Emiily
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Ich lese schon seit einiger Zeit still mit.
Meine Geschichte jährt sich jetzt bald schon, ich kann es kaum glauben.
Und nach dem ganzen emotionalen hin und her die letzten Monate, hab ich mich jetzt entschieden meine Geschichte doch mal hier zu teilen.
Zum einen, weil ich gerne eure Meinungen hören möchte und zum anderen wohl auch als ein Stück weiterer Aufarbeitung - und vielleicht auch zum Abschließen?
Ich entschuldige mich im Voraus für den folgenden - viel zu langen - Roman.
Mein Ex (36, wenig selbstreflektiert und egozentriert, eher vermeidend, keinen Zugriff auf seine Gefühle) und ich (32, unsicher mit Helfersyndrom) waren 9 Jahre zusammen.
Wir haben uns vor 3 1/2 Jahren ein Haus zusammen gekauft und hatten zwei Hunde an unserer Seite.
Es gab gerade in unserer Anfangszeit große Probleme (er war Dro. mit allem drum und dran - ganz vorne mit dabei die vielen vielen Lügen. )
Er hatte sich dann (ich glaube nach 1 1/2 Jahren ca.) entschlossen einen Dro. zu machen und war auch stationär in einer Klinik.
Es war eine sehr belastende Zeit. Vor allem, weil ich hier mit dem Vertrauen schon sehr zu kämpfen hatte.
Wir haben diese Zeit dann aber überstanden und es ist uns ein "Neustart" gelungen. Er hatte nie wieder Probleme in dieser Richtung. Die Sucht verlagerte sich später in Spielsucht und teilweise Sportsucht.
Die darauffolgenden Jahre waren im Großen und Ganzen (bis auf ein paar kleinere Streitereien) einfach schön und wir sind durch alles sehr eng zusammengewachsen.
Wir haben uns immer gezeigt und gesagt, wie sehr wir uns lieben und dass wir uns nicht vorstellen können, dass uns jemals etwas trennen kann.
Wir haben/hatten wirklich sehr viele Gemeinsamkeiten. Wir haben viel zusammen gemacht, uns aber dennoch auch immer genug Freiraum gegeben.
Der Anfang vom Ende begann evtl. Rückblickend bereits mit dem Hauskauf.
In erster Linie war es mein Traum - aber er hatte nie etwas Gegenteiliges gesagt und sich auch gefreut.
Wir hatten zu zweit alles selbst von Grund auf zusammen renoviert und uns unser "Traumhaus" geschaffen.
Er war nach einiger Zeit sehr oft gestresst und hatte irgendwann große Ängste entwickelt, dass was kaputt gehen könnte (ist ein altes Haus).
Er hat sich regelrecht verrückt gemacht, andauernd (fast täglich) alles überprüft. ich war da deutlich entspannter - wenn was passiert wäre, sind wir ja versichert (Starkregen z.B. machte ihn wahnsinnig). Dann die Ängste bzgl. der Finanzierung usw.
Ich hab das ganze leider nicht so ernst genommen oder irgendwann abgetan mit "Du machst dir viel zu viele Sorgen".
Dennoch haben wir dort 3 1/2 Jahre zusammen gelebt. Aber es war ein dauerhafter Stressfaktor für ihn. Mal mehr und mal weniger schlimm.
Mein Ex war schon immer ein sehr egoistischer Mensch, womit ich mich im Laufe der Jahre irgendwie abgefunden hatte, wie ich im Nachhinein bemerkt hatte.
Aber im Haus wurde das irgendwie nochmal viel schlimmer und es hatte mich schon auch immer öfter gestört.
Er hat in erster Linie immer das gemacht, was er wollte, worauf er Lust hatte usw. - mit dem Haushalt (immer schon unser Hauptstreitthema Nummer 1 gewesen) hat er mich fast komplett allein gelassen (und ich Depp hab auch immer alles gemacht. Hatte das zwar regelmäßig angesprochen, aber oft auch aufgegeben, weil ich keinen Sinn mehr darin sah, jedes Mal zu streiten oder ihm zu sagen, wenn er irgendwas tun soll - ich weiß, auch nicht optimal. Aber ich kam mir in diesem Punkt irgendwann wie seine Mutter vor und hatte das auch so kommuniziert. Seine Antwort "Ich brauche das aber so, weil ich es selbst nicht sehe". )
Er hat mich mit den Hunden alleine gelassen und mir auch sonst keine Verantwortung abgenommen. Das wurde aber erst so in den letzten 2 Jahren richtig schlimm und hat mich auch immer mehr gestört (aber ich habs meistens auch schön und klein geredet, weil wir uns davon abgesehen auch weiterhin gut verstanden hatten). Wir kamen trotzdem immer abends zusammen und haben uns in den Arm genommen und es hat sich einfach sicher und schön angefühlt.
