/Ex, etc.
Dies führt mich letztlich zu 6.
Wer hier schreibt, hat - unabhängig von einer beim Ex vorliegenden Störung oder nicht - einen so hohen Leidensdruck, dass er/sie Beistand sucht und Antworten finden möchte. Wer tatsächlich an einen Narzissten geraten ist, nimmt aus solch einer Beziehung meistens ein widerliches Gefühl von sich-selbst-nicht-mehr-trauen-können mit. Das ist schlimm - und nach einem "echten Narzissten" auch oft nur noch durch Therapie zu "korrigieren". Dazu soll sich jeder ermutigt fühlen.
Wichtig ist aber meiner Meinung nach, dass man den (vermuteten) Narzissmus des Ex nicht an sich selbst wiederholt, indem man sich vorbetet: Ex ist böse, Ex ist Narzisst, Ex ist schrecklich, etc. Denn dann dreht es sich wieder nur um wen? - Richtig. Nicht um euch.