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Fernbeziehung seit 7 Jahren - ich kann nicht mehr

L

lulu83
Mitglied

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36
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4
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Mitglied seit:
Hallo.
Ich war länger nicht aktiv hier.
Aber jetzt weiß ich mal wieder nicht weiter!
Ich lebe seit 7 Jahren in einer Fernbeziehung.
Meine Partnerin wohnt 200 km entfernt.
Ich bin alleinerziehend von inzwischen zwei Teenagers.
Der Alltag ist sehr anstrengend. Langsam wird es besser. Ende 2024 hatte ich ein BurnOut. Genau zur gleichen Zeit lag die Mutter meiner Partnerin im Sterben. Ich war nicht da für sie in ihren Augen. Seitdem ist der Wurm drin. Mächtig.
Die Beziehung zum Kindsvater ist super schwierig und anstrengend.
Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich alles hinschmeissen möchte. Ich wache morgens auf und will nicht sein. Mein eines Kind hat kaum Sozialkontakte, mein anderes ist gerade in einer Neurodivergenz-Diagnostik. Seit 7 Jahren power ich da durch.
Meine Partnerin ist immer wieder wütend und enttäuscht, dass sie so „außen vor“ ist. Gleichzeitig gibt es Phasen, in denen sie die Kinder wochenlang nicht sieht. Wie soll sie da Teil werden? Und dass, obwohl die beiden sie mit offenen Armen empfangen haben.
Also ich liebe meine Partnerin sehr, aber ich bin am Ende.

x 4 #1


R
ich habe das Gefühl,dass ihr beide keine hohe Motivation mehr für die Beziehung habt, oder ist es doch eher so, dass du angst hast, dass sie dich verlässt ?
Leider weiß man vorher nicht, wie sehr der andere fehlen wird, sonst würde man sich ggfs. mehr bemühen...

x 1 #2


A


Fernbeziehung seit 7 Jahren - ich kann nicht mehr

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L
Ich denke schon, dass wir beide von uns behaupten würden, uns zu bemühen. Nur kommen diese Mühen bei der jeweils anderen nicht an, weil wir unsere Liebe so unterschiedlich zeigen. Das kann ja auch ganz spannend sein, aber gerade ist es von beiden Seiten eher frustrierend.

#3


R
aber ist es dann eher so, dass du bzw. sie entäuscht ist und nur wenig Hoffnung da ist, dass es sich nochmal richtig ändern könnte von der Kommunikation her? also festgefahren alles, diskussionen landen immer am gleichen punkt, best. Konflikte können nicht mehr gelöst werden ?

x 1 #4


L
Ja das schon auch, aber ich komme an meine Grenzen mit diesem
Modell. Ich bin 43 Jahre alt, warte seit 7 Jahren darauf, mit meiner Partnerin zu leben, aber es ändert sich nichts. Ich lebe drei Leben: meistens die Kinder und ich in meiner Wohnung, sie in ihrer. Dann meist alle zwei Wochenenden, wenn die Kinder bei ihrem Vater sind: Ich bei ihr. Dann noch: Sie bei uns (wird immer seltener). Alle Leben haben eigene Regeln, Abläufe und ich jeweils andere Rollen.

x 1 #5


R
@lulu83 Es ist ganz typisch glaub ich. Eure Beziehung ist in einer Sackgasse. Gefühle sind da, aber keine Entwicklung...ohne Entwicklung wird dann eine unzufrieden und das bist eher du, oder?

x 2 #6


L
Und wie geht das? Also so eine Fernbeziehung? Wie bekommen wir es wieder hin?

#7


R
@lulu83 Puh, 200km, 7 Jahre, das ist schon mal was Besonderes. Das schafft nicht jeder. Wie wäre ein gemeinsamer Urlaub ? Den kann frau zusammen planen, dann hätte die Bez. ein Ziel in der Zukunft und gemeinsame Zeit mit Partnerin und Kindern. Aber.ich denke, es liegt schlimmer im Argen bei euch, sonst hättest du nicht ins Forum geschrieben. Die meisten schreiben hier wenns zu spät ist...

#8


Waldfee47
@lulu83
Hallo Lulu, an was liegt es, dass Deine Partnerin nicht mehr so oft zu Euch kommt?
Wie ist die Perspektive? Ist geplant, dass Ihr in der Zukunft ein gemeinsames Zuhause mit den Kindern haben wollt? Woran hakt es?
Wie kannst Du neue Kraft sammeln?
Kannst Du mit Deiner Partnerin ein gemeinsames Urlaubswochenende verbringen, wo Ihr mal alle Themen auf den Tisch bringen könnt?

