Hallo @Chaosqueen1983 und willkommen im Forum
eine interessante Frage, die Du da stellst und ich hoffe, es werden sich viele unterschiedliche Meinungen dazu hier tummeln...
Zitat:ich selbst habe kein Borderline & bisher kaum Erfahrungen damit machen müssen.
Zunächst einmal, ist das auch nicht besonders wahrscheinlich, überhaupt Erfahrungen mit derartigen Störungsbildern zu machen. Jeder Mensch bringt gewisse Facetten in seiner Persönlichkeit mit, die z.B. "narzisstisch" oder "depressiv", evt. auch "schizoid" oder "hysterisch" anmuten. Das ist ganz normal und kein Grund, gleich von einem klinischen "Störungsbild" auszugehen.
In letzter Zeit, ist es tatsächlich zu einer Art "Hype" gekommen, was die Bereitschaft angeht, anderen Menschen eine Störung vorzuwerfen, wenn keine anderen Ressourcen zur Problembewältigung mehr vorhanden sind. In der Regel, betrifft dieser Hype die BPS und die NPS. In Zeiten des Internets, hat inzwischen jeder Mensch einen direkten Zugang zu Informationen und plötzlich ist fast jede empathische kleine Schwäche ein Narzisst und jede emotionale Überreaktion eine Boderlinerin.
Wir können inzwischen 24/7 lang, die traumatischen und wirklich sehr schlimmen Erfahrungen von Menschen mitverfolgen, die in einer solchen Verbindung waren, oder es noch immer sind. Solche Fälle, sind aber noch immer Ausnahmen und eben
nicht die Regel. Das muß man einfach ganz klar feststellen. Ein weiterer Effekt, ist eine Hypersensibilisierung auf die klassischen "Anzeichen" solcher PS und inzwischen, ist bereits ein kleines "Drama" unter zwei Verliebten schon eine "toxische Beziehung".
Ich persönlich habe auch den Eindruck gewonnen, daß bereits tiefe, romantische Gefühle der Leidenschaft in der ersten Verliebtheitsphase einer Beziehung schon "skeptisch", teilweise sogar gefürchtet werden (Love Bombing) - jeder hört sofort die Flöhe husten und will meine Frau sich mit mir auf der partnerschaftlichen Ebene auseinander setzen, läuft sie schon Gefahr, von ihrem Partner mit abschätzigem Verhalten "gebremst" zu werden, denn eine Diskussion ist ja "anstrengend=Drama=Borderline" und schon kommt "sag mal, bist Du gestört? Ich hab keinen Bock zu reden"...
Zitat:Kann danach eigentlich eine gesunde Partnerschaft als schön & tief wahr genommen werden oder ist es eher so, dass einem die Intensität, der emotionale Grenzspaziergang fehlt?
Hier sehe ich bereits, daß Du da sehr wenig differenziert vorgehst. Eine Partnerschaft kann ohne Frage schön, auch überaus leidenschaftlich geprägt sein - deswegen muß einem aber noch lange kein wie auch immer gelagertes "Extrem" fehlen. Zweitens, erfreuen sich ebenso ganz gesunde Partnerschaften eines hohen Maßes an
Intensität - das hat doch erstmal überhaupt nichts mit dem Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung zu tun.
Fakt ist leider, daß man Berichten von Menschen, die ihrem (Ex)Partner allen Ernstes eine schwere psychische Erkrankung unterstellen und meinen, nun eine "gesicherte Diagnose als Experte in eigener Sache" erstellt zu haben - eher mit einer gesunden Skepsis aus der Distanz begegnen sollte, denn derartiges Verhalten ist ebenfalls, absolut
nicht "normal".
Was viele nämlich immer wieder vergessen in Betracht zu ziehen, es gibt weitaus mehr Persönlichkeitsstörungen, als nur die beiden Klassiker der toxischen Paardynamik. Sprechen wir doch einfach mal die
Paranoide Persönlichkeitsstörung an, wie verhalten sich denn Menschen, die an so einer Störung leiden - es reicht mithin ja bereits, eine Persönlichkeit mit paranoiden Zügen vor sich zu haben, es muß nicht immer gleich Königsklasse sein.
Ich kopiere das einmal hier rein, bin etwas schreibfaul gerade
"
Patienten mit paranoider Persönlichkeitsstörung verdächtigen andere, dass sie sie ausnutzen, täuschen oder ihnen schaden. Sie haben das Gefühl, dass sie jederzeit angegriffen werden können und ohne Grund. Auch wenn es wenige oder keine Beweise gibt, halten sie ihren Verdacht und ihre Gedanken aufrecht.
Oft denken diese Patienten, dass andere sie stark und irreversibel verletzt haben. Sie sind hypervigilant, was mögliche Beleidigungen, Kränkungen, Drohungen und Illoyalität betrifft und suchen nach verborgenen Bedeutungen in Bemerkungen und Handlungen. Sie prüfen andere sorgfältig, um stützende Beweise für ihren Verdacht zu erlangen. Zum Beispiel können sie ein Hilfsangebot dahingehend deuten, dass man annimmt, sie könnten ihre Aufgaben nicht alleine bewältigen. Wenn sie denken, dass sie in irgendeiner Weise beleidigt oder verletzt worden sind, vergeben sie nicht der Person, die sie verletzt hat. Sie neigen dazu, zu kontern oder als Reaktion auf diese wahrgenommen Verletzungen wütend zu werden. Weil sie anderen misstrauen, fühlen sie ein Bedürfnis autonom zu sein und sich unter Kontrolle zu haben.
Diese Patienten sind zögerlich darin, sich anderen anzuvertrauen oder enge Beziehungen zu anderen zu entwickeln, weil sie befürchten, dass die Informationen gegen sie verwendet werden. Sie zweifeln an der Treue der Freunde und der Treue ihrer Ehegatten oder Partner. Sie können extrem eifersüchtig sein und ständig die Aktivitäten und die Motive ihres Ehegatten oder Partners in Frage stellen in dem Bemühen, ihre Eifersucht zu rechtfertigen.
Daher kann es schwierig sein, mit Patienten mit paranoider Persönlichkeitsstörung auszukommen. Wenn andere negativ auf sie reagieren, sehen sie diese Reaktion als Bestätigung ihres ursprünglichen Verdachts."Ein solches Verhalten, trifft man vor Allem im Internet sehr häufig an, daher ist es immer ratsam, zunächst einmal skeptisch zu bleiben und sich auf die reine Faktenlage zu beschränken. Denn es ist zwischen 2-3 Mal wahrscheinlicher, einer schizoiden PS zu begegnen, als dem "Opfer" einer NPS oder einer BPS.
Zitat:Mir kommt die Vermutung, dass du hier etwas verschleiern möchtest. Wenn das so ist, ist das auch in Ordnung und das machen viele - um eben an Informationen zu kommen und anonym zu bleiben. DIR selber kann aber wesentlich besser geholfen werden, wenn du klar ansprichst was Sache ist
Ein sehr guter Punkt!
Zitat:Und weil du in deinem letzten Post eben die extrem intensive Kurzbeziehung, kurz bevor du deinen Freund kennengelernt hast, erwähntest - bei dem dich die Erinnerung an ihn immer noch schmerzt - liegt es für mich Nahe, dass dir selber in deiner aktuellen Beziehung vielleicht etwas fehlt und dir diese oft zu ruhig und wenig intensiv ist.
Diesen Umkehrschluß, sollte man zumindest erfasst haben, sehe ich auch so.
Liebe Grüße
Simply