Wir hatten den gleichen Humor, haben viel gelacht, hatten den gleichen Musikgeschmack - wir haben immer zusammen unsere Lieblingslieder mitgesungen und das hat sich einfach nur gut und richtig angefühlt. Unser gemeinsames Hobby war zocken - wir hatten anfangs auch fast immer zusammen gespielt.
Dann kommen wir jetzt mal zur ausschlaggebenden Änderung.
Sommer 2024 hat er mit Sport im Fitnessstudio angefangen - ziemlich exzessiv, fast täglich. Alles hat sich plötzlich nur noch um Sport und Ernährung gedreht.
Er hat abgenommen und Muskulatur aufgebaut und dadurch ein anderes, besseres Selbstbewusstsein bekommen.
Soweit so gut - ich fand es gut, weil es ihm viel gegeben hat. Aber rückblickend hätte ich ihm da mehr Bestätigung geben müssen.
Ich hab ihn schon gelobt wie gut er dass durchzieht und ihn auf die Veränderungen angesprochen. Aber oft wurde mir dieses "Posen vorm Spiegel" einfach zu viel. Es hatte mich schon etwas gestört. Weshalb ich dann irgendwann auch nicht mehr so viel dazu gesagt hatte.
Zu dieser Zeit hatten wir aber auch noch viel miteinander geredet und es war "alles" gut, meiner Meinung nach. Aber man hat schon nach und nach gemerkt, dass sich sein Fokus verschoben hat. Und seine Interessen haben sich geändert. Er hat durch den Sport auch angefangen andere Musik zu hören. Generell hatten wir einfach plötzlich weniger Gemeinsamkeiten.
Von außen bekam er zu dieser Zeit von anderen Frauen plötzlich auch sehr viel Bestätigung.
November 2024
Er hatte dann angefangen ein anderes Spiel zu spielen und hat dadurch online eine Gruppe von Frauen kennengelernt - vermutlich müsste ich an dieser Stelle gar nicht weiterschreiben.
Ich machs trotzdem
Zugegeben - etwas eifersüchtig war ich da schon. Aber ich hab ihm zu 100% vertraut. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt meine beiden Hände dafür ins Feuer gelegt, dass da nichts passiert. Und durch das Online Spiel, das ich spiele, hab ich ja auch meine Gruppe aus Männern, mit denen ich seit vielen Jahren spiele - also welches Recht hätte ich, da was zu sagen
und ich dachte, es wäre nur eine Phase. Er hatte öfter mal andere Spiele gespielt, das ging aber nur kurz und dann kamen wir wieder zusammen.
Dieses mal nicht. ich hab ihn ab Ende Dezember und im Januar immer wieder darauf angesprochen, dass ich mich etwas einsam fühle in letzter Zeit und nicht mehr so wichtig und "besonders". Wir hatten uns früher immer als erstes gegenseitig Neuigkeiten aus dem Alltag erzählt usw.
Ab Januar dann nicht mehr. da hatte er sich immer zuerst mit den Frauen ausgetauscht.
Ich hab von da an oft geweint, weil ich einfach gefühlt habe, dass da was nicht stimmt und ich ihn "verliere".
Wir haben viel darüber geredet und er hat mich immer wieder beruhigt, dass er mich über alles liebt und sich daran nie was ändern wird.
Er könne es gar nicht besser haben usw.
Dann kam der Februar 2025. am 14.02. bekomme ich noch eine Valentintagsüberraschung mit den Worten, dass er mich liebt.
Dann plötzlich drei/vier Tage später ist er mir immer mehr aus dem Weg gegangen. Er hat nicht mehr mit mir geredet.
Ich war verletzt und zu dem Zeitpunkt wohl auch etwas "beleidigt" und hab das "Spiel" mitgespielt. Wir hatten ein paar Tage fast nicht miteinander geredet.
