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Ex will zurück - doch ich kann es nicht mehr

Emiily

Emiily
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Hey zusammen Lachendes Gesicht
Ich lese schon seit einiger Zeit still mit.
Meine Geschichte jährt sich jetzt bald schon, ich kann es kaum glauben.
Und nach dem ganzen emotionalen hin und her die letzten Monate, hab ich mich jetzt entschieden meine Geschichte doch mal hier zu teilen.
Zum einen, weil ich gerne eure Meinungen hören möchte und zum anderen wohl auch als ein Stück weiterer Aufarbeitung - und vielleicht auch zum Abschließen?

Ich entschuldige mich im Voraus für den folgenden - viel zu langen - Roman.

Mein Ex (36, wenig selbstreflektiert und egozentriert, eher vermeidend, keinen Zugriff auf seine Gefühle) und ich (32, unsicher mit Helfersyndrom) waren 9 Jahre zusammen.
Wir haben uns vor 3 1/2 Jahren ein Haus zusammen gekauft und hatten zwei Hunde an unserer Seite.
Es gab gerade in unserer Anfangszeit große Probleme (er war Dro. mit allem drum und dran - ganz vorne mit dabei die vielen vielen Lügen. )
Er hatte sich dann (ich glaube nach 1 1/2 Jahren ca.) entschlossen einen Dro. zu machen und war auch stationär in einer Klinik.
Es war eine sehr belastende Zeit. Vor allem, weil ich hier mit dem Vertrauen schon sehr zu kämpfen hatte.

Wir haben diese Zeit dann aber überstanden und es ist uns ein "Neustart" gelungen. Er hatte nie wieder Probleme in dieser Richtung. Die Sucht verlagerte sich später in Spielsucht und teilweise Sportsucht.
Die darauffolgenden Jahre waren im Großen und Ganzen (bis auf ein paar kleinere Streitereien) einfach schön und wir sind durch alles sehr eng zusammengewachsen.
Wir haben uns immer gezeigt und gesagt, wie sehr wir uns lieben und dass wir uns nicht vorstellen können, dass uns jemals etwas trennen kann.
Wir haben/hatten wirklich sehr viele Gemeinsamkeiten. Wir haben viel zusammen gemacht, uns aber dennoch auch immer genug Freiraum gegeben.

Der Anfang vom Ende begann evtl. Rückblickend bereits mit dem Hauskauf.
In erster Linie war es mein Traum - aber er hatte nie etwas Gegenteiliges gesagt und sich auch gefreut.
Wir hatten zu zweit alles selbst von Grund auf zusammen renoviert und uns unser "Traumhaus" geschaffen.

Er war nach einiger Zeit sehr oft gestresst und hatte irgendwann große Ängste entwickelt, dass was kaputt gehen könnte (ist ein altes Haus).
Er hat sich regelrecht verrückt gemacht, andauernd (fast täglich) alles überprüft. ich war da deutlich entspannter - wenn was passiert wäre, sind wir ja versichert (Starkregen z.B. machte ihn wahnsinnig). Dann die Ängste bzgl. der Finanzierung usw.
Ich hab das ganze leider nicht so ernst genommen oder irgendwann abgetan mit "Du machst dir viel zu viele Sorgen".
Dennoch haben wir dort 3 1/2 Jahre zusammen gelebt. Aber es war ein dauerhafter Stressfaktor für ihn. Mal mehr und mal weniger schlimm.
Mein Ex war schon immer ein sehr egoistischer Mensch, womit ich mich im Laufe der Jahre irgendwie abgefunden hatte, wie ich im Nachhinein bemerkt hatte.
Aber im Haus wurde das irgendwie nochmal viel schlimmer und es hatte mich schon auch immer öfter gestört.
Er hat in erster Linie immer das gemacht, was er wollte, worauf er Lust hatte usw. - mit dem Haushalt (immer schon unser Hauptstreitthema Nummer 1 gewesen) hat er mich fast komplett allein gelassen (und ich Depp hab auch immer alles gemacht. Hatte das zwar regelmäßig angesprochen, aber oft auch aufgegeben, weil ich keinen Sinn mehr darin sah, jedes Mal zu streiten oder ihm zu sagen, wenn er irgendwas tun soll - ich weiß, auch nicht optimal. Aber ich kam mir in diesem Punkt irgendwann wie seine Mutter vor und hatte das auch so kommuniziert. Seine Antwort "Ich brauche das aber so, weil ich es selbst nicht sehe". )
Er hat mich mit den Hunden alleine gelassen und mir auch sonst keine Verantwortung abgenommen. Das wurde aber erst so in den letzten 2 Jahren richtig schlimm und hat mich auch immer mehr gestört (aber ich habs meistens auch schön und klein geredet, weil wir uns davon abgesehen auch weiterhin gut verstanden hatten). Wir kamen trotzdem immer abends zusammen und haben uns in den Arm genommen und es hat sich einfach sicher und schön angefühlt.
Wir hatten den gleichen Humor, haben viel gelacht, hatten den gleichen Musikgeschmack - wir haben immer zusammen unsere Lieblingslieder mitgesungen und das hat sich einfach nur gut und richtig angefühlt. Unser gemeinsames Hobby war zocken - wir hatten anfangs auch fast immer zusammen gespielt.

Dann kommen wir jetzt mal zur ausschlaggebenden Änderung.
Sommer 2024 hat er mit Sport im Fitnessstudio angefangen - ziemlich exzessiv, fast täglich. Alles hat sich plötzlich nur noch um Sport und Ernährung gedreht.
Er hat abgenommen und Muskulatur aufgebaut und dadurch ein anderes, besseres Selbstbewusstsein bekommen.
Soweit so gut - ich fand es gut, weil es ihm viel gegeben hat. Aber rückblickend hätte ich ihm da mehr Bestätigung geben müssen.
Ich hab ihn schon gelobt wie gut er dass durchzieht und ihn auf die Veränderungen angesprochen. Aber oft wurde mir dieses "Posen vorm Spiegel" einfach zu viel. Es hatte mich schon etwas gestört. Weshalb ich dann irgendwann auch nicht mehr so viel dazu gesagt hatte.
Zu dieser Zeit hatten wir aber auch noch viel miteinander geredet und es war "alles" gut, meiner Meinung nach. Aber man hat schon nach und nach gemerkt, dass sich sein Fokus verschoben hat. Und seine Interessen haben sich geändert. Er hat durch den Sport auch angefangen andere Musik zu hören. Generell hatten wir einfach plötzlich weniger Gemeinsamkeiten.
Von außen bekam er zu dieser Zeit von anderen Frauen plötzlich auch sehr viel Bestätigung.

November 2024
Er hatte dann angefangen ein anderes Spiel zu spielen und hat dadurch online eine Gruppe von Frauen kennengelernt - vermutlich müsste ich an dieser Stelle gar nicht weiterschreiben.
Ich machs trotzdem Lachendes Gesicht er hat ab November seine freie Zeit ausschließlich mit dieser Gruppe verbracht. Wollte mit mir nirgends mehr hingehen, nicht mal mehr mit den Hunden spazieren. Er hat bis nachts mit denen gespielt und gelacht.
Zugegeben - etwas eifersüchtig war ich da schon. Aber ich hab ihm zu 100% vertraut. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt meine beiden Hände dafür ins Feuer gelegt, dass da nichts passiert. Und durch das Online Spiel, das ich spiele, hab ich ja auch meine Gruppe aus Männern, mit denen ich seit vielen Jahren spiele - also welches Recht hätte ich, da was zu sagen Lachendes Gesicht
und ich dachte, es wäre nur eine Phase. Er hatte öfter mal andere Spiele gespielt, das ging aber nur kurz und dann kamen wir wieder zusammen.
Dieses mal nicht. ich hab ihn ab Ende Dezember und im Januar immer wieder darauf angesprochen, dass ich mich etwas einsam fühle in letzter Zeit und nicht mehr so wichtig und "besonders". Wir hatten uns früher immer als erstes gegenseitig Neuigkeiten aus dem Alltag erzählt usw.
Ab Januar dann nicht mehr. da hatte er sich immer zuerst mit den Frauen ausgetauscht.
Ich hab von da an oft geweint, weil ich einfach gefühlt habe, dass da was nicht stimmt und ich ihn "verliere".
Wir haben viel darüber geredet und er hat mich immer wieder beruhigt, dass er mich über alles liebt und sich daran nie was ändern wird.
Er könne es gar nicht besser haben usw.