#9


Sonnenschein85
Das tut mir leid. 200 km über 7 Jahre ist schon viel. Gibt es keine Option zusammen zu ziehen oder näher zueinander? Das man die Distanz z.b auf 100 km verkürzen kann?
Wenn ihr wohnort gebunden seid, vielleicht kann jeder ein kleines Stück näher in die Richtung ziehen.

War der Plan denn nie zusammen zu ziehen langfristig. Ich denke, bei einer größeren Distanz ist es schwer den anderen in den Alltag einzubinden und genau solche sachen wie füreinander da sein in schweren Zeiten oder eine Bindung zu den Kindern, das ist dann schwer aufzubauen.

Stattdessen entdremdet man sich schnell emotional, wenn man sich selten sieht.

Ich kann mir vorstellen; Das kostet Kraft.

x 3 #10


A
Zitat von lulu83:
Also ich liebe meine Partnerin sehr, aber ich bin am Ende.

Das ist ja der wichtige Punkt. Manchmal ist die Alltagsorga so anstrengend, dass das Gefühl erdrückt wird. Am Ende sollte man nicht sein, dann muss man wohl etwas ändern. Äußere Faktoren sind euch nicht möglich, daher schlage ich eine Betrachtung nach innen, der eigenen Sichtweise vor.
Zitat von lulu83:
Nur kommen diese Mühen bei der jeweils anderen nicht an, weil wir unsere Liebe so unterschiedlich zeigen.

Hier hat ein Mitschreiber @J_Eulenspiegel, ein Buch ins Geprsräch gebracht, dass ich auch noch nicht kannte. Die fünf Sprachen der Liebe. Vielleicht eine Anregung für dich.
Zitat von lulu83:
warte seit 7 Jahren darauf, mit meiner Partnerin zu leben, aber es ändert sich nichts. Ich lebe drei Leben: meistens die Kinder und ich in meiner Wohnung, sie in ihrer. Dann meist alle zwei Wochenenden, wenn die Kinder bei ihrem Vater sind: Ich bei ihr. Dann noch: Sie bei uns (wird immer seltener). Alle Leben haben eigene Regeln, Abläufe und ich jeweils andere Rollen.

Ich würde wohl, mit der Erfahrung die ich heute habe, meine eigen Sichtweise ändern. Mich selbst coachen sozusagen. Diese drei Leben nicht als Belastung, sondern wie die verschiedenen Räume eines Spiellevels zu betrachten. Schau auf die einzelnen Blöcke. Keiner MUSS gleich sein, verschiedenen Leben bieten verschiedene Regeln. Werde wandelbar. Nimm jedes einzelne Leben an und schließe deinen Frieden, solang du so leben "musst". Das heißt, ihr habt alle zwei Wochen kinderfrei. (?). Das ist Luxus. Oder hat sie auch Kinder? Ihr habt alle zwei Wochen ein Wochenende nur für euch? Wer hat das schon.?

Wenn Kinder da sind, geht es erst mal nach den Kindern, denn sie brauchen Stabilität.

Und wenn sie bei euch ist, wird sie einen Schritt zurück treten und sich an EUCH anpassen müssen.

Für alle drei Positionen müsst ihr die gemeinsamen Regeln gut besprechen. Dann akzeptieren, dass euer Leben momentan genau so ist.

Und dann den Level durchspielen und dabei versuchen, trotz der Belastung daran zu denken, möglichst viele glückliche Momente, auch für euch beide trotzdem zu schaffen.

Und sei es nur, dass ihr mit den Kindern seid, aber eure Hände halten und zärtliche Berührungen tauschen könnt.

Akzeptieren, neu betrachten, Lücken finden, glückliche Momente schaffen. Level durchspielen.
Das ist das Leben.
Vielleicht ist meine mögliche Betrachtung, ein Modell für dich, mit diesen verschiedenen Leveln umzugehen.

x 2 #11


M
Hallo @lulu83,

als erstes möchte ich dir viel Kraft schicken. Du bist am Limit und aus deinen Zeilen spricht viel Enttäuschung und Verzweiflung.

Oftmals kommt diese Müdigkeit auch daher, dass man das Gefühl hat, machtlos zu sein und sehr viel zu geben und zu wenig daraus zu bekommen.

Ich würde dir empfehlen, dass du etwas mehr Selfcare-Zeit nur für dich alleine in deinem Alltag integrierst. Denn du musst jetzt als erstes schauen, dass du dich wieder etwas sortieren kannst und irgendwoher etwas Kraft bekommst. Ohne Partnerin und Kinder.

Als zweites muss eine Entscheidung in Bezug auf deine Beziehung her, auch wenn das vermutlich der schwierigste Part wird. Ich hatte jahrelang eine Fernbeziehung über 700 Kilometer und irgendwann haben wir gemeinsam die Entscheidung getroffen, dass wir zusammen eine Zukunft wollen. Dazu gehört auch, dass wir das Zusammenleben probieren. Wir haben uns damals in der Mitte getroffen, waren aber ungebunden.

