Urmel_
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Zitat von itastub:
Finde diesen Abschnitt sehr interessant. Auf welchen "Jung" beziehst du dich da?
Ich befinde mich aktuell in einer Verhaltenstherapie und hoffe daddurch mitunter dieses verschlossene "Problem" in mir ergründen.
Danke für deinen Text - sehe auch mich da stark wieder und fand die Worte sehr treffend.
Also in Bezug zum TE sind mir da einige Aussagen von ihm aufgefallen, die allerdings in Kontext zum alten Thread des TEs vermutlich eher dahingehend gedeutet werden können, dass er akut im Strudel der Ereignisse voll durch den WInd ist. Kennt jeder Mann, wenn diese Panik in einem hochkriecht, wenn man zu Hause sitzt, sich im geiste ausmalt, wie sie gerade mit einem neuen Mann ein Glas Wein trinkt, wie einem die pure Angst rationalisiert, dass man etwas genauer erläutern muss, weil man (denkt) beim letzten Gespräch irgendwie falsch rüber gekommen zu sein. Etwas anderes wäre es, wenn der TE generell im Umgang mit Frauen Verlustängste hat, die beispielsweise auf ein geringes Selbstwertgefühl hindeuten, welches beispielsweise durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit zurückzuführen sind.
Und da kommen wir dann zu dem "Aufsuchen", welches Du genannt hast. Ich nenne da mal ein Beispiel von mir. Ich kann mich bruchstückhaft erinnern, dass ich als Kind im Freibad meine Eltern verloren hatte (ich war sehr jung, konnte gerade laufen) und dieses Angstgefühl habe ich im Leben nie so recht verloren und es war mir nicht bewusst, dass es in mir ist, weil ich als Mensch diese Angst nicht nochmal erleben wollte. Meine Eltern haben mich ein Jahr vorher auch mal für einige Tage bei den Großeltern gelassen, was eine ähnliche Verlustangst in mir verankert hat. Und wenn Dir als Kind sowas passiert, Du nur elementare Emotionen wie Furcht und Liebe kennst, Du Zusammenhänge nicht verstehen kannst, dann rationalisierst Du Dir nicht selten diese Angst in einen Kontext herein, der sie Dir verständlich macht - ungeachtet der Auswirkungen auf Dein leben. Durch solche Episoden kann ein Mensch durchaus permanent unterbewusst an seinem Selbstwert zweifelon, weil, wenn er alleingelassen wird, dann muss sowas ja ein Beweis sein, dass er als Mensch nicht viel Wert ist. Und dann steht 20 Jahre später eione Trennung an, Du wirst alleine gelassen und was passiert? Diese Urangst des kleinen Kinds von damals schlägt durch, doch Du siehst nur die Trennung, siehst das Kind von damals gar nicht. Weil Du es nicht sehen willst, weil Du diese Angst 20 Jahre in Dir versteckt hast. Und jeder Mensch, der erkennt, dass er nur diese Urängste in Dir anregen muss hat den Schlüssel in der Hand, Dich völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Weil Du Dich selber aus dem Gleichgewicht bringst.
Mein Weg war, immer mal wieder den kleinen Jungen von damals in der Situation zu besuchen. Zu erkennen, dass seine Wut auf seiner Angst basiert, in den Arm zu nehmen und ihm immer wieder zu sagen, dass er sich auf mich verlassen kann. Das es einen Menschen gibt, der für ihn da ist. Das er sich selber lieben darf und er sich selber nicht im Stich lässt.
Aber, diesen Weg zurück, den sollte man nicht alleine gehen. Da wäre es sinnvoll beispielsweise im Rahmen einer Gespächstherapie jemanden zu haben, der damit umgehen kann, wenn wir die Tür zu den Schmerzen unserer Vergangenheit aufstoßen. Ich kann DIr auf jeden Fall sagen, dass wenn Du diese Tür einmal aufgestoßen hast, die Sonne am nächsten tag ein bisschen heller leuchtet und der Schritt durch die Welt um Dich herum irgendwie mehr Leichtigkeit hat.
VIel Erfolg!