whynot60
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Ich möchte noch etwas anfügen, das vielleicht zum besseren Verständnis beiträgt.
Es gibt ja sogenannte Hypochonder. Und für einen Hypochonder wird jede kleinste Wahrnehmung, ein Kopfschmerz, ein Bauchzwicken, ein rotes Fleckchen usw., zum erschreckenden Anzeichen für Krebs, Herzinfarkt, Gehirnschlag oder Aids (oder, hat er sich bereits ausreichend "gebildet", vielleicht auch noch für ALS, ein Aneurysma, eine Pankreasnekrose und was es sonst noch an schlimmen Kranheiten gibt).
Jede geringste Abweichung im Befinden, die ein anderer nicht einmal registriert, wird ihm zum eindeutigen Symptom für eine schreckliche, lebensbedrohliche, tödliche Krankheit.
Und ebenso gibt es eben Liebes- und Beziehungshypochonder, denen analog bei der kleinsten Unstimmigkeit, bei der kleinsten Zweifelhaftigkeit sofort nur Lüge, Vertrauensbruch, Betrug einfallen.
Und ich glaube, jedem, der ernsthaft darüber nachdenkt, wird klar sein, daß so etwas nur ins Auge gehen kann, etwas anderes ist von vornherein gar nicht möglich. Irgendein verdächtiges Härchen, irgendein verdächtiges Handyläuten, irgendein verdächtiges Verhalten, irgendein verdächtiger Blick wird einem schon einmal unterkommen, an dem das Mißtrauen sich entzünden kann. Und dann bekommt die ganze Beziehung unweigerlich eine Dynamik, die sie zuletzt auslöschen wird.
In beiden Fällen geht es um einen grundsätzlichen Vertrauensmangel. Im ersten Fall fehlt das Vertrauen in den eigenen Körper, im zweiten mangelt es am Vertrauen in sich selber und in das Leben überhaupt.
Grundsätzlich gibt es ja zwei Arten von Menschen: solche, die im Lauf der Zeit und aufgrund ihrer Erfahrungen gewissermaßen immer weiter und verständiger werden, und solche, die sich immer mehr verengen, deren Leben sozusagen zusammenschrumpft, bisweilen nahezu schon an den Sterbenspunkt. Und daß diese nie und nie von der Stelle kommen und dabei auch noch immer kleiner und kleinmütiger werden, ist nur natürlich und anders auch gar nicht möglich. Bis man zuletzt nichts anderes mehr ist und hat als ein Prinzipiengerüst.
All das soll keine Kritik sein. Aber ich glaube, es schadet zumindest nicht, wenn man einmal in Ruhe darüber nachdenkt und sich manches einmal so wirklich bewußt macht (ohne sich kritisiert, unverstanden, beurteilt zu fühlen).
. So kann man es natürlich auch sehen!