Liebe mittendrin,
Du hast Recht, das alles ist keine Basis für etwas Neues.
Wenn Du es schaffst, Dich abzuseilen, dann tu es.
Notfalls mit therapeutischer Hilfe.
Ich hatte heute einen echt besch... Tag.
Doch langsam verzieht sich der Nebel.
Mir wird immer klarer, dass es stimmt, dass das Gefühl von Kontrolle eines unserer Grundbedürfnisse ist. Es spielt dabei keine Rolle, dass es "Kontrolle" im objektiven Sinne nicht gibt.
Egal ob Paarbeziehung oder Freundschaft - wir entwickeln
immer Erwartungen an das Verhalten unserer Mitmenschen. Wir haben das Gefühl von Kontrolle, wenn diese erfüllt werden. Wenigstens erwarten wir ein gewisses Mitspracherecht bei Änderungen, eine Information.
Wir reagieren immer verletzt, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden. Das fängt schon im allerkleinsten an. Wenn die nette Frau Müller, die uns auf dem Flur immer grüsste, das auf einmal einstellt, dann ist das unangenehm. Wir schaffen es oft eine Weile, das Gefühl in der Schwebe zu halten. Vielleicht sagen wir uns, Frau Müller hatte einen schlechten Tag. Aber wenn sie damit fortfährt, reagieren wir irgendwann verletzt und wütend.
Wieviel schlimmer trifft es uns da, wenn Menschen, die wir sehr eng an uns herangelassen haben, sprunghaft sind. Du bist - offenbar wie ich - jemand der lange versucht zu reparieren. Einen anderen nicht einengen will. Freiraum gibt. Du hast, ebenso wie ich, die Bereitschaft eine Beziehung in eine neue Form zu gießen. Das finde ich wunderbar. Ich glaube, wir beide haben das Zeug, die wirklich tollsten Freundinnen der Welt zu sein für die Menschen, die wir lieben.
Aber offenbar verschwenden wir uns derzeit beide am falschen Objekt. Es sind Menschen, die aufgrund ihrer Ängste selber ein grosses Kontrollbedürfnis haben, und daher viel verlangen. Umgekehrt aber nicht in der Lage sind, auch nur halb soviel zu geben.
Vielleicht bin ich ungerecht gegenüber Deinem Freund, aber im Moment kommt es mir so vor, als ob dieses Weinen vor Deinen Augen vor allem dem Kontrollverlust geschuldet war.
Bei mir und meinem Ex war die "gute" freundschaftliche Phase eine Zeit, in der sich eine gewisse Regelmässigkeit zwischen uns etabliert hatte. Eine gewisse gegenseitige Verfügbarkeit.
(Da ich schon die Unkenrufe höre, möchte ich hier nochmal betonen - da war nichts übertriebenes, nichts, was ich in anderen Freundschaften nicht auch und sogar in stärkerem Umfang erleben würde.) Für ihn aber war es zuviel. Er hat den Kontakt abgebrochen, weil er es schlicht nicht erträgt, sich für andere verlässlich verfügbar zu machen. Egal in welchem Umfang, egal ob es nur Freundschaft ist. Er packt das nicht.
Mir wird auch zunehmend klarer, was dieser Bocksprung mit mir gemacht hat.
Es geht hier nicht nur darum, dass ein paar alte, verletzte Gefühle aufgewirbelt werden. Das zwar auch und es ist schlimm genug. Aber der Kern ist, dass er mir erneut das Gefühl von Kontrollverlust in meinem Leben vermittelt hat. Nachdem ich lange Jahre mit ihm zusammen war, ist das inzwischen pures Gift für mich.
(Sch....muster. Ich sag' es ja)Ich lass es hier mal gut sein.
Mittendrin, ich wünsche Dir, dass dieser Termin bei dem Therapeuten gut für Dich läuft.
Wenn nicht, suche Dir einen anderen, der Dir hilft, das zu stoppen.
Hör auf Dein Bauchgefühl
Liebe Grüsse