Mir wurde es dann irgendwann zu viel und ich hab ihm morgens eine lange Nachricht geschrieben, wie traurig und verzweifelt ich bin und wie sehr ich mich zurückgewiesen fühle. darauf hat er noch einmal sehr liebevoll reagiert und mir geschrieben, wie dankbar er ist, mich an seiner Seite zu haben und welches Glück er hat usw.
Und dann, am nächsten Abend der Schock: "Ich weiß nicht mehr was ich fühle". der Klassiker.
Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Ja, es gab gerade ein paar Probleme. Aber damit hatte ich trotzdem nicht gerechnet.
Ab hier beginnt der schlimmste Monat meines Lebens und alles daran triggert mich beim Schreiben immer noch unglaublich. Mein Herz rast, Tränen laufen, ich zittere.
Ich hatte lange versucht mit ihm zu reden, versucht ihn zu verstehen usw.
Wir hatten sehr oft ruhig geredet und nach Lösungen gesucht. Er konnte mir nie genau sagen, was mit ihm los ist, was er genau fühlt usw.
Ich hatte ihn gefragt, ob er sich in eine der Frauen verliebt hat, mit denen er online spielt. Er hat lange gesagt, dass es das nicht wäre. und er wisse es auch nicht, er fühlt einfach nichts mehr und alles überfordert ihn (Arbeit, Haus, Verantwortung für die Hunde. Alles wäre ihm zu viel)
In dieser Zeit, als ich emotional schon völlig am Boden war, hat er weiterhin mit den Frauen gespielt (vor allem mit einer. ).
Ich habe ihn aus dem Arbeitszimmer immer laut lachen gehört. jeden einzelnen Tag. Er hörte sich so glücklich an. Und ich lag nebenan im Wohnzimmer heulend auf dem Boden.
Irgendwann gab er dann zu, dass er sich wohl verliebt habe. Er konnte es nie so richtig greifen, weil sie eigentlich nicht mal sein Typ war.
Im Nachhinein sagte er, war es wohl die Vorstellung eines anderen, einfacheren Lebens. Sie hatte eine Tochter. -ich kann keine Kinder bekommen. Wir hatten es versucht, aber es hatte nicht geklappt (aber das war damals mein Wunsch, nicht mal seiner. er wollte eigentlich nicht unbedingt Kinder). Aber wir hatten uns damit abgefunden und hatten ja unsere zwei Hunde.
Plötzlich konnte er sich das dann doch vorstellen. Er hatte Angst, etwas zu verpassen. Den Punkt konnte ich ja verstehen.
Wir hatten lange darüber geredet und ich war immer verständnisvoll und hatte versucht ihm zu helfen. ich wäre bereit gewesen, es nochmal auf anderen Wegen zu versuchen.
Er war in dieser Zeit dennoch immer hin und her gerissen. Wusste einfach nicht, was er wollte. Während unser Gespräche habe ich ihn sehr traurig erlebt.
Sobald er dann das Headset auf dem Kopf hatte, hat er fröhlich geredet und erzählt und so viel gelacht.
Es war wirklich kaum zu ertragen, ich habe es nicht verstanden.
Ich hatte vorgeschlagen einen kleinen Urlaub zu machen, einfach mal wegfahren und versuchen rauszufinden, ob da doch noch Gefühle sind.
Ich hatte ihn auch gefragt, ob er evtl. mal ein paar Tage alleine weg will um in Ruhe nachzudenken (Aber da hätte er seinen PC ja nicht mehr gehabt. und er wollte zu diesem Zeitpunkt auch nicht nachdenken. )
Ich hab eine Paartherapie vorgeschlagen. Ich hab alles versucht. Aber seine Antwort war immer, dass er nicht wisse, was mit ihm los ist, aber er liebt mich nicht mehr.
Zu diesem Zeitpunkt war er natürlich schon auf Wolke 7 mit seiner Onlinebekanntschaft. natürlich wollte er da nicht versuchen nachzudenken, was da gerade passiert und was da kaputt geht.
Ich hatte zu dieser Zeit leider noch den Fehler gemacht und ihn angefleht, das alles nicht einfach aufzugeben.
