Zitat von FiRe: Nach ca. 1 Monat hat mir ihre Schwester geschrieben, dass meine Freundin zusammengebrochen ist und im Krankenhaus liegt
Zitat von FiRe: Leider habe ich dann 4 Monate nichts von ihr gehört
Zitat von FiRe: In den vergangenen Wochen habe ich dann allerdings gemerkt, dass sie etwas kühler wurde
Zitat von FiRe: Sie ist im Moment auf Jobsuche und da auch etwas in der Sinnkrise.
Erstmal muss ich sagen, dass ich es erschreckend finde, was für Pauschalverurteilungen und Generalurteile von einigen meiner Vorredner direkt wieder auf den Tisch kommen. Ich lese immer wieder von On-off-Beziehung und frage mich, wie diejenigen darauf kommen.
Die für mich entscheidenden Passagen habe ich mal aus Deinem Text herausgenommen. Was ich nicht herausgenommen habe, aber hier extra betonen will, ist das, was dazwischen steht: ganz viel Du und Deine Erwartungen an sie, die Folter, die Du empfunden hast und die Hilflosigkeit, die sich in Dir breitgemacht hat.
Aber der Reihe nach:
Deine Freundin hatte einen Zusammenbruch, der höchstwahrscheinlich nicht durch Dich verursacht wurde, sondern durch ihre Kontextfaktoren, durch die Lebensumstände, in denen sie sich befunden hat, möglicherweise auch in Kombination mit einer schwierigen psychischen Grundsituation, das lässt sich für keinen von uns hier beurteilen, kann aber möglich sein.
Deine Freundin hat sich anschließend, nach dem Zusammenbruch, 4 Monate nicht gemeldet. Du weißt, wenn ich nicht irre, noch immer nicht, weshalb sie den Zusammenbruch hatte und was in den 4 Monaten passiert ist, jedenfalls habe ich das Deinem Text nicht entnommen. Hatte sie eine Reha in dieser Zeit? War sie noch länger krankgeschrieben? Was war da los? Und falls Du es nicht weißt: Wieso weißt Du es nicht?
Ihr hattet dann ein klärendes Gespräch und alles schien sich beruhigt zu haben. Aber es gab wieder eine schwierige Phase in ihrem Leben, die Du beschreibst. Sie hatte ihre Masterarbeit zu schreiben, sie war auf Jobsuche, bekam nur Absagen, hatte eine Sinnkrise im Hinblick auf ihren Job. So etwas kann unheimlich belastend sein.
Wenn ich mir dann noch Deinen Text von weiter oben vergegenwärtige, hatte sie einen Freund, der sie ziemlich mit seinen Erwartungen unter Druck gesetzt hat, denn genau so kommst Du bei mir an: Du machst sehr, sehr deutlich, was mit Dir war. Du schreibst nicht, was mit ihr war oder was in ihr los war. Wie sahen denn ihre Gefühle aus in der Zeit vor dem Zusammenbruch, in der Zeit nach dem 4-monatigen Stillstand? Ich meine nicht nur ihre Gefühle im Hinblick auf Dich, sondern auch in Bezug auf ihre Lebenssituation. Dieser Punkt fehlt mir - was war mit ihr? Wie ging es ihr? Was hat sie belastet, wer hat ihr geholfen, wie sah das aus?
Ich lese von Dir sehr viel Erwartungshaltung und kann mir mehr als gut vorstellen, dass Deine Freundin einfach nicht mehr kann. Du willst wahrgenommen werden als jemand, der auch noch da ist und für den sie ja auch Verantwortung hat. Natürlich, das ist ja auch richtig.
Aber vor allem bist Du da als jemand, der sie in einer schwierigen Situation stützen und auffangen sollte. Du solltest in ihrem Leben jemand sein, der sie nicht mit seiner Erwartungshaltung erdrückt. Du solltest derjenige sein, der ihr jetzt Raum gibt, der etwas zurücktritt, damit sie den Radius, in dem sie denkt, vergrößern kann, ohne, dass ständig Du auf ihrem Radar auftauchst. Nimm Dich zurück. Biete ihr Hilfe an, aber eben eine passive: sie kann Dich fragen, wenn sie Deine Hilfe haben will. Und dann wirst Du ihr helfen, so gut Du kannst. Auch das sind schlechte Zeiten in einer Beziehung. Aber Du solltest damit anders umgehen, denn Du hast ebenfalls verschiedene Möglichkeiten.
