Familienfeste nach Trennung

Ehemaliger User


Hallo Leute!

Tja, heute, heute also ist die Party - und ich bin nicht gegangen. Hm, warum? Weil ich endlich an mich denke! Irgendwie ist es schon komisch, nach nem Jahr der Trennung kann ich meine Ex immer noch nicht in meiner Nähe ertragen. Ich kann den Tritt vor das Schienbein, den sie mir verpasst hat, nicht verzeihen - und ich weiß, dass das so bleiben wird. Und ein Wiedersehen würde mich daran eben erinnern, würde es mir unerträglich machen, den Augenblick zu genießen. Also lieber nicht zur Party.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich die ersten 4 Monaten riesige Trauer gelebt habe, praktisch tatsächlich nur dahinvegetierte mit dem innigsten Wunsch auf Rückkehr. Die folgenden 4 Monate waren geprägt von Besinnung und Erkenntniss darüber, was wirklich passierte und der festen Überzeugung, dass ich mit meiner Ex nie wieder einen Kontakt will. Und nun, die letzten 4 Monaten endlich setze ich wieder Akzente für mich, mein Leben geht weiter. Die letzte große Aufgabe, die ich nun schon seit über einer Woche meistere: ich hab aufgehört zu rauchen! Toll, oder? )

Ich habe in dem letzten Jahr so viel über mich erfahren, weil ich dazu gezwungen wurde, mich mit mir auseinander zu setzen. Etwas, was wir als Verlassene unseren Exen in aller Regel voraus haben. Diese Erfahrung war für mich unterm Strich sehr positiv, habe ich mich wohl erst jetzt richtig durchschaut. Aber eines wird mein Leben wohl immer prägen: die Angst vor emotionaler Bindung.

Seid lieb gegrüßt

Ralf40

 

24.08.2002 20:20 • #16


Ehemaliger User


Hallo Ralf,

wie du die von dir durchlebten Phasen beschreibst finde ich sehr gut. Auch, dass du eine Enwicklung in dir erkennen kannst. Dass du deine Ex immer noch nicht in deiner Nähe ertragen kannst, kann ich sehr gut nachempfinden. Meine diesbezügliche Vergangenheit ist längst wie ein verschleierter Traum. Vielleicht liegt es daran, daß wir die Persönlichkeit und den Charakter dieses Menschen nicht mehr schätzen können. Und uns seine Hülle an jemand erinnert, den wir einmal sehr geliebt haben. Wenn ich aus der Vergangenheit gelernt und sie losgelassen habe, möchte ich sie auch ruhen lassen.
Denn ich möchte in Gegenwart und Zukunft leben - nicht in der Vergangenheit. Auch wenn die Vergangenheit immer zu uns gehört - sie soll uns ein Ratgeber sein. Und sie soll uns an gute und schlechte Zeit erinnern. Aber in unserem "aktiven" Leben haben Expartner definitiv keinen Platz.

Liebe Grüße

Hubi

26.08.2002 10:14 • #17


Ehemaliger User


lieber ralf, lieber hubi,

eure beiträge habe ich mit interesse gelesen.

sie haben mir dazu verholfen, mich über meine derzeit leider kurzfristige sichtweise hinweg zu heben und mir die langzeitperspektive wieder vor augen zu halten. es macht mir mut, ralf, dass es dir nach 1 jahr so geht, wie es dir geht, und es macht mir angst, dass bei mir noch so viel zeit bis dahin vergeht. ich befinde mich im 3. monat nach dem auszug und habe - ehrlich gesagt - noch streckenweise die hoffnung, dass wir wieder zusammenkommen, wissend, dass es nicht mehr gehen würde! ich weiß es wirklich! das macht das ganze so perv.! zur zeit halte ich eine offizielle kontaktsperre ihm gegenüber, bekomme aber ab & an informationen, die mich immer wieder aufwühlen ... schwierig.

ich wünsche dir weiterhin viel erfolg bei deinem fortkommen! das mit dem rauchen finde ich spitze, es steht bei mir auch demnächst bevor, tut einfach nicht gut.

grüße,
c-c-l

26.08.2002 13:34 • #18


Ehemaliger User


Hallo CCL,

ich glaube, so solltest du es nicht betrachten. Quasi: ich hab erst 3 Monate runter, ich muß noch 9 Monate überstehen, bis ich soweit bin...
Kein Mensch ist wie der andere und jede Beziehung und auch jede Trennung ist völlig individuell. Hinzukommt, daß die Zukunft immer völlig offen ist. Jede Situation unseres Lebens ist unvergleichlich und sozusagen ein Präzedensfall. Es wäre ein Fehler, wenn wir uns von unserer Umwelt beeinflussen ließen. Orientierung ist wichtig und auch gut. Aber verwende die gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke dazu, um daraus einen Weg zu finden, der für _dich_ passend ist. Das, was für mich oder irgend jemand anderen richtig ist, muß es für dich  noch lange nicht sein. Lass dir Zeit und hab Geduld. Und gestehe dir alles zu. Schwächen gehören ebenso zum Leben und zum Menschen, wie die Stärken.