Heulend, auf dem Boden vor ihm kniend. nicht nur ein Mal. im Nachhinein ist mir bewusst, in welche Position mich das gebracht hat. Aber ich war wirklich völlig verzweifelt.
Er war davon irgendwann genervt.
Ich bin dann nach 2 Wochen zu meiner Mutter gegangen, weil ich es im Haus mit ihm nicht mehr ausgehalten habe. Ich bin kaputt gegangen und er saß nebenan und hat gelacht.
Nach ein paar Tagen bin ich zurück und wollte nochmal mit ihm reden.
Aber es hatte sich nichts verändert - er saß weiterhin nur am PC und war glücklich verliebt. Ich konnte nichts tun.
Es war wirklich die Hölle auf Erden. Irgendwann hab ich mich entschieden, dass ich meinen Stolz wiederfinden will. ich hab ihn ignoriert, hab auf mich geschaut.
Ich hatte ihm klar und deutlich gesagt, dass ich mit ihm über nichts mehr reden möchte, es sei denn, es ist etwas organisatorisches.
Da hatte sich bei ihm etwas getan. er bekam das erste Mal Angst mich zu verlieren.
Am nächsten Tag sagte er mir, dass er sich jetzt sicher ist, dass er mich noch liebt und er will mich nicht verlieren.
Ich war emotional und körperlich zu diesem Zeitpunkt schon ein Wrack und hatte stark abgenommen, keine Kraft mehr.
Ich sagte, dass ich Zeit brauche und dass ich nicht mehr weiß, ob ich das noch kann nach allem was war und wie sehr ich gelitten habe.
Er konnte es verstehen und sagte, dass er es hinbekommen will.
Ein paar Tage später sagte er mir, dass er an einem Freitag zu einem Treffen mit dieser Gruppe fahren will (400km entfernt). Das wäre schon länger organisiert und die ganze Gruppe inkl. aller Partner wären dabei (die andere Frau war übrigens ebenfalls noch in einer Beziehung).
Ich kann heute nicht mehr sagen, warum ich so naiv war und dem zugestimmt habe. Ich bin vermutlich einfach auf seine Worte reingefallen.
An dem Morgen, als er zu diesem Treffen losgefahren ist, hat er mir aus dem Auto heraus noch jede Menge und lange Nachrichten geschrieben, was er für ein Idiot war und dass er endlich erkannt hat, wie sehr er mich liebt und jetzt auch wieder an unsere Vergangenheit denken konnte. und er nicht verstehen könne, wie er das alles aufgeben konnte.
Mit Worten konnte er immer gut umgehen. geglaubt habe ich ihm seine Worte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so richtig nach diesem hin und her.
Dann hab ich den ganzen Tag über nichts mehr von ihm gehört. Und da wurde ich doch misstrauisch.
Der nächste Klassiker: Ich bin an seinen PC gegangen und habe Nachrichten gelesen.
Und da waren mehr als eindeutige Nachrichten dabei, die er mit der besten Freundin der anderen Frau geschrieben hatte.
Er könne es nicht erwarten sie kennenzulernen. Er hat gefragt, welche ihre Lieblingsblumen sind (aber die könne er ja nicht so offensichtlich mitbringen, weil ja der Partner von ihr auf dabei war usw. )
Die beste Freundin schrieb, dass die beiden sich einander einfach verdient hätten und sie auch alles dafür tun würde, damit die beiden etwas Zweisamkeit genießen können.
Also er fuhr zu diesem Treffen mit genau dieser Absicht - und schreibt mir morgens von unterwegs, wie sehr er mich liebt?
Ich rief ihn am Abend an, als er nicht nach Hause kam. Ich fragte ihn "Ich habs mir überlegt. Ich wills gerne nochmal versuchen!"
Ich wollte seine Reaktion testen. es folgte minutenlanges rumgestammel und er könne und wolle jetzt ja auch nicht richtig reden usw.
Dann sagte ich ihm, was ich gelesen habe. Das ganze war dann seiner Aussage nach ein riesiges Missverständnis. Haha.
Ich hab an diesem Abend noch meine Koffer gepackt und bin wieder zu meiner Mutter gezogen mit den Hunden.