Für mich sieht es so aus, dass Deine Freundin einfach begrenzt psychisch belastbar ist - wie wir alle übrigens - und dass sie damals einen Zusammenbruch hatte, der für sie durchaus ein traumatisches Erlebnis gewesen sein kann. Wie sie das inzwischen psychisch überstanden und ob sie das hinter sich gelassen hat oder sie weiterhin belastet, weiß niemand von uns, aber sie wird gewarnt sein und das damals war garantiert nicht einfach für sie.
Sie wird also alles tun, um schädigende Faktoren (also auch ihren Beziehung mit den vielen Erwartungen) zu meiden. Und daran tut sie richtig.
Sie hat jetzt wieder eine belastende Situation, das erwähnst Du selbst (die letzten zwei Zitate oben). Und sie will vermeiden, dass sie wieder zusammenbricht. Verständlich.
Also befreit sie sich jetzt von etwas, das sie belastet (von der Beziehung zu Dir), sie schiebt Dich aus ihrem Radius, damit sie wieder atmen und sich fokussieren kann, damit sie ohne die Belastung der drückenden Erwartung (die sie möglicherweise von Dir erwartet - das kann auch vorkommen, wenn Du selbst die Erwartung gar nicht konkret hast!) herausfinden kann, wo sie steht und was sie will und braucht, ohne wieder zusammenzubrechen.
Ich finde das ziemlich gut von ihr.
Es ist gesund für sie. Und es ist nicht schädigend für Dich, wenn Du damit anders umgehst.
Ich weiß nicht, ob von ihr noch mehr gesagt wurde, als sie Dich in diese Pause geschickt hat, vielleicht wurde das auch nicht als Hinweis von Dir verstanden, weil Du mit Deinen eigenen Gefühlen (Verlustängste) beschäftigt warst - wäre auch absolut nachvollziehbar für mich. Aber ich finde es gut, dass sie sich nicht getrennt hat, sondern eine Pause erbittet, in der sie die Dinge für sich sortieren und strukturieren kann. 3 Wochen sind keine unerträglich lange Zeit, das ist völlig in Ordnung.
Jetzt zu Dir:
Deine Gefühle, Deine Ängste, Deine Hoffnungen: ich verstehe sie alle. Du liebst sie und eine harmonische Beziehung wünschen wir uns alle. Jeder von uns will einfach lieben dürfen, wen er liebt, und am liebsten wollen wir alle zurückgeliebt werden.
Das ist ganz klar und das ist auch in Deinem Fall weder verwerflich noch ein Unding von Dir. Das ist völlig ok so und ich kann Deinen Kummer schon nachvollziehen.
Es gibt ein Aber:
Du müsstest mal die Perspektive wechseln.
Ich habe versucht, Dir die Situation Deiner Freundin aufzuzeigen, wie sie möglicherweise war/ist. Versuch mal, Dich in sie hineinzuversetzen. Wenn Du in ihrer Situation wärst, allein in Sachen Sinnkrise: würdest Du Deine Beziehung (Perspektivwechsel würde auch bedeuten, dass sie sich so verhält wie Du Dich ihr gegenüber verhältst) als Belastung empfinden? Wäre da zu viel Erwartung? Zu viel Forderung? Könnte man da den Druck rausnehmen und eher Angebote machen, die nichts mit einem selbst zu tun haben, sondern mal einfach nur dem anderen helfen sollen?
Versuch mal zu überlegen, wie Du Dein Problem an ihrer Stelle lösen wollen würdest. Natürlich seid Ihr unterschiedliche Menschen und es ist immer schwer, sich in eine rein fiktive Situation zu versetzen. Aber ein bisschen gelingt das doch und macht wenigstens teilweise Dinge zugänglich, die im anderen vorgehen.
Versuch mal, empathisch zu sein. Denn in Deinem gesamten sehr langen und leider ohne Absätze ziemlich schwer lesbaren Text habe ich kein einziges empathisches Wort gelesen. Du hast nie etwas darüber geschrieben, wie sie sich gefühlt hat. Es ging immer nur um Dich.