Dann kam der Februar 2025. am 14.02. bekomme ich noch eine Valentintagsüberraschung mit den Worten, dass er mich liebt.
Dann plötzlich drei/vier Tage später ist er mir immer mehr aus dem Weg gegangen. Er hat nicht mehr mit mir geredet.
Ich war verletzt und zu dem Zeitpunkt wohl auch etwas "beleidigt" und hab das "Spiel" mitgespielt. Wir hatten ein paar Tage fast nicht miteinander geredet.
Mir wurde es dann irgendwann zu viel und ich hab ihm morgens eine lange Nachricht geschrieben, wie traurig und verzweifelt ich bin und wie sehr ich mich zurückgewiesen fühle. darauf hat er noch einmal sehr liebevoll reagiert und mir geschrieben, wie dankbar er ist, mich an seiner Seite zu haben und welches Glück er hat usw.
Und dann, am nächsten Abend der Schock: "Ich weiß nicht mehr was ich fühle". der Klassiker.

Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Ja, es gab gerade ein paar Probleme. Aber damit hatte ich trotzdem nicht gerechnet.
Ab hier beginnt der schlimmste Monat meines Lebens und alles daran triggert mich beim Schreiben immer noch unglaublich. Mein Herz rast, Tränen laufen, ich zittere.
Ich hatte lange versucht mit ihm zu reden, versucht ihn zu verstehen usw.
Wir hatten sehr oft ruhig geredet und nach Lösungen gesucht. Er konnte mir nie genau sagen, was mit ihm los ist, was er genau fühlt usw.
Ich hatte ihn gefragt, ob er sich in eine der Frauen verliebt hat, mit denen er online spielt. Er hat lange gesagt, dass es das nicht wäre. und er wisse es auch nicht, er fühlt einfach nichts mehr und alles überfordert ihn (Arbeit, Haus, Verantwortung für die Hunde. Alles wäre ihm zu viel)
In dieser Zeit, als ich emotional schon völlig am Boden war, hat er weiterhin mit den Frauen gespielt (vor allem mit einer. ).
Ich habe ihn aus dem Arbeitszimmer immer laut lachen gehört. jeden einzelnen Tag. Er hörte sich so glücklich an. Und ich lag nebenan im Wohnzimmer heulend auf dem Boden.
Irgendwann gab er dann zu, dass er sich wohl verliebt habe. Er konnte es nie so richtig greifen, weil sie eigentlich nicht mal sein Typ war.
Im Nachhinein sagte er, war es wohl die Vorstellung eines anderen, einfacheren Lebens. Sie hatte eine Tochter. -ich kann keine Kinder bekommen. Wir hatten es versucht, aber es hatte nicht geklappt (aber das war damals mein Wunsch, nicht mal seiner. er wollte eigentlich nicht unbedingt Kinder). Aber wir hatten uns damit abgefunden und hatten ja unsere zwei Hunde.
Plötzlich konnte er sich das dann doch vorstellen. Er hatte Angst, etwas zu verpassen. Den Punkt konnte ich ja verstehen.
Wir hatten lange darüber geredet und ich war immer verständnisvoll und hatte versucht ihm zu helfen. ich wäre bereit gewesen, es nochmal auf anderen Wegen zu versuchen.
Er war in dieser Zeit dennoch immer hin und her gerissen. Wusste einfach nicht, was er wollte. Während unser Gespräche habe ich ihn sehr traurig erlebt.
Sobald er dann das Headset auf dem Kopf hatte, hat er fröhlich geredet und erzählt und so viel gelacht.
Es war wirklich kaum zu ertragen, ich habe es nicht verstanden.

Ich hatte vorgeschlagen einen kleinen Urlaub zu machen, einfach mal wegfahren und versuchen rauszufinden, ob da doch noch Gefühle sind.
Ich hatte ihn auch gefragt, ob er evtl. mal ein paar Tage alleine weg will um in Ruhe nachzudenken (Aber da hätte er seinen PC ja nicht mehr gehabt. und er wollte zu diesem Zeitpunkt auch nicht nachdenken. )
Ich hab eine Paartherapie vorgeschlagen. Ich hab alles versucht. Aber seine Antwort war immer, dass er nicht wisse, was mit ihm los ist, aber er liebt mich nicht mehr.

Zu diesem Zeitpunkt war er natürlich schon auf Wolke 7 mit seiner Onlinebekanntschaft. natürlich wollte er da nicht versuchen nachzudenken, was da gerade passiert und was da kaputt geht.
Ich hatte zu dieser Zeit leider noch den Fehler gemacht und ihn angefleht, das alles nicht einfach aufzugeben.
Heulend, auf dem Boden vor ihm kniend. nicht nur ein Mal. im Nachhinein ist mir bewusst, in welche Position mich das gebracht hat. Aber ich war wirklich völlig verzweifelt.
Er war davon irgendwann genervt.
Ich bin dann nach 2 Wochen zu meiner Mutter gegangen, weil ich es im Haus mit ihm nicht mehr ausgehalten habe. Ich bin kaputt gegangen und er saß nebenan und hat gelacht.
Nach ein paar Tagen bin ich zurück und wollte nochmal mit ihm reden.

Aber es hatte sich nichts verändert - er saß weiterhin nur am PC und war glücklich verliebt. Ich konnte nichts tun.
Es war wirklich die Hölle auf Erden. Irgendwann hab ich mich entschieden, dass ich meinen Stolz wiederfinden will. ich hab ihn ignoriert, hab auf mich geschaut.
Ich hatte ihm klar und deutlich gesagt, dass ich mit ihm über nichts mehr reden möchte, es sei denn, es ist etwas organisatorisches.
Da hatte sich bei ihm etwas getan. er bekam das erste Mal Angst mich zu verlieren.
Am nächsten Tag sagte er mir, dass er sich jetzt sicher ist, dass er mich noch liebt und er will mich nicht verlieren.
Ich war emotional und körperlich zu diesem Zeitpunkt schon ein Wrack und hatte stark abgenommen, keine Kraft mehr.

Ich sagte, dass ich Zeit brauche und dass ich nicht mehr weiß, ob ich das noch kann nach allem was war und wie sehr ich gelitten habe.
Er konnte es verstehen und sagte, dass er es hinbekommen will.

Ein paar Tage später sagte er mir, dass er an einem Freitag zu einem Treffen mit dieser Gruppe fahren will (400km entfernt). Das wäre schon länger organisiert und die ganze Gruppe inkl. aller Partner wären dabei (die andere Frau war übrigens ebenfalls noch in einer Beziehung).
Ich kann heute nicht mehr sagen, warum ich so naiv war und dem zugestimmt habe. Ich bin vermutlich einfach auf seine Worte reingefallen.
An dem Morgen, als er zu diesem Treffen losgefahren ist, hat er mir aus dem Auto heraus noch jede Menge und lange Nachrichten geschrieben, was er für ein Idiot war und dass er endlich erkannt hat, wie sehr er mich liebt und jetzt auch wieder an unsere Vergangenheit denken konnte. und er nicht verstehen könne, wie er das alles aufgeben konnte.
Mit Worten konnte er immer gut umgehen. geglaubt habe ich ihm seine Worte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so richtig nach diesem hin und her.

Dann hab ich den ganzen Tag über nichts mehr von ihm gehört. Und da wurde ich doch misstrauisch.
Der nächste Klassiker: Ich bin an seinen PC gegangen und habe Nachrichten gelesen.
Und da waren mehr als eindeutige Nachrichten dabei, die er mit der besten Freundin der anderen Frau geschrieben hatte.
Er könne es nicht erwarten sie kennenzulernen. Er hat gefragt, welche ihre Lieblingsblumen sind (aber die könne er ja nicht so offensichtlich mitbringen, weil ja der Partner von ihr auf dabei war usw. )
Die beste Freundin schrieb, dass die beiden sich einander einfach verdient hätten und sie auch alles dafür tun würde, damit die beiden etwas Zweisamkeit genießen können.
Also er fuhr zu diesem Treffen mit genau dieser Absicht - und schreibt mir morgens von unterwegs, wie sehr er mich liebt?

Ich rief ihn am Abend an, als er nicht nach Hause kam. Ich fragte ihn "Ich habs mir überlegt. Ich wills gerne nochmal versuchen!"
Ich wollte seine Reaktion testen. es folgte minutenlanges rumgestammel und er könne und wolle jetzt ja auch nicht richtig reden usw.
Dann sagte ich ihm, was ich gelesen habe. Das ganze war dann seiner Aussage nach ein riesiges Missverständnis. Haha.
Ich hab an diesem Abend noch meine Koffer gepackt und bin wieder zu meiner Mutter gezogen mit den Hunden.

Am nächsten Tag bekam ich eine WhatsApp: Es habe sich bei dem Treffen bestätigt, dass er sich in sie verliebt hat. Und sie hat sich in ihn verliebt. Und er will und muss das jetzt versuchen. er bedankte sich für die tollsten 9 Jahre seines Lebens mit den Worten, dass er vermutlich auch gerade den größten Fehler seines Lebens macht, aber er muss das jetzt tun. Er hätte mir ohnehin schon viel zu sehr weh getan.

