@fiskerr
Beeindruckender Beitrag, großen Dank dafür. Da steckt sehr viel drin zu dem, was mich gerade auch beschäftigt.
Ich glaube ebenfalls, dass es für uns jeweils die gesündeste Partnerschaft war, die wir bisher hatten, auch das haben wir uns oft gegenseitig kommuniziert. Gleichsam kommt mit Tiefe natürlich auch eine Form von Verletzbarkeit. Nach den klassischen Bindungstypen war ich der, der viel Bestätigung und Sicherheit braucht, sie die Person, die immer wieder zweifelt, bei der Gefühle schnell kippen, wenn es Konflikte gibt und die stark mit Verdrängung und Abspaltung, auch in anderen Krisensituationen, reagiert und sich dann ins Außen flüchtet.
Meinem Empfinden nach gibt es einen Zusammenhang zwischen der Trennung ihrer Eltern und unserer. Einen Tag, nachdem sie von ihrer Familie zurückkehrte, wo es ihr sehr schlecht ging, da dort gerade die Scheidung im Prozess ist, stand die Trennung plötzlich im Raum. Ob das eine Art "solidarischer Akt" mit dem Verlust des eigenen familiären Hafens ist oder das Gefühl, gar nicht mehr an das Konzept Beziehung glauben zu können, weiß ich nicht. Ich finde nur den Zeitpunkt einschneidend.
Sie hat auch kommuniziert, dass die Bindung zu mir für sie fremd ist, dass sie sie nicht ganz einordnen kann. Eben weil für sie Liebe bisher immer mit Schmerz verbunden war, kurz: Mit Menschen, die nicht erreichbar und unverbindlich waren. Ich weiß nur nicht, was ich hier in dem Fall hätte ändern können. Sie meinte auch einmal, dass sie gar nicht eifersüchtig ist (weil ich ihr dazu nie einen Grund gegeben habe) und manchmal kein so starkes Vermissen empfindet, sondern eben ein tiefes Gefühl von Vertrauen und Verbundenheit.
Ihre Beziehung zu ihren Eltern ist relativ klassisch. Ein angespanntes Verhältnis zur Mutter, eine m.E. lange Überidealisierung des Vaters. Beides befindet sich, jetzt durch die Krise, aber in einer Art Transformation. Meines ist geprägt von einem sehr instabilen Elternhaus mit Menschen, die schwer einschätzbar sind und emotional sehr wechselhaft. Später suchte ich mir Partnerinnen, die ebenfalls eher emotional-vermeidend sind und sich gerne entziehen. Keine gesunden Muster. Umso mehr machte es mich glücklich, wie offen und tief wir in dieser Partnerschaft miteinander sprechen konnten und quasi alles geteilt haben. Die Bindung zu Geschwistern und Freunden ist wiederum sehr gut.
Eine Verbindung besteht aktuell nicht mehr. Mein Gefühl war, dass ich aktuell mit jeder Abweisung, die bei ihrem Muster vermutlich kommen muss, nicht umgehen könnte. Noch nicht. Und ich gleichsam auch jeden Druck rausnehmen möchte, der vielleicht auch zum Teil zu dieser Eskalation geführt hat. Daher halte ich mich bislang zurück, nicht zuletzt, da ich glaube, dass sie dafür gar keinen Raum hat, weil sie gerade alles irgendwie zusammenhalten muss.
Und zum letzten Satz: Ich habe meinen Themen lange therapeutisch bearbeitet, vieles mit Erfolg. Sie selbst hält es bis heute für hinreichend, es mit sich selbst auszumachen. Als ich einmal ansprach, dass ich es gut fände, alte, ungesunde Beziehungsmuster vielleicht einmal therapeutisch anzugehen, war sie sogar ziemlich verärgert. Kann ich verstehen einerseits, andererseits ist es für mich kein anderer Umstand, als wenn ich sie mit Zahnschmerzen zu einem Zahnarzt verwiesen hätte.