Am nächsten Tag bekam ich eine WhatsApp: Es habe sich bei dem Treffen bestätigt, dass er sich in sie verliebt hat. Und sie hat sich in ihn verliebt. Und er will und muss das jetzt versuchen. er bedankte sich für die tollsten 9 Jahre seines Lebens mit den Worten, dass er vermutlich auch gerade den größten Fehler seines Lebens macht, aber er muss das jetzt tun. Er hätte mir ohnehin schon viel zu sehr weh getan.
Ich war so sehr am Ende wie noch nie in meinem Leben. Alles weg. Und dann auf diese Art. Nach wochenlangem hin und her. Nach wochenlangem "Ich liebe dich" und "ich liebe dich doch nicht".
Und zwei Tage nach dieser Whatsapp bekam ich eine weitere: wie sehr er jetzt alles bereut und er hat einen riesigen Fehler gemacht.
Später hab ich erfahren, dass die andere Frau einen Rückzieher gemacht hatte. sie hatte schließlich auch Partner und Kind.
Ich war so lange bei meiner Mutter geblieben, bis er ausgezogen war. Ich hatte ihm eine Wohnung organisiert (nicht mal das hatte er zu diesem Zeitpunkt hinbekommen. )
Ich wollte nichts mehr von ihm hören.
So vergingen 6 Wochen. In denen er mir jeden Tag Nachrichten schrieb, wie unglaublich er alles bereut, er wisse nicht, was da mit ihm los war.
Er hätte von Anfang an gewusst, dass das eigentlich gar nicht funktionieren kann. Sie lebt so weit weg und war ja eigentlich gar nicht sein Typ.
Er wollte nur flüchten vor seinen Ängsten und Problemen, das hätte er jetzt erkannt.
Vielleicht Midlife Crisis? Keine Ahnung.
Irgendwann suchte er den Kontakt über die Hunde. Ob er nicht hin und wieder mit ihnen wenigstens spazieren gehen könnte.
Ich hatte das akzeptiert. Und über die Wochen hatte es sich dann entwickelt, dass wir wieder öfter miteinander geredet hatten.
Er hat geweint (ich hatte ihn in 9 Jahren nicht ein einziges Mal weinen sehen!) und sagte mir immer wieder, dass er auch dieser Sache gelernt hat, dass er mich liebt und nie wieder ohne mich sein will.
Im Nachhinein bin ich schlauer, aber ich gab ihm eine zweite Chance.
Wir trafen uns anfangs 1-2x die Woche, unternahmen etwas und näherten uns wieder an.
Es dauerte etwas, bis ich wieder körperliche Nähe zulassen konnte.
Aber irgendwann dachte ich mir "Okay, wenn ich ihm vergeben will, dann muss ich das auch richtig tun".
Von da an hatten wir, wenn wir uns sahen, wirklich eine wunderschöne Zeit zusammen.
Ich habe schnell gemerkt, wie sehr ich ihn liebe und wie glücklich ich war, wenn er bei mir war.
Und genauso habe ich gemerkt, wie traurig ich war, wenn er dann wieder gegangen ist.
Ihm hatte das allerdings nichts ausgemacht.
Er hatte seine neue Freiheit in seiner Wohnung genossen. Und ich war ja da.
Das ganze ging knapp 6 Monate. In dieser Zeit habe ich immer wieder das Gespräch gesucht.
Denn mir war unglaublich wichtig, dass er rausfindet, wie das alles passieren konnte. Weshalb er tun konnte, was er getan hat.
Weshalb er mich so leiden sehen konnte und dennoch nichts dagegen unternommen hat.
Es hat mich leider still nach und nach aufgefressen.
Und er konnte mir keine meiner Fragen beantworten. Er bereue es, aber er wisse es einfach nicht.
Ich wollte, dass er eine Therapie startet oder wir evtl. auch eine Paartherapie beginnen.
Zu beidem kam es nie.
Wenn er bei mir war, hab ich gespürt, dass er mich liebt - allerdings anders als ich? Eher wie ein Jugendlicher, der sich freut seine Freundin zu sehen, wenn es ihm passt, aber sonst wollte er nur seine Dinge machen.
Das hat mir nach 9 gemeinsamen Jahren einfach nicht mehr gereicht, dieses Gefühl hat mich zerstört.
Ich hab das immer und immer wieder angesprochen.
Dass ich das Gefühl habe, dass er mich nicht richtig liebt, nicht wirklich bei mir sein will. Dass es sich einfach nicht richtig anfühlt.