Ich war so sehr am Ende wie noch nie in meinem Leben. Alles weg. Und dann auf diese Art. Nach wochenlangem hin und her. Nach wochenlangem "Ich liebe dich" und "ich liebe dich doch nicht".
Und zwei Tage nach dieser Whatsapp bekam ich eine weitere: wie sehr er jetzt alles bereut und er hat einen riesigen Fehler gemacht.
Später hab ich erfahren, dass die andere Frau einen Rückzieher gemacht hatte. sie hatte schließlich auch Partner und Kind.

Ich war so lange bei meiner Mutter geblieben, bis er ausgezogen war. Ich hatte ihm eine Wohnung organisiert (nicht mal das hatte er zu diesem Zeitpunkt hinbekommen. )
Ich wollte nichts mehr von ihm hören.
So vergingen 6 Wochen. In denen er mir jeden Tag Nachrichten schrieb, wie unglaublich er alles bereut, er wisse nicht, was da mit ihm los war.
Er hätte von Anfang an gewusst, dass das eigentlich gar nicht funktionieren kann. Sie lebt so weit weg und war ja eigentlich gar nicht sein Typ.
Er wollte nur flüchten vor seinen Ängsten und Problemen, das hätte er jetzt erkannt.
Vielleicht Midlife Crisis? Keine Ahnung.
Irgendwann suchte er den Kontakt über die Hunde. Ob er nicht hin und wieder mit ihnen wenigstens spazieren gehen könnte.
Ich hatte das akzeptiert. Und über die Wochen hatte es sich dann entwickelt, dass wir wieder öfter miteinander geredet hatten.
Er hat geweint (ich hatte ihn in 9 Jahren nicht ein einziges Mal weinen sehen!) und sagte mir immer wieder, dass er auch dieser Sache gelernt hat, dass er mich liebt und nie wieder ohne mich sein will.

Im Nachhinein bin ich schlauer, aber ich gab ihm eine zweite Chance.
Wir trafen uns anfangs 1-2x die Woche, unternahmen etwas und näherten uns wieder an.
Es dauerte etwas, bis ich wieder körperliche Nähe zulassen konnte.
Aber irgendwann dachte ich mir "Okay, wenn ich ihm vergeben will, dann muss ich das auch richtig tun".
Von da an hatten wir, wenn wir uns sahen, wirklich eine wunderschöne Zeit zusammen.
Ich habe schnell gemerkt, wie sehr ich ihn liebe und wie glücklich ich war, wenn er bei mir war.
Und genauso habe ich gemerkt, wie traurig ich war, wenn er dann wieder gegangen ist.
Ihm hatte das allerdings nichts ausgemacht.
Er hatte seine neue Freiheit in seiner Wohnung genossen. Und ich war ja da.
Das ganze ging knapp 6 Monate. In dieser Zeit habe ich immer wieder das Gespräch gesucht.
Denn mir war unglaublich wichtig, dass er rausfindet, wie das alles passieren konnte. Weshalb er tun konnte, was er getan hat.
Weshalb er mich so leiden sehen konnte und dennoch nichts dagegen unternommen hat.
Es hat mich leider still nach und nach aufgefressen.
Und er konnte mir keine meiner Fragen beantworten. Er bereue es, aber er wisse es einfach nicht.

Ich wollte, dass er eine Therapie startet oder wir evtl. auch eine Paartherapie beginnen.
Zu beidem kam es nie.
Wenn er bei mir war, hab ich gespürt, dass er mich liebt - allerdings anders als ich? Eher wie ein Jugendlicher, der sich freut seine Freundin zu sehen, wenn es ihm passt, aber sonst wollte er nur seine Dinge machen.
Das hat mir nach 9 gemeinsamen Jahren einfach nicht mehr gereicht, dieses Gefühl hat mich zerstört.
Ich hab das immer und immer wieder angesprochen.
Dass ich das Gefühl habe, dass er mich nicht richtig liebt, nicht wirklich bei mir sein will. Dass es sich einfach nicht richtig anfühlt.
Er hatte dann oft geschwiegen und dann kam nur ein "Aber ich liebe dich doch und will dich nicht verlieren".
Ich hatte vorgeschlagen, dass wir mal wieder ein Wochenende zusammen verbringen.
Da merkte man schon, dass er das eigentlich nicht wirklich wollte und sich dazu gezwungen hat.
Nach einem Tag haben wir es abgebrochen. Weil er sich im Haus nicht mehr richtig zuhause gefühlt hat.
Es hat mich wirklich fertig gemacht. Und er war wieder glücklich in seiner Wohnung.

Das ganze ging eine Zeit lang weiter, bis ich irgendwann sagte, dass wir reden müssen. Dass ich das so nicht mehr kann.
Er wusste Bescheid, was ich sagen wollte.
Und wollte dann nicht einmal mehr persönlich vorbeikommen, was ich eigentlich gewünscht hatte.
So hatten wir nur telefoniert.
Ich sagte ihm unter Tränen, dass ich das so nicht mehr kann.
Dass ich ihn liebe, aber ich von seiner Seite aus merke, dass es nicht mehr so richtig ist.
Er war sehr traurig, aber bestätigte mir, dass er auch nicht weiß, was los ist. Aber ja, es zieht ihn einfach nicht mehr richtig komplett zurück zu mir.
Aber er würde mich lieben.

Ich habe mit diesem Telefonat die Beziehung beendet. Das war Ende September 2025.
Er hatte mir ein paar Tage lang traurige und verzweifelte Nachrichten geschrieben. Alles erinnere ihn an mich und er leidet, es quält ihn alles.
Er kann nicht glauben, dass es zu Ende ist.
Daraufhin antwortete ich, dass es nicht an mir liegt. Dass ich mir das gewünscht habe.
Auch da bestätigte er mir nochmal, dass er weiß, dass es nur an ihm liegt. Aber er wüsste nicht, was los ist.

Ein paar Tage darauf bekam ich eine ähnliche Nachricht wie bei der ersten Trennung "Danke für die 9 Jahre, beste Zeit meines Lebens, werde dich nie vergessen ,und so weiter. er hätte jetzt aber erkannt, dass er mir gegenüber unglaublich toxisch war und es wäre besser, wenn wir jetzt einen Cut machen und getrennte Wege gehen."
Ja. von da an wusste ich, dass er wieder eine neue hat.
Zu diesem Zeitpunkt war es natürlich nicht 100% sicher. Und ich dachte, es wäre wieder eine Online Bekanntschaft.

Ich versuchte mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.
Und dennoch war da ein Funke Hoffnung in mir, dass er vielleicht doch plötzlich vor der Tür steht und sagt "Ich habe einen riesigen Fehler gemacht. Lass uns alles vergessen und wieder von vorne anfangen, dieses Mal richtig"
Und ja. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich ihn -naiv wie ich war- wieder zurückgenommen.
Aber es passierte nicht.
2 Wochen vergingen - eine wichtige Info noch: wir arbeiten zusammen in der gleichen Firma.
Ich erhielt einen Anruf einer guten Kollegin "Ich dachte, du erfährst es lieber von mir. "
Dort erfuhr ich, dass er seit 2 Wochen mit einer anderen Arbeitskollegin aus der Firma zusammen sei.
Sie ist bereits bei ihm eingezogen.

Ich bin erneut - ich weiß nicht zum wievielten Mal in diesem Jahr - aus allen Wolken gefallen.
Diese Nachricht hat mir noch einmal den Rest gegeben. Ich war erneut am Boden. Konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Nichts mehr ging.
Wieder einmal, ein halbes Jahr später.

Das ganze wurde mir dann auch schnell bestätigt. Er schrieb mir eine Mail "Ich wollte nicht, dass du es so erfährst. Es ging alles so schnell. Aber das ist jetzt der richtige Weg für ihn. Er lebt sein Leben weiter und er hoffe, ich tue das auch. Wieder mal für alles bedankt. Wieder Mal gesagt, dass er das vermutlich bereuen werde. Wir hätten zwar viele Gemeinsamkeiten, aber sonst wären wir Grundverschieden".

Und ja. Was soll ich sagen. Ich stimmte ihm zum ersten Mal zu. Wir sind wirklich grundverschieden.

Es verging ein Monat. Ich versuchte mein Leben mehr schlecht als recht wieder aufzubauen.
Ich konnte das Haus alleine nicht halten. Heißt, das habe ich parallel auch verloren. Ich musste mit meinen zwei Hunden eine Wohnung finden, während ich noch am Boden lag.
Für die Gefühle in dieser Zeit gibt es keine Worte. Mein ganzes Leben ist zusammengebrochen.
Ich denke, ihr könnt diese Gefühle nachvollziehen.

