Lieber Remi,
ich finde es erst mal auch sehr liebenswert, dass du als Mann zu deiner starken Bindung zu deiner Frau stehst.
Zitat: Ich habe wohl verlernt alleine zu sein, mich mit mir selber zu beschäftigen und dabei Spaß zu haben. Aber ist das nicht auch ein Teil einer Beziehung das man eben nicht mehr Dinge alleine tut.?
Ich glaube jedoch, diese Abwesenheit deiner Frau ist unverhofft eine ganz wichtige Zeit und eine Chance zu neuer Selbstregulierung für dich, denn du merkst ja selber, dass du dich emotional über die Jahre sehr stark von ihrer Anwesenheit abhängig gemacht hast.
Das hat nicht so viel mit eurer Liebe zu tun, wie du vermutlich denkst, sondern ist tatsächlich eine existenzielle psychische Abhängigkeit wie bei einem kleinen Kind, das sich von der Mama verlassen fühlt.
Du brauchst Beruhigungsmittel, um halbwegs klarzukommen.
Ich meine, dass du deiner Abhängigkeit nachspüren solltest: Kanntest du Einsamkeitsängste auch schon vor eurer Ehe? Hast du als Kind Verluste, Unzuverlässigkeit oder Kälte erlebt?
Wovor genau hast du Angst, wenn die Panik aufsteigt? (Tot umzufallen, verrückt zu werden ...) Ich an deiner Stelle würde über eine Therapie nachdenken. Denn die Rückkehr deiner Frau ist nicht die Lösung für deine Schwäche, so wie Nicht-Fliegen keine Lösung für Flugangst ist.
Denn eines Tages könntest du aus was für Gründen auch immer allein zurückbleiben - und das willst du nicht als "halber Mensch".
Wir werden allein geboren und sterben allein. Phasen des Alleinseins gehören zum Leben - und sie zu meistern macht auch stolz und froh.