Im Film "Good Will Hunting" - einem meiner Lieblingsfilme, gibt es ein sehr schönes Filmzitat: "Du kannst von allem eine Ahnung haben, aber um es zu verstehen, musst du es schon erleben"

Und wir neigen oft dazu, aus dem Verstand/Wissen heraus richtige Entscheidungen zu treffen. Um uns zu schützen. Doch dadurch hindern wir uns oft daran, etwas zu erleben und dadurch zu verstehen.

Es gibt zwei Arten von Fehlern. Die einen vermeidet man, für die anderen bezahlt man. Doch aus Fehlern, die  man vermeidet, kann man nichts lernen.

Alles ziemlich komplex
Aber: wo Menschen sind, da menschelt es eben... Wir müssen uns selbst und auch anderen zugestehen, Fehler zu machen. Und sie weder nur bei uns oder nur beim anderen suchen.

Hubi

26.08.2002 14:41 • #19


Ehemaliger User


lieber hubi,

danke für deinen tröstenden eintrag. du hast völlig recht mit dem, was du sagst, und ich weiß es ja auch. alles ist irgend wie gleich und alles ist trotzdem anders. und fehlermanagement im fairen sinne betreibe ich gedanklich auch; bin mir bewusst um mein dazutun, bereue es aber nicht. es kam so, wie es kommen musste.

schlimm ist einfach, dass für mich mein trennungsschmerz an dem punkt verdammt an schmerz zunahm, als ich von der affaire erfuhr. das hat in mir die zicke wachgerüttelt .... und die zicke ist auf rachekurs, unverzeihlich und tief verletzt ... in gedanken habe ich schon die unglaublichsten dinge getan, froh seiend, dass es bei den gedanken bleiben wird.

dadurch habe ich mich wieder aus meinem leben rauskatapultiert und bin gedanken nur bei ihm, das blei fließt unaufhörlich.

wie bekomme ich das wieder hin, dass ich "bei mir bleibe"? denn da fühle ich mich eigentlich wohl, in meinem leben ... mit meiner familie, meinen freunden ... für mich hat sich soviel durch die trennung nicht geändert ... auch die wohnung ist zu meinem komplizen geworden. das sind entwicklungen, über die ich mich freue, trotz allem.

mein selbstbewusstsein ist leider zz am boden, da kann jeder sagen, was er will! das muss sich wieder ändern .... wird es auch, ich weiß!

hubi, ich habe mir so oft eine zeitmaschine gewünscht, das meinte ich mit dem "ach wäre ich doch nur schon so weit!". vielleicht geht es schneller, vielleicht dauert es noch viel länger .... bei meiner letzten trennung vor 8 jahren (da war ich 26) ging es 1 1/2 jahre; der schmerz war erst ganz vorbei, als ich meinen noch-mann kennen lernte. ich würde es gerne ohne neuen partner schaffen! vielleicht ein zu hoch gestecktes ziel!

heute abend bin ich trotz laune am boden in einen salsa-kurs "gekrochen"; habe gut geschwitzt, gehe jetzt duschen und dann zu bett. bin froh, dass ich mich überwunden habe.

nochmals danke für die schönen worte, das zitat kenne ich auch aus dem film (mag ihn auch sehr ...!)

liebe grüße,c-c-l

26.08.2002 21:32 • #20


Ehemaliger User


hallo hubi, hallo ccl!

ccl:
auch wenns so klingt, als wäre ich nach dem Jahr innerlich weg vom Trennungsschmerz jedweder Art - dem ist leider nicht so. Ich erwische mich auch heute noch ab und an, wie ich in Erinnerung schwelge, dem Vergangenen hinterher trauere (denn die Beziehung war ja gut) und dann auch wieder meine Ex verfluche ob ihres Handelns. Wird wohl nie ganz weggehen.
Aber wichtig ist doch das, was du für dich schon erkannt hast: nämlich, dass du zufrieden mit dir und deiner Umwelt bist. Diese Selbstzufriedenheit gibt dir die Stärke, die du zur endgültigen Bewältigung der Vergangenheit brauchst. Und deine Stärke wird übrigens in all deinen Beiträgen, die ich sehr interessiert lese, deutlich.
Das Selbstbewusstsein ist klar immer angeschlagen, wenn man das Gefühl haben muss, dass man ersetzbar, ja austauschbar war. War man bis dahin der Meinung, man sei einzigartig wichtig für den Anderen und dessen alleinige emotionale Ausrichtung, wurde man in brutal empfundener Weise eines Besseren belehrt.
Lass dir also Zeit, liebe ccl. Denn es ist so: die Zeit wirds richten. Sie dauert bei jedem verschieden lang, aber irgendwann ist es überstanden. Bei mir hartnäckigem Tropf hats ein Jahr gedauert und ist immer noch nicht ganz durch, bei Anderen gehts schneller.
Für mich wird aber wird die Vergangenheit, die wir nun mal Alle haben, so befürchte ich, immer eine negative Auswirkung haben. Denn ich glaube wirklich, dass sie mir im Weg stehen wird, wenn es darum geht, eine neue Bindung einzugehen. Die Vergangeheit droht bei mir das Vertrauen in die Zukunft und in andere Menschen zu verhindern. Alles sehr kompliziert, das Ganze