Er hatte dann oft geschwiegen und dann kam nur ein "Aber ich liebe dich doch und will dich nicht verlieren".
Ich hatte vorgeschlagen, dass wir mal wieder ein Wochenende zusammen verbringen.
Da merkte man schon, dass er das eigentlich nicht wirklich wollte und sich dazu gezwungen hat.
Nach einem Tag haben wir es abgebrochen. Weil er sich im Haus nicht mehr richtig zuhause gefühlt hat.
Es hat mich wirklich fertig gemacht. Und er war wieder glücklich in seiner Wohnung.
Das ganze ging eine Zeit lang weiter, bis ich irgendwann sagte, dass wir reden müssen. Dass ich das so nicht mehr kann.
Er wusste Bescheid, was ich sagen wollte.
Und wollte dann nicht einmal mehr persönlich vorbeikommen, was ich eigentlich gewünscht hatte.
So hatten wir nur telefoniert.
Ich sagte ihm unter Tränen, dass ich das so nicht mehr kann.
Dass ich ihn liebe, aber ich von seiner Seite aus merke, dass es nicht mehr so richtig ist.
Er war sehr traurig, aber bestätigte mir, dass er auch nicht weiß, was los ist. Aber ja, es zieht ihn einfach nicht mehr richtig komplett zurück zu mir.
Aber er würde mich lieben.
Ich habe mit diesem Telefonat die Beziehung beendet. Das war Ende September 2025.
Er hatte mir ein paar Tage lang traurige und verzweifelte Nachrichten geschrieben. Alles erinnere ihn an mich und er leidet, es quält ihn alles.
Er kann nicht glauben, dass es zu Ende ist.
Daraufhin antwortete ich, dass es nicht an mir liegt. Dass ich mir das gewünscht habe.
Auch da bestätigte er mir nochmal, dass er weiß, dass es nur an ihm liegt. Aber er wüsste nicht, was los ist.
Ein paar Tage darauf bekam ich eine ähnliche Nachricht wie bei der ersten Trennung "Danke für die 9 Jahre, beste Zeit meines Lebens, werde dich nie vergessen ,und so weiter. er hätte jetzt aber erkannt, dass er mir gegenüber unglaublich toxisch war und es wäre besser, wenn wir jetzt einen Cut machen und getrennte Wege gehen."
Ja. von da an wusste ich, dass er wieder eine neue hat.
Zu diesem Zeitpunkt war es natürlich nicht 100% sicher. Und ich dachte, es wäre wieder eine Online Bekanntschaft.
Ich versuchte mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.
Und dennoch war da ein Funke Hoffnung in mir, dass er vielleicht doch plötzlich vor der Tür steht und sagt "Ich habe einen riesigen Fehler gemacht. Lass uns alles vergessen und wieder von vorne anfangen, dieses Mal richtig"
Und ja. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich ihn -naiv wie ich war- wieder zurückgenommen.
Aber es passierte nicht.
2 Wochen vergingen - eine wichtige Info noch: wir arbeiten zusammen in der gleichen Firma.
Ich erhielt einen Anruf einer guten Kollegin "Ich dachte, du erfährst es lieber von mir. "
Dort erfuhr ich, dass er seit 2 Wochen mit einer anderen Arbeitskollegin aus der Firma zusammen sei.
Sie ist bereits bei ihm eingezogen.
Ich bin erneut - ich weiß nicht zum wievielten Mal in diesem Jahr - aus allen Wolken gefallen.
Diese Nachricht hat mir noch einmal den Rest gegeben. Ich war erneut am Boden. Konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Nichts mehr ging.
Wieder einmal, ein halbes Jahr später.
Das ganze wurde mir dann auch schnell bestätigt. Er schrieb mir eine Mail "Ich wollte nicht, dass du es so erfährst. Es ging alles so schnell. Aber das ist jetzt der richtige Weg für ihn. Er lebt sein Leben weiter und er hoffe, ich tue das auch. Wieder mal für alles bedankt. Wieder Mal gesagt, dass er das vermutlich bereuen werde. Wir hätten zwar viele Gemeinsamkeiten, aber sonst wären wir Grundverschieden".
Und ja. Was soll ich sagen. Ich stimmte ihm zum ersten Mal zu. Wir sind wirklich grundverschieden.