Dann jedenfalls erhielt ich eine E-Mail von ihm (ich hatte ihn sonst überall blockiert und gelöscht)
Diese Mail hatte ich zunächst nicht gelesen. Ich wollte absolut nichts mehr von ihm wissen.
Dann kam eine zweite Mail. Direkt im Betreff schon "Bitte lass uns reden, ich flehe dich an".

Die hab ich ebenfalls ignoriert.
Nach zwei Wochen ca. hat die Neugierde gesiegt - ich dachte eigentlich, ich lese sowas wie "Sie ist schwanger, ich wollte nur, dass du es von mir erfährst".
Davon bin ich echt zu 100% ausgegangen. Hatte versucht mich darauf einzustellen.

Allerdings schrieb er mir, dass er bereits nach zwei Wochen der Beziehung erkannt hat, was er für einen riesigen Fehler gemacht hat.
Dass er mit keiner anderen Frau das haben wird ,was er mit mir hatte. Und dass er mich immer geliebt hat und immer lieben wird.
Er hätte seine ganzen Fehler erkannt. Auch das egozentrierte und respektlose Verhalten mir gegenüber.
Er hätte mich als selbstverständlich gesehen und dachte, ich bin ja immer da.
Dass es der größte Fehler war und er würde sehr leiden.
Er war zu dieser Zeit oft krank auf der Arbeit. Seine Mutter (Arbeitet ebenfalls in der Firma. ja, ich weiß^^) bestätigte mir, wie schlecht es ihm ginge.

Keine Ahnung warum, aber nach einigen Tagen schrieb ich ihm dann eine Mail zurück. Vermutlich, weil ich dieses "Ende" nach 9 intensiven Jahren so einfach nicht akzeptieren konnte.
Wie wütend und enttäuscht ich bin. Ich habe ihm erklärt, was das alles mit mir gemacht hat. Und dass ich keine Beziehung mehr mit ihm führen kann.
Dass ich ihm aber irgendwann verzeihen will.

Von da an hatten wir 1-2x die Woche Mailkontakt. Ich bin allerdings sehr neutral geblieben.
Freundlich.
Er hat die Beziehung zu seiner neuen dann auch beendet. sie wohnt allerdings noch bei ihm, weil sie erst ab Februar eine eigene Wohnung bekommen hat.
Ich hab versucht ihm zu helfen. Was er tun kann, um das alles auch richtig aufzuarbeiten usw.
Ich hab geschrieben und erklärt. wie es mein Muster ist.
Obwohl ich selbst noch blutend am Boden lag.

Aber mein Nervensystem hat weiterhin Kontakt und Nähe zu ihm gesucht. trotz allem.
Ich hatte mich über Nachrichten von ihm gefreut. Und gleichzeitig haben sie mich zerstört.
Immer wieder Hoffnung. Immer wieder. Und wenn es nur ein winziger Funke war.
Nach 9 gemeinsamen Jahren ist da natürlich in mir die Bindung nach wie vor aktiv.
Und ich wurde aus der Liebe zu ihm brutal herausgerissen.
Ich weiß daher, dass es dauert.
Daher hab ich auch das vor 3 Wochen beendet. Ich habe ihm geschrieben, dass ich diesen Kontakt nicht mehr kann und nicht mehr will.
Und dass ich mir auch keine Beziehung mehr vorstellen kann.

Das war sehr sehr hart und hat mich nochmal einige Tage in eine depressive Phase gestürzt.
Aber ich weiß, dass es richtig war.

Mein Verstand WEIß, dass eine Beziehung zu ihm nicht mehr möglich ist.
Und ich fühle auch sogar mittlerweile sehr oft, dass ich ihn nicht mehr zurück will.
Es gibt keinerlei Vertrauen mehr. Absolut nichts.
Er hat mich bewusst verletzt, wie noch nie jemand zuvor.
Ich hatte letztes Jahr mehr als nur einmal den stillen Wunsch, dieses Leben nicht mehr leben zu wollen. Diese Gefühle und diese brutalen unendlichen Schmerzen nicht mehr ertragen zu können. ich bin heute natürlich froh, dass ich nie etwas umgesetzt hatte. Hätte ich aus Verantwortung meinen Hunden und meiner Familie gegenüber auch nie getan. aber dennoch. Der Wunsch war da, weil diese Schmerzen nicht zu ertragen waren.
Und das alles wegen ihm - ich weiß, dass es kein zurück mehr gibt.

Ich weiß inzwischen, dass ich ein Helfersyndrom hab. Und ich hab nicht den besten Selbstwert.
Ich habe mich die letzten Monate sehr viel mit mir selbst beschäftigt und mehr über mich gelernt als jemals zuvor.
Ich kenne alle meine Baustellen und es wird ein langer Weg diese anzugehen.

Ich sehe auch unsere Beziehung mittlerweile rückblickend klarer.
Wie oft ich alleine war. Wie oft ich alles alleine regeln musste. Dass er fast immer nur an sich und an seine Gefühle gedacht hat. Die standen schon immer an erster Stelle.
Und dass ich mich in dieser Beziehung komplett selbst verloren hatte.
Dass sich eine sehr ungesunde Helfer-Vermeider-Dynamik, vielleicht sogar in manchen Punkten eine Mutter-Kind-Dynamik entwickelt hatte.

Wir müssen wegen dem Hausverkauf leider ab und zu Mailkontakt haben. Der ist aber rein auf organisatorischer Ebene, er hält sich seit 3 Wochen auch daran.

Dennoch: mir blutet immer noch das Herz.
Und an manchen schwachen Tagen drängt sich mir die Frage auf: Was, wenn er es jetzt doch ernst meint? Was, wenn er jetzt durch das alles wirklich erkannt hat, dass er mich liebt?
Was, wenn er jetzt wirklich an sich arbeitet und seine Baustellen angeht?
Es waren aber immer nur Worte. Keine Taten. Keine Veränderung.

Und dann frage ich mich: Liebe ich ihn eigentlich noch nach alldem?
Ich trauere wohl noch den vergangenen 9 Jahren hinterher. dem Menschen, der er einmal war.
Und dem Menschen, der ich einmal war.
Das, was wir einmal waren.
Die Zukunft, die es nie gab, die ich mir doch so sehr gewünscht habe.
Aber das ist Vergangenheit. Diese Sicherheit, die ich bei ihm gespürt habe, die gibt es nicht mehr.
Das 100%ige Vertrauen ist zerstört.

Ich weiß mittlerweile, dass ich etwas besseres verdient habe. Jemanden, der sich sicher ist, dass er mich liebt.
Der mich und alles was wir hatten nicht einfach kampflos wegwerfen würden.
Jemand, der nicht zusehen würde wie ich leide, sich umdreht und fröhlich weitermacht.

Aber wann hört dieses leiden auf? Ich werde nach ca. 4 Monaten nach der zweiten Trennung immer noch jeden Morgen wach und fühle mich traurig. Ich sehe noch keinen richtigen Sinn.
Traurig, dass das alles weg und vorbei ist.
Ich fühle mich einfach nicht mehr richtig glücklich.

Ich habe dennoch oft (und auch immer öfter und länger) Tage, an denen ich mich viel besser fühle und auch optimistisch bin, dass es irgendwann wieder gut wird.
An denen ich ganz klar fühle, dass es gut so ist, wie es ist.
Ich lebe mein Leben weiterhin, gehe meiner Arbeit nach, kümmere mich um meine Hunde.

Und doch fühle ich mich einfach nicht mehr gut. Mehr als "okay" empfinde ich nicht mehr.
Wann hört das auf? Wann fühlt sich das neue Leben "normal" und gut an?

Wie kann ich es richtig verarbeiten, wenn immer wieder mal Kontakt auf der Arbeit da sein wird?
Wenn er sagt, dass er mich immer lieben wird?
Wie soll ich es verarbeiten, wenn ich etwas aufgeben muss, was ich eigentlich so lange geliebt habe, das aber einfach nicht mehr gut für mich ist?

Danke fürs Lesen Lachendes Gesicht

x 16 #1


Sonnenschein85
Puh. Das tut mir sehr leid. Du hast sehr viel versucht und gegeben um die Beziehung zu retten. Doch leider war er meistens sehr passiv.

Vielleicht hätte euch anfangs eine Paartherapie noch geholfen. Aber inzwischen ist so viel passiert und auch dieses on/ off..Ich denke es ist wirklich besser getrennte Wege zu gehen.

Wie du auch erkannt hast er hat dich mehrfach sehr verletzt und keine Rücksicht auf dich genommen. Du warst irgendwie selbstverständlich, weil du auch alles verzeihen konntest.

