Zitat von Cabonga1970: Das tut dem Kind sicherlich sehr gut und auf seine Wünsche eingehen ist schlecht.
Also, nochmal ganz langsam.
Natürlich tut es einem Kind gut, wenn soweit wie es möglich ist und wie es sich anbietet, auf seine Wünsche eingegangen wird.
Enscheidend ist das:
soweit es sich anbietet. Wenn dein Sohn also wissen lässt, dass er gerne so viel wie möglich bei dir ist, dann kannst du ihm völlig richtig antworten: Wenn Papa-Zeit ist, nimmt sich der Papa auch Zeit. Ich schicke dich dann nicht zur Oma, weil ich xyz machen möchte, oder bitte die Mama, ob du nicht noch etwas länger bei ihr bleiben kannst, weil ich opq noch zu tun habe. Wenn Papazeit ist, dann machen wir uns eine tolle Papazeit.
Anderes Gedankenexperiment: Wenn ein Paar mit Kindern gemeinsam beschließt, aus Gründen umzuziehen, oder aus Gründen das Kind in die Nachmittagsbetreuung zu geben, oder oder oder, dann geht das Kind eben auch auf eine neue Schule, wo es niemanden kennt, oder in die Nachmittagsbetreuung, obwohl es lieber zuhause wäre. Niemand würde hier von "schlecht fürs Kind" reden.
Der einzige Unterschied ist, dass hier eben nicht ihr beide als (Eltern)paar entscheidet, sonder ihr euch eben nicht einig seid, was ja für getrennte (Eltern)paare jetzt nicht wirklich soooo ungewöhnlich ist.
Deshalb ist es für das Kind trotzdem immer noch kein Weltuntergang, wenn es seine Zeit woanders verbringen muss, als wo es gerade am meisten Lust drauf hat.
Und jetzt nochmal ganz langsam: Außer, dass du für die Wünsche deines Kindes kämpfst, hast du halt echt wenig Argumente. Und ich sage nicht, dass das nicht grundsätzlich ein gutes Argument, aber halt nur in Grenzen ist.
Und hier sind halt nochmal die Dinge, die Kindern wirklich, ehrlich, dauerhalft schaden, und viel schwerer wiegen, wie ein Tag mehr oder weniger beim einen oder anderen Elternteil:
-Wenn die Elternteile streiten, und am Kind zerren
-wenn das Kind keinen sicheren, verlässlichen Rahmen hat
-wenn das Kind sich genötigt sieht, sich auf eine Seite zu schlagen
-wenn das Kind von einem Elternteil entfremdet wird
-wenn das Kind in einem dauernden Klima von Streit aufwachsen muss
-wenn das Kind nicht den Eindruck hat, dass die Eltern Herr der Situation sind, im Sinne von Abwägen und Entscheiden können, wann man mit welcher Intensität in welchen Konflikt geht und warum
-wenn er einen Teil seiner Herkunft und dadurch einen Teil seiner selbst von einem Elternteil so harsch verurteilt und bekämpft sieht
Also, nochmal: Selbst wenn ich dir zu 100% abnehme, dass es dir wirklich nur um deinen Sohn geht, der gerne mehr bei dir wäre, und selbst wenn für ihn die Zeit bei deiner Ex nur absitzen wäre...
Selbst dann wäre der Gewinn für deinen Sohn marginal, und der Schaden immens, wenn du weiterhin das Klima zwischen euch dreien vergiftest.
Und nochmal: Kannst du denn die Seite deiner Ex sehen, die sich echt bedroht fühlen muss? Kannst du sehen, wie weitgehend inzwischen die Kinderbetreuung nach deinen Vorstellungen eingerichtet ist, und wie weit das von den Ursprünglichen Plänen deiner Ex entfernt ist? Kannst du vielleicht ein bisschen nachfühlen, was es mit ihr machen muss, wenn jetzt immer noch nicht genug ist? Hättest du an ihrer Stelle das Vertrauen, dass auch irgendwann mal genug ist?
In diesem Klima würde ich als deine Ex auch keinerlei Zugeständnis mehr machen. Und jetzt willst du sie noch weiter an den Verhandlungstisch drohen?
Es wäre aber doch zumindest möglich, dass deine Ex nach einer gewissen Zeit, in der du die Sache wirklich laufen lässt wie ausgemacht, sehr wohl wieder zu Gesprächen bereit ist, weil sie sich eben nicht mehr bedroht fühlt.
Wenn du weiter immer schwerere Geschütze auffährst, verbaust du dir diese Chance komplett. Von den Folgen für deinen Sohn mal ganz abgesehen.