Es verging ein Monat. Ich versuchte mein Leben mehr schlecht als recht wieder aufzubauen.
Ich konnte das Haus alleine nicht halten. Heißt, das habe ich parallel auch verloren. Ich musste mit meinen zwei Hunden eine Wohnung finden, während ich noch am Boden lag.
Für die Gefühle in dieser Zeit gibt es keine Worte. Mein ganzes Leben ist zusammengebrochen.
Ich denke, ihr könnt diese Gefühle nachvollziehen.
Dann jedenfalls erhielt ich eine E-Mail von ihm (ich hatte ihn sonst überall blockiert und gelöscht)
Diese Mail hatte ich zunächst nicht gelesen. Ich wollte absolut nichts mehr von ihm wissen.
Dann kam eine zweite Mail. Direkt im Betreff schon "Bitte lass uns reden, ich flehe dich an".
Die hab ich ebenfalls ignoriert.
Nach zwei Wochen ca. hat die Neugierde gesiegt - ich dachte eigentlich, ich lese sowas wie "Sie ist schwanger, ich wollte nur, dass du es von mir erfährst".
Davon bin ich echt zu 100% ausgegangen. Hatte versucht mich darauf einzustellen.
Allerdings schrieb er mir, dass er bereits nach zwei Wochen der Beziehung erkannt hat, was er für einen riesigen Fehler gemacht hat.
Dass er mit keiner anderen Frau das haben wird ,was er mit mir hatte. Und dass er mich immer geliebt hat und immer lieben wird.
Er hätte seine ganzen Fehler erkannt. Auch das egozentrierte und respektlose Verhalten mir gegenüber.
Er hätte mich als selbstverständlich gesehen und dachte, ich bin ja immer da.
Dass es der größte Fehler war und er würde sehr leiden.
Er war zu dieser Zeit oft krank auf der Arbeit. Seine Mutter (Arbeitet ebenfalls in der Firma. ja, ich weiß^^) bestätigte mir, wie schlecht es ihm ginge.
Keine Ahnung warum, aber nach einigen Tagen schrieb ich ihm dann eine Mail zurück. Vermutlich, weil ich dieses "Ende" nach 9 intensiven Jahren so einfach nicht akzeptieren konnte.
Wie wütend und enttäuscht ich bin. Ich habe ihm erklärt, was das alles mit mir gemacht hat. Und dass ich keine Beziehung mehr mit ihm führen kann.
Dass ich ihm aber irgendwann verzeihen will.
Von da an hatten wir 1-2x die Woche Mailkontakt. Ich bin allerdings sehr neutral geblieben.
Freundlich.
Er hat die Beziehung zu seiner neuen dann auch beendet. sie wohnt allerdings noch bei ihm, weil sie erst ab Februar eine eigene Wohnung bekommen hat.
Ich hab versucht ihm zu helfen. Was er tun kann, um das alles auch richtig aufzuarbeiten usw.
Ich hab geschrieben und erklärt. wie es mein Muster ist.
Obwohl ich selbst noch blutend am Boden lag.
Aber mein Nervensystem hat weiterhin Kontakt und Nähe zu ihm gesucht. trotz allem.
Ich hatte mich über Nachrichten von ihm gefreut. Und gleichzeitig haben sie mich zerstört.
Immer wieder Hoffnung. Immer wieder. Und wenn es nur ein winziger Funke war.
Nach 9 gemeinsamen Jahren ist da natürlich in mir die Bindung nach wie vor aktiv.
Und ich wurde aus der Liebe zu ihm brutal herausgerissen.
Ich weiß daher, dass es dauert.
Daher hab ich auch das vor 3 Wochen beendet. Ich habe ihm geschrieben, dass ich diesen Kontakt nicht mehr kann und nicht mehr will.
Und dass ich mir auch keine Beziehung mehr vorstellen kann.
Das war sehr sehr hart und hat mich nochmal einige Tage in eine depressive Phase gestürzt.
Aber ich weiß, dass es richtig war.
Mein Verstand WEIß, dass eine Beziehung zu ihm nicht mehr möglich ist.
Und ich fühle auch sogar mittlerweile sehr oft, dass ich ihn nicht mehr zurück will.
Es gibt keinerlei Vertrauen mehr. Absolut nichts.
Er hat mich bewusst verletzt, wie noch nie jemand zuvor.