Da fehlt komplett die Wertschätzung.

Er scheint sich von einem Extrem, Dr*ogen Sucht, ins nächste Extrem.. Sport und Spielsucht, zu stürzen. Vielleicht kompensiert er mit seinen Süchten auch andere Dinge? Die er vielleicht auch besser mal angegangen wäre.

Und du bleibst irgendwie auf der Strecke.. bist quasi nur nebenher gelaufen. Das ist wirklich traurig. Dass du dich so bemüht hast um ihn und er lange Zeit gar nicht bereit war etwas für die Beziehung zu geben.

Schau nun auf dich, auch wenn es weh tut. Versuche dir selbst Gutes zu tun, deine Bedürfnisse wieder zu erkennen und Ernst zu nehmen. Lass ihn los emotional. Diese Beziehung macht dich mehr kaputt als alles andere.

Wenn der erste Schock geschafft ist wird es auch leichter werden.

Irgendwann wird er dir auch nicht mehr sagen das er dich liebt. Es ist gerade hart, aber es ist alles frisch und wird von Monat zu Monat leichter.

Steh nun für dich ein. Grenze dich ab und geh ihm auch auf der Arbeit aus dem Weg. Nur so kannst du alles verarbeiten und loslassen. Klar, Anfangs wird es schwer, gerade wegen der Arbeit, aber auch das schaffst du.

Und vor allem gib dir Zeit. Gerade ist alles nur ok...Aber es wird wieder gut werden. Du wirst wieder lachen können und dich frei fühlen. Ein bisschen Geduld braucht es aber leider immer...

In ein paar Wochen sieht die Welt schon wieder heller aus. 🍀

x 5 #2


A


Ex will zurück - doch ich kann es nicht mehr

x 3


GreenTara
Liebe @Emiily, neun Jahre sind eine lange Zeit, in der sich die Fäden ineinander verweben. Dennoch liest es sich für mich sehr einseitig. Ihr hattet zwar eine schöne gemeinsame Zeit, aber nur, wenn die Anforderungen an ihn nicht zu hoch waren. Da hatte er seine Fluchtmöglichkeiten, Dro. Spielsucht, exzessiven Sport und dann zocken ohne Ende. Du schreibst, er sei ein unreflektierter Mensch, und seine Aussagen waren immer: ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.
Was sollte sich jemals ändern, wenn er nichts aufarbeitet? Das gilt allerdings auch für dich. Nun, du bist zwar dran, aber dich hält noch vieles fest. Dein Kopf ist etliche Schritte weiter als deine Seele.
Kann es sein, dass dein Helfersyndrom nicht doch eine Co-abhängigkeit ist? Für mich wäre es eine Erklärung. Du hast ihm eine Wohnung gesucht, und kannst für dich schauen, wie es mit dem Hausverkauf und -auflösung, eigene Suche mit den Hunden weitergeht. Alles funktionierte, weil du den Karren am laufen hieltest. Jetzt ist es wichtig, dass du zu dir zurück findest. Wie sieht es mit Unterstützung von Freunden und Familie aus? Therapeutische Beratung? Hobbys?
Was tust du Gutes für dich?
Ist es ggf. möglich, die Stelle zu wechseln?
Leider braucht es Zeit und Kraft, um einen Abschluß zu finden. Aber du hast sehr gute Chancen, letztendlich gestärkt daraus hervor zu gehen. Und dann irgendwann eine Partnerschaft auf Augenhöhe einzugehen.

x 3 #3


Scheol
@Emiily


Zitat:
Mein Ex (36, wenig selbstreflektiert 🚩 und egozentriert, 🚩 eher vermeidend, 🚩 keinen Zugriff auf seine Gefühle 🚩 ) und ich (32, unsicher mit Helfersyndrom) waren 9 Jahre zusammen.
Wir haben uns vor 3 1/2 Jahren ein Haus zusammen gekauft und hatten zwei Hunde an unserer Seite.

Helfersyndrom ist meist schlecht.

Zitat:
Es gab gerade in unserer Anfangszeit 🚩 große Probleme 🚩🚩(er war Dro. 🚩 mit allem drum und dran 🚩 - ganz vorne mit dabei die vielen 🚩 vielen 🚩 Lügen. 🚩 )

Hier wäre jeder vermutlich schon ausgestiegen bei den ganzen Redflags.



Zitat:
Dennoch: mir blutet immer noch das Herz.
Und an manchen schwachen Tagen drängt sich mir die Frage auf: Was, wenn er es jetzt doch ernst meint? Was, wenn er jetzt durch das alles wirklich erkannt hat, dass er mich liebt?
Was, wenn er jetzt wirklich an sich arbeitet und seine Baustellen angeht?
Es waren aber immer nur Worte. Keine Taten. Keine Veränderung.

Und dann frage ich mich: Liebe ich ihn eigentlich noch nach alldem?
Ich trauere wohl noch den vergangenen 9 Jahren hinterher. dem Menschen, der er einmal war.
Und dem Menschen, der ich einmal war.
Das, was wir einmal waren.
Die Zukunft, die es nie gab, die ich mir doch so sehr gewünscht habe.
Aber das ist Vergangenheit. Diese Sicherheit, die ich bei ihm gespürt habe, die gibt es nicht mehr.
Das 100%ige Vertrauen ist zerstört.

Schau mal unter den Begriffen,

Toxische Beziehung
Push & Pull Dynamik / warm & kalt Behandlung
Traumabindung / traumatische Verbindung
Emotionaler Missbrauch
Und die komplexe PTBS
Verratstrauma
Verlusttrauma


Zitat:
Wie kann ich es richtig verarbeiten, wenn immer wieder mal Kontakt auf der Arbeit da sein wird?

Das wird Schwer weil immer wieder Bereiche im Gehirn angesteuert werden durch den neuen Kontakt zum Täter / Missbraucher.

Zitat:
Wenn er sagt, dass er mich immer lieben wird?

Hier drückt er sich in den zygarnick Effekt , der Hoffnungs- Effekt.

Zitat:
Wie soll ich es verarbeiten, wenn ich etwas aufgeben muss, was ich eigentlich so lange geliebt habe, das aber einfach nicht mehr gut für mich ist?

Es war nie gut für dich ! Das was du als Liebe siehst , ist weit weg davon.

x 6 #4


Wulf
Zitat von Emiily:
Wenn er sagt, dass er mich immer lieben wird?

Nein!

Zitat von Emiily:
"Ich habe einen riesigen Fehler gemacht. Lass uns alles vergessen und wieder von vorne anfangen, dieses Mal richtig"

Nein!

Zitat von Emiily:
Was, wenn er jetzt wirklich an sich arbeitet und seine Baustellen angeht?

Welche Baustellen? Die alten, oder die neuen mit Kind?
Nein!

Zitat von Emiily:
Es waren aber immer nur Worte. Keine Taten. Keine Veränderung.

Seine Handlung ist seine Antwort.

Zitat von Emiily:

Mein Verstand WEIß, dass eine Beziehung zu ihm nicht mehr möglich ist.

Aber dein Bauch schreit nach ihm, Kopf und Bauch sind nicht synchron und obendrein:

Zitat von Emiily:
Das 100%ige Vertrauen ist zerstört.

Umschreibe es mal so, das dein Vertrauen zu ihm einen Knacks weg hat.

Zitat von Emiily:
Aber wann hört dieses leiden auf?

Individuell, bis deine Hoffnung zu ihm erloschen ist. Selbst dann kommen noch sentimentale Momente.
"Du musst ihn loslassen" Was löst dieser Satz in dir aus?

Zitat von Emiily:
Ich habe dennoch oft (und auch immer öfter und länger) Tage, an denen ich mich viel besser fühle und auch optimistisch bin, dass es irgendwann wieder gut wird.

Gute Entwicklung. 👍

x 4 #5


Emiily
@Sonnenschein:
Danke für deine lieben, einfühlsamen Worte.
Ich denke, du hast das wirklich sehr gut erfasst, ja.
Ich hatte leider immer alles verziehen und war an vielen Stellen zu verständnisvoll.
Dadurch bin ich auf jeden Fall für ihn selbstverständlich geworden. Egal, was er tut - er wusste, ich bleibe.

