Pixel-6602
Mitglied
- Beiträge:
- 3
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 7
- Mitglied seit:
Ich (35) bin seit meinem 20. Lebensjahr mit meinem Partner (38) zusammen. Wir hatten drei Jahre eine Fernbeziehung, leben inzwischen zusammen und verstehen uns grundsätzlich sehr gut. Keine größeren Streitigkeiten und viele schöne gemeinsame Erlebnisse, gleiche Lebensziele und Konflikte konnten immer gut gelöst werden.
Ein Thema ist jedoch unser kaum vorhandenes Sexleben (in den ersten zwei Jahren mittelmäßig, danach sehr schwach mit 4-7x Jahr). Die Verantwortung dafür liegt komplett auf meiner Seite - geringe Libido und Angststörung. Kommuniziert war das immer mit meinem Partner, ich fragte auch immer nach, ob das wirklich in Ordnung sei, er bejahte dies, hat aber auch mehrmals versucht das ganze zu verbessern, ich blockte aber meist ab.
Vor einigen Monaten hat er mir dann sichtlich mitgenommen gestanden, dass er mir zweimal fremdgegangen ist (jeweils intensives Küssen/Rummachen, kein Sex/Petting, einmal vor 3 Jahren, einmal vor 6 Jahren, betrunken auf Partys).
In folgenden Gesprächen kamen dann noch weitere Dinge ans Licht:
Er hat einmal während unserer Beziehung mit einer Frau gesextet, die er schon vor unserer Beziehung online kannte. Er hatte sie damals als Teenager auf der App geaddet, gerade um zu sexten, hat sie aber nie im echten Leben gesehen. In unserer Beziehung kam es dann noch einmal wieder dazu - auch hier war er betrunken (keine Entschuldigung, aber naja Kontext).
Außerdem hat er über die gesamte Beziehung hinweg immer wieder diese App genutzt, um weitestgehend anonym P. Inhalte zu konsumieren. Man fügt dort Frauen über ihren Nutzernamen hinzu, dann schicken sie ein Vorschaubild und eine Preisliste. Meistens sind dies Bots und nicht einmal echten Frauen. Mein Freund sagt, er habe in 95% der Fälle das Vorschaubild genutzt, weil er nicht weiter dafür bezahlen wollte. Allerdings gab es auch Frauen, die kein Geld verlangten und bei denen es dann zu einem kurzen beidseitigen Bilderaustausch kam (ohne Gesicht - nur die, sagen wir mal - wichtigen Dinge). Es ging ihm in allen Fällen um SB. Er löschte den Kontakt jeweils direkt danach und fügte beim nächsten Mal wieder einen neuen Kontakt hinzu. Es bestand also zu keiner Frau längerfristiger Kontakt - das bestätigen auch seine Daten aus der App.
Mein Freund sagt dazu, dass ihn das Fremdknutschen schon länger belastet hat und er deshalb ehrlich sein wollte. Auch, weil er sich sicher ist, sein Leben mit mir verbringen zu wollen und keine Ehe auf Lügen aufbauen möchte.
Den Bilderkonsum/das Sexting hat er selbst nicht als richtiges Fremdgehen eingeordnet, sondern eher als eine Form von P.. Abgesprochen war in unserer Beziehung, dass P. absolut in Ordnung ist, da bin ich auch ganz locker. Beim gegenseitigen Bilderaustausch versteht er aber, dass das für mich über diese Grenze hinausgeht. Mich verletzt gerade dieser beidseitige Austausch, wobei ich es bei den eher anonymen Kontakten noch anders bewerte als das Sexting mit der früheren Bekanntschaft. Das empfinde ich klar als Fremdgehen, da es sich um eine reale Person außerhalb eines „P.“ Kontexts handelt.
Seit Monaten geht mir das alles nicht aus dem Kopf. Wir sind zwar in Paartherapie, aber ich habe große Schwierigkeiten, es zu verarbeiten. Am meisten verletzt mich das jahrelange Lügen und dass das Sexting nie klar abgesprochen war. Die körperlichen Vorfälle an sich treffen mich weniger, wahrscheinlich auch, weil ich selbst wenig körperlich bin. Was mir wirklich Sorgen macht, ist die Frage, ob man nach so vielen Vertrauensbrüchen wieder echtes Vertrauen aufbauen kann.
Bei all den Internetbeiträgen heißt es immer "einmal Betrüger, immer Betrüger" und nun hat mein Partner ja auch schon bewiesen, dass er mehrmals dazu in der Lage ist. Andererseits sind wir sehr liebevoll und harmonisch miteinander und sprechen jetzt auch nochmal offener miteinander, vor allem er. Und ich verstehe, dass ihm die Körperlichkeiten in unserer Beziehung mehr gefehlt haben, als er sich oder uns zugestanden hat. Ich bin ehrlich - ich verstehe es auch komplett. Mir tut es leid, dass ich ihm nicht mehr bieten konnte und ich bin gewillt mir mehr Mühe zu geben. Allerdings habe ich Angst, dass das Vertrauen dennoch für immer weg ist.
Ich fühle mich noch jung und denke manchmal, ich könnte gehen, keine Ehe, keine Kinder. Eine neue Beziehung ohne diese Vorgeschichte. Gleichzeitig merke ich, dass ich ihm eine zweite Chance geben möchte, gerade wegen unserer besonderen körperlichen Situation.
PS: Mir ist bewusst, dass einige sagen werden, dass wir ohnehin körperlich nicht kompatibel sind und wir uns deswegen allein überlegen sollten, ob es passt. Das ist auch uns bewusst und wir versuchen das gerade so gut es geht herauszufinden.
Kann man nach mehreren Vertrauensbrüchen und jahrelangem Verschweigen wieder echtes Vertrauen aufbauen und lohnt sich eine 2. Chance oder würdet ihr in so einer Situation eher gehen?