Ich hatte letztes Jahr mehr als nur einmal den stillen Wunsch, dieses Leben nicht mehr leben zu wollen. Diese Gefühle und diese brutalen unendlichen Schmerzen nicht mehr ertragen zu können. ich bin heute natürlich froh, dass ich nie etwas umgesetzt hatte. Hätte ich aus Verantwortung meinen Hunden und meiner Familie gegenüber auch nie getan. aber dennoch. Der Wunsch war da, weil diese Schmerzen nicht zu ertragen waren.
Und das alles wegen ihm - ich weiß, dass es kein zurück mehr gibt.
Ich weiß inzwischen, dass ich ein Helfersyndrom hab. Und ich hab nicht den besten Selbstwert.
Ich habe mich die letzten Monate sehr viel mit mir selbst beschäftigt und mehr über mich gelernt als jemals zuvor.
Ich kenne alle meine Baustellen und es wird ein langer Weg diese anzugehen.
Ich sehe auch unsere Beziehung mittlerweile rückblickend klarer.
Wie oft ich alleine war. Wie oft ich alles alleine regeln musste. Dass er fast immer nur an sich und an seine Gefühle gedacht hat. Die standen schon immer an erster Stelle.
Und dass ich mich in dieser Beziehung komplett selbst verloren hatte.
Dass sich eine sehr ungesunde Helfer-Vermeider-Dynamik, vielleicht sogar in manchen Punkten eine Mutter-Kind-Dynamik entwickelt hatte.
Wir müssen wegen dem Hausverkauf leider ab und zu Mailkontakt haben. Der ist aber rein auf organisatorischer Ebene, er hält sich seit 3 Wochen auch daran.
Dennoch: mir blutet immer noch das Herz.
Und an manchen schwachen Tagen drängt sich mir die Frage auf: Was, wenn er es jetzt doch ernst meint? Was, wenn er jetzt durch das alles wirklich erkannt hat, dass er mich liebt?
Was, wenn er jetzt wirklich an sich arbeitet und seine Baustellen angeht?
Es waren aber immer nur Worte. Keine Taten. Keine Veränderung.
Und dann frage ich mich: Liebe ich ihn eigentlich noch nach alldem?
Ich trauere wohl noch den vergangenen 9 Jahren hinterher. dem Menschen, der er einmal war.
Und dem Menschen, der ich einmal war.
Das, was wir einmal waren.
Die Zukunft, die es nie gab, die ich mir doch so sehr gewünscht habe.
Aber das ist Vergangenheit. Diese Sicherheit, die ich bei ihm gespürt habe, die gibt es nicht mehr.
Das 100%ige Vertrauen ist zerstört.
Ich weiß mittlerweile, dass ich etwas besseres verdient habe. Jemanden, der sich sicher ist, dass er mich liebt.
Der mich und alles was wir hatten nicht einfach kampflos wegwerfen würden.
Jemand, der nicht zusehen würde wie ich leide, sich umdreht und fröhlich weitermacht.
Aber wann hört dieses leiden auf? Ich werde nach ca. 4 Monaten nach der zweiten Trennung immer noch jeden Morgen wach und fühle mich traurig. Ich sehe noch keinen richtigen Sinn.
Traurig, dass das alles weg und vorbei ist.
Ich fühle mich einfach nicht mehr richtig glücklich.
Ich habe dennoch oft (und auch immer öfter und länger) Tage, an denen ich mich viel besser fühle und auch optimistisch bin, dass es irgendwann wieder gut wird.
An denen ich ganz klar fühle, dass es gut so ist, wie es ist.
Ich lebe mein Leben weiterhin, gehe meiner Arbeit nach, kümmere mich um meine Hunde.
Und doch fühle ich mich einfach nicht mehr gut. Mehr als "okay" empfinde ich nicht mehr.
Wann hört das auf? Wann fühlt sich das neue Leben "normal" und gut an?
Wie kann ich es richtig verarbeiten, wenn immer wieder mal Kontakt auf der Arbeit da sein wird?
Wenn er sagt, dass er mich immer lieben wird?
Wie soll ich es verarbeiten, wenn ich etwas aufgeben muss, was ich eigentlich so lange geliebt habe, das aber einfach nicht mehr gut für mich ist?
Danke fürs Lesen