So, ich muss wieder arbeiten. Sitze hier im Büro und tu auf ganz beschäftigt, dabei werden die Akten nicht weniger - und jetzt ist auch noch ein Mandant erschienen... puuuh...

So long

Ralf40  

27.08.2002 10:08 • #21


Ehemaliger User


lieber ralf,

danke für deine netten und persönlichen worte. es freut mich, dass du meine beiträge liest; deine kenne ich im übrigen auch alle.

und ich werde mir auch alle zeit der welt genehmigen, die ich benötige, um gut aus der "chose" rauszukommen, werde weiterhin alles nutzen, was mir gut tut: literatur + ab & an eine sitzung bei der psychologin, alles übrige ist wie immer (mein umfeld!) und gibt mir das gute gefühl, nichts an status bzw. wertigkeit eingebüßt zu haben, auch wenn ich jetzt single bin! ich bin auch eigentlich ein fröhlicher mensch, und es ist oft so, dass ich nach einem dicken heulanfall drauf los lache ... ich nehme mich aber dennoch ernst und achte auf meine signale ... manchmal leider erst zu spät.

leid tut mir, dass du die barriere vor erneuter emotionaler bindung so deutlich vor dir siehst! hast du in dieser hinsicht schon erfahrungen gemacht oder spricht aus dir eine abstrakte unsicherheit, resultierend aus (verarbeitetem) trennungsschmerz? für meinen teil weiß ich auch, dass ich mir zeit lassen werde, habe auch angst, dass ich an "cracks" gerate, die nach einigen monaten feststellen, dass sie doch keine beziehung möchten.

ich hoffe so sehr, dass ich mich wieder irgend wann emotional fallen lassen darf; ich weiß nämlich, dass ich das kann, aber der andere muss es auch wollen.

dir wünsche ich innigst, dass deine künftigen erlebnisse in dieser hinsicht deine ängste in den schatten stellen.

liebe grüße,
c-c-l


27.08.2002 18:53 • #22


Ehemaliger User


achtung: korrektur der formulierung:

nicht, dass deine erlebnisse schlimmer als die ängste sind, das gegenteil wünsche ich dir natürlich, habe eine doofe formulierung gewählt.

du weißt sicher, was ich meinte?  ;)

alles liebe,
c-c-l

27.08.2002 18:59 • #23


Ehemaliger User


hm, manchmal ist das hier schon komisch. hab eben was geschrieben und dann weggeschickt - und jetzt tauchts nicht auf, irgendwo im nirwana des internets verschwunden...

liebe ccl,

also, es gibt zwar keinen konkreten Anlass für meine Befürchtung, keine emotionale Bindung eingehen zu können. Ist also eher ne abstrakte Befürchtung Aber vielleicht liegts auch daran, dass ich bisher eine solche Situation auch nicht zulassen konnte. Ach, wer weiß, ist auch egal. Abwarten und Tee trinken

Heute war hier in der Zeitung ein für uns Alle sicher interessanter, wenn auch in seiner Aussage nicht überaschender Artikel zu finden. Headline: "Das Glück des Einzelnen zählt" und geht auf die wieder einmal gestiegene Scheidungsrate ein.

Nach Ausführungen eines Münchner Familienforschers liegt die Ursache der zunehmenden Scheidungsraten in überzogene Glückserwartungen an die Partnerschaft, die auf Dauer mit einer Person nicht realisiert werden können. Entscheident für eine Trennung ist meist kein akuter Konflikt, sondern weil ein oder beide Partner merken, dass sie ihren Lebensentwurf nicht miteinander verwirklichen können. Dabei wird zudem immer weniger Rücksicht auf Kinder genommen.

Tja, nichts wirklich überaschendes. Offensichtlich befinden wir uns inmitten eines gesellschaftlichen Wertewandels, was zum Ergebnis hat, dass wir nicht mehr in der Lage sind, eine monogame Lebenspartnerschaft einzugehen, weil der individuelle Egoismus als das einzig Wahre zu verfolgende Lebensziel immer wichtiger wird....

Es freut mich, liebe ccl, dass du auch meine Beiträge liest, auch wenn ich eher der Meinung bin, dass ich nichts interessantes bisher losgelassen hab, wenn ich die mit deinen vergleiche Wünsche dir und allen einen schönen Tag

Gruß

Ralf

28.08.2002 08:51 • #24