Zitat von NurBen: Natürlich, jedoch frage ich mich, welche Rechte sie nicht haben, die ich z.B. als Mann habe?
Unterscheiden muss man hier zwischen Gleichberechtigung laut Gesetz und einer mittelbaren Benachteiligung.
In Deutschland findet man den Gleichberechtigungssatz im Grundgesetz, was in vielen anderen Ländern nicht so ist.
Allerdings führt das auf gesellschaftlicher Ebene nicht zwingend zu einer Gleichberechtigung, es gibt immer noch gesellschaftliche Strukturen, die für eine Ungleichbehandlung der Geschlechter sorgen.
Allem voran muss hier der Arbeitsmarkt genannt werden, der immer noch geschlechtstypisch aufgeteilt ist. Dort finden wir die typischen Männerberufe (du hast schon Straßenbauer etc. genannt) und auf der anderen Seite typische Frauenberufe (Erziehung, Pflege (ein körperlich sehr anstrengender Beruf)), die ungleich bezahlt werden. Klassische Frauenberufe werden heute immer noch schlechter bezahlt als klassische Männerberufe.
Frauen wird der Zugang zu einigen (besser bezahlten) Berufen immer noch erschwert (technische Berufe, Informatik), weil man sie nicht ernst nimmt, ihnen per se die Kompetenz abspricht oder Aufstiegsmöglichkeiten aufgrund einer möglichen Familienplanung verbaut/ nicht ermöglicht werden, das muss auch nicht immer direkt ausgesprochen werden, häufig findet das einfach im Alltag statt.
Spontan fallen mir noch die Familienpolitik ein, durch die strukturelle Ungleichheit nicht durchbrochen werden kann; Care-Arbeit, die nicht gesehen oder als Leistung für die Gesellschaft belohnt wird (man hat ja so viel Zeit).
Zitat von NurBen: Was mich ebenfalls stört ist, dass sie eben nur laut werden, wenn es um "Rechte" (Vorteile) geht, aber ganz schnell abwinken, wenn es um "Pflichten" (Nachteile) geht. Eben wie u.a. die Wehrpflicht.
Ausgangspunkt der Frauenbewegung war/ ist die gesellschaftliche Ungleichbehandlung der Geschlechter, zunächst sollten Rechte erlangt werden. Dazu gehörten beispielsweise das Recht sich als Frau auch scheiden zu lassen, wählen zu gehen...wusstest du, dass es erst seit 2002 ein Gesetz gibt, das zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellung gibt (von dieser Gewaltform sind häufig Frauen betroffen). Selbst heute werden Frauen infrage gestellt, wenn sie übergriffiges Verhalten anzeigen (wollen).
Die Wehrpflicht ist aktuelle ausgesetzt, allerdings ist das Beispiel in meinen Augen nicht gut gewählt, da Frauen erst seit 2001 eine soldatische Laufbahn einschlagen dürfen, vorher war es ihnen verboten und sie mussten sich für dieses Recht einsetzen.
Bei einer Reaktivierung der Wehrpflicht werden mit Sicherheit auch Frauen einbezogen, so wie es in anderen Ländern auch der Fall ist.
Zitat von NurBen: Ebenso das Thema Frauenquote. Da wird sich ganz stark für die Sahnestücke der Karriereleiter eingesetzt, wie bspw. Vorständen. Verstehe mich nicht falsch, ich denke die qualifizierteste Person sollte den Job bekommen. Mit einer Frauenquote erwirkt man eben nur das Gegenteil. Nämlich das z.B. die qualifizierte Person abgelehnt wird, da eine Frau auf die Position soll.
Solche Instrumente lassen wohl immer noch den Puls steigen. Die Frauenquote ist lediglich ein (schwaches) Instrument, um Frauen den Zugang zu Berufsgruppen zu ermöglichen, wo sie vorher starke unterrepräsentiert waren oder heute noch sind.
Dabei geht es nicht darum, dass Frauen den Männer mit geringerer Qualifizierung vorgezogen werden, bei gleicher Qualifizierung (dazu gehört neben dem Abschluss beispielsweise auch die Erfahrung), muss die Frau eingestellt werden, sofern Männer überrepräsentiert sind.
In kleinen Betrieben spielt die Frauenquote meistens keine Rolle, da sie in der Regel nicht überprüft wird. Relevant ist sie hauptsächlich im öffentlichen Dienst oder größeren Unternehmen mit Gewerkschaftsanbindung. Und auch hier gilt, wenn das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist, wird der Frauenförderplan ausgesetzt.
Zitat von NurBen: Vollkommen Banane wird es vor allem, wenn Frauen z.B. überrepräsentiert sind.
z.B. Thema Bildung aka "Mehr Frauen müssen an die Uni und Abschlüsse bekommen".
Das wurde gepusht, solange Männer in der Überzahl waren aka "Frauen müssen gefördert werden"
Ist noch gar nicht so lange her, da haben Frauen Quotentechnisch die Männer überholt und plötzlich heißt es "Naja, müssen die Männer halt besser werden... Können wir ja nichts für wenn Frauen mehr Wert auf Bildung legen."
Frauen konnten vor allem durch die Bildungsexpansion in den 60er/70er Jahren gut aufholen und erreichen gute Abschlüsse, dies spiegelt sich aber nicht in der Arbeitswelt wider und sorgt für mehr Gleichberechtigung.
Fehlende Vorbilder in den Berufsgruppen etc.
Es wird schon gesehen, dass Jungs sich in der Schule teilweise schwerer tun, Gleichberechtigung gilt für beide Geschlechter und man sagt nicht einfach, dann müssen die Männer halt besser werden.
Zitat von Gast006: Für mich sind Frauen und Männer gleich "gut". Viele Männer ernähren sich gesund, haben Freunde und begehen kein SM.
Schön zu lesen, ich teile deine Einstellung und finde auch, man sollte einen Menschen nicht aufgrund seines Geschlechts benachteiligen oder abwerten.
Allerdings frage ich mich, und damit meine ich dich nicht persönlich, ob das tatsächlich alle hier so sehen. Diskriminierung wird beispielsweise auch durch Sprache sichtbar und wenn ich dann hier einige Beiträgen lese, wie hier speziell über Frauen und mit welcher abwertenden Wortwahl geschrieben wird. Glaube ich nicht, dass das alle so sehen.