Und ja, mit seinen Süchten kompensiert er auf jeden Fall sehr viele Dinge.
Er konnte nur selten tiefe Gefühle zulassen.
Das kommt bei ihm definitiv aus seiner Kindheit. Dort wurde ihm vorgelebt, dass es nicht gut ist, Gefühle zu zeigen. Alles traurige wurde überspielt. Er hatte daher auch nie jemanden, mit dem er über Gefühle hätte reden können.
In die Dr*ogensucht ist er gerutscht, als sein Vater viel zu früh an einer schweren Krankheit gestorben ist. Er hat seinen Vater geliebt, aber konnte nie trauern. Nicht ein einziges Mal hat er geweint, obwohl es ihn innerlich zerstört hat.. dazu kam ein schlechtes Umfeld, auch beruflich später.
Das Thema Tod hat ihn seitdem immer stark getriggert. Aber statt es aufzuarbeiten, hat er es weiter verdrängt und ist davor geflüchtet..
Immer und immer wieder. Und das betraf auch alle weiteren schwierigen zukünftigen Themen.

Ich hoffe, du hast Recht. Wenn ich überlege, wie es mir noch vor 4 Monaten ging, liegen da auch schon Welten dazwischen.
Ich will mich einfach wieder glücklich fühlen.

@GreenTara:
Auch dir danke für deine lieben Worte.
Und du hast es auch wirklich auf den Punkt gebracht:
Sobald die Anforderungen zu viel wurden, ist er ausgestiegen…
Er ist kein böser Mensch, das war er wirklich nie.
Aber er hat es leider nie geschafft zu reflektieren und seine Probleme anzugehen.
Wir hatten sehr oft geredet und er hat vieles „verstanden“. Aber er hat es nie geschafft, etwas wirklich umzusetzen.
Im Nachhinein wurde mir auch bewusst, dass das alles von mir aus ging.
Er hat zwar verstanden, was ich sagen wollte - aber es kam nie wirklich von ihm aus. Und da liegt wohl das Problem.
Wenn Menschen sich wirklich verändern wollen (wenn das denn möglich ist…) dann nur aus eigenem inneren Antrieb. Und der hat leider bis zum Ende gefehlt.

Und du hast Recht, der Kopf ist einige Schritte weiter als meine Seele leider.
Ich hänge ganz oft noch in diesem Gedanken fest „Was, wenn er sich doch noch ändert?“
Ich habe in ihm immer das Potential gesehen, dass er das doch eigentlich könnte..
Oder evtl. war es nur mein Wunsch, an dem ich viel zu lange festgehalten habe. Bzw. das leider teilweise immer noch tue.

Und der Punkt mit der Co-Abhängigkeit könnte wohl auch gut zutreffen.
Ich hab immer versucht alle seine Probleme zu lösen. Und ihm damit gleichzeitig die Chance genommen, evtl. selbst an manchen Herausforderungen zu wachsen.
An dem Punkt muss ich eindeutig auch noch arbeiten. Ich weiß, dass ich aktuell sofort wieder in meine alten Muster fallen würde.
Also das Wissen und Verständnis ist da.
An der Umsetzung scheitert es leider noch.

Ich hatte zum Glück durchgehend tolle Unterstützung von Freunden und Familie, die mich immer wieder aufgefangen und mich aus tiefen Löchern rausgeholt hatten.

Du sprichst einen wichtigen Punkt an:
Hobbys. Meinem auch früheren größten Hobby (zocken mit meinen Freunden) gehe ich auch weiterhin nach Lachendes Gesicht
Aber ich merke, dass mir da einfach etwas fehlt, was mich erfüllt. Aber ich habe noch keinen richtigen Ansatz.
Ich gehe jetzt ab nächster Woche mit einer Arbeitskollegin ins Fitnessstudio, wir möchten an verschiedenen Kursen teilnehmen.
Ich denke, das wird mir bestimmt schonmal gut tun.
Seit ein paar Wochen hab ich die Kurve im Großen und Ganzen auch wieder bekommen und achte auf bessere Ernährung, koche mir wieder regelmäßig was. Bewegung hab ich durch meine Hunde ja auch und ab und zu geh ich zuhause aufs Laufband oder mache so ein paar Workout Youtube-Übungen 🙈
Das gibt alles schon wirklich ein gutes Gefühl. Das hält nur leider nicht so lange an.

Über einen Arbeitsplatzwechsel hab ich auch nachgedacht. Allerdings bin ich schon so lange in der Firma (ich hatte meinen Ex erst später reingebracht) und mache meine Arbeit gerne und mag meine Kollegen auch so gerne.
Manchmal kommt dann der Gedanke durch: „Nein, hier räume ich wegen ihm jetzt nicht auch noch das Feld, ich war zuerst da“ 😅
Ich wollte abwarten, wie sich mein Gefühl weiter entwickelt.

@Scheol:
Auch dir danke Lachendes Gesicht
Mit den genannten Begriffen hab ich mich auch schon viel auseinandergesetzt. Über die bin ich hier im Forum immer mal wieder gestolpert und hatte einige „Aha-Effekte“, in denen ich mich und die Beziehung wiedererkannt habe.
Also mir ist im Nachhinein dadurch so vieles bewusst geworden, was ich vorher nie so wahrgenommen hatte oder es einfach nicht verstanden hatte.

Und dein letzter Absatz ist hart, aber vielleicht auch etwas dran. Darüber werde ich nochmal nachdenken.
Alles in mir schreit dann immer: „Aber er war doch grundsätzlich wirklich kein böser Mensch.“
Obwohl das, was er am Ende getan hat, wirklich einfach nicht gut war…
Deswegen: vielleicht will ich es noch nicht richtig sehen?

Wir konnten so viel reden und lachen und ich hatte bei ihm immer das Gefühl, dass ich sein konnte, wie ich bin (oder nicht? Man zweifelt langsam alles an.. aber es hatte sich für mich so lange so richtig, echt und sicher angefühlt).

Ich hatte davor nur eine weitere Beziehung über 6 Jahre, die im Guten auseinanderging, weil man sich in verschiedene Richtungen entwickelt hatte. Aber in dieser vorherigen Beziehungen hatte ich mich nie wie „ich“ gefühlt. Ich konnte mich da nie so fallen lassen wie bei meinem Ex und konnte nie sein, wer ich bin.
Vom ersten Date an mit meinem Ex war das anders. Wir hatten uns sofort vertraut gefühlt und als wäre es schon immer so gewesen.
Ich habe um ehrlich zu sein Angst, sowas nicht mehr wieder zu finden…

@Wulf:
auch hier ein danke Lachendes Gesicht
Und du hast Recht mit allem was du schreibst.
Ich denke, ich brauch das aktuell einfach, es immer wieder zu hören, bis es irgendwann auch wirklich in Herz und Seele ankommt.

Und ja.. selbst, wenn ich es nicht gerne zugebe und diese Hoffnung zu 99% begraben habe, sitzt da immer noch dieser eine kleine Prozent, der sagt: Und was, wenn doch? 😅
Ganz schlimm…
Ich muss ihn loslassen? Das tut leider immer noch weh. Das ist das Problem.
Aber wie vernichte ich diese letzte minimale Hoffnung? Ich weiß ja, dass das nie passieren wird. Er wird sich nicht plötzlich um 180 Grad drehen. Völlig ausgeschlossen. Worte und Taten passen nie zusammen.
Es wird nicht passieren.
Da liegt mein Problem. Diese 1%…

x 2 #6


Waris07
@Emiily

Ich möchte etwas sehr Direktes sagen – nicht um dich zu verletzen, sondern weil ich glaube, dass genau hier ein zentraler Punkt liegt.

Aus deinen Schilderungen wirkt es, als wärst du über längere Zeit in dieser Beziehung nicht wirklich eine gleichwertige Partnerin gewesen, sondern eher eine emotionale Konstante, auf die er jederzeit zurückgreifen konnte.
Wenn er sich einsam, überfordert oder verunsichert fühlte, warst du da.
Wenn etwas Neues, Aufregenderes oder scheinbar Leichteres in sein Leben kam, hat er sich entzogen – emotional oder ganz real.

Das ist keine "komplizierte Liebe". Das ist eine Einbahnstraße.

Was es so vermutlich schwer macht, endgültig loszulassen, ist meiner Meinung nach nicht, dass er jetzt plötzlich ein anderer Mensch wäre oder wirklich verstanden hätte. Sondern dass dein inneres System über Jahre gelernt hat:

Ich halte aus, ich bleibe, ich vergebe – und irgendwann kommt er zurück.

Dieses Zurückkommen hat Hoffnung erzeugt. Aber Hoffnung ersetzt keine Verlässlichkeit.
Und Worte ersetzen keine Veränderung.

Vielleicht ist deshalb die wichtigere Frage gerade nicht, ob er es jetzt ernst meint, sondern:

Warum reichte es ihm immer, dich nur dann zu wollen, wenn er gerade nichts Sicheres oder Besseres hatte – und warum hat sich genau dieses Muster für dich irgendwann wie Liebe angefühlt?