Da du Töchter hast, die ein soziales Umfeld haben, sollten du und deine Partnerin ehrlich miteinander reden, ob es eine Option wäre, dass sie zu euch kommt. Wenn sie selbst Kinder hat, ist die Entscheidung natürlich schwieriger, aber nicht unmachbar.

Wäre es zudem eine Möglichkeit, dass der Vater oder Großeltern öfter deine Kinder nehmen? Wenn das Verhältnis schwierig ist, dann mit professioneller Begleitung? Rede so wenig wie möglich direkt mit ihm, sondern nur mehr über Personen, die an ihn rankommen bzw. professioneller Begleitung. Dafür gibt es Unterstützung und es muss Hilfe her, die dich entlastet.

Zitat von lulu83:
Ende 2024 hatte ich ein BurnOut. Genau zur gleichen Zeit lag die Mutter meiner Partnerin im Sterben.

Die Kränkung, die deine Partnerin vermutlich während des Todes ihrer Mutter erfahren hat, muss von ihrer Seite vergeben werden. Du konntest damals nicht anders, weil du krank warst. Das muss sie verstehen, auch wenn es hart ist. Versuche nicht weiter dich zu rechtfertigen, ob du genug da warst oder nicht. Dies ist jetzt nicht mehr zu ändern. Entweder sie akzeptiert es, dass du nicht anders konntest oder sie sagt dir, dass der Bruch irreversibel ist. Damit du Klarheit hast. Ändern kann man die Situation nicht mehr, aber du brauchst dir keine Vorwürfe hier machen. Wie gesagt, du warst krank und hast nicht aus Bosheit zu wenig Beistand geleistet. Wenn deine Partnerin über die Kränkung hinwegsieht, habt ihr eine Chance. Wenn es immer wieder zum Thema wird, seid ihr in einem negativen Kreislauf gefangen aus dem ihr nicht mehr rausfinden werdet.

Vergiss dich selbst nicht, überlege dir, was du im Moment brauchst, um dich auf einen Tag zu freuen und klärt die Dinge. Werde dir darüber bewusst, dass du auch nur ein Mensch bist und nur gewisse Kapazitäten dafür hast. Es ist absolut in Ordnung.

Alles Gute!

x 2 #12


L

L
Ich melde mich nachher ausfürhlich, danke euch allen schonmal für eure Antworten!

#14


L
Also wie gesagt, erstmal vielen Dank für all die Nachrichten und die wertvollen, sehr inhaltlichen Beiträge.
Schon ein Hammer, wenn sich fremde Menschen so viel Zeit und Energie für einen nehmen. Ein Geschenk.

Irgendwie komm ich nicht so gut klar mit den Funktionen hier, ich hoffe, ich kann das jetzt gut strukturieren.

Also erst einmal haben meine Partnerin und ich heute früh telefoniert. Das war nicht ganz geschickt, weil wenig Zeit und ich wollte das Gespräch gerne verschieben, aber sie hat darin sehr viele sehr gute richtige Dinge gesagt. Ich bin momentan schon sehr leidend. Ich muss einfach das Beste aus der Situation machen. Die ist halt, wie sie ist. Annehmen. Vielleicht auch in die Richtung, wie @arella schreibt. Weniger wollen, mehr fließen lassen. Das ist nicht meine Stärke.

Was auch in dem Gespräch herauskam: Sie fühlt sich unter Druck, weil sie diejenige ist, die darüber entscheidet, ob und wann wir uns sehen. Ich habe Kinder, sie nicht. Ich bin gebunden, sie weniger. Das nervt sie, weil darin eben auch eine Asymmetrie entsteht. Das verstehe ich. Das kann sich nicht cool anfühlen.

Das sind jetzt alles sehr rationale Antworten, ich verstehe das kognitiv ja auch.

Ich fühle es nur nicht so. Ich vermisse sie, denke oft, dass man es so schön haben könnte zusammen. Kann nicht ausbrechen aus dem traditionellen Denken, zusammen zu sein - sich ein Bett zu teilen, etwas Gemeinsames zu haben, einen gemeinsamen Ort. Gemeinsam zu planen, was es zu essen gibt, einzukaufen, Abende zu verbringen. Klar, tun wir dies alle zwei Wochenenden. Das fühlt sich aber eben immer auch komisch an. Aber wie gesagt, ich muss mich mehr lösen, frei machen.

Das ist meine Aufgabe.

An der Situation, dass Fernbeziehung, wird sich nämlich nichts verändern, bis die Kinder aus dem Haus sind und ich umziehen kann.

#15


A


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