Hallo Sissi,
< Gern würde ich mal Paare hören, die so schon lange zusammenleben. Wie machen sie das? Aber das ist dann wohl hier nicht der richtige Raum. >
also, wenn dir fast 11 Jahre reichen, kann ich es ja mal versuchen :)
< Ich glaube nicht, voyager, dass sich unter 'konkreter Bedrohung' etwas verändert. Dann ist die Situation schon viel zu verfahren. Zu viele Dinge müßten sich in zu kurzer Zeit verändern. >
bei uns war es so, dass es die konkrete "Bedrohung" gebraucht hat.........und wir hatten das Reden in all den Jahren nicht eingestellt........es schien alles okay, aber.......
mich hatte es in den letzten Jahren sehr gestört, dass wir wenig bis nichts mehr außerhalb unserer 4 Wände gemeinsam gemacht haben und ich habe es oft angesprochen, es ist bloß irgendwie nicht als Problem bei ihm angekommen, für ihn war alles gut, wir lieben uns, wir schauen gemeinsam in die Zukunft, seine Standardantwort : "ich brauch keine anderen Menschen, ich brauch nur dich"
klingt prima, oder? wer wünscht sich das nicht? und es war auch nie so, dass er irgendwas dagegen hatte, wenn ich Freunde besucht habe, auch mal über' s Wochenende.weg war, bloß mitkommen wollte er nicht.
ehrlich gesagt, hab ich auch erst gemerkt, wie sehr mir die gemeinsame Freizeitgestaltung, gemeinsame Freunde fehlen, als ich über' s Internet einen Mann kennengelernt habe, mit dem das ganze Leben plötzlich so leicht und vielseitig erschien........und habe ein Wochenende bei meiner Freundin, zudem mein Mann natürlich auch nicht mitkommen wollte, dazu benutzt, den anderen endlich kennenzulernen.
Wir haben uns dann auch real total gut verstanden und es endete an dem Tag, wo es nach dem tiefen Verständnis füreinander enden musste......

als ich an dem Abend nach Hause kam, hatte mein Mann alles herausgefunden, er war dann doch misstrauisch geworden und hat meine Mails gelesen, um Klarheit zu bekommen.........die er danach auch hatte......
das war im März und im ersten Schmerz und in seiner Verletztheit wollte er mich sofort verlassen, sein Urvertrauen zu mir war natürlich durch diesen Betrug weg :(
mittlerweile sind einige Monate in' s Land gegangen, die nicht einfach waren........ich habe nach wie vor Mail- Kontakt zu dem anderen, habe ihn auch nochmal gesehen, aber es ist zu keinen Körperlichkeiten mehr gekommen......wir sind uns wichtig und ich möchte ihn auch als Menschen nicht verlieren, wir haben soviele Gemeinsamkeiten, wie man es nicht oft findet. er ist auch verheiratet und hat 2 Kinder, es stand auch nie zur Debatte, dass wir unsere Partner verlassen wollen, um es gemeinsam zu probieren.
und in unserer Ehe ist seitdem und trotz aller Probleme, die durch mein Fremdgehen entstanden sind, einiges passiert :D
mein Mann hat sich einen Verhaltens- Therapeuten gesucht, weil er gemerkt hat, dass er es im Laufe der Jahre verlernt hat, auf andere Menschen zuzugehen, er ist sich selber ein bisschen abhanden gekommen und hat das sehr deutlich gemerkt, als es niemanden gab, mit dem er hätte reden können, als bei uns alles voller Verzweiflung und Trauer war.
wir reden viel, wir untermehmen endlich wieder was zusammen, wir wollen es gemeinsam schaffen und ich fühle uns auf einem guten Weg :)
ich bin sehr froh, dass er mir verzeiht, aber mir ist auch klar, dass es Zeit brauchen wird, bis sein Vertrauen zu mir und sein Vertrauen zu sich selbst wieder festen Boden unter den Füßen hat..........
was ich wichtig in unserer Auseinandersetzung fand und finde, ist, dass wir verbal auf einer Ebene geblieben sind, die von Respekt und Achtung vor dem anderen geprägt war, dass keine Worte gefallen sind, die die Verletzungen noch schlimmer gemacht hätten.........aber das Wichtigste ist, dass wir beide daran arbeiten wollen, unsere Beziehung in Zukunft so zu gestalten, dass jeder für sich und wir miteinander in dieser, unserer Ehe gut leben können.
seawave