Du hast geschrieben, dass du etwas Besseres verdient hast. Das glaube ich auch.
Aber besser heißt hier nicht leidenschaftlicher oder reumütiger, sondern jemand, der bleibt, wenn es unbequem wird.
Und vor allem: jemand, bei dem du nicht ständig Angst haben musst, ersetzt zu werden.




Just my 2 cents – nimm dir davon bitte nur das mit, was sich für dich stimmig anfühlt..

x 8 #7


Wulf
Zitat von Emiily:
Und ja.. selbst, wenn ich es nicht gerne zugebe und diese Hoffnung zu 99% begraben habe, sitzt da immer noch dieser eine kleine Prozent, der sagt: Und was, wenn doch?
Ganz schlimm…

Ganz natürlich, diese 1%... waren damals 1 zu1 meine Gedanken, ohne Flax. Hol dir später eine Schaufel und verbuddel diese letzte Hoffnung.
Geh deinen Weg bewusst ohne ihn weiter, dann ploppt dieser eine Gedanke auf "egal".

Zitat von Emiily:
Ich muss ihn loslassen? Das tut leider immer noch weh. Das ist das Problem.

Das ist kein Problem, das ist normal.
Nutze einfach dein Helfersyndrom für dich, denn du bist es gerade die am meisten Hilfe braucht.
Sollten dir dabei Tränen kommen, dann lass sie einfach raus. Tut gut.

Zitat von Emiily:
Er wird sich nicht plötzlich um 180 Grad drehen.

Er dreht sich nun um 180°.. ok, nun steht er mit dem Rücken zu dir. Er muss sich um weitere 180° drehen um dich wieder anschauen zu können 😜

x 1 #8


GreenTara
@Emiily
Jetzt hast du erst einmal leere Räume in dir, die neu zu gestalten sind. Es fühlt sich alles noch ungewohnt und fremd an. Dieses neue Leben wird sich aber auch im Laufe der Zeit vertraut anfühlen.

Dieses 1%, kann es nicht sein, dass dies eine Erwartung ist: Er weiß doch, was ich alles für ihn getan habe. Warum kommt nicht gleiches zurück? Braucht dein Ego eine Bestätigung? Du schreibst selbst von deinem Helfersyndrom. Nur war es ein Fass ohne Boden.
Auch diese sehr starke Vertrautheit, die von Beginn an zwischen euch war, entstand durch das Gebenwollen und Nehmenwollen. Ich würde an deiner Stelle einen Rückblick halten in dieser Perspektive. Du hast nun das Gefühl, er schulde dir noch etwas. Zurückhaben willst du ihn ja nicht.

x 1 #9


FloraVita
Zitat von Emiily:
Aber wann hört dieses leiden auf? Ich werde nach ca. 4 Monaten nach der zweiten Trennung immer noch jeden Morgen wach und fühle mich traurig. Ich sehe noch keinen richtigen Sinn.
Traurig, dass das alles weg und vorbei ist.
Ich fühle mich einfach nicht mehr richtig glücklich.


Gönn dir die Zeit, die du für's verarbeiten und um zu heilen brauchst.
Sie ist bei jedem unterschiedlich lang.
Auch du wirst wieder sonnige Zeiten haben.

Zitat von Emiily:
Wenn er sagt, dass er mich immer lieben wird?


Wer liebt, belügt, hintergeht und verrät nicht. Erzählen kann man viel...

x 1 #10


Blindfisch
Guten Abend.
Zitat von Emiily:
Zum einen, weil ich gerne eure Meinungen hören möchte und zum anderen wohl auch als ein Stück weiterer Aufarbeitung - und vielleicht auch zum Abschließen?

Vielleicht magst du meine Meinung nicht hören wollen, aber ich meine es nicht böse. Egal was für ein Ars...dein ex ist, du hast dich für ihn (2x) entschieden. Gleich am Anfang hat die Anziehung zu ihm dafür gesorgt, daß du blind in die Falle geraten bist.
Zitat von Emiily:
Es gab gerade in unserer Anfangszeit große Probleme (er war Dro. mit allem drum und dran - ganz vorne mit dabei die vielen vielen Lügen. )

Dro. und Lügen.....rational gesehen ist das ein Ausschlusskriterium. Was hast du erwartet? Für DICH würde er sich ändern? Für DICH würde er an sich arbeitet und "Einsicht" bekommen? Never ever! Nur im Traum. Darf ich vorsichtig fragen, wie dein Verhältnis zu deinen Eltern ist, insbesondere zu deinem Vater?
Zitat von Emiily:
Mein Ex (36, wenig selbstreflektiert und egozentriert, eher vermeidend, keinen Zugriff auf seine Gefühle) und ich (32, unsicher mit Helfersyndrom) waren 9 Jahre zusammen.

Da du dich selbst als unsicher mit Helfersyndrom siehst, könnte es auf eine Kindheit hinweisen, die dir dein "dating-leben" von Anfang an kaputt gemacht hat. Du hast nie "gelernt", Männer richtig auszusortieren. Du bist blind der Anziehung gefolgt, egal ob es deine mentale Gesundheit zuträglich wäre. Das ist deine Baustelle. Du hast erwähnt, daß er in Therapie gehen sollte, und eine Paartherapie ebenfalls zur Debatte stand. Aber ich denke, du brauchst eine Therapie. Nicht weil ich dich als "kranke" Person brandmarken möchte, sondern weil du mit deinen Baustellen nie eine langfristige und "glückliche" Partnerschaft führen wirst, wenn du so "kaputt" (entschuldige bitte) bist. Da rennt jeder halbwegs gute Mann schreiend weg. Das wird dauern....es könnte Jahre dauern. Es ist wirklich schade, daß du mehr als 9 Jahre deines Lebens "verschwendet" hast, und wenn du eventuell noch den Wunsch hast, eine Familie zu gründen, dann solltest du unbedingt anfangen, an dir zu arbeiten. Ich wünsche dir nur das Beste. LG

x 5 #11


Emiily
@Waris07
Genauso war es leider. Auf Augenhöhe fand die Beziehung nicht mehr statt.
Und ja, ich glaube auch, dass er mich als emotionale Konstante gesehen hat, auf die er immer zugreifen konnte.
Mehr oder weniger hatte er mir das auch geschrieben, als er seine Beziehung danach beendet hatte.
Dass ihm bewusst wurde, dass ich diejenige war, die immer alles zusammengehalten hat und immer für ihn da war, ihn umsorgt hab usw.
Und ich dadurch irgendwann leider selbstverständlich wurde, was er sehr bereut..

Was ich auch gerne noch hinzufügen möchte, weil es so rüberkommt, als hätte ich in dieser Zeit gar nichts gelernt 🙈
In dieser Zeit, als ich ihm eine zweite Chance gegeben habe, habe ich immer wieder genau diese Punkte bemerkt, die auch davor einfach nicht mehr gestimmt haben.
Dieses egoistische Verhalten, die fehlende Wertschätzung, der fehlende Respekt. Und dass seinerseits keine Selbstreflexion stattfand - wir haben immer wieder darüber geredet.
Dass das Punkte sind, von denen ich erkannt hab, dass ich damit so auch nicht dauerhaft weitermachen könnte.
Er hat allem zugestimmt… und hat auch gesehen, dass es so war. Allerdings ist dann nichts weiteres passiert.
Das kam am Ende alles zu meiner Entscheidung dazu, die Beziehung dann zu beenden.
Aber klar. Meine Gefühle waren damit natürlich nicht einfach verschwunden. Und meine (falsche) Hoffnung auch nicht.
Ich hab mich an der Vergangenheit, meinem Traum vom Haus und meiner Zukunftsvorstellung zu lange festgehalten.

Aber ich glaube, so würde es doch vielen gehen nach 9 Jahren?
Auch wenn die nicht immer auf Augenhöhe stattfanden. Bevor wir das Haus gekauft hatten, bzw. auch noch die knapp 2 Jahre danach, hat er mich immer deutlich spüren lassen, dass er mich auch liebt.
Aber vermutlich auf eine andere Art und Weise oder Tiefe… ich weiß es nicht.
Aber nicht, weil er grundsätzlich böse ist - sondern einfach, weil er es nicht konnte. Weil die emotionale Reife fehlte.

@Wulf
Huch, jetzt musste ich lachen 😂 aber hier passten die 180 Grad dann vermutlich ganz gut.

@GreenTara
Zu Beginn hatte ich auf jeden Fall diesen Gedanken: wie kann er mir das antun und gehen, wo ich doch immer für ihn da war? Nach allem, was ich gegeben habe?
Das ist richtig. Ich habe mich viel mit dem Thema Helfersyndrom beschäftigt und ich glaube dadurch hat sich das aufgelöst.
Ich glaube, mittlerweile kann ich sagen, dass ich diese Gedanken nicht mehr habe.
Und die Ego-Sache stimmt auch: ich hab meinen Selbstwert komplett davon abhängig gemacht, ob er mich will oder nicht. Ich hatte diese Bestätigung definitiv gebraucht, weil ich mich sonst wertlos gefühlt habe.
Aber auch hier mache ich Fortschritte in die richtige Richtung, finde ich.
Das Gefühl hat sich definitiv gebessert. Aber das ist oft auch abhängig davon, wie es mir gerade geht. An guten Tagen sehe ich meinen Wert. An schlechteren kommen wieder etwas die Zweifel.

@Blindfisch
Autsch, du stellst mich ja fast als Pflegefall dar 😂
Ganz so dramatisch würde ich es wirklich nicht mal beschreiben, auch wenn ich weiß, was du sagen willst und du in vielen Punkten auf jeden Fall Recht hast.
Aber ich habe durch diese ganze Sache definitiv erkannt, was ich in einer Beziehung will und brauche und was nicht mehr.
Ich habe meine Fehler erkannt und weiß, weshalb ich so gehandelt und gefühlt habe.
Ich habe nur zu lange an der Hoffnung festgehalten, dass wir uns zusammen weiterentwickeln könnten.
Denn auch, wenn es vielleicht nicht so rüberkommt: wir hatten definitiv viele sehr schöne und echte Zeiten.
So gesehen dürften wohl nur 2% der Menschheit eine gute Beziehung führen, wenn beide Seiten keinerlei Unsicherheiten aufweisen 😅

Die Dr*ogengeschichte ist ja knapp 8 Jahre her. Ich war 22/23 Jahre alt und hatte zu dieser Zeit auf jeden Fall noch selbst riesige psychische Probleme - ich war zu dieser Zeit auch in Therapie gewesen.
Aber hey - dieser Mensch von damals bin ich nicht mehr. Ich war nur auch mal jung 🙈
Wenn ich heute zurückdenke, frag ich mich auch ganz oft: weshalb zur Hölle hatte ich das mitgemacht?
Aber auch damals war wohl schon mein Helfersyndrom vorhanden, ein niedriger Selbstwert. Und auch ganz naiv die Hoffnung, dass er sich für mich ändert. Das kann man so ja auch zugeben.
Und „blöderweise“ hatte er das auch getan.
Er selbst hatte diesen Antrieb für sich selbst leider nie gesehen.
Aber als es damals deswegen fast auseinanderging, hat er sich für die stationäre Therapie entschieden, weil er mich deswegen nicht verlieren wollte: und er hat es auch tatsächlich geschafft.

Meine Kindheitsprobleme kenne ich auch und weiß auch, dass daher meine Unsicherheiten und Ängste kommen. Mein Vater war emotional nie wirklich verfügbar, weil er schlicht und einfach nicht ein solcher Mensch war. Für ihn gab es psychische Probleme nicht.
Meine Eltern haben sich früh getrennt (ich war 3 Jahre alt)
Meine Mutter hatte schon immer starke manisch depressive Phasen, mein Stiefvater ebenfalls inkl. stark ausgeprägter Schizophrenie.
Mein Bruder war ein „schwieriges“ und verhaltensauffälliges Kind. Meine Mutter war komplett überfordert und hat sehr viel geweint.
Ich wollte nie zusätzliche Probleme machen und hab meine Bedürfnisse daher komplett runtergeschraubt und wollte immer das liebe und brave Kind sein. Gefühle habe ich mit mir selbst ausgemacht (so gut bzw. schlecht das als Kind eben geht).
Ich hab versucht meine Mutter zu trösten und zu unterstützen. Ich hab mich für alle Gefühle verantwortlich gefühlt, die nicht meine waren, um irgendwie Sicherheit spüren zu können.

Ich hab zwei Therapien gemacht (meine erste ist schon eine Zeit lang her wegen einer Essstörung, die ich damals entwickelt hatte)
Die habe ich überstanden, auch wenns hin und wieder mal in schlimmen Phasen noch einen inneren Kampf gibt - den ich aber gewinne, weil ich weiß, woher es kommt und wo ich nie wieder hin will.
Meine zweite Therapie (generelle Verhaltenstherapie wegen schlechtem Selbstwert) ist jetzt sicher 5 Jahre her.
Die Therapeutin war lieb, aber leider hat es mich damals nicht richtig weitergebracht.

Ich habe im letzten halben Jahr dennoch sehr an meinem Selbstwertgefühl gearbeitet und hab auch trotzdem riesige Fortschritte gemacht - auch, wenn das so nicht rüberkommt Lachendes Gesicht
Aber mir ist ja auch bewusst, dass ihr nur das beurteilen könnt, was ihr hier lest und nicht meine ganze Persönlichkeit und meinen Charakter kennt.
Und auch nicht das wissen konntet, was ich schon erreicht habe.
Ich glaube daher nicht, dass ein reiferer Mann schreiend vor mir wegrennen würde 😂
So schlimm ist es wirklich nicht. Ich kenne meine Probleme, bin bereit darüber zu reden, an mir zu arbeiten und weiter zu wachsen.
Aber ich will sowieso erst einmal alleine bleiben und mich selbst finden.
Mir ist bewusst, dass das ein langer Weg ist. Aber ich bin bereit, diesen zu gehen.

x 2 #12


Wollie
Deine Geschichte ist sehr traurig, umso besser, dass du genau an deinen Baustellen arbeitest. Was dein Ex nicht gemacht hat, wahrscheinlich auch nicht konnte. Wünsch dir einfach, dass du weiterkommst und bei dir ankommst. Es ist ein langer Weg, aber er lohnt sich.

x 2 #13


Arella
Zitat von Emiily:
Der Anfang vom Ende begann evtl. Rückblickend bereits mit dem Hauskauf.
In erster Linie war es mein Traum - aber er hatte nie etwas Gegenteiliges gesagt und sich auch gefreut.
Wir hatten zu zweit alles selbst von Grund auf zusammen renoviert und uns unser "Traumhaus" geschaffen.

Er war nach einiger Zeit sehr oft gestresst und hatte irgendwann große Ängste entwickelt, dass was kaputt gehen könnte (ist ein altes Haus).
Er hat sich regelrecht verrückt gemacht, andauernd (fast täglich) alles überprüft. ich war da deutlich entspannter - wenn was passiert wäre, sind wir ja versichert (Starkregen z.B. machte ihn wahnsinnig). Dann die Ängste bzgl. der Finanzierung usw.


Zitat von Emiily:
Ich hab das ganze leider nicht so ernst genommen oder irgendwann abgetan mit "Du machst dir viel zu viele Sorgen".


Zitat von Emiily:
Dennoch haben wir dort 3 1/2 Jahre zusammen gelebt. Aber es war ein dauerhafter Stressfaktor für ihn. Mal mehr und mal weniger schlimm.

Du hast seinen Stress nicht ernst genommen? Vielleicht hast du auch nur nicht erkannt, dass er nicht der richtige Mann für das erreichen deiner Ziele war. Und er selber hat auch nicht erkannt, dass er nicht der richtige Mann für das erreichen seiner Ziele war. Die finanzielle und mentale Belastung in der heutigen Zeit, für ein Hauskauf, hat ihn überfordert. Du konntest damit besser umgehen. Das Problem ist, dass man das am Anfang nicht weiß, ob ein Partner dafür gemacht ist, den finanziellen Druck auszuhalten. Je nachdem wer höher hinaus will, und noch weiter hinaus will, bleibt dann einer auf der Strecke.

x 1 #14


Emiily
Danke für deine lieben Worte, @Wollie

@Arella
Da ist wohl was dran, ja…
Das waren am Ende wohl auch einfach unterschiedliche Lebensvorstellungen und Träume.

Achso, zu Blindfisch noch
Du schreibst von 9 „verschwendeten“ Jahren meines Lebens. So sehe ich das auf gar keinen Fall.
Auch, wenn ich mich oft hintenangestellt habe und nicht so gesehen und unterstützt wurde, wie es hätte sein sollen, war es dennoch eine unglaublich schöne Zeit mit ihm. Mit sehr vielen schönen Momenten und Erinnerungen.
Die sehe ich nicht als Verschwendung.
Es gab Zeiten, da hab ich seine Liebe deutlich gespürt. Auch wenn sie anders war als meine.
und auch die schlechten Zeiten am Anfang und jetzt am Ende hatten doch auch irgendwo ihre Daseinsberechtigung um sich weiterzuentwickeln und zu lernen. Und um mir meine eigenen Baustellen aufzuzeigen.
das wollt ich noch sagen
Und natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir zusammen hätten wachsen können. Das macht mich leider nach wie vor traurig

x 4 #15


A


x 4